Kamille trocknen und lagern: so bleiben Aroma und Farbe der Blüten im Glas
- Für den Vorrat pflückst du die Blütenköpfe zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen, am Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus.
- Kamillenblüten werden schonend bei bis etwa 45 °C getrocknet – an der Luft luftig und schattig, im Backofen mit einen Spalt breit geöffneter Tür.
- Fertig sind die Blüten, wenn sie beim Anfassen rascheln; biegsame Köpfchen brauchen noch Zeit.
- Gelagert wird luftdicht, lichtgeschützt und trocken; verschlossene Gläser regelmäßig auf Schimmel prüfen.
- Verbrauche getrocknete Kamille innerhalb von 12 Monaten, danach lässt das Aroma nach.

Braune Köpfchen, die nach Heu riechen statt nach Kamille – so endet der Vorrat, wenn die Blüten zu warm, zu dicht oder zu feucht liegen. Ob deine Kamille im Winter noch duftet, entscheidet sich an drei Stellen: am Tag des Pflückens, in den ersten Tagen der Trocknung und im Glas danach. Ich trockne meine Kamille deshalb in kleinen Partien und breite jede einlagig aus.
Was in der Blüte steckt – und warum es so flüchtig ist
Kamille hat eine lange Tradition als Teekraut und Hausmittel; ihr Duft stammt aus ätherischen Ölen, die mit Wärme entweichen und unter Licht und Feuchte abbauen. Deshalb ist Trocknen bei Kamille eine Frage der niedrigen Temperatur und der Geduld, nicht der Geschwindigkeit. Wo die Linie zwischen Küchenkraut und Medizin verläuft, liest du im Grundlagenteil dazu, wie Kräuter und Gesundheit im Garten zusammenhängen; und bevor du einen Vorrat anlegst, lohnt die Frage, ob Echte oder Römische Kamille bei dir wächst, denn beide unterscheiden sich in Wuchs und Verwendung.
Ernten für den Vorrat: Tag und Tageszeit
Kamille bildet ab Mitte Mai Blüten und setzt das bis zum Frost fort; die Ernte fällt in der Regel in die Monate Juni bis September. Für den Vorrat pflückst du die Blütenköpfe zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen, am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist und die ätherischen Öle noch in der Blüte sitzen. Ich pflücke mit Daumen und Zeigefinger direkt unter dem Köpfchen und lege die Blüten flach in einen Korb, statt sie zu stapeln. Nasse, angewelkte oder beschädigte Köpfchen bleiben draußen, gewaschen wird nicht – jede Feuchtigkeit verlängert das Trocknen. Was beim Zeitpunkt und beim Handgriff sonst noch zählt, steht in dem Artikel dazu, wie du Kamille zum passenden Zeitpunkt und schonend erntest.
Drei Wege zum Trocknen
Egal ob Luft, Backofen oder Dörrgerät: Kamillenblüten werden schonend bei bis etwa 45 °C getrocknet, und sie liegen einlagig, damit Luft an jedes Köpfchen kommt. Übereinanderliegende Blüten trocknen ungleichmäßig und können anfangen zu schimmeln, bevor sie durch sind.
Lufttrocknung
Kamille wird nach der Ernte an einer luftigen und schattigen Stelle getrocknet – ohne direkte Sonne, die Farbe und Duft ausbleicht. Gut geschützte Orte mit mindestens 30 °C, etwa der Speicher, der Wintergarten oder ein Platz an der Heizung, bringen die Blüten zügig ins Trockene. Lege die Köpfchen auf ein Sieb, ein Trockengitter oder ein sauberes Tuch; hast du mit Stiel geerntet, kannst du kleine Bündel kopfüber aufhängen. Ich breite die Köpfchen einlagig auf einem Sieb aus und wende sie beim Vorbeigehen. Wie lange das dauert, hängt von Wärme, Luftfeuchte und der Größe der Köpfchen ab – verlass dich auf den Fertig-Test unten, nicht auf einen Kalendereintrag.
Kamillenblüten werden schonend bei bis etwa 45 °C getrocknet. Für Kräuter im Backofen gelten allgemein etwa 40 bis 50 °C bei einen Spalt breit geöffneter Tür – bei Kamille hältst du dich an die untere Kamille-Grenze, nicht an das obere Ende der Kräuter-Spanne.
Backofen
Der Ofen ist die Lösung für feuchte Wetterlagen oder wenn kein warmer, luftiger Platz frei ist. Verteile die Blüten auf einem mit Backpapier belegten Blech, stelle die niedrigste Stufe ein und lass die Tür einen Spalt breit offen, damit die Feuchtigkeit abziehen kann. Nicht jeder Ofen hält so niedrige Temperaturen zuverlässig; ein Backofenthermometer zeigt dir, ob du wirklich bei bis etwa 45 °C liegst. Kontrolliere zwischendurch und wende die Köpfchen – zu heiß getrocknete Kamille verfärbt sich braun und verliert ihren Duft.
Dörrgerät
Ein Dörrgerät trocknet gleichmäßig und kontrolliert, weil die warme Luft an allen Einschüben vorbeistreicht. Stelle die Temperatur auf bis etwa 45 °C oder darunter ein, belege die Einschübe einlagig und tausche die Etagen zwischendurch, wenn dein Gerät oben und unten unterschiedlich warm wird. Die Dauer hängt von Gerät, Füllmenge und Feuchte der Blüten ab – auch hier zählt der Griff in die Blüten, nicht die Uhr.
Wann die Blüten fertig sind und wie sie ins Glas kommen
Luftgetrocknete Kräuter sind fertig, wenn sie beim Anfassen rascheln; das gilt auch für die Blütenköpfe der Kamille. Fühlen sich die Köpfchen noch biegsam oder in der Mitte weich an, brauchen sie weiter Zeit – der gelbe Blütenboden ist der Teil, der am längsten Feuchtigkeit hält. Blüten aus Ofen oder Dörrgerät lässt du vollständig auskühlen, bevor du sie abfüllst, sonst schlägt sich Restwärme als Kondenswasser im Glas nieder. Ich prüfe vor dem Abfüllen immer die dicksten Köpfchen einer Partie, nicht die kleinsten.
Zu früh abgefüllt. Von außen raschelnde Blüten mit noch feuchtem Blütenboden können im geschlossenen Glas nachschwitzen, und dann kann die ganze Partie schimmeln. Im Zweifel einen weiteren Tag offen liegen lassen und erneut prüfen.
Lagern: luftdicht, dunkel, trocken
Getrocknete Kräuter werden luftdicht, lichtgeschützt und trocken gelagert – das gilt für Kamille genauso. Luftdicht schließende Gläser oder Dosen halten Feuchtigkeit und Vorratsschädlinge fern und bewahren die flüchtigen ätherischen Öle; Braunglas oder ein dunkler Schrank schützen zusätzlich vor Licht. Papiertüten taugen höchstens als Zwischenlösung, weil sie weder Feuchte noch Motten abhalten. Verbrauche getrocknete Kamille innerhalb von 12 Monaten, denn bei längerer Lagerung verlieren die Blüten Geschmack und Aroma.
Prüfe verschlossene Gefäße regelmäßig auf Schimmel. Muffiger Geruch, verblasste Farbe oder zusammengeklebte Klümpchen deuten darauf hin, dass eine Partie nicht mehr in Ordnung ist – die sortierst du komplett aus, statt einzelne Köpfchen herauszupicken. Ich beschrifte jedes Glas mit dem Erntemonat und rieche bei jeder Kontrolle kurz hinein.
Blüten vollständig durchgetrocknet und ausgekühlt · Glas oder Dose luftdicht · Standort lichtgeschützt und trocken · Erntemonat auf dem Deckel · regelmäßige Schimmelkontrolle · Verbrauch innerhalb von 12 Monaten.
Und dann: was du mit dem Vorrat anfängst
Der klassische Weg ist der Tee, und dafür lohnt sich die Sorgfalt beim Trocknen am meisten, weil du Farbe und Duft direkt in der Tasse wiederfindest. Wie aus deinen getrockneten Blüten ein Aufguss wird, zeigt der Artikel dazu, wie du Kamillentee von der Blüte bis zur Tasse selbst machst. Darüber hinaus landet Kamille in der Küche, im Badewasser oder als Grundlage für selbst gemachte Kosmetik. Dabei bleibt sie ein Lebensmittel aus dem Garten, kein Arzneimittel: Die Tradition darfst du genießen, ein Versprechen gibt sie nicht – bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.




