Bonsai natürlich düngen: Hornspäne, Kompost und Jauche richtig einsetzen
- Hornspäne oder Hornmehl kannst du schon vor dem Pflanzen in torffreie Gefäßerde mischen; Hornspäne liefern Stickstoff langsamer als Hornmehl.
- Organische Dünger wirken erst, wenn Mikroorganismen sie abgebaut haben, und niedrigere Temperaturen verzögern die Wirkung.
- Reiner Kompost ist als Gefäßsubstrat zu nährstoffreich; Holzasche aus privaten Feuerstätten ist kein empfehlenswerter Dünger.
- Jede Düngerlösung, auch selbst angesetzte Jauche, kommt nur auf bereits feuchte Erde.
- Auch natürliche Dünger können überdüngen: Dann stellst du das Düngen ein und tauschst bei Bedarf einen Teil der Erde aus.

Du willst deinen Bonsai mit Hornspänen, Kompost oder selbst angesetzter Jauche versorgen statt mit fertigem Mineraldünger. Dabei geht leicht in zwei Richtungen etwas schief: Der Dünger wirkt langsamer als gedacht, oder es wird trotz Naturdünger zu viel. Ich gehe deshalb bei jedem Baum in derselben Reihenfolge vor: erst nachsehen, was schon in der Erde steckt, dann den Ballen anfeuchten, dann düngen.
Organische Dünger wie Hornspäne enthalten organisch gebundene Nährstoffe. Mikroorganismen müssen sie erst abbauen, bevor die Wurzeln etwas davon aufnehmen können. Diesen Vorgang nennt man MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden., und niedrigere Temperaturen verzögern die Wirkung organischer LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger..
Welche Nährstoffe ein Bonsai braucht
Stickstoff braucht dein Baum für Blatt- und Triebwachstum, Phosphor für den Energiehaushalt und Kalium für den Wasserhaushalt. Weil Bonsai keine eigene Baumart ist, sondern eine Kultur- und Gestaltungsform verschiedener Pflanzenarten, richtet sich der Bedarf nach deiner Art. Die Grundlagen zu Haupt- und Spurennährstoffen findest du im Abschnitt Düngen des Zimmerpflanzen-Ratgebers, die Wahl der Düngerart nach Baumart und Substrat im Beitrag dazu, welcher Dünger grundsätzlich zum Bonsai passt.
Welche natürlichen Dünger zum Bonsai passen
Hornspäne und Hornmehl: Stickstoff zum Einmischen
Horn nehme ich, wenn ein Baum organischen Stickstoff für Blatt und Trieb bekommen soll. Mischst du deinem Bonsai eine torffreie Erde, kannst du Hornspäne oder Hornmehl als vorbeugende Stickstoffversorgung schon vor dem Pflanzen einmischen. Der Unterschied zwischen beiden liegt im Tempo: Hornspäne liefern den Stickstoff langsamer als Hornmehl.
Für Wurzelarbeiten mit neuem Eintopfen wird bei Bonsai das Frühjahr vor dem Neuaustrieb empfohlen, und Horn lässt sich schon vor dem Pflanzen in die Erde mischen. Der Umtopftermin im Frühjahr ist also der naheliegende Moment für Hornspäne. Ich mische Horn nur unter, wenn der Baum ohnehin aus der Schale kommt, und schreibe das Datum auf das Etikett. Den Vorrat behalte ich danach im Blick, denn die GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. im Substrat zählt beim Nachdüngen mit.
Kompost und Wurmhumus: Anteil, keine Füllung
Kompost ist für den Bonsai eine Zutat, keine Topffüllung. Reiner Kompost ist als Gefäßsubstrat zu nährstoffreich. Bei kalkempfindlichen Arten wie Azaleen kann er außerdem wegen seines hohen pH-Werts ungeeignet sein. Für kalkempfindliche Topfpflanzen gibt es speziell abgestimmte Azaleen- oder Moorbeetsubstrate.
Als Anteil einer torffreien Mischung taugt gütegesicherter Substratkompost, zusammen mit Holzfasern, RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt., Kokosmaterial und mineralischen Zuschlägen. Wurmhumus behandle ich genauso: Er kommt als organischer Anteil in die Mischung, nicht pur in die Schale. Ich mische nur so viel an, wie ich beim Umtopfen brauche. Bei längerer Lagerung torffreier Erden kann die Freisetzung organisch gebundener Nährstoffe nämlich den Salzgehalt erhöhen.
Brennnesseljauche und Komposttee selbst ansetzen
Wer Bonsai-Dünger selber machen will, kann BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. ansetzen. Die Jauche ist ein altes Hausmittel aus dem Garten, und ihr wird nachgesagt, vor allem Stickstoff zu liefern. Einen festen Nährstoffgehalt hat ein selbst angesetzter Eimer nicht, weil er von Pflanzenmaterial und Ansatz abhängt.
So setzt du die Jauche an:
- Frische Brennnesseln mit Handschuhen schneiden und zerkleinern.
- Das Grün in einen Eimer aus Kunststoff geben und mit Regenwasser auffüllen.
- Den Eimer mit einem luftdurchlässigen Tuch abdecken und draußen aufstellen, denn der Ansatz riecht.
- Umrühren und dabei hinschauen: Solange Bläschen aufsteigen, gärt die Jauche noch.
- Die fertige Jauche durch ein feines Sieb abseihen und die Reste auf den Kompost geben.
- Vor dem Gießen mit Wasser verdünnen und nur auf bereits feuchte Erde geben.
Ich fange vorsichtig an, gieße die verdünnte Jauche auf den angefeuchteten Ballen und schaue mir danach Blattfarbe und neue Triebe an. Ein EC-Messgerät zeigt dir die gesamte gelöste Salzbelastung der Lösung, aber nicht die Mengen einzelner Nährstoffe. Wie Fortgeschrittene mit solchen Werten arbeiten, beschreibt der Beitrag dazu, wie du die Düngung mit Messwerten fein abstimmst.
Als Blattdünger setze ich Jauche nicht ein. BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. kann zwar Nährstoffe zuführen, ist aber wegen möglicher Verbrennungen und fehlender nachhaltiger Wirkung nur begrenzt einsetzbar.
KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. entsteht ähnlich: Du weichst reifen Kompost in Wasser ein, filterst die Flüssigkeit ab und gießt sie verdünnt auf feuchte Erde. Auch hier gilt: ansetzen, beobachten, nachsteuern.
Gekaufte organische Dünger
Blutmehl, Knochenmehl, Bokashi oder fertige organische Flüssigdünger sind ebenfalls organisch gebunden. Auch ihre Nährstoffe werden erst nach dem Abbau durch Mikroorganismen verfügbar. Organisch-mineralische Dünger kombinieren organisch und mineralisch gebundene Nährstoffe in einem Produkt. Bei allem, was du kaufst, richtest du die Dosierung nach der Anweisung auf der Packung.
Holzasche aus privaten Feuerstätten wie Kamin oder Ofen gehört nicht in die Bonsaischale. Die Asche kann mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein und ist deshalb kein empfehlenswerter Dünger.
So gibst du natürlichen Dünger
Gedüngt wird nur, solange dein Baum wächst. Für viele Zimmerpflanzen wird in der Wachstumsphase im Frühling und Sommer eine Flüssigdüngung alle 2 bis 4 Wochen empfohlen. Bei wenig Winterlicht brauchen Zimmerpflanzen weniger Nährstoffe, auch im warmen Raum; wächst der Baum lichtbedingt nicht, ist zusätzliche Düngung nicht angezeigt. Wie du den Rhythmus durchs Jahr legst, zeigt der Beitrag dazu, wie du Bonsai im Jahreslauf düngst.
Ist der Ballen trocken, gießt du zuerst. Düngerlösung gehört auf bereits feuchtes Substrat, weil sie sonst die Wurzeln schädigen kann.
Wann dein Zimmerbonsai Wasser braucht, hängt unter anderem an Lichtangebot und Zimmertemperatur. Ich hebe die Schale vor dem Gießen an, weil ihr Gewicht zeigt, wie feucht der Ballen ist. Wie du den Gießzeitpunkt prüfst, steht im Zimmerpflanzen-Ratgeber im Abschnitt zum Gießen.
Bei gekauften Düngern steht die Menge auf der Packung. Selbst Angesetztem fehlt diese Angabe, deshalb richtest du dich nach dem Bedarf, den dein Baum zeigt: neue Triebe, Blattfarbe, Wuchs. Hast du in vorgedüngte Erde umgetopft, zählt dieser Vorrat mit. Kübelpflanzen in vorgedüngter Blumenerde brauchen gewöhnlich während der ersten 4 bis 6 Wochen keine zusätzliche Düngung.
Jauche auf einen ausgetrockneten Ballen gießen, weil der Baum durstig aussieht. Gieß zuerst durchdringend mit klarem Wasser und gib die Düngerlösung erst, wenn das Substrat feucht ist.
Wächst der Baum gerade? Ist der Ballen feucht? Steckt schon Horn oder vorgedüngte Erde in der Schale? Kennst du die Packungsangabe, oder tastest du dich bei selbst Angesetztem heran? Hast du notiert, was du gegeben hast?
Woran du merkst, dass etwas nicht passt
Gelbe Blätter mit Blattfall können auf Nährstoffmangel hindeuten. Genauso können Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. dahinterstecken. Ich prüfe deshalb erst Standort und Feuchte, bevor ich nachdünge. Auch ein zur Art unpassender pH-Wert kann die Nährstoffaufnahme begrenzen, obwohl genug Nährstoffe im Substrat sind. Wie du die Zeichen auseinanderhältst, beschreibt der Beitrag dazu, woran du Nährstoffmangel am Bonsai erkennst.
Manchmal liegt es an der Erde. Bonsais brauchen ein wasserdurchlässiges Substrat, und stark verklumpende, verhärtete Lehmerde kann die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen behindern. Welche Mischung passt, zeigt der Beitrag dazu, wie du Bonsai-Erde mischst und pflegst; die Grundlagen zu Substrat und pH-Wert stehen im Zimmerpflanzen-Ratgeber.
„Mit natürlichem Dünger kann man nicht überdüngen.“ Das stimmt nicht. Auch die Freisetzung von Nährstoffen aus organischen Düngern kann zu Überversorgung und erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen.
Hast du überdüngt, stellst du das Düngen ein. Bei Bedarf topfst du um und tauschst dabei einen Teil der alten Erde aus. Weitere Stolperstellen sammelt der Beitrag dazu, welche Fehler beim Bonsai-Düngen häufig passieren.
Für jeden Baum führe ich eine Karteikarte. Darauf steht, wann ich was gegeben habe, ob der Ballen vorher feucht war und wie Blattfarbe und Triebe beim nächsten Hinsehen aussehen.

