Besondere Gurkenarten: Luffa, Schwammgurke und Klettergurke
- Luffa und Schwammgurke sind dieselbe Pflanze: Luffa aegyptiaca, ein Schwammkürbis aus der Familie der Kürbisgewächse – keine echte Gurke.
- Junge Luffa-Früchte lassen sich wie Zucchini zubereiten, ausgereifte und getrocknete werden zum Badeschwamm.
- Die Klettergurke (Akebia quinata) ist eine winterharte Zierkletterpflanze und mit Gurken botanisch nicht verwandt.
- Runde Gurken wie Apfel- und Zitronengurken sind dagegen echte Gurkensorten für Beet und Kübel.
Besondere Gurkenarten: was hinter Luffa, Schwammgurke und Klettergurke steckt
Nicht alles, was Gurke heißt, ist auch eine: Hinter Namen wie Luffa, Schwammgurke oder Klettergurke stecken teils völlig andere Pflanzen – vom Schwammkürbis bis zur winterharten Zierkletterpflanze. Als mir zum ersten Mal jemand stolz von seiner „Gurke” an der Pergola erzählte, war ich kurz verwirrt – gemeint war eine Akebie, die mit Gurken nichts zu tun hat.
Dieser Ratgeber sortiert die besonderen Arten botanisch sauber, sagt ehrlich, was davon in Mitteleuropa gelingt, und klärt die wichtigste Frage gleich mit: Was kannst du davon essen?
Drei Namen, drei Pflanzen: der Überblick
| Name | Botanisch | Familie | Essbar? | Anbau in Mitteleuropa |
|---|---|---|---|---|
| Luffa / Schwammgurke | Luffa aegyptiaca (auch L. cylindrica) | KürbisgewächseKürbisgewächse (Cucurbitaceae) sind eine Pflanzenfamilie, aus der vor allem Gurken, Melonen, Wassermelonen und Kürbisse samt Zucchini angebaut werden. Typisch sind frostempfindliche, meist rankende Arten, die männliche und weibliche Blüten getrennt an derselben Pflanze tragen. | jung als Gemüse; reif nur noch als Schwamm | nicht winterhart; braucht lange, warme Saison – am sichersten im Gewächshaus |
| Klettergurke | Akebia quinata | Fingerfruchtgewächse | Fruchtfleisch reifer Früchte gilt als essbar; Früchte hier selten | mehrjährigMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu., winterhart; vor allem Zierwert |
| Runde Gurken (Apfel-/Zitronengurke) | Cucumis sativus | Kürbisgewächse | ja, wie jede Gurke | wie normale Salat- und Snackgurken |
Schon die Tabelle zeigt das Muster: Nur die runden Gurken sind echte Gurken. Luffa ist eine nahe Verwandte aus derselben Pflanzenfamilie, die Klettergurke trägt ihren Namen allein wegen der gurkenähnlich geformten Früchte.
Luffa und Schwammgurke: eine Pflanze, zwei Namen
Luffa und Schwammgurke bezeichnen dieselbe Pflanze: Luffa aegyptiaca, in älteren Katalogen auch Luffa cylindrica genannt. Botanisch ist sie ein Schwammkürbis – ein rankendes, frostempfindliches Kürbisgewächs mit gelben Blüten und länglichen Früchten, die auf den ersten Blick tatsächlich an große Gurken erinnern; den Winter überdauert die Pflanze bei uns nicht.
Gurke und Luffa gehören beide zur Familie der Kürbisgewächse, aber zu verschiedenen Gattungen – die Gurke zu Cucumis, die Luffa zu Luffa. Deshalb ist „Schwammgurke” botanisch eigentlich ein Schwammkürbis; der Gurken-Name hat sich wegen der Fruchtform trotzdem durchgesetzt.
Für den Anbau brauchst du vor allem eines: Wärme über eine sehr lange Saison. Luffa wird deshalb früh im Haus vorgezogen und erst nach den letzten Frösten ausgepflanzt – ins Gewächshaus oder an einen vollsonnigen, geschützten Platz mit stabilem, hohem Rankgerüst. Die Pflege entspricht der einer anspruchsvollen Gurke: gleichmäßig feucht, nährstoffreich, windgeschützt; die Grundlagen dazu stehen im großen Gurken-Ratgeber. Ehrlich gesagt ist das FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. hierzulande ein Wagnis: Für junge, essbare Früchte reicht ein guter Sommer oft aus, für ausgereifte Schwamm-Früchte ist das Gewächshaus klar die sicherere Wahl. Meine eigenen Luffa ziehe ich fürs Schwamm-Projekt deshalb grundsätzlich unter Glas.
Beim Verzehr gilt eine klare Linie: Junge, zarte Früchte kannst du wie Zucchini zubereiten – in der asiatischen Küche sind sie ein ganz normales Gemüse. Reife Früchte sind von einem dichten Fasernetz durchzogen und werden getrocknet zum Naturschwamm. Und wie bei allen Kürbisgewächsen: Schmeckt eine Frucht bitter, spuckst du den Bissen aus, probierst nicht weiter und entsorgst die ganze Frucht.
Klettergurke: die „Gurke”, die keine ist
Die Klettergurke ist der größte Namensschwindel in dieser Runde – und zugleich eine wunderbare Gartenpflanze. Botanisch heißt sie Akebia quinata, auf Deutsch auch Fingerblättrige Akebie oder Schokoladenwein, und gehört zur Familie der Fingerfruchtgewächse. Mit Gurken verbindet sie nichts außer der Form ihrer walzenförmigen Früchte.
Als mehrjährige, gut winterharte Schlingpflanze begrünt die Akebie Zäune, Pergolen und Rankgitter zügig. Im Frühjahr trägt sie purpurbraune Blüten, die zart nach Schokolade und Vanille duften. Früchte setzt sie in unserem Klima dagegen nur unter günstigen Bedingungen an – sie braucht dafür die Kreuzbestäubung durch einen zweiten, genetisch verschiedenen Klon oder eine andere Sorte, deren Blütezeit sich mit ihrer überschneidet, dazu einen langen, warmen Herbst. Das süßliche Fruchtfleisch reifer, aufgeplatzter Früchte gilt als essbar; realistisch bleibt die Akebie bei uns aber vor allem eine Zierpflanze, bei der eine Frucht die Ausnahme und nicht der Plan ist.
Achte beim Kauf auf den botanischen Namen. Unter „Klettergurke” laufen im Handel sowohl die Akebie als auch schlicht kletternde Gurkensorten für das Rankgitter – und mit der Scheinrebe (Ampelopsis) ist noch eine weitere, nicht verwandte Kletterpflanze im Umlauf. Nur der botanische Name sagt dir sicher, was du wirklich pflanzt.
Übrigens: Wenn du nach einer „Klettergurke” für das Gemüsebeet suchst, meinst du vermutlich normale Gurkensorten, die an Schnur oder Gitter gezogen werden – das können fast alle Salat- und Schlangengurken, dafür brauchst du keine besondere Art.
Runde Gurken: Apfel- und Zitronengurken
Nach so viel botanischer Verwandtschafts-Klärung zum Schluss echte Gurken mit besonderem Auftritt: Apfel- und Zitronengurken sind Sorten von Cucumis sativus mit kugeligen Früchten von etwa 8 bis 10 cm Durchmesser und heller, gelblicher oder weißer Schale. Sie schmecken mild bis fruchtig und machen sich gut im Beet wie im Kübel. Eine bewährte Vertreterin ist die alte Sorte ‘Lemon’ mit runden, gelben Früchten und feinem Geschmack – ich ernte sie am liebsten jung, dann ist die Schale noch schön zart.
Angebaut werden runde Gurken wie ihre länglichen Schwestern: sonnig, warm, gleichmäßig feucht, gern mit Rankhilfe. Wie sie sich in das Sortiment aus Einlege-, Salat- und Snackgurken einordnen, zeigt dir unsere Warenkunde zu den Gurkensorten im Überblick.
Lohnt sich der Anbau für dich?
Ich bin da ganz ehrlich: Die Luffa ist ein lohnendes Projekt für alle mit Gewächshaus oder einem richtig warmen Südplatz – ein Gemüse für den Sommer und selbst gezogene Schwämme für den Winter. Die Akebie ist eine pflegeleichte, winterharte Schönheit für alle, die eine wüchsige Kletterpflanze suchen und eine Frucht als Bonus betrachten. Und runde Gurken sind der einfachste Einstieg in die besonderen Formen, weil sie schlicht Gurken sind. Wer Neues probieren will, fängt am besten genau dort an.






