Strahlen-Astern als Bioindikatoren: Was sie zeigen können und was nicht
- Die als Strahlenaster angebotene ‚Riesenstrahlen-Mischung‘ ist die einjährige Gartenaster Callistephus chinensis.
- In der Luftüberwachung zeigen Tabakpflanzen Ozonwirkungen über ausgebleichte oder abgestorbene Blattflecken.
- Weidelgras und Grünkohl können Luftschadstoffe ohne sichtbare Schäden anreichern, deshalb entscheidet das Labor.
- Beläge, Flecken und gelbe Blätter an Astern haben viele mögliche Ursachen und sind kein Messwert.
- Als Beobachtungspflanze nutzt du Strahlen-Astern mit gleichem Saatgut, einem Heft und der Bodenprobe als Gegenprobe.

Flecken auf den Blättern deiner Strahlen-Astern werfen schnell die Frage auf, ob mit der Luft im Garten etwas nicht stimmt. Ich führe für mein Asternbeet ein Beobachtungsheft, lese darin aber keine Schadstoffwerte ab. Wer ein Blatt vorschnell als Messwert deutet, sucht die Ursache leicht an der falschen Stelle. Wie Pflanzen in der Luftüberwachung tatsächlich arbeiten, hilft dir beim Einordnen deiner eigenen Beobachtungen.
Was ist eine Strahlen-Aster?
Die als Strahlenaster angebotene ‚Riesenstrahlen-Mischung‘ gehört zur einjährigen Art Callistephus chinensis, auch Gartenaster oder Sommeraster genannt. Als KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen. trägt sie Blütenstände aus zahlreichen RöhrenblütenRöhrenblüten sind die röhrenförmigen Einzelblüten im Blütenstand der Korbblütler. Sie bilden ihn allein, etwa bei Disteln, oder zusammen mit den Zungenblüten am Rand, etwa bei Astern., häufig ergänzt durch Zungenblüten. Lebensläufe und Gartennamen ordnet das Kurzporträt der Stauden, Zweijährigen und Gräser ein, und welche Anbaufehler bei Strahlen-Astern häufig passieren, zeigt der eigene Ratgeber zur Kultur.
Wie setzen Fachleute Pflanzen als Bioindikatoren ein?
Bei der Bioindikation zeigt ein Lebewesen an, wie seine Umwelt auf es einwirkt. In der immissionsökologischen Dauerbeobachtung der Luft übernehmen das bestimmte Pflanzen. Dabei kommen zwei Arten von Hinweisen vor: eine sichtbare Wirkung am Blatt und eine Anreicherung ohne sichtbare Schäden.
Tabak zeigt Ozonwirkungen am Blatt
Tabakpflanzen können in der Dauerbeobachtung Ozonwirkungen anzeigen. Das geschieht über ausgebleichte oder abgestorbene Blattflecken, die man mit bloßem Auge erkennt. Angezeigt wird damit die Wirkung des Ozons auf die Pflanze selbst.
Weidelgras und Grünkohl reichern an, ohne krank auszusehen
Standardisierte Weidelgras- und Grünkohlkulturen können Luftschadstoffe anreichern, ohne sichtbar geschädigt zu werden. Deshalb wird das geerntete Pflanzenmaterial im Labor untersucht. Weil die Anreicherung ohne sichtbare Schäden ablaufen kann, beweist ein gesund aussehendes Blatt allein noch keine saubere Luft.
Was können Strahlen-Astern über Luft, Boden und Klima zeigen?
Auch deine Strahlen-Astern zeigen an Blatt und Blüte, wie es ihnen am Standort geht. Schwierig wird erst das Zuordnen, denn viele Symptome haben mehrere mögliche Ursachen. Ich lese jede Veränderung deshalb als Frage, nicht als Antwort.
Luft: Ein Fleck ist ein Hinweis, kein Messwert
Echter Mehltau zeigt sich typischerweise als weißlicher, abwischbarer Belag auf der Blattoberseite. Trockenes Wetter schließt ihn nicht aus, denn für die Keimung der Pilze kann schon eine relative Luftfeuchte von 70 % reichen. Erwachsene SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. sind nur etwa 0,5 bis 0,7 mm groß. Im Freiland werden sie vor allem in trockenen, warmen Sommerperioden zum Problem. Am Rittersporn etwa können Blattflecken durch Krankheitserreger oder nichtparasitäre Ursachen entstehen.
Ich wische über einen hellen Belag zuerst mit dem Finger und nehme bei auffälligen Blättern eine Lupe zur Hand. Flecken entstehen also nicht nur durch Ozon wie beim Tabak, sondern auch durch Erreger und andere Ursachen. Ein Fleck auf deiner Aster ist deshalb ein Anlass zum genauen Hinsehen, aber kein Ozonbefund.
Einen hellen Belag auf dem Asternblatt gleich als Schadstoffschaden deuten. Lässt er sich abwischen, kann Echter Mehltau dahinterstecken, und den schließt auch trockenes Wetter nicht aus.
Boden: Gelbe Blätter haben mehrere mögliche Ursachen
Eisenmangelchlorosen können durch einen zu hohen Boden-pH entstehen, aber ebenso durch verdichteten oder vernässten Boden. Bei einem pH-Wert über 7,0 kann Eisen stark eingeschränkt verfügbar sein, auch wenn der Boden genug davon enthält. Unter pH 5,5 kann dagegen MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. schlecht verfügbar sein. Trockenheit und Staunässe können außerdem Mangelsymptome auslösen, weil sie die Nährstoffaufnahme stören. Kleine Blätter oder Rosettenbildung können auf Zinkmangel hinweisen, weiße Blattspitzen oder Spitzenwelke auf Kupfermangel.
Bevor ich ein gelbes Blatt deute, steche ich eine Bodenscholle aus. An Farbe und Gefühl prüfe ich, ob im Wurzelraum Feuchtigkeit vorhanden ist. Hinter aufgehellten Asternblättern können also der pH-Wert, der Wasserhaushalt oder die BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. stecken. Welcher Grund zutrifft, klärt erst die Bodenuntersuchung zusammen mit dem Blick in den Wurzelraum.
Klima: Blühtermine erzählen zuerst von deiner Aussaat
Die Gartenaster wird von April bis Mai gesät. Ihre Kulturdauer reicht von 70 bis 182 Tagen. Weil sie einjährig ist, säst du jedes Jahr neu und vergleichst nie dieselbe Pflanze über mehrere Jahre. Ein früherer oder späterer Blühbeginn als im Vorjahr spiegelt deshalb zuerst deinen Aussaattermin, bevor er etwas über das Klima aussagen kann.
Mehr über die Bedingungen an deinem Saatplatz verrät die Keimung. Die Gartenaster keimt in 7 bis 14 Tagen. Ihre Mindest-Keimtemperatur liegt bei 15 bis 18 °C. Dauert die Keimung deutlich länger, kann das Substrat zu kühl sein. Ebenso kann Feuchtigkeit fehlen, denn während QuellungQuellung ist die Wasseraufnahme eines trockenen Samens und der erste Schritt der Keimung. Der Same schwillt dabei an, bis der innere Druck die Samenschale öffnet und die Keimwurzel austreten kann. und Keimung muss das Aussaatsubstrat ständig ausreichend feucht bleiben.
„Strahlen-Astern sind mehrjährige Stauden, die Schadstoffe früher anzeigen als jedes Messgerät.“ Die als Strahlenaster angebotene ‚Riesenstrahlen-Mischung‘ ist die einjährige Callistephus chinensis. In der immissionsökologischen Dauerbeobachtung arbeiten ausgewählte Pflanzen wie Tabak für Ozonwirkungen sowie standardisierte Weidelgras- und Grünkohlkulturen, deren Erntegut ins Labor geht.
Wie nutzt du Strahlen-Astern als Beobachtungspflanze?
Einen Messwert liefert dir die Aster nicht, eine aufmerksame Beobachtungspflanze ist sie trotzdem. Dafür hältst du die Bedingungen gleich, schreibst sauber mit und prüfst jede Auffälligkeit gegen.
Ein Beobachtungsheft führen
Ich notiere für jede Reihe Saatgut, Aussaattag, Keimbeginn und die erste offene Blüte. Zu jedem weiteren Eintrag gehören Datum, Wetter und der Zustand von Blättern und Blüten. Die Aussaattermine trage ich außerdem in den Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser ein. So siehst du im Folgejahr, ob sich ein Blühtermin verschoben hat oder nur dein Saattag.
Als Vergleichsrahmen für dein Heft dienen die Kulturwerte der Gartenaster:
| Merkmal | Wert für die Gartenaster |
|---|---|
| Aussaatzeit | April bis Mai |
| Keimtemperatur min | 15 bis 18 °C |
| Keimtemperatur max | 20 bis 22 °C |
| Keimdauer | 7 bis 14 Tage |
| Kulturdauer | 70 bis 182 Tage |
| Lichtbedarf | sonnig |
Ich trenne im Heft Beobachtung und Deutung. Links steht, was ich sehe. Rechts steht erst nach Lupe, Abwischtest oder Bodenprobe, was dahinterstecken könnte.
Ein Vergleichsbeet anlegen
Willst du zwei Gartenplätze vergleichen, säe beide Reihen am selben Tag aus derselben Saatgutpackung. Selbst geerntete Samen von HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. eignen sich dafür nicht, denn ihre Nachkommen können deutlich von der Mutterpflanze abweichen. Wähle Plätze mit ähnlichem Licht, weil die Gartenaster einen sonnigen Standort braucht. Pflanze in gleichen Abständen, denn ausreichende Abstände, gute Belichtung und Durchlüftung gehören zur Vorbeugung gegen Echten Mehltau. Deine Vergleichsreihen kannst du vorher im Beetplaner skizzieren.
Meide Flächen, auf denen Asternwelke wiederholt aufgetreten ist. Dort sollten 5 bis 7 Jahre lang keine Sommerastern angebaut werden. Welken deine Astern an einem solchen Platz, kann eine Krankheit dahinterstecken statt eines Standortsignals.
Die Bodenuntersuchung als Gegenprobe
Für eine MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. stichst du 10 bis 15 Einzelproben, gleichmäßig über die einheitlich genutzte Fläche verteilt. Entnommen wird aus dem Oberboden bis etwa 25 bis 30 cm Tiefe. Von der gemischten Erde schickst du rund 500 g ans Labor. Unterscheiden sich die Bodenarten deiner Vergleichsplätze, beprobst du sie für die pH-Untersuchung getrennt. Eine Standarduntersuchung erfasst üblicherweise Phosphat, Kali und Kalkbedarf, Stickstoff muss gesondert beauftragt werden.
Ein pH-Schnelltest gibt dir eine Orientierung, ersetzt aber keine Laboruntersuchung. Dafür vermengst du zerkleinerte Gartenerde mit destilliertem Wasser und liest nach kurzer Einwirkzeit die Farbe ab. Vergleichst du pH-Werte, achte auf die Messlösung. Wasser-, Calciumchlorid- und Kaliumchloridverfahren können unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Erklärt die Bodenanalyse eine vermutete Ernährungsstörung nicht, kann eine Pflanzenanalyse den tatsächlichen Versorgungszustand klären. Wie bei Weidelgras und Grünkohl in der Luftüberwachung gibt dann das Labor Auskunft über die Pflanze, nicht der Blick aufs Blatt.
Gleiches Saatgut, gleicher Aussaattag und gleiche Abstände für alle Vergleichsreihen. Jeder Eintrag mit Datum, Wetter und Zustand von Blatt und Blüte. Hellen Belag abwischen, auffällige Blätter mit der Lupe ansehen. Bodenscholle prüfen, bevor du ein gelbes Blatt deutest. Bei Verdacht auf ein Bodenproblem eine Mischprobe ins Labor schicken.
Was bringen Strahlen-Astern der Umwelt im Garten?
Ungefüllte Sorten der Sommeraster nützen der Gartenumwelt ganz direkt: Sie werden als Nahrungsangebot für zahlreiche Insekten empfohlen. Stark gefüllte Blüten bieten Insekten dagegen häufig nur sehr wenig oder keine Nahrung. Ungefüllte Astern im Spätsommer und Herbst ergänzen außerdem das sommerliche Nahrungsangebot für Bienen. Ich säe für meine Beobachtungsreihen ungefüllte Sorten, damit das Beet auch den Insekten etwas bietet.
Greif für dein Beobachtungsbeet zu ungefüllten Sorten. Die dichtgefüllte Sommeraster ‚Pompon Mischung‘ etwa ist als nicht nützlingsfreundlich ausgewiesen.




