pH-Wert im Steingarten: richtig messen, gezielt anpassen, Düngung abstimmen
- Einen pH-Wert für alle Steingärten gibt es nicht: Er hängt von Bodenart, Humusgehalt und Kultur ab.
- Auf Sand liegt der allgemeine pH-Zielbereich für Staudenbeete bei 5,4 bis 5,8, schwerere Böden haben höhere Zielbereiche.
- Ein Schnelltest gibt Orientierung, die Kalkempfehlung leitest du aus einer Laboruntersuchung ab.
- Gekalkt wird nur, wenn der gemessene pH-Wert für die Bodenart zu niedrig ist.
- Liegt der Wert zu hoch, verzichtest du auf Kalk, kalkhaltige Dünger und Kompost, dessen Kalkgehalt den pH-Wert anheben kann.
- Standortgerecht gepflanzte Steingartenpflanzen brauchen normalerweise keinen Zusatzdünger.

Wenn im Steingarten ein Polster blass wird oder nicht recht wächst, greife ich nicht zuerst zum Dünger. Ich nehme eine Bodenprobe. Wer auf Verdacht kalkt oder düngt, kann den pH-Wert in die falsche Richtung schieben. Ein zu hoher pH-Wert kann Nährstoffe im Boden festlegen, sodass die Pflanzen sie schlechter aufnehmen, obwohl sie vorhanden sind.
Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch dein Boden reagiert. Im Steingarten entscheidet er mit, ob Kalk sinnvoll ist, ob die Wurzeln an die Nährstoffe im Boden herankommen und welche Arten auf der Fläche gut wachsen.
Welchen pH-Wert braucht ein Steingarten?
Eine Zahl für alle Steingärten gibt es nicht. Der geeignete pH-Bereich hängt von der Bodenart und vom Humusgehalt ab. Ob gekalkt werden muss, entscheidet außerdem die Kultur, also das, was auf der Fläche wachsen soll. Für Staudenbeete gelten je nach Bodenart diese allgemeinen Zielbereiche für eine gute Kalkversorgung:
| Bodenart | Allgemeiner pH-Zielbereich für Staudenbeete |
|---|---|
| Sand | 5,4 bis 5,8 |
| lehmiger Sand, sandiger Schluff | 5,8 bis 6,2 |
| stark sandiger Lehm, lehmiger Schluff | 6,2 bis 6,6 |
| sandiger Lehm, schluffiger Lehm, Lehm | 6,6 bis 7,0 |
| schluffig toniger Lehm, toniger Lehm, Ton | 6,8 bis 7,2 |
Je leichter der Boden, desto niedriger liegt also der Zielbereich. Wie Bodenart, pH-Zielbereich und Sandbeet bei Stauden zusammenhängen, beschreibt der Abschnitt Standort und Boden im Stauden-Ratgeber.
Erst die Bodenart bestimmen
Den Zielbereich kannst du erst ablesen, wenn du deine Bodenart kennst. Dafür reicht die Fingerprobe an feuchter, aber nicht nasser Erde. Zwischen den Fingern prüfst du, wie körnig, formbar und klebrig sie ist. Sand lässt sich nicht formen, Lehm ist körnig und formbar, Ton fühlt sich schmierig und klebrig an. Dieser Bestimmungsschlüssel gilt für Böden mit höchstens 4 % organischer Substanz.
Was typische Steingartenarten mögen
Die Arten selbst bringen eigene Vorlieben mit, und die liegen nicht alle beieinander. Einige Beispiele zeigt die Tabelle.
| Art | Boden und pH-Vorliebe |
|---|---|
| Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens) | gut drainierter, neutraler bis alkalischer Boden bevorzugt; für die Topfkultur der Sorte ‘Snow Flurries’ ist ein Substrat-pH von 5,5 bis 7,5 angegeben |
| Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) | gut drainiert und vor WinternässeWinternässe ist Nässe in der kalten Jahreszeit, unter der vor allem Pflanzen aus Gebieten mit trockenen Wintern leiden. Bei ungünstiger Witterung können ihre Überwinterungssprosse faulen – auch wenn die Pflanzen als winterhart gelten. geschützt; alkalisch bis neutral |
| Feder-Nelke (Dianthus plumarius) | durchlässig, nährstoffarm und mineralisch; Kalk günstig, aber nicht zwingend |
| Pracht-Federgras (Stipa pulcherrima) | sonnig, trocken und kalkhaltig |
| Moskitogras und Wimper-Perlgras | trockene, durchlässige Kalkböden in voller Sonne |
| Heidenelke (Dianthus deltoides) | nährstoffarme Sand- und Silikatstandorte; meidet Kalk |
Ob gekalkt wird, hängt von Bodenart und Kultur ab. Gleichzeitig bevorzugen Arten wie die Schleifenblume neutralen bis alkalischen Boden. Planst du eine kalkliebende Pflanzung auf Sand, ist der allgemeine Wert aus der ersten Tabelle deshalb nur ein Ausgangspunkt. Die passende Kalkempfehlung leitest du aus der Laboruntersuchung ab.
pH-Wert messen: Schnelltest oder Labor?
Ein einzelner Einstich sagt wenig über die ganze Fläche. Für eine MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. stichst du gleichmäßig verteilt ein und vermengst die Erde. Bereiche mit unterschiedlichen Bodenarten beprobst du getrennt. Hast du einen Teil der Fläche mit Sand, Kies und Splitt abgemagert, nimmst du dort eine eigene Probe und eine zweite im unveränderten Gartenboden.
So nimmst du die Mischprobe für eine einheitlich genutzte Fläche.
- 10 bis 15 Einstiche gleichmäßig über die Fläche verteilen.
- Erde aus dem Oberboden bis etwa 25 bis 30 cm Tiefe entnehmen.
- Alle Einstiche gründlich mischen und davon rund 500 g abgeben.
- Jede Probe mit dem Bereich beschriften, aus dem sie stammt.
Ich zeichne die Bereiche vorher in eine Skizze ein, damit ich die Befunde später der richtigen Stelle zuordnen kann. Wenn du deine Flächen im Beetplaner aufteilst, hast du diese Skizze gleich zur Hand.
Streifentest für die erste Orientierung
Für einen einfachen Streifentest zerkleinerst du Gartenerde und vermengst sie mit destilliertem Wasser. Nach kurzer Einwirkzeit liest du die Farbe am Streifen ab. Das Ergebnis zeigt dir, in welche Richtung dein Boden tendiert. Eine Laboruntersuchung ersetzt es nicht, sobald du daraus eine Kalkempfehlung ableiten willst.
Was das Labor zusätzlich liefert
Eine Standardbodenuntersuchung erfasst üblicherweise Phosphat, Kali und den Kalkbedarf. Stickstoff musst du gesondert beauftragen. Lässt du auch Magnesium bestimmen, hast du zusammen mit dem pH-Wert eine gute Grundlage für Kalk- und Düngeentscheidungen. Die erste Probe nimmst du vor der Neuanlage, bevor du düngst. Gibst du später Kompost, lass den Boden alle 4 bis 5 Jahre untersuchen, damit sich Phosphor und Kalium nicht unbemerkt anreichern.
Boden-pH-Werte sind nur vergleichbar, wenn die Messlösung bekannt ist. Messungen in Wasser, Calciumchlorid und Kaliumchlorid können unterschiedliche Ergebnisse liefern. Ich notiere deshalb zu jedem Wert, ob er aus dem Streifentest oder aus dem Labor stammt und in welcher Lösung gemessen wurde.
pH-Wert zu niedrig: wann Kalk sinnvoll ist
Kalk gehört nur dann in den Steingarten, wenn der gemessene pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Liegt er oberhalb des passenden Zielbereichs, bringst du weder Kalk noch kalkhaltigen Dünger aus. Wie viel Kalk es sein darf, entnimmst du der Laborempfehlung und nicht dem Schnelltest. Rechne dabei mit, was ohnehin in den Boden gelangt: Regelmäßig ausgebrachter Kompost liefert auch Kalzium.
Kalk auf Verdacht streuen, weil manche Steingartenarten kalkhaltigen Boden mögen. Ohne Messwert weißt du nicht, ob dein Boden schon über dem Zielbereich liegt. Dann verstärkst du genau den Zustand, in dem Eisen schlechter verfügbar sein kann.
Holzasche ist kein Ersatz für Kalk. Asche aus dem Haushalt gehört weder als Dünger noch als Kompostzusatz in den Garten, weil sich Schadstoffe anreichern können und Überdüngung möglich ist. Das gilt auch für Asche aus naturbelassenem Holz.
pH-Wert der Erde senken: was im Steingarten sinnvoll ist
Liegt der Messwert über dem Zielbereich, hörst du zuerst mit allem auf, was ihn weiter anhebt. Das heißt: kein Kalk und kein kalkhaltiger Dünger. Auch Kompost gehört auf diese Liste, denn sein Kalkgehalt kann den Boden-pH erhöhen. Für Polster- und Wildstauden ist eine Kompostgabe ohnehin nicht sinnvoll, weil sie einen kargen Boden brauchen. Im Steingarten mit zu hohem pH-Wert spricht also doppelt etwas gegen Kompost: Die Pflanzen brauchen ihn nicht, und sein Kalk arbeitet gegen dein Ziel.
Rindenmulch zum Ansäuern scheidet im Steingarten aus. Er schafft ein feucht-saures Milieu, das trockenheitsliebenden Pflanzen im Kiesbeet nicht bekommt. Bei seiner Zersetzung kann er außerdem Stickstoff binden.
Mittel, die den Boden aktiv ansäuern, setze ich im Steingarten nicht ein. Ich arbeite mit dem Boden, den ich habe, und wähle die Arten danach. Auf kalkreichem Boden pflanze ich Arten wie die Immergrüne Schleifenblume, die Tauben-Skabiose oder das Pracht-Federgras. Kalkmeidende Arten wie die Heidenelke kommen bei mir dorthin, wo ein nährstoffarmer Sand- oder Silikatboden liegt.
Gelbe Blätter auf kalkreichem Boden
Gelbe Blätter auf kalkreichem Boden können auf eine Kalkchlorose hindeuten. Ein zu hoher Boden-pH kann die Eisenaufnahme behindern, auch wenn genug Eisen im Boden steckt. Eisenmangelchlorosen können aber ebenso durch verdichteten oder vernässten Boden entstehen. Bevor du am pH-Wert arbeitest, prüfst du deshalb, ob das Wasser gut abzieht und der Boden locker ist. Welche Anzeichen auf welchen Mangel hindeuten können, erklärt der Ratgeber dazu, woran du Nährstoffmangel bei Steingartenpflanzen erkennst.
Liegt der pH-Wert über 7,0, kann Eisen stark eingeschränkt verfügbar sein. Mangelsymptome sind dann trotz vorhandener Vorräte im Boden möglich. Sinkt der Wert unter 5,5, kann MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. schlecht verfügbar werden.
Bevor ich blasse Blätter dem Kalk zuschreibe, grabe ich neben der Pflanze ein Loch und schaue, ob darin Wasser steht. An der entnommenen Bodenscholle prüfe ich mit Auge und Fingern, wie feucht der Wurzelraum ist.
Düngung auf den pH-Wert abstimmen
Im Steingarten ist die erste Düngeregel kurz: Standortgerecht gepflanzte Steingartenpflanzen brauchen normalerweise keinen Zusatzdünger. Unter den Staudengruppen haben Steingartenstauden den geringsten Nährstoffbedarf. Stauden von natürlich nährstoffarmen Standorten düngst du erst, wenn Mängel erkennbar sind. Zu viel Dünger kann bei ihnen untypisch starkes Wachstum auslösen und die Winterhärte verschlechtern.
Was tatsächlich fehlt, zeigt die Bodenuntersuchung. Aus dem vorhandenen Vorrat lässt sich ableiten, welcher Nährstoff in welcher Menge nötig ist. Was du mit Kompost zuführst, ziehst du von der zusätzlich benötigten Düngermenge ab. Für die Immergrüne Schleifenblume empfiehlt Lubera, bei der Pflanzung nicht zu düngen. Wächst sie nach dem Einwachsen kümmerlich, bekommt sie im Frühjahr bei Bedarf Kompost oder organischen Langzeitdünger, grundsätzlich zurückhaltend. Liegt dein pH-Wert schon zu hoch, nimmst du von beiden Möglichkeiten nicht den Kompost.
Vor einer Gabe mit SpurenelementenSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. berücksichtigst du pH-Wert und BodengefügeDas Bodengefüge beschreibt, wie die festen Teilchen im Boden angeordnet sind und zusammenhalten, etwa lose als Einzelkörner oder zu Krümeln verklebt. Davon hängt ab, wie viele Hohlräume für Luft, Wasser und Wurzeln bleiben.. Ist Eisen wegen eines hohen pH-Werts festgelegt, behebt zusätzliche Bodendüngung den Engpass nicht zuverlässig. Mehr Dünger ist auf einem zu kalkreichen Boden also keine Antwort auf blasse Blätter. Eine gezielte BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. kann die Festlegung vorübergehend umgehen, ihre Wirkung hält aber nur begrenzt an. Erklärt der Bodenbefund die Störung nicht, kann eine Pflanzenanalyse den tatsächlichen Versorgungszustand klären.
Als Mulch passt in einer mageren Steingartenpflanzung mineralisches Material, denn organischer Mulch kann auf leichten Böden unerwünscht Nährstoffe zuführen. Schichtdicke und Körnung für trockene Staudenflächen findest du im Stauden-Ratgeber im Abschnitt zur Pflege im Jahreslauf.
Welche Düngerform zu welcher Pflanzengruppe im Steingarten passt und wie viel davon, ist ein eigenes Thema. Organisch oder mineralisch, PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. oder Gräser und die Frage, wo Überdüngung beginnt, ordnet der Beitrag ein, welche verbreiteten Irrtümer zur Steingartendüngung nicht stimmen.
Wann und womit natürlich düngen
Stickstoff gibst du nur in der Vegetationsperiode und ab dem Spätsommer nicht mehr, damit die Pflanzen ausreichend aushärten. Termine und Häufigkeit je Pflanzentyp beschreibt der Ratgeber, wann und wie oft du einen Steingarten düngst.
Kompost, PflanzenjauchenPflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. und andere natürliche Dünger spielen im Steingarten eine kleine Rolle, weil Steingartenpflanzen meist auf nährstoffarmen Böden wachsen. Welche Mittel und Methoden trotzdem infrage kommen, erklärt der Beitrag, wie du einen Steingarten natürlich und nachhaltig versorgst.




