Nährstoffbalance für Bonsai-Wurzeln: was in der Erde steckt und wie es sich verändert
- Bonsai ist keine Baumart, sondern eine Gestaltungsform, deshalb gibt es keine einheitliche Nährstoffformel für Bonsaierde.
- Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel zählen zu den Hauptnährstoffen.
- Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän gehören zu den Spurennährstoffen.
- Organisch gebundene Nährstoffe werden erst durch Mikroorganismen nach und nach verfügbar.
- Nitrat ist stärker auswaschungsgefährdet als an Bodenkolloide gebundenes Ammonium.
- Bei wenig Winterlicht brauchen Zimmerpflanzen weniger Nährstoffe, auch im warmen Raum.

Du willst wissen, welche Nährstoffe in Bonsaierde gehören und in welchen Anteilen? Eine feste Prozentformel hilft dir dabei wenig, denn sie kennt weder deinen Baum noch die Grunddüngung in deiner Erde. Ich prüfe deshalb zuerst das Substrat und den Zustand des Baums, bevor ich zum Dünger greife. Hier erfährst du, welche Nährstoffe ein Bonsai braucht, wofür er sie einsetzt und wie sich ihr Angebot in der Schale mit der Zeit verändert.
Was Bonsaierde leisten muss
Bonsais brauchen ein wasserdurchlässiges Substrat, das trotzdem langfristig Wasser speichert, den Überschuss ableitet und genug Luft an die Wurzeln lässt. Stark verklumpende und verhärtende Lehmerde kann bei Bonsais die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen behindern. Woraus Bonsaierde besteht, liest du im Ratgeber dazu, was die einzelnen Bestandteile der Bonsaierde leisten. Welche Mischung zu welchem Baum passt, zeigt der Ratgeber, wie du die passende Bonsaierde-Mischung für deinen Baum findest.
Warum es keine feste Nährstoffformel für Bonsaierde gibt
Bonsai ist keine eigene Baumart, sondern eine Kultur- und Gestaltungsform für verschiedene Pflanzenarten. Gedüngt wird dabei nach dem Bedarf der jeweiligen Pflanze. Zusammen ergibt das: Eine Prozentvorgabe, die für jede Bonsaierde passt, kann es nicht geben, weil in jeder Schale eine andere Art mit eigenem Bedarf stehen kann.
Dazu kommt, was die Erde schon mitbringt. Bei der Nachdüngung von Topfpflanzen berücksichtigst du die Grunddüngung, die bereits im Substrat enthalten ist. Wie viel Dünger du dann gibst, richtet sich nach der Dosierungsanweisung auf der Verpackung.
Auch eine Messung liefert dir keine fertige Rezeptur. Eine Substratanalyse ist eine Momentaufnahme. Aussagekräftig wird sie erst zusammen mit dem Zustand der Pflanze, der Wachstumsphase und der Zusammensetzung des Substrats.
Der EC-WertDie Leitfähigkeit, oft als EC-Wert angegeben, ist ein Messwert für die Menge gelöster Salze, etwa Düngesalze, in Erde oder Wasser. Gemessen wird, wie gut die Probe Strom leitet: Je mehr Salze gelöst sind, desto höher der Wert. beschreibt in mS/cm die elektrische Leitfähigkeit aller gelösten Salze aus Gießwasser und Dünger. Er zeigt die gesamte Salzbelastung, aber nicht, wie viel Stickstoff, Phosphor oder Kalium darin steckt. Auch die Temperatur beeinflusst den Wert. Vergleichbar sind Messungen mit Einstichelektroden nur bei kontrollierter Substratfeuchte, gleicher Einstichtiefe und einem geprüften Messgerät.
Stickstoff, Phosphor und Kalium: wofür dein Bonsai sie braucht
Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) zählen zu den Hauptnährstoffen. Jeder der drei übernimmt in der Pflanze eine eigene Aufgabe.
Stickstoff für Blätter und Triebe
Stickstoff braucht dein Bonsai für das Wachstum von Blättern und Trieben. Die Pflanze baut daraus Eiweiße und ChlorophyllChlorophyll, auch Blattgrün genannt, ist der grüne Farbstoff in den Blättern. Im Sommer überdeckt es gelbe und rötliche Blattfarbstoffe; wird es im Herbst abgebaut, verfärbt sich das Laub. auf. In der Erde liegt Stickstoff unter anderem als Nitrat und als Ammonium vor. Beide verhalten sich beim Gießen unterschiedlich, wie du weiter unten siehst.
Phosphor für den Energiehaushalt
Phosphor ist Bestandteil pflanzlicher Energieträger wie ATP. Damit übernimmt er eine zentrale Aufgabe im Energiehaushalt deines Baums. Seine Verfügbarkeit kann sinken, wenn Gießwasser mit hohem Hydrogencarbonatgehalt den pH-Wert anhebt.
Kalium für den Wasserhaushalt
Kalium wirkt bei der Regulation des Wasserhaushalts mit. Auch an der Steuerung der Spaltöffnungen ist es beteiligt.
Calcium, Magnesium, Schwefel und die Spurennährstoffe
Neben Stickstoff, Phosphor und Kalium zählen auch Calcium, Magnesium und Schwefel zu den mineralischen Hauptnährstoffen. Magnesium ist ein Baustein des Chlorophylls und damit für die PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. unentbehrlich. Auch das Gießwasser kann Nährstoffe liefern: Bei der Planung einer NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln. werden Calcium und Magnesium aus dem Wasser angerechnet.
Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. zählen zu den Spurennährstoffen. Bei ihnen kommt es nicht nur darauf an, ob sie in der Erde vorhanden sind. Gießwasser mit hohem Hydrogencarbonatgehalt kann wie beim Phosphor auch die Verfügbarkeit von Eisen, Mangan und Bor vermindern.
Gelbe Blätter deuten nicht automatisch auf einen Nährstoffmangel hin. Vergilbung mit Blattfall kann bei Zimmerpflanzen auch durch Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress entstehen. Ob wirklich ein Mangel dahintersteckt, klärst du mit dem Ratgeber dazu, woran du Nährstoffmangel am Bonsai erkennst und wie du gegensteuerst.
Wie sich das Nährstoffangebot in der Schale mit der Zeit verändert
Frisch eingetopft startet dein Bonsai mit dem, was das Substrat an Grunddüngung mitbringt. Von da an verändert sich das Angebot: Nährstoffe werden frei, werden ausgewaschen oder reichern sich als Salze an. Auch der Bedarf deines Baums bleibt übers Jahr nicht gleich.
Beim Eintopfen schreibe ich mir auf, welches Substrat und welchen Dünger ich verwendet habe. Bevor ich später dünge, lese ich dort nach und hebe die Schale an. Dabei sehe ich mir auch an, ob der Baum gerade neue Triebe schiebt.
Organische Bestandteile geben Nährstoffe nach und nach frei
Organisch gebundene Nährstoffe stehen nicht sofort bereit. Erst bauen Mikroorganismen sie ab, und durch diese MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. werden sie nach und nach pflanzenverfügbar. Hornspäne liefern ihren Stickstoff dabei langsamer als Hornmehl. In torffreie Gefäßerde kannst du beides schon vor dem Pflanzen einmischen, um die Stickstoffversorgung vorbeugend anzulegen.
Zu viel ist dabei ebenfalls möglich. Auch Nährstoffe aus organischen Düngern können zu einer Überversorgung und zu erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen. Reiner Kompost ist als Gefäßsubstrat zu nährstoffreich, und bei kalkempfindlichen Pflanzen kann sein hoher pH-Wert zusätzlich stören.
Selbst im Sack läuft die Freisetzung weiter. Bei längerer Lagerung torffreier oder torfreduzierter Erde kann sie den Salzgehalt erhöhen. Übrig gebliebenes Substrat lagerst du dunkel, kühl und trocken.
Wärme und Feuchte bestimmen das Tempo
Bei umhüllten Depotdüngern hängt die NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. von Feuchtigkeit und Temperatur ab. Niedrigere Temperaturen verzögern die Wirkung organischer wie mineralischer Langzeitdünger.
Das Gießwasser kann Nitrat mitnehmen
Nitrat ist in der Bodenlösung beweglicher als Ammonium, das an Bodenkolloide gebunden ist, und stärker auswaschungsgefährdet. Gleichzeitig braucht dein Bonsai ein wasserdurchlässiges Substrat, das du nach dem Antrocknen durchdringend wässerst. Läuft dabei Wasser unten aus der Schale, kann es also einen Teil des Nitrats mitnehmen.
Im lichtarmen Winter braucht dein Bonsai weniger
Bei geringerem Winterlicht benötigen Zimmerpflanzen weniger Wasser und Nährstoffe, auch wenn der Raum warm bleibt. Der Wasserbedarf eines Zimmerbonsais hängt unter anderem vom Lichtangebot und von der Zimmertemperatur ab. Wächst dein Baum lichtbedingt nicht weiter, ist zusätzliche Düngung nicht angezeigt. Als grobe Orientierung für die Hauptwachstumszeit gängiger Zimmerpflanzen gilt März bis Oktober.
Die Struktur entscheidet mit, was ankommt
Auch die Struktur des Substrats bestimmt, ob Nährstoffe bei den Wurzeln ankommen. Strukturstabile Gefäßsubstrate beugen Verdichtung und VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen. im unteren Topfbereich vor. Bleibt der Ballen anhaltend nass, kann Sauerstoffmangel die Wurzeln absterben lassen. Der Baum wirkt dann trotz feuchter Erde wie vertrocknet.
Zu viel Salz zurücknehmen
Steigt der Salzgehalt durch Überdüngung, stellst du das Düngen ein. Bei Bedarf topfst du um und tauschst dabei einen Teil der alten Erde aus.
So schätze ich das Nährstoffangebot in der Schale ein:
- Beim Kauf den Wurzelballen kontrollieren, denn ungeeignete Erde kann einen sofortigen Substratwechsel nötig machen.
- Die Schale vor und nach dem Gießen anheben und den Feuchtezustand am Gewicht einschätzen.
- Bei torffreier Erde auch die Feuchte im unteren Bereich prüfen, weil die Oberfläche schneller austrocknen kann.
- Prüfen, ob der Baum gerade wächst oder lichtbedingt stillsteht.
- Gelbe Blätter nicht vorschnell als Nährstoffmangel deuten.
Was pH-Wert, Umtopfen und Düngen damit zu tun haben
Ob die Nährstoffe bei den Wurzeln ankommen, hängt auch am pH-Wert: Passt er nicht zur Pflanzenart, kann er die Aufnahme begrenzen, obwohl genug davon vorhanden ist. In Zierpflanzensubstraten kann ein pH-Wert unter 5 die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Kalium vermindern. Wie Substrat und pH-Wert zusammenhängen, erklärt die Zimmerpflanzen-Pflege im Abschnitt zu Substrat, pH-Wert und Hydrokultur.
Wurzelarbeiten mit erneutem Eintopfen legst du beim Bonsai ins Frühjahr vor dem Neuaustrieb. Ein Wurzelschnitt regt dabei die Verzweigung der Versorgungswurzeln an. Wie das Umtopfen abläuft und welches Gefäß passt, findest du in derselben Pflegeübersicht unter Umtopfen und Gefäßwahl.
Für viele Zimmerpflanzen wird in der Wachstumsphase im Frühling und Sommer eine Flüssigdüngung alle 2 bis 4 Wochen empfohlen. Die Düngerlösung gibst du auf bereits feuchtes Substrat, um Wurzelschäden zu vermeiden. Wie du übers Jahr düngst, beschreibt der Abschnitt Düngen in derselben Übersicht.

