Lavendelarten im Überblick: so unterscheidest du Echten Lavendel, Lavandin und Schopflavendel
- Sorten des Echten Lavendels werden je nach Sorte etwa 25–90 cm hoch und blühen von Dunkelviolett über Rosa bis Weiß.
- Lavandin ist eine Hybride aus Echtem Lavendel und Speiklavendel und blüht ungefähr 2 Wochen später.
- Schopflavendel erkennst du an den verlängerten Hochblättern über der Blüte; er ist nicht winterhart und wird wie eine Kübelpflanze überwintert.
- Zahnlavendel hat gekerbte bis gezähnte Blätter, Wolllavendel eine wollige Blattbehaarung.
- Echter Lavendel steht in milden Wintern im Freiland meist zuverlässig durch – auf durchlässigem Boden ohne Winternässe.
- Im Beet gilt für Lavendel als Einzelpflanze das System 30 cm in der Reihe und 50 cm Reihenabstand; er ist schwachzehrend.

Drei Töpfe im Gartencenter, auf allen steht „Lavendel”, und im nächsten Winter fehlt einer davon. Ich drehe deshalb jeden Topf um und lese den botanischen Namen auf dem Etikett, bevor ich ihn in den Wagen stelle – denn ob ein Lavendel bei dir im Beet bleibt oder im Herbst in den Kübel muss, entscheidet die Art, nicht die Blütenfarbe.
Lavendel ist eine Gattung (Lavandula) aus der Familie der LippenblütlerLippenblütler sind eine Pflanzenfamilie, deren verwachsene Blütenblätter eine Ober- und eine Unterlippe bilden. Typisch sind ein vierkantiger Stängel und paarweise gegenüberstehende Blätter, die beim Zerreiben oft auffallend riechen; dazu gehören Küchenkräuter wie Salbei, Thymian und Majoran.. Eine Art ist etwa der Echte Lavendel oder der Schopflavendel; eine Sorte wie ‘Hidcote Blue’ ist eine Auslese innerhalb einer Art. Winterhärte und Bodenansprüche hängen vor allem an der Art, Farbe und Höhe eher an der Sorte.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
Der Echte Lavendel – oft auch Gartenlavendel genannt – ist die Art, die du fürs Beet nimmst. Er ist mehrjährig, braucht einen sonnigen Standort und kommt im Freiland in milden Wintern meist zuverlässig durch. Ein durchlässiger Boden ohne WinternässeWinternässe ist Nässe in der kalten Jahreszeit, unter der vor allem Pflanzen aus Gebieten mit trockenen Wintern leiden. Bei ungünstiger Witterung können ihre Überwinterungssprosse faulen – auch wenn die Pflanzen als winterhart gelten. ist dabei die halbe Winterhärte; auf schwerem Boden arbeite ich vor dem Pflanzen mineralisches Material wie Splitt oder Schotter ein.
Je nach Sorte erreichen die Pflanzen etwa 25–90 cm Höhe. Die Blütenfarbe reicht von Dunkelviolett über Rosa bis Weiß. Die Saatgutlinien ‘Munstead-Strain’ und ‘Hidcote Blue-Strain’ gehören beide zu Lavandula angustifolia; ‘Hidcote Blue’ bleibt mit etwa 30–40 cm niedrig und eignet sich damit als Einfassung.
Echter Lavendel blüht im Juli und August; geerntet wird Juli bis September. Lavandin blüht ungefähr 2 Wochen später – wer beide setzt, verlängert das Blütenfenster.
Als Gartenpflanze eignet sich Echter Lavendel als Solitär und zur Einfassung sonniger, trockener Beete. Im Steingarten verzichtest du auf Kompost, damit sich der Standort nicht mit wasserspeicherndem Humus anreichert.
Lavandin, der Provence-Lavendel (Lavandula × intermedia)
Lavandin ist eine Hybride aus Echtem Lavendel und Speiklavendel. Was ihn im Garten von der Elternart unterscheidet, ist zuerst der Kalender: Er blüht ungefähr 2 Wochen später als Echter Lavendel. Gartenlavendel und viele Provence-Lavendel sind ausreichend winterhart, sodass Lavandin für die dauerhafte Pflanzung infrage kommt – mit derselben Bedingung wie beim Echten Lavendel: kein nasser Boden im Winter.
Ein Punkt, den ich bei Lavandin im Auge behalte: Auch er kann von der Septoria-Blattfleckenkrankheit befallen werden. Ich schaue beim Rundgang auf ältere Blätter und halte die Pflanzen luftig, damit Blätter rasch abtrocknen. Was die HybridenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. im Einzelnen auszeichnet – Winterhärte, Duft, Widerstandsfähigkeit –, liest du in unserem Überblick zu den Lavendel-Hybriden.
Schopflavendel (Lavandula stoechas)
Den Schopflavendel erkennst du sofort: Über dem Blütenstand sitzen auffällige, verlängerte Hochblätter, der namensgebende „Schopf”. Er ist mehrjährig, aber nicht ausreichend winterhart und wird wie eine Kübelpflanze geschützt und frostfrei überwintert. Als dauerhaft frosthartes Element eines Steingartens eignet er sich deshalb nicht.
Schopflavendel ist im Unterschied zu vielen anderen Lavendelarten nicht für kalkhaltige Böden geeignet. Wer ihn in dasselbe kalkhaltige Kiesbeet setzt wie den Echten Lavendel, hat zwei Probleme auf einmal: Boden und Winter.
Für den Kübel heißt das: Abzugsloch frei, kein Wasser im Untersetzer, und im Herbst rechtzeitig einräumen.
Zahnlavendel und Wolllavendel
Beide Arten fallen weniger durch die Blüte als durch die Blätter auf. Zahnlavendel (Lavandula dentata) besitzt gekerbte bis gezähnte Blattränder, Wolllavendel (Lavandula lanata) eine wollige Blattbehaarung, die die Pflanze silbrig wirken lässt. Zur Winterhärte dieser beiden gibt es weniger gesicherte Aussagen als beim Echten Lavendel; ich führe sie deshalb wie den Schopflavendel im Kübel und räume sie mit ihm gemeinsam ein.
Die Arten im Vergleich
| Art | Erkennungsmerkmal | Winter | Boden |
|---|---|---|---|
| Echter Lavendel | schmale Blütenähren, Sorten 25–90 cm, Farben Dunkelviolett bis Weiß | in milden Wintern meist zuverlässig winterhart | durchlässig, ohne Winternässe |
| Lavandin | Hybride, Blüte etwa 2 Wochen später | viele Provence-Lavendel ausreichend winterhart | durchlässig, ohne Winternässe |
| Schopflavendel | verlängerte Hochblätter über der Blüte | nicht winterhart, wie Kübelpflanze überwintern | nicht für kalkhaltige Böden |
| Zahnlavendel | gekerbte bis gezähnte Blätter | Kübelkultur | durchlässig |
| Wolllavendel | wollige Blattbehaarung | Kübelkultur | durchlässig |
Prüfe beim Kauf den botanischen Namen auf dem Etikett, nicht nur den deutschen. „Lavendel” allein sagt dir nicht, ob du eine Beetpflanze oder eine Kübelpflanze in der Hand hältst.
Standort für alle Arten
Lavendel gehört zur mediterran-trockenen Kräuterwelt: volle Sonne, durchlässiger, eher magerer Boden, wenig Wasser. Schwerer Boden lässt sich am Pflanzplatz mit Splitt oder Schotter verbessern. Was diese Kräuterwelt von der frisch-feuchten trennt und wie du ein Beet dafür aufbaust, steht im Hub-Abschnitt über die zwei Kräuter-Welten mediterran-trocken und frisch-feucht.
Pflege in aller Kürze
Lavendel ist schwachzehrend; eine sparsame Düngung unterstützt intensiveren Duft sowie einen kompakten, standfesten und frostfesteren Wuchs. Geschnitten wird als HalbstrauchEin Halbstrauch ist eine ausdauernde Pflanze, die unten verholzt, während die Triebe des laufenden Jahres krautig und grün bleiben. Er steht zwischen Staude und Gehölz; Beispiele sind Lavendel, Salbei und Thymian. in den belaubten Bereich, nie tief ins alte, kahle Holz. Die Grundlagen zu Gießen und Schnitt trägt der Hub-Abschnitt „Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß”; wie du die Nährstoffgaben übers Jahr verteilst, zeigt der Lavendel-Düngeplan im Jahresverlauf.
Lavendel im Beet planen
Als Einzelpflanze im Beet setzt du Lavendel im System 30 cm in der Reihe und 50 cm Reihenabstand; er zählt als DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst. und bleibt jahrelang am Platz. Gibst du einen alten Bestand auf und willst an derselben Stelle wieder Lavendel setzen, plane 4 Jahre Pause ein. Die Kulturstartmonate liegen zwischen Februar und Juni, gepflanzt wird etwa von April bis Oktober. Für die Beetskizze mit Abständen und Pflanzterminen nimmst du den Beetplaner.
Bei den Nachbarn wird es widersprüchlich: Pflanzkonzepte für die magere KräuterspiraleEine Kräuterspirale ist ein spiralförmig ansteigendes Beet aus Steinen und Erde. Von der mageren, sonnigen Spitze bis zum nährstoffreichen Fuß mit kleinem Teich bietet sie auf engem Raum Plätze für Kräuter mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen. kombinieren Lavendel gern mit Ysop, Salbei und Thymian, und für den sonnigen Steingarten passen Katzenminze, Heiligenkraut und Thymian dazu. Die Mischkultur-Matrix führt Lavendel und die anderen mediterranen Aromatiker – Thymian, Salbei, Rosmarin, Oregano, Bohnenkraut, Ysop, Minzen – untereinander dagegen als unverträglich. Behauptete Nachbarschaftseffekte lassen sich generell schwer nachweisen und widersprechen sich häufig; Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Ich plane deshalb schlicht nach der Endgröße, damit sich niemand Licht und Luft nimmt, und schlage die Kombination vorher im Mischkultur-Werkzeug nach.
Die klassische Kombination Rosen und Lavendel funktioniert gestalterisch, verlangt aber unterschiedliche Bodenverhältnisse und kann dadurch mehr Pflegeaufwand verursachen. Weitere Kombinationen und Gestaltungsideen findest du im Artikel über Lavendel gestalterisch im Garten einsetzen.
Vermehrung – der Anriss
Aus Samen: Lavendel ist Lichtkeimer, du säst 0–1 cm tief, höchstens dünn bedeckt, und rechnest mit 10–28 Tagen Keimdauer; VoranzuchtVoranzucht heißt, Pflanzen aus Samen in Schalen oder Töpfen unter geschützten Bedingungen heranzuziehen, etwa am Fenster, im Gewächshaus oder im Frühbeet. Die Jungpflanzen setzt du später ins Beet. ist etwa Februar bis April üblich, FreilandsaatFreilandsaat ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle im Gartenbeet unter freiem Himmel. Die Samen keimen dort, wo die Pflanzen anschließend weiterwachsen sollen. Mai bis Juni. Über Stecklinge: im Sommer feste, noch nicht verholzte, möglichst blütenfreie Triebe mit 3–4 Blattpaaren. Die Praxisschritte von der Aussaaterde bis zum Abhärten stehen ausführlich in der Anleitung zu Anzucht, Vermehrung und Ernte von Lavendel.
Alle Aussaat- und Pflanzfenster der Kräuter auf einem Blatt liefert dir der Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken.
Ernten und verwenden
Fürs Trocknen schneide ich Lavendel, wenn die Blüten in der Rispenmitte geöffnet sind und die an der Spitze noch knospig – also kurz vor der Vollblüte. Gebündelt, kopfüber, luftig und ohne direkte Sonne hängt er, bis sich die Blüten leicht vom Stängel abstreifen lassen; danach dunkel und trocken lagern. Getrocknete Blüten eignen sich für Trockensträußchen und andere duftende Gestaltungsarbeiten.
Für die Küche sind Lavendelblüten und -blätter essbar und passen zu Salaten, Braten sowie Lamm- und Fischgerichten; geerntet wird dafür kurz nach dem Aufbrechen der Blüten. Lavendel hat als Duft- und Heilpflanze eine lange Tradition. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Überwintern nach Art
Beim ersten Frost sortiert sich die Sammlung: Echter Lavendel und winterharte Lavandine bleiben draußen. Vor Kälte, Wind und direkter Mittagssonne kann luftdurchlässiger Schutz wie Reisig oder Vlies helfen. Steht eine winterharte Art im Topf, isolierst du Gefäßseiten, Oberfläche und Boden, hältst den Wasserabzug frei und gießt an frostfreien Tagen bei Bedarf – im Kübel friert Erde schneller durch als im Gartenboden.
Schopflavendel, Zahn- und Wolllavendel räumst du ein und überwinterst sie wie Kübelpflanzen frostfrei.
Ich stelle meine Kübel-Lavendel schon im Sommer auf Rollbretter und notiere auf dem Etikett „rein” oder „bleibt”. Im Herbst muss ich dann nicht mehr nachschlagen, sondern schiebe die markierten Töpfe an ihren hellen, frostfreien Platz und prüfe dort in den ersten Tagen, ob die Erde abtrocknet.
Botanischen Namen gelesen · Winter geklärt: Beet oder Kübel · Boden durchlässig, bei Schopflavendel ohne Kalk · Platz nach Endgröße geplant · Blütezeiten gestaffelt (Echter Lavendel, dann Lavandin) · Kübel mit freiem Abzug und Winterplatz vorgesehen





