Petuniensamen aussäen: Lichtkeimer richtig säen, pikieren und abhärten
- Petunien sind Lichtkeimer: Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken.
- Keimtemperatur: 22 bis 25 °C.
- Keimdauer: 6 bis 10 Tage.
- Nach dem Auflaufen hell und kühler weiterziehen, in einem Kulturverfahren bei 12 bis 16 °C.
- Pikieren, sobald nach den Keimblättern das erste Laubblatt sichtbar ist.
- Vor dem Auspflanzen abhärten: kühler stellen, mehr lüften, schrittweise an die Sonne gewöhnen.

Petuniensamen sind winzig und brauchen Licht, um zu keimen. Wer sie wie andere Samen mit Erde zudeckt, nimmt ihnen genau das. Ich säe meine Petunien deshalb in flache Schalen und lasse die Samen offen auf der feuchten Oberfläche liegen. Danach kommt es auf Wärme beim Keimen, einen kühlen und hellen Platz für die Sämlinge und ein behutsames AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. an. Hier gehe ich die Schritte in der Reihenfolge durch, in der sie auf meiner Fensterbank anfallen.
Was es heißt, dass Petunien Lichtkeimer sind
Lichtkeimer sind Samen, die zum Keimen Licht brauchen. Für die Aussaat heißt das: Die Petuniensamen bleiben auf der Erdoberfläche, du drückst sie nur an. Eine Saattiefe im üblichen Sinn gibt es bei Petunien also nicht. Wichtig ist, dass jedes Korn satt auf der feuchten Erde aufliegt und trotzdem Licht abbekommt.
Keimen Petuniensamen im Dunkeln besser? Nein. Als Lichtkeimer brauchen sie Licht, deshalb bekommen sie weder Erde noch eine dunkle Abdeckung. Eine durchsichtige Haube über der Schale ist dagegen in Ordnung.
Den Aussaattermin vom Auspflanzen her planen
Den Termin plane ich rückwärts. Petunien sind frostempfindlich und kommen erst ins Freie, wenn keine Fröste mehr drohen. Vorher stehen Keimung, Pikieren, Aufzucht und Abhärten auf dem Plan, und all das passiert drinnen. Welcher Monat für deine Aussaat passt und wann das Auspflanzen ansteht, zeigt der Ratgeber, was bei Petunien im Lauf des Jahres wann zu tun ist. Neben meiner Fensterbank hängt außerdem der druckbare Aussaatkalender für Sommerblumen, damit ich die Termine mehrerer Arten im Blick behalte.
Was du für die Aussaat brauchst
Saatgut: lose oder pilliert
Petuniensamen gibt es lose und pilliert. Lose, sehr feine Samen mische ich vor dem Säen mit etwas trockenem Sand, damit ich sie dünner aussäen kann. Pillierte Samen lege ich dagegen einzeln mit einem angefeuchteten Zahnstocher auf die Erde. Für pillierte Saat gilt bei der Feuchte eine eigene Regel, die du weiter unten bei der Aussaat findest.
Pillierte Samen stecken in einer Hülle, die jedes Korn größer macht. Das Korn lässt sich so einzeln greifen und gezielt ablegen.
Eigene Samen ernten und lagern
Für eigene Samen lässt du einzelne Blüten bis zur Samenreife stehen. Geerntet werden die Samen braun und ausgereift, und zwar bei trockenem Wetter. Ich trockne sie auf Papier nach, trenne sie von Pflanzenresten und lagere sie beschriftet kühl, dunkel und trocken. Stammen die Samen von einer Hybridsorte, können die Nachkommen anders aussehen als die Mutterpflanze.
Schalen, Erde und Abdeckung
Für die Aussaat nehme ich frische Aussaaterde und saubere Schalen mit Wasserabzug. Die Abzugslöcher sorgen dafür, dass keine Staunässe entsteht. Gute Aussaaterde ist hygienisch, nährstoffarm, humos und durchlässig. Für die Jungpflanzenanzucht sollte ihr Salzgehalt unter 0,5 g je Liter liegen. Über die Schale kommt eine durchsichtige Haube, die du täglich lüftest und nach der Keimung abnimmst.
saubere Schale mit Abzugslöchern, frische Aussaaterde, Petuniensamen, trockener Sand für lose Samen, ein kleines Brettchen zum Andrücken, Sprühflasche, durchsichtige Haube, Etikett mit Sorte und Datum.
Petuniensamen aussäen: Schritt für Schritt
Zuerst fülle ich die Schale mit Aussaaterde, streiche sie glatt und drücke sie leicht an. Dann stelle ich die Schale in eine Wanne mit Wasser, bis die Oberfläche dunkel und feucht ist. So ist die Erde durchfeuchtet, bevor das erste Korn darauf liegt.
Die Samen streust du gleichmäßig auf die feuchte Oberfläche. Mit einem kleinen Brettchen drückst du sie anschließend an, ohne sie mit Erde zu bedecken. Danach sprühe ich mit feinem Nebel über die Schale, damit die Körner nicht verschwemmt werden.
Bei pillierter Saat achte ich besonders auf die Feuchte. In der professionellen Anzucht pillierter Easy-Wave-Petunien bleibt das Substrat während der Keimung sehr feucht und darf nicht austrocknen. Auf der Fensterbank halte ich es bei pillierten Samen genauso. Zum Schluss kommt die Haube auf die Schale und das Etikett in die Erde.
Ich beschrifte jede Schale gleich nach dem Säen mit Sorte und Datum. Beim morgendlichen Lüften hebe ich die Haube an, wische das Schwitzwasser ab und suche mit der Lupe nach den ersten Keimlingen.
Keimbedingungen: Wärme, Licht und Feuchte
Petuniensamen keimen bei 22 bis 25 °C. Die Keimdauer liegt bei 6 bis 10 Tagen. Ich lege ein Thermometer direkt neben die Schale und lese es morgens und abends ab. Zeigt es weniger als 22 °C, suche ich einen wärmeren Platz. Hell muss dieser Platz schon jetzt sein, weil die Samen das Licht zum Keimen brauchen.
Bei der Feuchte kommen zwei Dinge zusammen. Die Samen liegen offen auf der Oberfläche, und gerade die Oberfläche trocknet bei torffreier Erde schnell ab. Die Samen liegen also genau in der Schicht, die als erste trocken wird. Ich nebele die Oberfläche deshalb fein an, sobald sie heller wird, und lasse die Haube zwischen dem Lüften geschlossen. Bevor ich richtig gieße, fühle ich am Schalenrand, ob die Erde darunter noch feucht ist.
Die Anzuchtwerte auf einen Blick
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Keimtemperatur | 22 bis 25 °C |
| Keimdauer | 6 bis 10 Tage |
| Weiterkultur nach der Keimung, gärtnerisches Kulturverfahren | 12 bis 16 °C |
| Salzgehalt der Aussaaterde | unter 0,5 g je Liter |
| erste Töpfe nach dem Pikieren, bei ausreichend Platz | 8-cm-Töpfe |
Nach dem Auflaufen: Haube ab, kühler und heller
Sobald die Keimlinge stehen, nimmst du die Haube ab. Ab jetzt wollen die Sämlinge es kühler: Ein gärtnerisches Kulturverfahren zieht Petunien nach der Keimung bei 12 bis 16 °C weiter. Für das Keimen braucht es also deutlich mehr Wärme als für das Wachsen danach. Wer die Schale am warmen Keimplatz stehen lässt, zieht die Sämlinge wärmer, als dieses Verfahren vorsieht.
Ebenso wichtig ist jetzt ausreichend Licht. Lichtmangel begünstigt lange, instabile Triebe. Ich stelle die Schalen deshalb an das hellste Fenster in einem kühlen Raum. Neigen sich die Keimlinge zur Scheibe, drehe ich die Schale.
Petunien pikieren
Der richtige Zeitpunkt
Pikiert wird, wenn die KeimblätterKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. entwickelt sind und das erste Laubblatt sichtbar wird. Die Keimblätter sind die ersten, schlichten Blättchen nach dem Auflaufen. Das Laubblatt danach trägt schon die Form der späteren Blätter. Bei Petunien ist es anfangs winzig, deshalb schaue ich mit der Lupe genau hin.
Pikiererde und Töpfe
Die PikiererdePikiererde ist ein humoses, nur schwach gedüngtes Substrat, in das du Sämlinge beim Pikieren einzeln umsetzt. Sie kommt nach der Aussaat zum Einsatz, wenn die Jungpflanzen aus der Aussaatschale in eigene Töpfe wandern. enthält etwas Dünger, die spätere Topferde ist stärker vorgedüngt. Wenn du genug Platz hast, pikierst du zunächst in 8-cm-Töpfe. Bei Bedarf setzt du die Pflanzen später in größere Endtöpfe um.
So pikierst du
Ich lockere die Erde in der Saatschale mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. und hebe den Sämling samt Wurzel heraus. Gehalten wird er an einem Keimblatt, ohne daran zu ziehen. Mit dem Stab steche ich ein Loch in die Pikiererde, das die ganze Wurzel aufnimmt. Die Wurzel gleitet gerade hinein und wird nicht umgebogen. Danach schließt du das Pflanzloch seitlich behutsam, gießt an und drückst die Erde leicht an.
Den Sämling an den Keimblättern aus der Erde zerren oder die Wurzel umgebogen ins Loch stopfen. Hebe ihn mit dem Pikierstab heraus, halte ihn ohne Zug und lass die Wurzel gerade hineingleiten.
Jungpflanzen aufziehen: Licht, Wärme und Pinzieren
Hell und kühl weiterziehen
Nach dem Pikieren bleiben die Jungpflanzen an dem hellen, kühlen Platz, an dem schon die Sämlinge standen. Ich rücke die Töpfe auseinander, sobald sich die Blätter berühren. So bekommt jede Pflanze Licht von allen Seiten.
Pinzieren für buschigen Wuchs
Pinzieren heißt, die Triebspitze einer Jungpflanze abzuknipsen. Ich mache das, wenn die getopfte Petunie kräftig wächst und noch als einzelner Trieb nach oben strebt. Dabei knipse ich die Spitze mit den Fingernägeln direkt über einem Blatt ab. Aus den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. darunter können dann Seitentriebe austreiben, sodass die Pflanze verzweigter wird. Danach beobachte ich die Blattachseln, ob sich dort neue Triebe zeigen.
Gießen und Düngen der Jungpflanzen
Gegossen wird nach Bedarf und ohne Staunässe in den Töpfen. Kräftig grüne Blätter und zügiges Wachstum zeigen bei Balkonpflanzen eine gute Nährstoffversorgung an. Wie du in jeder Phase nach Bedarf gießt und düngst, erklärt der Sommerblumen-Ratgeber im Abschnitt Gießen und Düngen.
Petunien abhärten
Im Haus wachsen deine Jungpflanzen geschützt und gleichmäßig. Draußen kommen Sonne, Wind und kühle Nächte dazu, und Petunien sind frostempfindlich. Deshalb gewöhnst du sie vor dem Auspflanzen schrittweise an das Freiland.
Abgehärtet wird mit niedrigeren Temperaturen und mehr Belüftung. Bei mildem Wetter stellst du die Töpfe zuerst an einen geschützten Platz im Schatten. Erst danach gewöhnst du sie schrittweise auch an die Sonne.
Ich schaue während dieser Zeit jeden Abend auf die Wettervorhersage. Ist Frost angesagt, hole ich die Töpfe wieder ins Haus. Werden Blätter nach einem Sonnentag hell oder fleckig, kann das auf zu viel Sonne auf einmal hindeuten. Dann stelle ich die Pflanzen zurück in den Schatten und gehe langsamer vor.
Petunien sind frostempfindlich. Bei Frostgefahr gehören sie auch während des Abhärtens ins Haus, und ins Beet oder in den Kasten kommen sie erst, wenn keine Fröste mehr drohen.
Wenn es hakt: Keimprobleme und lange Sämlinge
Die Samen keimen nicht
Bleibt die Schale leer, gehe ich die Bedingungen der Reihe nach durch. Zeigt das Thermometer weniger als 22 °C, ist der Platz kühler als die Keimspanne der Petunie. Liegt Erde auf den Samen, fehlt ihnen das Licht, das sie als Lichtkeimer brauchen. Ist die Oberfläche zwischendurch ausgetrocknet, kann auch das die Ursache sein, gerade bei pillierter Saat. Geduld gehört ebenfalls dazu: Die Keimdauer liegt bei 6 bis 10 Tagen.
Die Sämlinge werden lang und dünn
Lange, dünne und instabile Triebe können auf Lichtmangel hindeuten. Stell die Schale dann an einen helleren Platz. Prüfe außerdem die Temperatur, denn nach der Keimung sieht das Kulturverfahren einen deutlich kühleren Platz vor als für das Keimen. Gestreckte Sämlinge fasse ich beim Pikieren besonders behutsam und nur am Keimblatt an.
Schimmel, Pilze und Schädlinge
Ein sehr dichter Bestand begünstigt bei Beet- und Balkonpflanzen GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten., deshalb pikierst du rechtzeitig und stellst die Töpfe nicht zu eng. Bei schwachem Blattlausbefall an Zierpflanzen reicht meist das Abspülen mit einem Wasserstrahl. Wie du Krankheiten und Schädlingen an Sommerblumen vorbeugst und von Hand eingreifst, beschreibt der Sommerblumen-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.
Nach dem Abhärten: Auspflanzen, Standort und Sommerpflege
Ausgepflanzt wird erst, wenn keine Fröste mehr drohen. Je nach Hybride eignen sich Petunien eher für Beet und Beetrand oder für Balkonkasten und Ampel. Den Pflanztermin und die Arbeiten im Sommer findest du im Ratgeber zu Petunien im Jahreslauf.
Petunien wachsen in Sonne bis Halbschatten, starker Schatten vermindert die Blüte. Leichter Boden passt ihnen, und auch arme Böden tolerieren sie bei guter DrainageDrainage bedeutet, dass überschüssiges Wasser aus der Erde abfließen kann, damit keine Staunässe entsteht. Im Pflanzgefäß sorgen dafür Abzugslöcher und eine grobe Drainageschicht, etwa aus Tonscherben oder Blähton.. Welcher Platz mit welchem Licht und Windschutz in Beet, Kasten und Ampel passt, zeigt der Ratgeber zum passenden Standort für Petunien.
Ausgepflanzte Petunien gießt du nach Bedarf; wann, wie oft und womit du Petunien gießt, erklärt ein eigener Ratgeber. Das Entfernen verblühter Blüten fördert bei Petunien die weitere Blüte und vermindert Krankheitsherde. AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. und Düngen im Sommer behandelt der Sommerblumen-Ratgeber in den Abschnitten Pflege sowie Gießen und Düngen.
Wenn du neben Petunien auch Geranien aus Samen ziehst, zeigt dir der Ratgeber, wie du Geraniensamen aussäst und die Sämlinge bis zum Abhärten bringst. Für eine Aussaat direkt ins Beet oder in Töpfe lohnt der Blick darauf, wie du Bartnelken im Frühjahr oder Spätsommer aussäst.


