Duftnessel-Samen gewinnen: Sortenwahl, Reifezeichen und Ernte
- 'Blue Fortune' und 'Black Adder' sind steril, Agastache rugosa 'Golden Jubilee' ist eine samenvermehrte Sorte.
- Erntereif sind die Samen, wenn sie sich leicht aus der verblühten Ähre lösen; geerntet wird bei trockenem Wetter.
- Agastachen kreuzen sich leicht, und Nachkommen von Hybridsorten können von der Mutterpflanze abweichen.
- Samen auf Papier nachtrocknen, beschriften und kühl, dunkel und trocken lagern, günstig unter Luftabschluss bei weniger als 10 °C.

Bevor du Duftnessel-Ähren für die Samenernte stehen lässt, lohnt ein Blick auf das Sortenschild. Die Sorten ‘Blue Fortune’ und ‘Black Adder’ sind steril und säen sich nicht selbst aus. Von ihnen bekommst du also kein Saatgut für die nächste Aussaat. Ich schaue deshalb zuerst nach, welche Pflanze im Beet steht, und markiere erst danach die Ähren für die Ernte.
Duftnessel ist der Gartenname der Gattung Agastache aus der Familie der LippenblütlerLippenblütler sind eine Pflanzenfamilie, deren verwachsene Blütenblätter eine Ober- und eine Unterlippe bilden. Typisch sind ein vierkantiger Stängel und paarweise gegenüberstehende Blätter, die beim Zerreiben oft auffallend riechen; dazu gehören Küchenkräuter wie Salbei, Thymian und Majoran.. Zu ihr gehören unter anderem Agastache foeniculum und die Koreanische Minze Agastache rugosa. Für die Ernte zählen drei Dinge: die passende Pflanze, die reife Ähre und ein trockener Tag.
Welche Duftnessel liefert Samen für die Aussaat?
Für die eigene Ernte brauchst du eine Pflanze, die keimfähige Samen bildet. Sterile Sorten wie ‘Blue Fortune’ und ‘Black Adder’ scheiden damit aus. Wie du solche Sorten auf anderem Weg vermehrst, steht im Ratgeber dazu, wie du Duftnesseln pflegst, vermehrst und überwinterst. Vegetativ vermehrte Pflanzen tragen dieselben Anlagen wie ihre Mutterpflanze, die Sorte bleibt also erhalten.
Bei samenvermehrten Sorten sieht es anders aus. Agastache rugosa ‘Golden Jubilee’ ist eine solche Sorte und kommt für die eigene Ernte infrage. Vorsicht gilt bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren., denn Nachkommen aus selbst geernteten Samen können deutlich von der Mutterpflanze abweichen.
Auch die Nachbarschaft im Beet spielt mit. Agastachen lassen sich leicht untereinander kreuzen. Stehen mehrere Arten oder Sorten nah beieinander, ist deshalb offen, von welcher Pflanze der Pollen für deine Samen stammt. Die Sämlinge können dann anders ausfallen als die Pflanze, von der du erntest.
Ernte nur von gesunden Pflanzen, denn auch beim eigenen Nachbau von Zierpflanzen zählt ausschließlich gesundes Saatgut.
| Pflanze | Samenbildung | Was das für deine Ernte heißt |
|---|---|---|
| ‘Blue Fortune’ | steril, keine SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. | keine Samenernte, Vermehrung auf anderem Weg |
| ‘Black Adder’ | steril, keine Selbstaussaat | keine Samenernte, Vermehrung auf anderem Weg |
| Agastache rugosa ‘Golden Jubilee’ | samenvermehrte Sorte | kommt für die Samenernte infrage |
| Hybridsorten | Nachkommen können abweichen | Sämlinge sehen womöglich anders aus |
| mehrere Agastachen nah beieinander | kreuzen sich leicht | Herkunft des Pollens offen |
Von der Blüte zur Samenreife
Agastache foeniculum blüht von Juli bis Oktober. Die Koreanische Minze blüht etwas länger, von Juni bis Oktober. Die blau-weiße Mischung von Agastache foeniculum kann schon im Aussaatjahr blühen. Auf die ersten verblühten Ähren musst du dann nicht bis zum zweiten Jahr warten.
Für die Samengewinnung bleiben ausgewählte verblühte Blüten bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. an der Pflanze. Ich binde an diese Triebe einen Wollfaden, damit ich sie beim AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. nicht abschneide. An den übrigen Trieben entferne ich Verblühtes. Bei vielen Stauden kann Samenbildung weitere Blüten vermindern, das Entfernen welker Blüten kann die weitere Blüte dann fördern. Du wägst also Trieb für Trieb ab: Soll er weiterblühen oder Samen bilden?
Im Pillnitzer Sortimentsversuch wurden alle geprüften Duftnessel-Sorten rege von Insekten besucht. Was die Pflanze für Bienen und Schmetterlinge bedeutet, beschreibt der Ratgeber dazu, wie die Duftnessel Insekten in den Naturgarten lockt.
Woran erkennst du reife Duftnessel-Samen?
Erntereif sind Duftnessel-Samen, wenn sie ausgereift sind und sich leicht aus ihrer Hülle lösen. Diese Probe machst du direkt an der Pflanze, nicht nach dem Kalender. Bei der Koreanischen Minze sitzen die Blüten in dichten Scheinähren, in denen sie sich verteilt öffnen. Weil erst geerntet wird, wenn die Samen ausgereift sind, prüfe ich jede Ähre für sich.
Ich halte eine verblühte Ähre über ein Blatt Papier und tippe sie mit dem Finger an. Rieseln dabei Samen aufs Papier, schneide ich die Ähre ab. Ist sie noch grün und weich oder bleibt alles fest sitzen, lasse ich sie hängen und wiederhole die Probe später.
Die Samen selbst sind sehr klein. Deshalb lohnt es sich, bei jedem Handgriff an der reifen Ähre etwas darunterzuhalten.
Das Tausendkorngewicht, also das Gewicht von 1.000 Samen, liegt bei Anisminze und Koreanischer Minze bei 0,35 g. Ein einzelner Same wiegt damit nur einen winzigen Bruchteil eines Gramms. Beim Ernten und Ausreiben halte ich deshalb immer Papier oder eine Schale darunter.
Wann ist der beste Erntezeitpunkt?
Geerntet wird bei trockenem Wetter. Ich schneide erst, wenn Tau oder Regen von den Ähren abgetrocknet sind.
Agastache foeniculum blüht bis in den Oktober, und Samen reifen erst in verblühten Blüten. Die letzten Ähren erntest du deshalb im Herbst, an einem trockenen Tag.
Nicht jede Ähre muss in die Tüte. Samenstände können als Nahrung und Überwinterungsstruktur bis zum Frühjahr stehen bleiben. Ich ernte deshalb nur einen Teil der Ähren und lasse den Rest über Winter im Beet. Wann die stehen gelassenen Stängel zurückgeschnitten werden, steht im Ratgeber dazu, was die Duftnessel in jeder Phase ihres Jahres braucht.
Ähren gleich nach einem Regenschauer abschneiden. Samen werden bei trockenem Wetter geerntet, feuchte Ähren lässt du hängen, bis sie abgetrocknet sind.
So erntest du die Ähren
Schneide die reifen Ähren mit einer sauberen Schere ab und steck sie kopfüber in eine Papiertüte. Lose Samen fallen dann in die Tüte statt ins Beet. Brauchst du nur wenige Samen, klopfst du eine Ähre direkt an der Pflanze über einer Schale aus.
Damit wenig verloren geht, hältst du die Tüte schon unter die Ähre, bevor du schneidest. Über Ähren, die du nicht im Blick behalten kannst, binde ich einen feinmaschigen Stoffbeutel, in den reife Samen fallen.
Vor dem Schnitt prüfe ich vier Punkte.
- Die Sorte ist nicht steril.
- Die Pflanze ist gesund.
- Die Samen lösen sich beim Antippen leicht.
- Die Ähre ist nach Regen oder Tau wieder abgetrocknet.
Nach der Ernte: trocknen, reinigen, lagern
Für die weiteren Schritte gelten die Regeln für Blumen- und Staudensamen allgemein. Wie du Saatgut erntest, nachtrocknest und lagerst, fasst der Stauden-Ratgeber im Abschnitt zu Schnittblumen und Saatgut zusammen.
Breite Ähren und Samen vor dem Verpacken auf Papier aus und lass sie nachtrocknen. Danach reibe ich die Ähren zwischen den Fingern aus und lese grobe Pflanzenreste heraus.
Beschrifte jede Tüte und bewahre die Samen kühl, dunkel und trocken in einem dicht schließenden Gefäß auf. Günstig ist eine Lagerung unter Luftabschluss bei weniger als 10 °C. Die meisten selbst gesammelten Blumen- und Staudensamen bleiben so etwa 3 Jahre keimfähig, als Orientierung und ohne Garantie für jede Art.
Bei Resten mit fraglicher KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. machst du etwa 4 Wochen vor der geplanten Aussaat eine KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt.. Die Samen bleiben dabei unbedeckt, denn Duftnessel ist ein LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte.. Für Anisminze und Koreanische Minze sind 10 bis 21 Tage Keimdauer angegeben, das Ergebnis liegt also vor dem Aussaattermin vor.
Der Vorteil eigener Samen liegt in der Auswahl: Du kennst die Mutterpflanze und hast nur von gesunden Exemplaren geerntet.
Wie du die Samen aussäst und die Keimlinge bis zum Umpflanzen bringst, zeigt der Ratgeber zur Duftnessel-Aussaat. Den Termin für Keimprobe und Aussaat trägst du am besten in den Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken ein.




