Kamillen-Kosmetik selbst machen: Gesichtswasser, Maske, Peeling und Spülung aus deinen Blüten
- Die Basis fast aller Kamillen-Kosmetik ist ein Aufguss wie Kräutertee: sprudelnd kochendes Wasser, mindestens fünf Minuten ziehen, abseihen, abkühlen.
- Wässrige Zubereitungen setzt du frisch an und lässt sie nicht über mehrere Stunden stehen – Reste werden entsorgt, nicht aufbewahrt.
- Ölauszug, Creme und Salbe sind ein Thema für sich: nicht auf Vorrat ansetzen, Details stehen im Kamillenöl-Artikel.
- Blütenköpfe erntest du zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen und trocknest sie luftig und schattig.

Ein Glas Gesichtswasser aus eigenen Kamillenblüten ist schnell angesetzt – und genauso schnell verdorben, wenn es offen im Bad herumsteht. Genau daran entscheidet sich, ob deine selbst gemachte Kamillen-Kosmetik eine gute Idee ist: an der Hygiene und am frischen Verbrauch, nicht an einer komplizierten Rezeptur. Ich setze den Aufguss für mein Gesichtswasser frisch an, wenn ich ihn brauche, und was übrig bleibt, kommt weg. Mit dieser Haltung lassen sich aus getrockneten Kamillenblüten Gesichtswasser, Dampfbad, Maske, Peeling und Haarspülung herstellen – ohne Konservierungsstoffe, dafür mit klaren Regeln.
Was aus Kamille in der Kosmetik wird – und was nicht
Kamille hat in der Hautpflege eine lange Tradition, von der Kompresse bis zur Haarspülung. Ein Versprechen, was sie auf deiner Haut bewirkt, bekommst du hier nicht: Kamille ist ein Küchenkraut, kein Arzneimittel, und bei Hautbeschwerden ersetzt kein Kraut den Rat aus Arztpraxis oder Apotheke. Was folgt, sind Handgriffe – wie du die Blüten ansetzt, verarbeitest und wann du das Ergebnis verbrauchst.
Fast alles baut auf zwei Grundzubereitungen auf. Der wässrige Aufguss ist die Basis für Gesichtswasser, Dampfbad, Maske und Spülung. Der Ölauszug ist die Basis für Creme, Salbe und Balsam – er gehört in den Artikel über das Kamillenöl, hier bekommst du nur den Anriss. Und alles, was mit Kamille in Topf und Tasse wandert, steht dort, wo es hingehört: bei den Ideen, was du mit Kamille in der Küche anstellen kannst.
Wie setzt du den Kamillenaufguss als Basis an?
Der Aufguss ist nichts anderes als ein Kräutertee, und so behandelst du ihn auch. Gib getrocknete Kamillenblüten in eine Kanne oder ein hitzefestes Glas und übergieße sie mit sprudelnd kochendem Wasser. Deckel drauf und mindestens fünf Minuten ziehen lassen – die Zeit, die auch beim Kräutertee gilt, damit in seltenen Fällen vorhandene Keime abgetötet werden. Danach seihst du durch ein feines Sieb oder einen Kaffeefilter ab, damit keine Blütenreste in der Flasche schwimmen, und lässt den Aufguss abkühlen. Ich koche Flasche und Sieb vor jedem Ansetzen aus und lasse sie abtropfen, ohne mit einem Tuch nachzuwischen.
Eine feste Dosierung der Blüten je Wasser gibt es in diesem Artikel nicht; die Menge richtet sich nach Zweck und gewünschter Duftstärke, und mehr Blüten machen den Aufguss nicht haltbarer.
Ein aufgegossener Kräutertee – und genau das ist dein Aufguss – bleibt nicht über mehrere Stunden stehen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können. Setze Gesichtswasser und Spülung deshalb frisch an, statt eine Flasche auf Vorrat zu füllen.
Gesichtswasser, Dampfbad, Maske, Peeling und Spülung: die Handgriffe
Alle fünf Anwendungen brauchen den erkalteten Aufguss oder fein gemahlene, getrocknete Blüten. Rühre jede Mischung nur für eine Anwendung an; ein Rest ist kein Vorrat, sondern Abfall.
Gefäße ausgekocht · Hände gewaschen · Blüten trocken, hell und deutlich duftend · alles Wässrige frisch angesetzt · Reste entsorgt statt aufbewahrt.
Gesichtswasser
Den erkalteten, abgeseihten Aufguss füllst du in eine ausgekochte Glasflasche und trägst ihn nach der Reinigung mit einem Wattepad auf Gesicht und Hals auf. Was in der Flasche bleibt, gießt du weg, sobald der Tag vorbei ist – kein Kühlschrank macht einen wässrigen Aufguss ohne Konservierung lagerfähig.
Dampfbad
Gib getrocknete Blüten in eine große Schüssel und übergieße sie mit sprudelnd kochendem Wasser. Beuge dich mit einem Handtuch über dem Kopf über die Schüssel, schließe die Augen und halte so viel Abstand, dass der Dampf warm, aber nicht heiß auf der Haut ankommt – der Dampf kann verbrühen. Danach das Gesicht mit klarem, lauwarmem Wasser abnehmen.
Maske
Verrühre Naturjoghurt mit etwas Honig und erkaltetem Aufguss oder fein gemahlenen Blüten, bis eine streichfähige Masse entsteht. Auf die gereinigte Haut auftragen, Augen und Mund aussparen, mit lauwarmem Wasser abnehmen. Die Maske gehört wegen des Joghurts in den Moment, nicht in den Kühlschrank.
Peeling
Mische Zucker oder feines Meersalz mit gemahlenen Kamillenblüten und so viel Pflanzenöl, dass die Masse streichfähig wird. Ich mahle die Blüten fürs Peeling im Mörser und siebe die groben Stiel- und Kelchreste aus, damit nichts kratzt. Auf der feuchten Haut sanft kreisend verteilen, abspülen, Rest entsorgen.
Haarspülung
Den erkalteten Aufguss gießt du nach der Haarwäsche als letzte Spülung über das Haar und lässt ihn drin. Die Kamillenspülung hat bei hellem Haar Tradition; ein Aufhell-Versprechen ist damit nicht verbunden.
Ölauszug, Creme und Salbe: nur der Anriss
Für Creme, Salbe oder Lippenbalsam brauchst du eine Fettphase, und die liefert ein Ölauszug aus Kamillenblüten. Ansetzen, Ziehen, Abseihen und Verarbeiten des Öls beschreibt der Artikel darüber, wie du Kamillenöl selbst ansetzt und anwendest – hier bleibt nur die Sicherheitslinie: In selbst angesetzten Öl-Zubereitungen können sich unter Luftabschluss Botulinumtoxine bilden, deshalb setzt du Öl nicht auf Vorrat an, lagerst es im Kühlschrank und verbrauchst es spätestens am Tag nach der Herstellung.
Blüten aus dem eigenen Beet: Ernte und Trocknen für die Kosmetik
Kamille steht sonnig bis halbschattig und kommt als LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte. nur angedrückt und unbedeckt in die Erde; die FreilandsaatFreilandsaat ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle im Gartenbeet unter freiem Himmel. Die Samen keimen dort, wo die Pflanzen anschließend weiterwachsen sollen. liegt im Bereich März bis Juni, in Reihen mit 15 cm in der Reihe und 30 cm Reihenabstand. Die Grundlagen zu Aussaat und Pflege trägt der Kräuter-Ratgeber, hier zählt nur, was die Kosmetik braucht: saubere, gut getrocknete Blütenköpfe.
Die Ernte liegt für Kamille im Bereich Juni bis September; die Blütenköpfe pflückst du zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen. Ich ernte die Köpfe am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, und lege sie einlagig auf einem Tuch aus. Getrocknet wird an einer luftigen, schattigen Stelle, im Ofen oder Dörrgerät schonend bei bis etwa 45 °C. Die fertigen Blüten lagerst du luftdicht, lichtgeschützt und trocken, prüfst verschlossene Gefäße regelmäßig auf Schimmel und verbrauchst sie innerhalb von 12 Monaten – wie du dabei Farbe und Duft erhältst, zeigt der Beitrag darüber, wie deine Kamillenblüten beim Trocknen ihr Aroma behalten.
Verträglichkeit: Korbblütler und Hauttest
Kamille gehört zu den Korbblütlern, und bei Korbblütlern sind Kreuzreaktionen bekannt: Wer etwa auf Chrysanthemen, Arnika oder Schafgarbe allergisch reagiert, kann auch auf Kamille reagieren. Bevor ich eine neue Mischung ins Gesicht gebe, teste ich sie an der Innenseite des Unterarms und warte ab, ob die Haut ruhig bleibt. Zeigen sich Rötung oder Juckreiz, bleibt die Mischung weg – die Grundlinien dazu findest du unter Kräuter und Gesundheit im großen Kräuter-Ratgeber.




