Gemüse · Wurzel- & Knollengemüse · Anbau

Rüben in der Fruchtfolge: erst die Familie, dann das Beet

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Für die Fruchtfolge zählt die Pflanzenfamilie der Rübe, nicht ihr Name.
  • Steckrübe, Mairübe und Herbstrübe gehören wie Kohl, Rettich und Radieschen zu den Kreuzblütlern.
  • Rote Bete ist mit Mangold und Spinat verwandt, Möhre und Pastinake sind Doldenblütler.
  • Herbstrübe, Rote Bete und Meerrettich kommen erst nach einer Pause von 4 Jahren wieder auf dasselbe Beet.
  • Erntest du Rüben samt Laub, bleibt über Erntereste kein Stickstoff für die Nachkultur.
  • Gelbsenf, Ölrettich und Rübsen sind selbst Kreuzblütler, nach kreuzblütigen Rüben passt Phacelia.

Schreibst du im Beetplan nur „Rüben“ auf ein Beet, ist für die Fruchtfolge noch nichts entschieden. Hinter dem Wort stecken Kreuzblütler wie Steckrübe und Mairübe, die Rote Bete aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse und Doldenblütler wie Möhre und Pastinake. Setzt du Mairüben direkt hinter den Kohl, wechselt nur der Name, denn beide sind Kreuzblütler. Ich trage deshalb jede Rübe mit Artnamen und Familie in meinen Beetplan ein, bevor sie ein Beet bekommt.

Kurz erklärt

Fruchtfolge heißt, dass auf demselben Beet keine Arten derselben Pflanzenfamilie unmittelbar aufeinander folgen. Zusätzlich denkst du bei der Planung den Nährstoffbedarf der Arten mit.

Welche Rübe gehört zu welcher Pflanzenfamilie?

Für die Fruchtfolge planst du jede Rübe in ihrer eigenen Familie, nicht als Gruppe. Die Tabelle zeigt die Zuordnung und wie oft die Art auf dasselbe Beet darf.

Rübe Pflanzenfamilie Verwandt mit Wie oft auf dasselbe Beet
Steckrübe (Kohlrübe) Kreuzblütler Kohl, Radieschen, Rettich, Rucola, Senf Familienpause von 3 bis 6 Jahren, je nach Kultur und Risiko
Mairübe Kreuzblütler Kohl Familienpause von 3 bis 6 Jahren, je nach Kultur und Risiko
Herbstrübe Kreuzblütler den anderen Kreuzblütlern Pause von 4 Jahren
Radieschen Kreuzblütler Rettich, Kohl Pause von 3 Jahren; zur Kohlhernie-Vorbeugung nur alle 4 bis 6 Jahre
Rettich Kreuzblütler Radieschen, Kohl zur Kohlhernie-Vorbeugung nur alle 4 bis 6 Jahre
Meerrettich Kreuzblütler Kohl, Radieschen, Rettich Pause von 4 Jahren
Rote Bete Fuchsschwanzgewächse Mangold, Spinat Pause von 4 Jahren
Möhre Doldenblütler Pastinake, Sellerie, Petersilie Pause von 4 bis 5 Jahren nach Doldenblütlern
Pastinake Doldenblütler Möhre, Sellerie, Petersilie Doldenblütler als Vorfrucht meiden
Wurzelpetersilie Doldenblütler Möhre, Pastinake, Sellerie Pause von 3 Jahren
Schwarzwurzel Korbblütler keiner Rübe in dieser Tabelle Pause von 4 Jahren

Die Pausen gelten jeweils für die genannte Art. Bei Steckrübe und Mairübe greift die allgemeine Pause innerhalb der Familie, die sich nach Kultur und Risiko richtet. Die längere Pause bei Rettich und Radieschen gilt der Kohlhernie, nicht der allgemeinen Anbaupause. Auf sauren Sandböden mit Kohlherniegefahr planst du 5 Jahre ohne Kreuzblütler ein.

Porträts, Herkunft und Sorten der einzelnen Arten findest du im Kurzporträt und Sortenteil des Ratgebers zu Wurzel- und Knollengemüse.

Und wie ist es mit Futterrüben?

Für Futterrüben gilt dieselbe Denkweise wie im Gemüsebeet. Du bestimmst zuerst die Pflanzenfamilie und hältst innerhalb dieser Familie eine Pause ein. Planst du Futterrüben auf einer größeren Fläche, stimmst du die Fruchtfolge mit der Anbauberatung vor Ort ab.

Was bringen Rüben dem Boden?

Rüben bringen deinem Beet vor allem einen Wechsel. Eine Rübe aus einer anderen Familie unterbricht die Folge verwandter Kulturen, und darauf beruht die Fruchtfolge. Über Erntereste liefern Rüben der Nachkultur keinen Stickstoff, wenn du die ganze Pflanze samt Laub aus dem Beet ziehst. Anders die Erbse als Vorfrucht: Sie bindet Stickstoff, und ihre Wurzeln lässt du nach der Ernte im Boden.

Mythos-Check

„Rüben lockern mit ihren tiefen Wurzeln den Boden für die Nachkultur.“ Darauf würde ich meine Planung nicht bauen. Klar ist die umgekehrte Richtung: Lange Rüben brauchen schon vor der Aussaat lockeren, tiefgründigen Boden, denn Verdichtung begünstigt gegabelte Möhren und verzweigte Schwarzwurzeln.

Nährstoffbedarf: je Art verschieden

Beim Nährstoffbedarf liegen die Rüben weit auseinander. Du planst ihn deshalb je Art und nicht für „die Rübe“:

  • Herbstrübe: Sie gilt als Schwachzehrer, zusätzliche Düngung ist im Hobbyanbau entbehrlich. Hohe Stickstoffgaben fördern die Nitratansammlung.
  • Möhre: In der Fruchtfolge zählt sie zu den Schwachzehrern.
  • Rote Bete: Stickstoff gibst du ihr nur maßvoll, weil ein Überschuss den Nitratgehalt erhöhen und die Lagerfähigkeit beeinträchtigen kann.
  • Pastinake: Als Mittelstarkzehrer entzieht sie dem Boden ungefähr 10 g Stickstoff je m². Dieser Stickstoffentzug ist keine Vorgabe für eine zusätzliche Düngergabe.
  • Steckrübe: Im Erwerbsanbau hat sie einen hohen Nährstoffbedarf.

Weil Rote Bete nur maßvoll Stickstoff bekommt und ihre zusätzliche Düngung nach gut gedüngten Vorfrüchten entfallen kann, setzt du sie hinter eine gut versorgte Vorkultur.

Welche Risiken Rüben im Boden hinterlassen können

Bei kreuzblütigen Rüben dreht sich die Pause vor allem um die Kohlhernie. Die Dauersporen des Erregers können im Boden mehrere Jahre lebensfähig bleiben und erneut Infektionen auslösen. Hohe Bodentemperaturen zusammen mit hoher Bodenfeuchte begünstigen die Krankheit. Für anfällige Kreuzblütler meidest du deshalb verdichtete und staunasse Standorte. Bei der Roten Bete ist die Pause dagegen mit Bodenpilzen begründet.

Zahl im Blick

Nach starkem Kohlherniebefall kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis sich eine Anbaufläche erholt hat.

Achtung

Ist auf einem Beet Kohlhernie aufgetreten, entfernst du kranke Pflanzen samt Wurzeln und gibst sie nicht auf den Kompost. Im Beitrag darüber, wie du Krankheiten und Schädlinge an Rüben erkennst, findest du die Schadbilder.

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Was passt vor und nach Rüben?

Für die Planung verteilst du zuerst die Hauptkulturen auf die Beete. Danach ergänzt du Vor-, Nach- und Zwischenkulturen, die zeitlich dazu passen, und notierst ihre Belegungszeiträume.

Rübe Gute Vorfrucht Als Vorfrucht meiden
Steckrübe Erbsen, Frühkartoffeln oder Bohnen Kohl, Radieschen, Rettich, Rucola, Senf
Pastinake Bohnen und Erbsen Möhren, Sellerie, Petersilie und andere Doldenblütler
Rote Bete eine gut gedüngte Vorkultur Mangold, Spinat und Rote Bete

Herbstrüben säst du im Sommer, und bei dieser Sommeraussaat gießt du zusätzlich, denn Wassermangel begünstigt die Schosserbildung. Welche Technik sich dafür eignet, zeigt der Beitrag über die passende Bewässerung für Rüben. Die Einzelheiten dazu, welche Kulturen vor und nach der Herbstrübe passen, stehen in einem eigenen Beitrag.

Was nach der Rübenernte kommt

Auch die Nachkultur wählst du nach der Familie. Kopfsalat, Spinat, Möhren und Bohnen gehören anderen Familien an als Steckrüben und kommen danach deshalb infrage. Wird ein Beet im Sommer frei, eignen sich Feldsalat und Spinat als Nachkultur: Ihr Freiland-Aussaatfenster reicht von Anfang August bis Mitte September. Nach Roter Bete lässt du den Spinat allerdings weg, denn beide sind verwandt und Spinat soll während der Rote-Bete-Pause nicht auf dem Beet stehen.

Mairüben kannst du auch im Juli und August säen und damit selbst als Nachkultur einsetzen, sofern vorher kein Kreuzblütler auf dem Beet stand. Die Aussaat selbst beschreibt die Anleitung, wie du Rübensamen richtig in die Erde bringst.

Bei Meerrettich räumst du das Beet gründlich ab. Im Boden verbliebene Wurzelstücke können in der folgenden Kultur wieder austreiben.

Welche Gründüngung passt zu Rüben?

Zwischen zwei Hauptkulturen schützt eine Gründüngung das unbedeckte Beet. Sie bindet vorhandene Nährstoffe und vermindert so deren Auswaschung.

Häufiger Fehler

Nach Steckrüben oder Mairüben Gelbsenf säen. Gelbsenf und Ölrettich sind selbst Kreuzblütler und zählen auch als Gründüngung zur Anbaupause. Mit dem Senf steht also sofort wieder ein Kreuzblütler auf dem Beet.

Nach kreuzblütigen Rüben säst du deshalb Phacelia, denn sie ist mit den gängigen Gemüsearten nicht verwandt. Wird das Beet erst ab Ende September frei, kommen nur noch wenige robuste Arten infrage, darunter Winterroggen. Er lässt sich im Gemüsegarten noch bis Oktober säen. Nach dem flachen Einarbeiten der Gründüngung wartest du meist etwa 2 bis 3 Wochen bis zur nächsten Aussaat.

Auch Rübsen sind Kreuzblütler und sollen nicht unmittelbar vor oder nach anderen Kreuzblütlern stehen. Wo sie in deiner Folge trotzdem Platz finden, zeigt der Beitrag, wie du Rübsen als Vor- und Zwischenfrucht einbindest.

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Rüben als Zwischenkultur und im Mischbeet

Schnelle Rüben lassen sich zwischen länger stehende Kulturen säen. Radieschen säst du zum Beispiel als schneller keimende Markiersaat in die Möhrenreihen. Solche Zwischenkulturen erntest du, bevor sie die Hauptkultur bedrängen. Die Radieschen in der Möhrenreihe sind Kreuzblütler, deshalb trage ich sie im Beetplan mit ein.

Beim Roden von Wurzelgemüse können Feinwurzeln benachbarter jüngerer Kulturen geschädigt werden. Steht neben den Rüben schon die nächste Saat, ziehst du sie deshalb vorsichtig.

Als Beetnachbarn für Mairüben kommen unter anderem Salat, Erbsen, Dill und Mangold infrage. Günstige Nachbarschaftswirkungen sind allerdings schwer nachzuweisen, und Erfahrungsberichte widersprechen sich häufig. Auch im Mischbeet planst du jede Pflanze mit ihrer endgültigen Größe ein. Mögliche Partner für deine Arten schlägst du im Mischkultur-Werkzeug nach.

Boden und Ernte kurz gefasst

Bodenvorbereitung

Die Bodenvorbereitung richtest du nach der jeweiligen Rübe aus. Eine nötige Kalkung legst du nicht unmittelbar vor die Möhren, weil sie empfindlich auf frische Kalkung reagieren. Alles Weitere steht in der Anleitung, wie du den Boden für Rüben aller Art vorbereitest.

Ernte

Für die Nachkultur zählt, wann das Beet frei wird. Mairüben erntest du spätestens bei einem Rübendurchmesser von 6 bis 8 cm. Woran du die Erntereife der übrigen Rüben erkennst, steht im Ernte-Abschnitt des Ratgebers zu Wurzel- und Knollengemüse.

So plane ich Rüben im Beetplan

Einen starren Rotationsplan mit fester Jahreszahl brauchst du im Hausgarten nicht, solange deine Fruchtfolge die Arten und Pflanzenfamilien berücksichtigt. Dafür zählt der Blick über mehrere Jahre. Gründüngungen und die Kulturen der vergangenen und kommenden Jahre gehören dazu, nicht nur der direkte Vorgänger.

Marias Erfahrung

Ich führe für jedes Beet eine Zeile pro Jahr mit Hauptkultur, Familie, Zwischenkultur und Gründüngung. Rüben stehen dort immer mit Artnamen, nie nur als „Rüben“. Vor jeder Aussaat lese ich die Zeilen der letzten Jahre für dieses Beet nach.

Deine Beete und Kulturen kannst du im Beetplaner für den Gemüsegarten festhalten. Die passenden Aussaatmonate zeigt dir der druckbare Aussaatkalender für Wurzelgemüse. Im Hochbeet gilt dieselbe Familienregel, und was dort sonst anders läuft, erklärt der Beitrag, wie du Rüben im Hochbeet anbaust.

Mini-Checkliste

Familie der Rübe bestimmen. Letzte Kreuzblütler auf dem Beet nachsehen, Gründüngung eingeschlossen. Pause der Art prüfen. Vorkultur passend zum Nährstoffbedarf wählen. Nachkultur aus einer anderen Familie einplanen.

Jetzt dran

Nimm deinen Beetplan vom letzten Jahr und schreib neben jede Rübe ihre Familie. Folgen irgendwo zwei Kreuzblütler direkt aufeinander, tauschst du die Beete, bevor du säst.

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