Tabak anbauen: Rechtslage, Sorten und Pflanzung bis zur Ernte
- Tabakwaren aus selbst angebautem Rohtabak sind für den eigenen Bedarf von Tabaksteuer und Verpackungszwang befreit.
- Echter Tabak ist einjährig, nicht winterhart und wird 150 bis 200 cm hoch.
- Vorkultur im Haus von Februar bis April, die Samen sind Lichtkeimer und bleiben unbedeckt.
- Auspflanzen ab etwa Mitte Mai mit 50 cm in der Reihe und 60 cm zwischen den Reihen.
- Bei Rauchtabak brichst du Blüten und junge Seitentriebe aus, dadurch steigt der Nikotingehalt der Blätter.
- Hautkontakt mit den Blättern kann die Grüne Tabakkrankheit auslösen, darum Handschuhe tragen.
Wer Tabak anbauen will, plant vor allem Zeit ein. Die Samen sind winzig, die Pflanze braucht eine lange Saison, und für Rauchtabak kommt eine Rechtsfrage dazu. Echter Tabak hat eine Kulturdauer von 182 bis 196 Tagen und ist nicht winterhart. Beides zusammen heißt: Die Saison beginnt im Haus, nicht im Beet. Ich lege deshalb zuerst den Auspflanztermin ab Mitte Mai fest und plane die Anzucht davor.
Echter Tabak heißt botanisch Nicotiana tabacum. Er ist einjährig und nicht winterhart, jede Saison beginnt also mit einer neuen Aussaat.
Darf ich Tabak im Garten anbauen?
Vor der ersten Aussaat klärst du, wofür du den Tabak ziehen willst. Echter Tabak eignet sich auch als Zierpflanze für Beete, Bauerngärten und Kübel. Rechtlich wird es interessant, sobald aus den Blättern Tabakwaren werden sollen.
In Deutschland sind Tabakwaren aus selbst angebautem Rohtabak von der Tabaksteuer und vom Verpackungszwang befreit, wenn du sie für deinen eigenen Bedarf verwendest. Diese Befreiung hängt am eigenen Bedarf. Verkauf oder Weitergabe deckt sie nicht ab. Hast du mehr vor als den Eigenbedarf, fragst du vorher bei der zuständigen Behörde nach.
Rechtsgrundlage ist § 30 Absatz 1 Nummer 2 TabStG, also das Tabaksteuergesetz. Die Befreiung setzt zweierlei voraus: Der Rohtabak stammt aus eigenem Anbau, und die Tabakwaren dienen deinem eigenen Bedarf.
Ich notiere bei jeder Aussaat, ob die Pflanzen als Zierde oder für die Blatternte gedacht sind. Davon hängt später die Pflege ab, denn Rauchtabak behandelst du anders als Ziertabak.
Ziertabak oder Rauchtabak: Welche Sorte passt zu dir?
Die erste Entscheidung fällt schon beim Saatgut: Willst du Blüten oder Blätter? Ziertabak ziehst du für die Blüte, Rauchtabak für die Blätter. Danach richten sich Sorte, Platzbedarf und Pflege.
Für Blüten im Kübel passt ein niedriger Ziertabak wie „Scharlachkönig“ aus der Gruppe Nicotiana × sanderae. Für die Blatternte ziehst du Echten Tabak, Nicotiana tabacum. Er braucht deutlich mehr Platz als Ziertabak und taugt ebenfalls als Zierpflanze, wenn du ihn blühen lässt. Eine Sorte mit klaren Kulturangaben ist „Virginia Gold“.
Beim Rauchtabak brichst du später Blüten und junge Seitentriebe aus. Beim Ziertabak bleiben die Blüten stehen, denn um sie geht es.
| Pflanze | Wofür | Eckdaten |
|---|---|---|
| Echter Tabak (Nicotiana tabacum) | Blatternte, auch Zierpflanze für Beet, Bauerngarten und Kübel | einjährig, 150 bis 200 cm hoch, 50 bis 60 cm breit |
| Tabak „Virginia Gold“ | Blatternte | Vorkultur ab März im Haus, Samen nur andrücken |
| Ziertabak „Scharlachkönig“ (Nicotiana × sanderae) | Blüte in Dunkelscharlachrot | etwa 60 cm hoch, für Kübel und Blumentöpfe |
Ich wähle Saatgut, auf dessen Tüte Vorkultur und Abstände stehen, und lege die Tüte zur Anzuchtschale.
Der richtige Standort für Tabak
Tabak will in die Sonne und mag es warm. Für Wachstum und Reife gilt ein Bereich von 25 bis 35 °C als günstig. Halbschatten verträgt er zwar, ich gebe ihm trotzdem den wärmsten und sonnigsten Platz im Garten.
Genauso wichtig ist ein Platz, der nicht windexponiert ist. Eine Hecke, ein Zaun oder eine Hauswand im Rücken können den Wind abhalten.
Spielen kleine Kinder in deinem Garten, gehört Tabak besser nicht ins Beet. Nikotin wirkt in hohen Dosen als starkes Nervengift, und giftige Gewächse sollten aus einem Garten mit Kindern möglichst verschwinden. Kleinkinder behältst du beim Spielen im Garten ohnehin immer im Auge.
Boden vorbereiten und mit Nährstoffen anreichern
Tabak wünscht sich einen nährstoffreichen, feuchten und gut durchlässigen Boden, der leicht sauer ist. Lehmboden passt gut zu ihm. Er wächst auch auf sauren, neutralen oder alkalischen Böden, leicht sauer ist ihm aber am liebsten.
Welchen Boden du hast, verrät die Fingerprobe. Feuchter Sandboden lässt sich schlecht formen, tonreicher Boden ist klebrig und gut formbar. Genauer wird es mit einer Bodenuntersuchung: Die Standarduntersuchung erfasst Kalium, Phosphor und den pH-Wert.
Nimm die Probe auf einer einheitlich genutzten Fläche. Stich 10 bis 15 Einzelproben und mische sie. Im Gemüsebeet entnimmst du die Erde aus 0 bis 25 cm Tiefe.
Kalk streust du nicht auf Verdacht. Die Kalkversorgung beurteilst du anhand des gemessenen pH-Werts sowie der Boden- und Kulturart, oberhalb des Zielbereichs wird nicht gekalkt. Weil Tabak leicht sauren Boden mag, wartest du bei ihm erst recht auf den Messwert.
Ein bestehendes Beet lockerst du mit dem Sauzahn, ohne die Erde zu wenden. Umgraben kommt vor allem bei einer Neuanlage und bei sehr schweren Böden infrage. Schwere Böden verbessert regelmäßig eingearbeiteter Kompost, weil er die KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und damit Luftführung und Wasserdurchlässigkeit verbessert. Als allgemeine Empfehlung für schwere Böden im Gemüsegarten gilt eine Frühjahrsgabe von 3 Litern Kompost je Quadratmeter.
Wie viel Dünger dazukommt, richtest du nach dem Bedarf der Pflanze und einer Düngeempfehlung auf Grundlage deiner Bodenprobe.
Das Beet gleich nach einem Regen vorbereiten. Nasser Gartenboden verdichtet, wenn du ihn betrittst, also wartest du, bis er abgetrocknet ist.
Aussaat im Haus
Tabak säst du im Haus, die Kultur startet von Februar bis April. Die winzigen Samen sind LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte.: Du drückst sie auf der Oberfläche an und bedeckst sie nicht mit Erde. Wie du die Samen keimfähig hältst und unter welchen Bedingungen sie zuverlässig keimen, zeigt der Ratgeber, wie du Tabaksamen lagerst und zum Keimen bringst.
Pikieren und Umtopfen der Jungpflanzen
Bis zum PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. hältst du das Aussaatsubstrat feucht. Pikiert wird, sobald die Sämlinge groß genug sind. In der Jungpflanzenanzucht ist das der Fall, wenn die ersten Laubblätter sichtbar werden.
Jeder Sämling kommt dann einzeln in einen Topf mit nährstoffarmer, humoser und durchlässiger AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an.. Mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. lockerst du die Erde unter dem Sämling und hebst ihn samt Wurzeln heraus. Fass ihn dabei an einem KeimblattKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. an, nicht am Stängel. Im neuen Topf drückst du die Erde rund um die Wurzeln leicht an und gießt behutsam.
Die Erde bleibt danach gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Bevor du erneut gießt, prüfst du mit dem Finger, ob sie noch feucht ist. Wird ein Topf zu eng, bevor der Auspflanztermin da ist, setzt du die Jungpflanze in einen größeren um.
Ich pikiere mit einem Holzstäbchen und fasse jeden Sämling nur an einem Keimblatt an. Die Töpfe beschrifte ich sofort mit Sorte und Datum, damit Ziertabak und Rauchtabak nicht durcheinandergeraten.
Auspflanzen: Termin, Abstände und Pflanzanordnung
Abhärten und Pflanztermin
Ausgepflanzt wird ab etwa Mitte Mai, wenn keine Spätfröste mehr drohen. Vorher härtest du die Jungpflanzen ab, indem du die Temperatur senkst und sie gut belüftest. Ich stelle die Töpfe dafür tagsüber zuerst in den Halbschatten und später in die Sonne. Der endgültige Platz ist sonnig und nicht windexponiert, im Beet genauso wie im Balkonkübel.
Abstände und Pflanzanordnung
Tabak setzt du in Reihen. Den Abstand in der Reihe, den Abstand zwischen den Reihen und die spätere Erziehung planst du dabei zusammen.
| Pflanze | In der Reihe | Zwischen den Reihen | Erziehung |
|---|---|---|---|
| Echter Tabak | 50 cm | 60 cm | für die Blatternte ein Haupttrieb, Blüten und junge Seitentriebe ausbrechen; als Zierpflanze blühen lassen |
| Tabak „Virginia Gold“ | 40 cm | 40 bis 60 cm | für die Blatternte ein Haupttrieb, Blüten und junge Seitentriebe ausbrechen |
Ich spanne vor dem Pflanzen eine Schnur und markiere jede Pflanzstelle mit einem Stab. Die Pflanze setze ich direkt daneben, so steht die Stütze schon, wenn sie später gebraucht wird.
Tabak im Kübel
Tabak kann auch im Balkonkübel wachsen. Der Kübel braucht einen Wasserabzug und darf nicht im Wasser stehen, sonst kann Wurzelfäule entstehen. Außerdem sollen Kübel auf Balkon und Terrasse standsicher sein. Weil Echter Tabak zu einer hohen Pflanze heranwächst, ist die Standsicherheit bei ihm keine Nebensache. Für Kübel und Blumentöpfe ist der niedrige Ziertabak „Scharlachkönig“ die handlichere Wahl.
Freiland oder Gewächshaus
Echter Tabak lässt sich auch im Gewächshaus oder Wintergarten ziehen. Was beide Wege bei Ertrag, Aufwand und Kosten unterscheidet, zeigt der Vergleich von Tabakanbau im Freiland und im Gewächshaus. Wie du Klima, Substrat und Kultur unter Glas steuerst, erklärt der Ratgeber, wie du Tabak im Gewächshaus anbaust.
Regelmäßige Pflege bis zur Ernte
Nach dem Auspflanzen besteht die Pflege aus wenigen Handgriffen, die sich durch den Sommer ziehen.
Boden zwischen den Reihen hacken, wenn er abgetrocknet ist. Geneigte Haupttriebe locker an den Stab binden. Bei Rauchtabak Blüten und junge Seitentriebe ausbrechen, immer mit Handschuhen. Blattunterseiten und Triebspitzen ansehen.
Hacken und Stützen
Zwischen den Reihen hältst du den Boden mit der Hacke offen und frei von Unkraut. Ich hacke flach und bleibe mit der Klinge etwas weg vom Stängel. Neigt sich eine Pflanze, bindest du den Haupttrieb locker an den Stab von der Pflanzung. Ich nehme dafür weiches Band und binde in einer Achterschlaufe, damit nichts einschneidet.
Blüten und Seitentriebe ausbrechen
Beim Rauchtabak entfernst du Blüten und junge Seitentriebe, sobald sie erscheinen. Dadurch steigt der Nikotingehalt der Blätter. Echter Tabak blüht von August bis September, in dieser Zeit schaust du besonders nach neuen Knospen.
Hautkontakt mit nikotinhaltigen Tabakblättern kann die Grüne Tabakkrankheit auslösen, mit Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Ich trage beim Ausbrechen, Anbinden und Ernten Handschuhe und lange Ärmel. Danach wasche ich die Hände mit Seife unter fließendem Wasser und trockne sie sorgfältig ab.
Gießen und Düngen
Tabak mag feuchten, gut durchlässigen Boden und wird während der Wachstumszeit flüssig gedüngt. Wie viel Wasser er braucht, hängt von Sorte, Witterung, Boden sowie Sonne und Wind am Standort ab. Wie du Wasser und Dünger über die Saison dosierst, zeigt der Ratgeber, wie du Tabakpflanzen richtig bewässerst und düngst.
Schädlinge und Krankheiten
Beim Ausbrechen schaue ich auch auf Blattunterseiten und Triebspitzen, denn Flecken, Beläge oder Fraßspuren können auf Schädlinge oder Krankheiten hindeuten. Einen Sud aus Tabakblättern setze ich nicht an, weil Nikotinbrühe für Menschen lebensgefährlich sein kann. Welche SchaderregerSchaderreger ist im Pflanzenschutz der Sammelbegriff für Schädlinge und Krankheitserreger, die Pflanzen befallen: etwa Insekten oder Fadenwürmer (Nematoden) sowie Pilze, Bakterien und Viren. an Tabak auftreten und wie KulturschutznetzeEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. und Nützlinge helfen können, zeigt der Ratgeber, wie du Tabakpflanzen vor Schädlingen schützt.
Ernte, Trocknung und Fermentation
Echter Tabak wird von August bis Oktober geerntet. Woran du reife Blätter erkennst, wie du sie abnimmst und nachreifen lässt, zeigt der Ratgeber, woran du den Erntezeitpunkt erkennst und wie du Tabakblätter erntest. Danach folgen Trocknung und Fermentation, zwei eigene Arbeitsschritte, die Erfahrung und eine sorgfältige Kontrolle von Temperatur und Feuchte verlangen.
Nach der Saison: Fruchtfolge und Beetplanung
Auch Tabak gehört in eine Fruchtfolge: Selbst in Mischkulturen hältst du vor dem erneuten Anbau derselben Pflanzenfamilie Anbaupausen ein. Wird dein Tabakbeet erst Ende September oder Anfang Oktober frei, eignet sich Winterroggen als robuste Gründüngung. Den Zusammenhang erklärt der Überblick zu Fruchtfolge und Mischkultur bei Exoten und Gemüse-Raritäten, die Flächen planst du über mehrere Jahre im Beetplaner.
Die Geschichte des Tabakanbaus lasse ich hier beiseite, die Einordnung unter den übrigen Exoten findest du im selben Überblick.
Verantwortung: Tabak ist keine Küchenpflanze
Tabak ist keine Küchenpflanze. Der Konsum von Tabakerzeugnissen schadet der Gesundheit, auch wenn der Ausgangstabak aus deinem eigenen Garten stammt. Ob sich Tabakanbau als Hobby für dich lohnt und welche Nutzungen jenseits des Rauchens infrage kommen, etwa als Zierpflanze, ordnet der Ratgeber ein, ob sich Tabakanbau im Hobbygarten lohnt.





