Johanniskrautöl selbst herstellen: so setzt du das rote Öl Schritt für Schritt an
- Johanniskrautöl entsteht durch Mazeration: blühende Sprossspitzen ziehen in Pflanzenöl aus, bis es sich rot färbt.
- Geerntet wird das blühende Kraut etwa ab Ende Juni, traditionell um den Johannistag – am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist.
- Blüten nicht waschen, anwelken lassen und im Glas vollständig mit Öl bedecken, damit nichts schimmelt.
- Nach dem Filtern in dunkle Flaschen füllen, beschriften und kühl lagern.
- Das Öl ist ein traditionelles Hausmittel zur äußerlichen Anwendung, kein Speiseöl und kein Arzneimittel – Wechselwirkungen und Lichtempfindlichkeit beachten.

Ein Glas gelbe Blüten, ein gutes Pflanzenöl und ein heller Fensterplatz – mehr brauchst du für Johanniskrautöl nicht. Schwierig ist nicht das Ansetzen, sondern das Warten: Wer zu früh filtert, bekommt ein blasses Öl, wer Blüten aus dem Öl ragen lässt, riskiert Schimmel im Glas. Ich setze mein Öl jeden Sommer aus den Blüten an, die am Beetrand gerade aufgehen, und gehe hier mit dir den Ablauf vom Zupfen bis zur beschrifteten Flasche durch.
Vorweg, damit die Erwartung stimmt: Johanniskrautöl – auch Rotöl genannt – ist ein traditionelles Hausmittel zur äußerlichen Anwendung. Es ist kein Speiseöl und kein Arzneimittel.
Was du für Johanniskrautöl brauchst
- Blühende Sprossspitzen und Blätter von Echtem Johanniskraut (Hypericum perforatum), am besten aus dem eigenen Beet
- Ein Basisöl: Olivenöl (kräftiger Eigengeruch), Sonnenblumenöl (neutral) oder Mandelöl (mild)
- Ein sauberes, trockenes Schraubglas mit dicht schließendem Deckel
- Ein feines Sieb, dazu ein Mulltuch oder Kaffeefilter
- Dunkle Glasflaschen und Etiketten
Das Verfahren heißt Mazeration: Die Pflanzenteile liegen über längere Zeit vollständig in Öl, das die öllöslichen Bestandteile aufnimmt. Anders als Tee kommt hier keine Hitze ins Spiel, deshalb spielt Sauberkeit eine größere Rolle als bei jeder anderen Kräuterzubereitung – Wasser und Schmutz im Glas sind die Hauptgründe, warum ein Ansatz kippt.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein sonniger bis halbschattiger Platz mit feuchtem, gut durchlässigem Boden.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist feuchter, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Für Wildblumenwiesen, naturnahe Gärten, Bauerngärten sowie Beete und Rabatten geeignet.
Pflege
- Pflege
Kleine Teilstücke zunächst eintopfen und im Frühbeet gut bewurzeln lassen.
- Düngung
Bei Echtem Johanniskraut ist im Garten keine zusätzliche Düngung nötig.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist mehrjährig.
- Verwendung
Die angebotenen Pflanzen dienen Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle.
Blüten ernten und vorbereiten
Geerntet wird das blühende Kraut etwa ab Ende Juni während der Blüte, traditionell um den Johannistag; Johanniskraut blüht von Juni bis September. Schneide am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, und nimm Blätter und blühende Sprossspitzen. Alles Weitere zu Schnitthöhe und Trocknung steht dort, wo du nachlesen kannst, wie du Johanniskraut für die Weiterverarbeitung erntest und trocknest.
Für das Öl gilt danach: nicht waschen. Wasser im Ansatz begünstigt Fäulnis. Schüttle die Triebe stattdessen aus, damit Insekten und lose Erde herausfallen, und lege sie ausgebreitet auf ein Tuch, bis die Oberfläche trocken ist und die Blüten leicht angewelkt sind. Ich zupfe die Blüten, Knospen und die obersten Blätter dann direkt über dem Glas von den Stängeln und drücke sie zwischen den Fingern etwas an, damit sie im Öl aufgehen. Dicke Stängel bleiben draußen – sie bringen Wasser mit und wenig Farbe.
Schritt für Schritt: Mazeration im Glas
1. Glas füllen
Gib die vorbereiteten Blüten lose ins Glas, ohne sie festzudrücken. Gieße das Basisöl darüber, bis alle Pflanzenteile deutlich bedeckt sind, und lass zum Rand hin etwas Luft, weil Öl sich in der Wärme ausdehnt. Deckel zu, Glas einmal schwenken, damit eingeschlossene Luftblasen aufsteigen, und mit dem Ansatzdatum beschriften.
2. An einen hellen, warmen Platz stellen
Traditionell steht das Glas an der Sonne, etwa auf einer Fensterbank. Direkte Hitze über dem Fensterbrett einer Südlage kann das Öl aber ranzig werden lassen – ein heller Platz ohne pralle Mittagssonne ist der sicherere Kompromiss.
3. Kontrollieren, bis die Farbe stimmt
Das Öl färbt sich von gelb über orange nach rot. Wie lange das dauert, hängt von Licht, Wärme und Blütenmenge ab – richte dich nach der Farbe, nicht nach dem Kalender. Schwenke das Glas, wenn du daran vorbeikommst, und schaue dabei, ob alle Blüten noch unter Öl liegen und ob sich am Deckel Kondenswasser sammelt. Ist die Farbe kräftig rot und die Blüten sind ausgezogen, ist es Zeit zum Filtern.
Blüten, die oben aus dem Öl herausragen, ziehen Luft und Feuchtigkeit und beginnen zu schimmeln. Drücke aufgeschwommene Pflanzenteile beim Schwenken zurück unter die Oberfläche oder gieße Öl nach, bis alles bedeckt ist. Zeigt sich trotzdem ein pelziger Belag, entsorge den ganzen Ansatz – Abschöpfen rettet ihn nicht.
Filtern, abfüllen, lagern
Gieße den Ansatz durch ein feines Sieb in eine saubere Schüssel und drücke die Blütenmasse mit einem Löffel aus. Danach ein zweites Mal durch Mulltuch oder Kaffeefilter, bis das Öl klar ist. Lass es anschließend in einem hohen Gefäß stehen: Setzt sich am Boden eine wässrige oder trübe Schicht ab, gieße das klare Öl vorsichtig ab und lass den Bodensatz zurück – er ist der Teil, der später verdirbt.
Fülle das Öl in dunkle Glasflaschen. Licht bleicht die Farbe aus und lässt Öl schneller ranzig werden. Ich beschrifte jede Flasche mit Datum und Basisöl, weil sich Oliven- und Sonnenblumenansätze im Regal sonst nicht auseinanderhalten lassen. Lagere kühl und dunkel und prüfe vor jeder Anwendung mit der Nase: Riecht das Öl ranzig, ist es trüb oder zeigt es Beläge, gehört es in den Müll.
Johanniskrautöl ist kein Speiseöl. Für Kräuteröle, die du essen willst, gilt eine andere Regel: Unter Luftabschluss kann sich in selbst hergestellten Kräutern in Öl Clostridium botulinum vermehren und Botulismus auslösende Nervengifte bilden. Das BfR rät davon ab, solche Öle im Privathaushalt auf Vorrat herzustellen; sie gehören in den Kühlschrank und werden spätestens am Tag nach der Herstellung verbraucht.
Anwenden – und wo Vorsicht gilt
Traditionell wird Johanniskrautöl äußerlich als Massage- und Pflegeöl auf die Haut gebracht, in kleiner Menge und eingerieben. Mehr sage ich dazu nicht: Ein Kraut aus dem Garten ist kein Arzneimittel, und bei Beschwerden ersetzt es keinen ärztlichen Rat. Für die Haut selbst gilt: Vor der ersten Anwendung an einer kleinen Stelle prüfen, ob du das Öl verträgst, und nicht auf offene Wunden oder Schleimhäute auftragen.
Zwei Punkte gehören trotzdem hierher. Johanniskraut kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, unter anderem der Antibabypille, von Antidepressiva, Blutverdünnern und Herzmedikamenten wie Digoxin – wer Medikamente einnimmt, spricht vor Johanniskraut-Anwendungen mit Arztpraxis oder Apotheke. Bei der Einnahme sind außerdem Nebenwirkungen wie eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut auf Sonnenlicht möglich; auch nach dem Auftragen des Öls meide ich deshalb die pralle Sonne und nutze es am Abend. Den Rahmen dazu, was Kräuter und Gesundheit im Garten voneinander trennt, und die Hintergründe, warum Johanniskraut lichtempfindlich macht und welche Wechselwirkungen bekannt sind, findest du an den passenden Stellen im Haus.
Was du sonst noch mit der Ernte anfangen kannst
Ein Beet Johanniskraut liefert meist mehr blühende Triebe, als ein Glas Öl aufnimmt. Der Rest wird zu Sträußen gebunden und im Schatten getrocknet – als Teekraut, das mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen wird und mindestens fünf Minuten zieht. Selbst gesammelter Tee ist dabei etwas anderes als ein geprüftes Arzneimittel aus der Apotheke; wie du ihn zubereitest und was du dabei beachtest, steht dort, wo es um Johanniskraut-Tee, seine Zubereitung und die Menge geht.


