Tomaten ausgeizen: warum, wann und bei welchen Sorten
- Geiztriebe wachsen in den Blattachseln zwischen Haupttrieb und Blatt und werden bei Stabtomaten entfernt, sobald sie etwa 5 cm lang sind.
- Ausgeizen konzentriert die Kraft der Stabtomate auf einen Trieb und hält die Pflanze luftig, hell und übersichtlich.
- Buschtomaten werden nicht ausgegeizt; viele Kirsch- und Cocktailtomaten tragen ohne Eingriff besser.
- Regelmäßig statt radikal: Geiztriebe klein ausbrechen, Blätter und Blütenrispen stehen lassen.

Ausgeizen: warum überhaupt, und bei welchen Tomaten?
Wer zum ersten Mal Tomaten zieht, stolpert über das Wort spätestens im Juni, wenn die Pflanzen in jeder BlattachselDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. einen neuen Trieb schieben. AusgeizenAusgeizen ist das Entfernen der Geiztriebe, also der Seitentriebe, die bei Tomaten in den Blattachseln wachsen. Ohne Ausgeizen bildet die Pflanze sehr viel Blattmasse und trägt später Früchte. heißt, diese GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. zu entfernen – aber nicht bei jeder Tomate und nicht um jeden Preis. Ob du ausgeizt, entscheidet der Wuchstyp; wie stark, entscheiden Fruchtgröße, Platz und Luft.
Dieser Beitrag erklärt, was ein Geiztrieb ist, warum Stabtomaten ausgegeizt werden und Buschtomaten nicht, wann du anfängst und wann die Schere mehr schadet als nützt. Die Handgriffe selbst gibt es nur als Anriss; Schritt für Schritt zeigt sie die Anleitung zum Ausgeizen von Stabtomaten, auf die weiter unten verwiesen wird.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Warme Anzucht; nach Ende der Frostgefahr ins unbeheizte Gewächshaus oder Freiland. Substrat gleichmäßig feucht halten; Stabtomaten benötigen eine Stütze.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte gleichmäßig feucht und gut durchlässig sein.
- Anbauort
Je nach Sorte ist die Kultur im Freiland, im Gewächshaus, im Hochbeet, im Kübel oder im Topf möglich.
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Sorte Hofmanns Rentita etwa 0,5–1 cm tief säen.
Pflege
- Pflege
Regelmäßig gießen und das Substrat gleichmäßig feucht halten. Eintriebig erzogene Stabtomaten benötigen eine Stütze.
- Düngung
Zunächst ausgewogenen Flüssigdünger verwenden; nach Ansatz der ersten Früchte zu kaliumbetontem Flüssigdünger wechseln.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze wächst als spreizklimmender Halbstrauch.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung, Hängeampel, Wintergarten und Gewächshaus.
Was ein Geiztrieb ist
Geiztriebe wachsen in den Blattachseln zwischen Haupttrieb und Blatt: Aus dem Winkel, in dem der Blattstiel am Stängel ansetzt, schiebt die Pflanze einen neuen Trieb mit eigenen Blättern, der zu einem zweiten Haupttrieb mit eigenen Blütenrispen heranwächst, wenn man ihn lässt. Bei Stabtomaten werden diese Triebe entfernt, sobald sie etwa 5 cm lang sind – dann brechen sie mit den Fingern seitlich sauber aus. Der Name kommt daher, dass die Triebe der Pflanze Kraft „abgeizen“, die sonst in die Früchte am Haupttrieb ginge.
Geiztrieb oder Blütenrispe? Ein Geiztrieb sitzt genau in der Blattachsel, also im Winkel zwischen Stängel und Blattstiel, und trägt kleine Blätter. Eine Blütenrispe entspringt direkt am Stängel zwischen zwei Blättern, trägt Knospen statt Blätter und bleibt immer stehen. Im Zweifel wartest du, bis der Trieb eindeutig ist.
Warum Stabtomaten ausgegeizt werden
Stabtomaten – die indeterminierten Sorten – wachsen die ganze Saison weiter in die Höhe und bilden fortlaufend neue Blüten. Jeder Geiztrieb, der stehen bleibt, wird zu einem weiteren solchen Trieb mit eigenen Rispen, und jeder dieser Triebe bildet wieder Geiztriebe. Ohne Eingriff steht im Hochsommer ein Dickicht aus vielen Trieben, die sich gegenseitig beschatten und um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Bei Stabtomaten fließt die Kraft nur dann in die Früchte, wenn die Seitentriebe weichen: Die Früchte am Haupttrieb werden größer und reifen früher und gleichmäßiger, weil die Pflanze sie nicht mit vielen Nebentrieben teilen muss.
Der zweite Grund ist Luft und Licht. Eine eintriebige Pflanze ist offen: Regen und Tau trocknen schneller ab, Pilzkrankheiten wie die Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. finden weniger nasse Blätter, und die Sonne erreicht die Rispen bis unten. Der dritte Grund ist banal, aber im Alltag der wichtigste: Übersicht. An einer ausgegeizten Pflanze siehst du jede Rispe, jeden kranken Fleck und jede reife Frucht – in einem Dickicht findest du die Tomaten erst, wenn sie schon geplatzt sind.
Stabtomate oder Buschtomate: wer wird ausgegeizt
Buschtomaten – die determinierten Sorten – bleiben mit rund 50 bis 100 cm kompakt, verzweigen sich von selbst und schließen ihr Wachstum nach einer bestimmten Zahl von Fruchtständen ab. Die Seitentriebe sind bei ihnen keine Konkurrenz, sondern tragen die Ernte; wer sie ausbricht, nimmt der Pflanze die Rispen. Buschtomaten werden deshalb nicht ausgegeizt. Stabtomaten dagegen erreichen 150 bis 200 cm, einzelne Sorten bis 2,5 m, brauchen eine Stütze und werden ausgegeizt; die meisten Salat- und Fleischtomaten gehören dazu. Welcher Wuchstyp in deinem Beet steht, sagt die Saatguttüte („Buschtomate“ oder „determinant“ gegenüber „Stabtomate“ oder „indeterminant“) – und wo sie schweigt, die Pflanze selbst: breit verzweigt mit Blüten an vielen Trieben heißt Busch, ein Haupttrieb nach oben mit Rispen daran heißt Stab. Was die beiden Wuchstypen sonst für Abstand, Stütze und Pflege bedeuten, trägt der Tomaten-Ratgeber im Abschnitt darüber, was Stabtomaten und Buschtomaten unterscheidet.
Dazwischen liegen die kleinfrüchtigen Sorten. Kirsch- und Cocktailtomaten gibt es in beiden Wuchstypen, und selbst die rankenden unter ihnen tragen ohne Eingriff oft besser, weil ihre vielen kleinen Früchte weniger um Kraft konkurrieren als wenige große. Auch Wildtomaten mit sehr kleinen Früchten lässt man in der Regel ganz wachsen; sie verzweigen sich stark, tragen an allen Trieben und brauchen eher ein Gerüst als eine Schere. Wann sich das Ausgeizen bei kleinen Früchten trotzdem lohnt und wie die Zweitriebkultur als Mittelweg funktioniert, erklärt der Beitrag darüber, ob Cocktailtomaten ausgegeizt werden müssen.
Die Buschtomate „ordentlich“ ausgeizen, weil es alle Tomaten so machen. Die Seitentriebe der Buschtomate sind ihre Fruchttriebe – jeder ausgebrochene Trieb ist eine Rispe weniger, und die Pflanze kann ihn nicht ersetzen, weil ihr Wachstum begrenzt ist. Bei Buschtomaten bleibt die Schere in der Tasche; entfernt werden nur vergilbte oder am Boden liegende Blätter.
Wann du anfängst und wie oft du nachschaust
Der Startschuss fällt nach dem Auspflanzen, sobald die ersten Geiztriebe in den Blattachseln zu sehen sind – und dann geht es bis zum Saisonende weiter, denn eine Stabtomate schiebt an jedem Blatt nach. Entfernt werden die Triebe, sobald sie etwa 5 cm lang sind: klein genug, um sie mit den Fingern auszubrechen, groß genug, um sie sicher von einer Blütenrispe zu unterscheiden. Regelmäßig schlägt radikal – wer bei jedem Beetrundgang die Blattachseln kontrolliert, hat nie mehr als kleine Triebe vor sich und hinterlässt nur winzige Bruchstellen. Ich verbinde das mit dem Gießen: Kanne in der einen Hand, die andere fährt die Blattachseln entlang.
Gegen Ende der Saison kommt ein zweiter Schnitt dazu: Neue Blüten werden dann nicht mehr zu reifen Früchten, deshalb kappst du den Haupttrieb ein Blatt über der obersten Rispe, die noch ausreifen kann, und entfernst frische Blütenansätze. Ich mache das, sobald die Nächte kühl werden.
Wie du ausgeizt: der Anriss
Junge, weiche Geiztriebe brichst du mit Daumen und Zeigefinger seitlich aus – das gibt eine kleine, schnell trocknende Bruchstelle statt einer glatten Schnittfläche. Dickere, verholzte Triebe schneidest du mit einer sauberen, scharfen Schere dicht am Haupttrieb ab, ohne dessen Rinde zu verletzen. Am besten arbeitest du am Vormittag eines trockenen Tages, damit die Stellen abtrocknen, bevor Pilzsporen sie finden, und mit sauberen Händen, damit du keine Krankheiten von Pflanze zu Pflanze trägst. Jeden Handgriff, das Anbinden des freigelegten Triebs und den Umgang mit übersehenen großen Trieben zeigt die Anleitung dazu, wie du Stabtomaten Schritt für Schritt ausgeizt.
Mehr als ein Trieb: Zwei- und Dreitriebkultur
Eintriebig ist die Regel, aber nicht das Gesetz. Wer Platz und eine stabile Stütze hat, lässt einen kräftigen Geiztrieb unterhalb der ersten Blütenrispe stehen und bindet ihn an einen eigenen Stab; bei kräftigen Sorten auch zwei. Diese zusätzlichen Haupttriebe werden danach genauso konsequent ausgegeizt wie der erste. Die Pflanze trägt mehr Rispen, braucht aber mehr Abstand zum Nachbarn, mehr Wasser und Dünger und vor allem Halt für die doppelte Last. Für kleinfrüchtige Sorten ist die Zweitriebkultur oft der beste Kompromiss; bei Fleischtomaten mit sehr schweren Früchten bleibt der eine Trieb die sichere Wahl.
Ich ziehe meine Salattomaten im Beet zweitriebig, mit zwei Stäben im Abstand einer Handbreit – und im Gewächshaus eintriebig, weil dort die Luft knapp ist. Beide Triebe geize ich gleich streng aus; den zweiten Trieb wähle ich immer unterhalb der ersten Rispe, weil die Triebe dort am kräftigsten sind.
Grenzen und Nachteile des Ausgeizens
Jede Bruchstelle ist eine Eintrittspforte für Pilze – das ist der Preis, und er ist niedrig, solange du klein und bei trockenem Wetter ausbrichst. Teurer wird es, wenn mehr als die Geiztriebe verschwindet: Die Blätter versorgen die Früchte und beschatten sie; wer die Pflanze kahl macht, bekommt helle, ledrige Flecken auf sonnenbeschienenen Früchten und kleinere Rispen. Entfernt werden nur die Triebe aus den Blattachseln und die untersten Blätter, sobald sie die Erde berühren oder vergilben. Zeit kostet das Ausgeizen auch, aber wenig, wenn du es zur Routine machst.
Wie du bei hoch gewachsenen, bereits tragenden Pflanzen vorgehst und was Regen und Hitze am Zeitpunkt ändern, zeigt der Beitrag darüber, wie du Salattomaten an hohen, fruchtenden Pflanzen ausgeizt.
Fazit: der Wuchstyp entscheidet, die Routine macht es leicht
Stabtomaten werden ausgegeizt, Buschtomaten nicht, kleinfrüchtige Sorten nach Platz und Luft – das ist die ganze Regel. Wer die Geiztriebe klein und bei trockenem Wetter ausbricht, die Blätter und Rispen stehen lässt und am Saisonende die Spitze kappt, hat Pflanzen, die ihre Kraft in die Früchte stecken und auf denen jede Rispe sichtbar bleibt.





