Blumen · Sommerblumen & Einjährige · Wissen

Kapuzinerkresse zur Bodensanierung: Was sie aufnimmt und wo die Grenzen liegen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • In Feldversuchen nahm Kapuzinerkresse Cadmium in die Blätter auf, Stickstoffdüngung erhöhte den Gehalt.
  • Aufgenommene Schwermetalle lassen sich nicht abwaschen. Kresse von belastetem Boden gehört nicht in die Küche.
  • Ob ein Boden belastet ist, muss eine Bodenuntersuchung klären. Bei Verdacht ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig.
  • Bei der Phytoextraktion wird die belastete Biomasse gesammelt und fachgerecht entsorgt.
  • Den Erfolg zeigen nur Messungen von Biomasse, Schadstoffgehalten in Pflanze und Boden und Entzugsraten.
  • Kapuzinerkresse ist einjährig und nicht winterhart, kletternde Sorten können mit langen Trieben andere Pflanzen unterdrücken.
Kapuzinerkresse mit orangeroten Blüten zwischen runden, schildförmigen Blättern mit hellen Adern
Foto: Hans · Pixabay Content License · Quelle ↗

Vielleicht soll aus dem Streifen an der alten Garagenzufahrt ein Blumenbeet werden, und du hast gelesen, dass Kapuzinerkresse belasteten Boden reinigt. Bevor du säst, lohnt ein genauer Blick, denn die Kresse ist essbar und wandert schnell in den Salat. Genau dort liegt das Risiko, wenn der Boden Schadstoffe enthält. Wenn mich jemand nach so einer Fläche fragt, will ich zuerst wissen, was dort früher stand.

Was die Kapuzinerkresse nachweislich tut, ist schnell erzählt: Sie nimmt Cadmium in ihre Blätter auf. Daraus entsteht leicht die Geschichte vom grünen Bodenreiniger. Was davon stimmt, wie du bei einem Verdacht vorgehst und wo die Pflanze an Grenzen stößt, zeige ich dir hier.

Phytoremediation kurz eingeordnet

Phytoremediation heißt, belastete Böden mit Hilfe von Pflanzen zu sanieren. Wie das grundsätzlich funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Liebeshainblume als Helferin bei der Bodensanierung. Hier geht es um die Frage, was die Kapuzinerkresse dazu beitragen kann.

Giftig für Haustiere?
Angaben für die Gattung Tropaeolum
Hund
Ungiftig
Katze
Ungiftig
Pferd
Ungiftig
Ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Tierarzt kontaktieren. Quelle: ASPCA Toxic Plants · Stand 2026-07-11

Empfehlungen für den Garten

Standort und Boden

Bodenart

Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.

Bodenreaktion

Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.

Substrat

Geeignet ist nährstoffarmer, gut durchlässiger Boden.

Anbauort

Je nach Sorte ist die Kultur im Hochbeet, im Topf oder im Kübel möglich.

Pflege

Pflege

Trockenheit vermeiden. Sehr nährstoffreicher Boden fördert üppige Blätter, aber weniger Blüten; ärmerer Boden begünstigt die Blütenbildung.

Düngung

Für reichen Blütenflor nährstoffarm kultivieren; zu nährstoffreicher Boden fördert Blätter auf Kosten der Blüten.

Lebensform und Verwendung

Lebensform

Die Pflanze ist einjährig.

Verwendung

Je nach Sorte: Die Pflanze eignet sich für Beet und Balkon. Die Pflanze dient Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle.

Aussaatkalender Große Kapuzinerkresse
GartenkalenderVorkultur: März, April, Mai; Aussaat: April, Mai, Juni; Blüte: Juni, Juli, August, September, Oktober; Ernte: Juni, Juli, August, September, OktoberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberBlüte: OktoberErnteErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberVorkulturAussaatBlüteErnte

Was Kapuzinerkresse mit Schadstoffen im Boden macht

In Feldversuchen erhöhte Stickstoffdüngung auf beiden untersuchten Standorten den Cadmiumgehalt in Kapuzinerkresseblättern. Die Pflanze holt das Schwermetall also aus dem Boden in genau die Blätter, die du sonst für Salat oder Kräuterquark erntest. Waschen hilft dagegen nicht, denn Schwermetalle, die eine Pflanze aus dem Boden aufgenommen hat, lassen sich nicht abwaschen. Ob dein Boden überhaupt Schadstoffe enthält, muss eine Bodenuntersuchung klären. Ich säe Kapuzinerkresse für die Küche deshalb nur auf Beeten, deren Boden ich kenne.

Achtung

Junge Blätter, Blüten und Knospen der sicher bestimmten Kapuzinerkresse sind essbar. Von belastetem oder verdächtigem Boden gehören sie trotzdem nicht auf den Teller, weil Schadstoffe über Pflanzen in Lebensmittel gelangen können. Auch als Tierfutter taugt Schnittgut von solchen Flächen nicht.

Hyperakkumulation: Das Prinzip der Schadstoffanreicherung

Hinter dem Begriff steckt die Idee, dass eine Pflanze Schadstoffe in ihren erntbaren Teilen anreichert und man sie mit dem Schnittgut vom Boden wegbringt. Ob das gelingt, zeigt nicht der Blick ins Beet, sondern die Messung. Zur Kontrolle werden die Biomasse, die Schadstoffgehalte in Pflanze und Boden und die daraus berechneten Entzugsraten erfasst. Ein hoher Gehalt in den Blättern sagt deshalb allein wenig darüber, wie viel eine Fläche verliert. Die Entzugsrate ergibt sich erst zusammen mit der Masse, die geerntet und abgefahren wird. Mehr zum Prinzip steht im Liebeshainblumen-Ratgeber.

Mythos-Check

„Ein Beet voll Kapuzinerkresse zieht die Schwermetalle aus dem Gartenboden.“ Gezeigt ist, dass die Kresse Cadmium in ihre Blätter aufnimmt. Wie viel davon den Boden tatsächlich verlässt, hängt an Erntemasse, Gehalten und fachgerechter Entsorgung und zeigt sich nur in Messungen. Das Beet ersetzt keine Bodenuntersuchung.

Anzeigen

Anwendungsbereiche und Methoden: entziehen oder festhalten

Pflanzen können auf zwei Wegen mit belastetem Boden arbeiten. Phytoextraktion entzieht dem Boden Schadstoffe, Phytostabilisierung verringert deren Verlagerung durch Auswaschung und Erosion. Was über die Kapuzinerkresse bekannt ist, betrifft den ersten Weg.

Phytoextraktion: Schadstoffe mit dem Schnittgut abfahren

Bei der Phytoextraktion zählt, was in die erntbaren Pflanzenteile wandert. Für die Kapuzinerkresse ist das Cadmium in den Blättern. Diese schadstoffbelastete Biomasse muss gesammelt und fachgerecht entsorgt werden, sonst verlassen die Schadstoffe die Fläche nicht. Kletternde Sorten können bis zu 2,5 m lange Triebe bilden, und jeder davon gehört am Ende mit zur Ernte. Weil die Kresse einjährig und nicht winterhart ist, säst du eine Fläche jedes Jahr neu, wenn sie länger bepflanzt bleiben soll.

Phytostabilisierung: den Boden an Ort und Stelle halten

Bei diesem Weg geht es nicht um Entzug. Ziel ist, dass Schadstoffe weniger ausgewaschen und weniger mit abgetragenem Boden verlagert werden. Grüneinsaaten über Winter schützen geräumte Beete vor Abschwemmung und halten den Boden mit ihren Wurzeln locker. Kapuzinerkresse ist nicht winterhart, als schützender Bewuchs für den Winter fällt sie damit aus.

Wo der Einsatz im Hausgarten endet

Schadstoffe aus belasteten Böden können über Pflanzen in Lebensmittel oder Tierfutter gelangen. Ein Beet, auf dem Kapuzinerkresse zur Sanierung wächst, ist deshalb kein Küchenbeet und kein Futterbeet. Bei einer Schadstoffbelastung des Bodens oder einem entsprechenden Verdacht ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Dort fragst du nach, bevor du auf eigene Faust etwas versuchst. Professionelle Bioindikation arbeitet mit festgelegten Erhebungsverfahren. Sie kann durch Untersuchungen der Schadstoffbelastung von Pflanzen ergänzt werden, und genau dieses Messprogramm fehlt einem Kressebeet im Garten.

Praktische Umsetzung: so gehst du bei einem Verdachtsbeet vor

Erst klären, dann säen

Am Anfang steht die Bodenuntersuchung, denn ob ein Gartenboden mit Schadstoffen belastet ist, muss eine Untersuchung klären. Die Kapuzinerkresse selbst ersetzt sie nicht. Eine einzelne Zeigerpflanze erlaubt noch keine verlässliche Standortbeurteilung. Schon für Nährstoffe und pH-Wert liefert eine Laboranalyse genauere Angaben als die Beobachtung von Zeigerpflanzen. Welche Hinweise ihr Wachstum auf pH-Wert, Nährstoffe und Bodenstruktur geben kann, steht im Ratgeber zur Kapuzinerkresse als Zeigerpflanze für deinen Gartenboden. Gelbe Blätter können schlicht auf einen zu trockenen Stand hindeuten, einen Schadstoffbefund liest du daraus nicht ab.

Mini-Checkliste

Notiere, was früher auf der Fläche stand. Lass den Boden untersuchen. Frag bei Belastung oder Verdacht die untere Bodenschutzbehörde. Entscheide erst danach, ob und wofür du dort säst.

Aussaat und Abstand

Kapuzinerkresse ist stark frostempfindlich, deshalb säst du sie von Mitte Mai bis Ende Juni direkt aus. Bei einer Vorkultur der Sorte ‘Rankende Mischung’ vereinzelst du auf eine Pflanze je Topf. Vorgezogene Kresse setzt du mit dem ganzen Erdballen um, sobald er gut durchwurzelt ist. Die übrigen Eckdaten stehen in der Tabelle.

Punkt Kapuzinerkresse
Direktsaat Mitte Mai bis Ende Juni
Saattiefe etwa 1–2 cm
Keimdauer 7–21 Tage
Abstand bei der rankenden Sorte ‘Rankende Mischung’ Sämlinge im Beet auf 30 × 40 cm vereinzeln, Triebe an Zaun, Spalier oder Pergola führen
Trieblänge kletternder Sorten bis zu 2,5 m
Blütezeit Juni bis Oktober
Lebensdauer einjährig, nicht winterhart

Wenn du weitere Sommerblumen säst, findest du ihre Saattermine in einem Kalender zum Ausdrucken.

Pflege: wenig Dünger, keine Trockenheit

Für reiche Blüte kultivierst du Kapuzinerkresse nährstoffarm, denn zu nährstoffreicher Boden fördert Blätter auf Kosten der Blüten. Stickstoffdüngung hob in den Feldversuchen zugleich den Cadmiumgehalt der Blätter. Wer auf fraglichem Boden kräftig düngt, bekommt also weniger Blüten und riskiert mehr Cadmium in den Blättern. Trockenheit vermeidest du, weil sich bei zu trockenem Stand gelbe Blätter bilden können. Ausführlich beschreibt ein eigener Ratgeber, wie du Kapuzinerkresse über die Saison pflegst, düngst und schneidest. Die artübergreifenden Grundlagen zu Standort, Boden, Gießen und Düngen von Sommerblumen fasst der Sommerblumen-Ratgeber zusammen.

Marias Erfahrung

Ich gieße Kapuzinerkresse bodennah und schaue dabei unter die Blätter. Blattläuse sitzen häufig an Blattunterseiten und Triebspitzen.

Ernten, messen, entsorgen

Auf einer Sanierungsfläche erntest du nicht für die Küche, sondern für die Abfuhr. Phytoextraktion soll dem Boden Schadstoffe entziehen; landet das Schnittgut auf dem Gartenkompost, kommen sie mit dem Kompost zurück ins Beet. Ich sammle Schnittgut von einer fraglichen Fläche deshalb getrennt und gebe es auch nicht an Kaninchen oder Hühner. Wie die belastete Biomasse fachgerecht entsorgt wird, klärst du mit der zuständigen Stelle. Ob sich am Boden etwas verändert hat, zeigt erst eine neue Messung.

Anzeigen

Ökologische Aspekte: was die Kresse auf der Fläche sonst bewirkt

Große Kapuzinerkresse gilt als Nahrungsquelle für Nützlinge und Insekten. Wer Bestäubern etwas bieten will, wählt ungefüllte Sorten wie die buschige B51, denn ungefüllte Blüten erleichtern Insekten den Zugang zu Nektar und Pollen.

Kapuzinerkresse kann besonders auf Baumscheiben als Lock- und Zeigerpflanze für schwarze Blattläuse dienen. Bei Befall spülst du die Läuse mit Wasser ab und schneidest dicht besetzte Triebe heraus. Marienkäfer sowie die Larven von Florfliegen und Schwebfliegen gehören zu den natürlichen Feinden der Blattläuse. Auch die Raupen des Großen Kohlweißlings fressen an der Kresse und hinterlassen Löcher in den Blättern.

Auf einer belasteten Fläche ändert das nichts an der Grenze aus der Küche: Blätter, Blüten und Schnittgut kommen dort weder auf den Teller noch in den Futtertrog. Wie du Kapuzinerkresse auf unbelastetem Boden als Begleitpflanze einsetzt, zeigt der Ratgeber zur Kapuzinerkresse in Mischkultur und Gemüsegarten.

Ist Kapuzinerkresse invasiv?

Im Garten wächst Große Kapuzinerkresse als einjährige Pflanze, die nicht winterhart ist. Sie ist zudem stark frostempfindlich, ihre Saison im Beet endet also mit dem Frost. Über den Sommer kann sie sich trotzdem breitmachen. Kletternde Sorten bilden bis zu 2,5 m lange Triebe und können damit andere Pflanzen unterdrücken. Deshalb planst du schon bei der Aussaat genug Raum für die endgültige Größe jeder Pflanze ein; dabei hilft es, die Beetfläche vorab zu planen. Ich lenke junge Triebe in den ersten Wochen an die Kletterhilfe und befestige sie dort vorsichtig. Eine Anleitung dazu, wie du Kapuzinerkresse an Zaun, Spalier oder Pergola hochziehst, findest du im eigenen Ratgeber.

Kosten, Dauer, Grenzen und Forschung in Kürze

Die allgemeinen Fragen zur Phytoremediation, also Kosten, Zeitbedarf und Forschungsstand, behandelt der Liebeshainblumen-Ratgeber. Hier steht nur, was davon die Kapuzinerkresse betrifft.

Alternative zu technischen Verfahren? Kapuzinerkresse ist schnell gesät, eine Sanierung entsteht aber erst durch Ernte, Abfuhr und Kontrollmessungen. Ansprechpartner für eine belastete Fläche bleibt die untere Bodenschutzbehörde.

Kosten: Zu einem Kressebestand gehören nicht nur Saatgut und Pflege. Ernte, fachgerechte Entsorgung der belasteten Biomasse und die Messungen kommen dazu.

Grenzen: Die Pflanze ist einjährig, nicht winterhart und kann bei zu trockenem Stand gelbe Blätter bilden. Kohlweißlingsraupen fressen an ihr, Blattläuse befallen sie, und weil Blätter und Blüten essbar sind, muss auf einer belasteten Fläche jeder im Haushalt wissen, dass dort nichts geerntet wird.

Forschung: In Feldversuchen erhöhte Stickstoffdüngung an beiden untersuchten Standorten den Cadmiumgehalt der Blätter. Was das für eine konkrete Fläche bedeutet, beantworten nur Messungen vor Ort.

Passendes Saatgutaus dem samen.live Shop
Sperli BIO Kapuzinerkresse
Sperli BIO Kapuzinerkresse
Zum Shop
Sperli Kapuzinerkresse SPERLI's Scharlachglanz
Sperli Kapuzinerkresse SPERLI's Scharlachglanz
Zum Shop
Sperli Kapuzinerkresse Glanzhybriden Mischung
Sperli Kapuzinerkresse Glanzhybriden Mischung
Zum Shop
Sperli Kapuzinerkresse Diamant des Abendlandes
Sperli Kapuzinerkresse Diamant des Abendlandes
Zum Shop

Häufige Fragen

Wie funktioniert die Phytoremediation mit Kapuzinerkresse bei der Bodensanierung?
Bei der Phytoextraktion entziehen Pflanzen dem Boden Schadstoffe, anschließend wird die belastete Biomasse gesammelt und fachgerecht entsorgt. Für Kapuzinerkresse zeigen Feldversuche, dass sie Cadmium in ihre Blätter aufnimmt. Wie viel sie einer Fläche tatsächlich entzieht, ergibt sich erst aus Messungen von Biomasse, Schadstoffgehalten in Pflanze und Boden und den daraus berechneten Entzugsraten.
Welche Schwermetalle kann Kapuzinerkresse aus dem Boden aufnehmen?
Für Kapuzinerkresse ist die Aufnahme von Cadmium in die Blätter aus Feldversuchen bekannt, und Stickstoffdüngung erhöhte den Gehalt dort an beiden untersuchten Standorten. Einmal aufgenommene Schwermetalle lassen sich nicht abwaschen. Kapuzinerkresse von belastetem oder verdächtigem Boden eignet sich deshalb nicht für Salat oder Kräuterquark.
Welche praktischen Schritte sind bei der Planung eines Phytoremediation-Projekts erforderlich?
Am Anfang steht eine Bodenuntersuchung, denn ob ein Boden mit Schadstoffen belastet ist, muss eine Untersuchung klären. Bei einer Belastung oder einem Verdacht ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Zu einer Phytoextraktion gehören außerdem Kontrollmessungen von Biomasse, Schadstoffgehalten in Pflanze und Boden und Entzugsraten sowie die fachgerechte Entsorgung der geernteten, belasteten Biomasse.
Zuletzt geprüft:
↑