Kräuter in Anzuchtschalen ziehen: von der Saat bis zur pflanzfertigen Jungpflanze
- Schale mit Abzugslöchern plus Untersetzer wählen; Multitopfplatten mit Einzelzellen erleichtern das spätere Vereinzeln.
- Lichtkeimer wie Basilikum, Thymian, Kerbel und Bohnenkraut nur andrücken oder höchstens dünn bedecken; Petersilie 0,5–1 cm, Koriander 1–2 cm tief säen.
- Keimspannen liegen weit auseinander: Kresse 3–5 Tage, Basilikum 7–25 Tage, Petersilie 14–30 Tage – Schalen beschriften und nicht zu früh aufgeben.
- Abdeckung lüften, Kondenswasser abwischen und nach dem Auflaufen abnehmen; die Schale von unten wässern statt über die Keimlinge zu gießen.
- Pikieren, sobald nach den Keimblättern die ersten echten Blätter stehen; Sämlinge dabei an den Keimblättern fassen, nie am Stängel.
- Ins Freie erst zur Pflanzzeit: Basilikum etwa Mai–Juni, Petersilie etwa April–August, Schnittlauch etwa April–September.

Eine Anzuchtschale auf der Fensterbank ist schnell gefüllt – und genauso schnell steht darin ein Büschel dünner, umkippender Basilikum-Keimlinge oder eine Reihe Petersilie, aus der drei Wochen lang nichts kommt. Beides liegt selten am Saatgut. Meist sind es die Schale, die Abdeckung, das Licht und die Ungeduld. Ich säe jedes Frühjahr in Multitopfplatten und offene Schalen und beschrifte jede Reihe mit Art und Saatdatum, weil die Keimdauern so weit auseinanderliegen, dass ich sonst zu früh aufgebe oder zu lange warte.
Dieser Artikel bleibt bei der Schale: Welches Gefäß passt zu welchem Kraut, wie kommt der Samen hinein, wie führst du das Mini-Treibhaus, und wann ist die Jungpflanze bereit für Topf oder Beet. Die Grundlagen zu den zwei Kräuter-Welten, zu Vorkultur, Direktsaat und den feinen Samen trägt der Überblick über den Kräuteranbau; dort schlägst du nach, wenn dir hier etwas zu kurz ist.
Welche Anzuchtschale passt zu welchem Kraut?
Es gibt zwei Bauarten, und die Wahl richtet sich danach, was du mit den Keimlingen später vorhast.
Offene Schale. Eine flache Wanne ohne Unterteilung eignet sich für alles, was du sowieso pikierst oder als Büschel weiterkultivierst: Basilikum und Petersilie werden nach dem Auflaufen vereinzelt, Schnittlauch und Kresse dürfen als kleiner Rasen stehen bleiben und kommen später büschelweise in den Topf. Der Vorteil ist die einfache Handhabung beim Säen in Rillen; der Nachteil ist, dass sich die Wurzeln beim Pikieren verflechten.
Multitopfplatte mit Einzelzellen. Hier bekommt jede Zelle wenige Körner, und der Sämling wächst mit eigenem kleinen Ballen heran. Das ist mein Standard für Arten, die ich später einzeln setze: Thymian, Salbei, Majoran, Bohnenkraut, Zitronenmelisse. Beim Umtopfen drücke ich den Ballen von unten aus der Zelle, ohne eine Wurzel anzufassen.
Unabhängig von der Bauart gilt: Die Schale braucht Abzugslöcher und einen Untersetzer oder eine Wanne darunter. Wiederverwendete Lebensmittelbehälter funktionieren, wenn du den Boden lochst und sie vorher gründlich säuberst; Kunststoffschalen aus dem Handel spüle ich vor jeder Saison heiß aus, damit keine Sporen aus dem Vorjahr mitgehen. Quelltöpfe lassen sich komplett einpflanzen, was Wurzelstress spart.
Die Schale ist nur eine Zwischenstation, weil sie flach ist. Flach wurzelnde Küchenkräuter wie Schnittlauch, Basilikum oder Petersilie kommen später im Kübel mit 15 bis 20 cm Erdtiefe aus, TiefwurzlerTiefwurzler sind Pflanzen, deren Wurzeln bis in tiefere Bodenschichten reichen, im Gemüsegarten etwa Möhre, Pastinake, Tomate oder Mangold. Sie ergänzen sich gut mit Flachwurzlern, weil beide Wasser und Nährstoffe aus unterschiedlichen Schichten holen. wie Rosmarin, Salbei oder Liebstöckel brauchen mindestens 25 bis 30 cm. Plane den Folgetopf danach, nicht nach der Schale.
Substrat: kurz, weil es woanders ausführlich steht
Für die Schale brauchst du eine nährstoffarme, lockere, saubere AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an.; eine gängige eigene Mischung besteht zu je einem Drittel aus lockerer Gartenerde, gut ausgereiftem Kompost und mittelkörnigem Sand. Schwere Gartenerde allein verdichtet sich in der flachen Schale und hält das Wasser zu lange. Was Anzuchterde von Blumenerde unterscheidet und wie du sie für die einzelnen Kräuter-Welten anpasst, liest du in der Anleitung dazu, wie du Kräuter allgemein von der Aussaat bis zur Ernte anziehst.
Säen in die Schale: Lichtkeimer, Dunkelkeimer, Saatdichte
Der wichtigste Handgriff beim Säen ist die Saattiefe, und die hängt an der Art, nicht am Gefäß. Etliche Kräuter werden als Lichtkeimer beschrieben: Basilikum, Thymian, Majoran, Kerbel, Bohnenkraut, Zitronenmelisse und Koreanische Minze werden oberflächennah gesät, angedrückt und höchstens dünn mit Erde bedeckt; Kamille nur andrücken und gar nicht bedecken. Petersilie und Salbei werden dagegen mit Erde bedeckt, Koriander kommt 1–2 cm tief, Bärlauch ebenfalls 1–2 cm mit lockerer Erde darüber.
Die folgenden Werte sind Spannen aus geprüften Herstellerangaben und Fachquellen. Dein Saatgut-Tütchen kann enger liegen; dann gilt das Tütchen.
| Kraut | Saattiefe | Keimtemperatur | Keimdauer | Vorkultur / Pflanzzeit (etwa) |
|---|---|---|---|---|
| Basilikum | 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 15–22 °C | 7–25 Tage | Pflanzzeit Mai–Juni |
| Petersilie | 0,5–1 cm, bedecken | 14–20 °C | 14–30 Tage | Pflanzzeit April–August |
| Schnittlauch | 0,5–2 cm | 10–20 °C | 7–25 Tage | Pflanzzeit April–September |
| Thymian | etwa 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 15–25 °C | 10–21 Tage | VoranzuchtVoranzucht heißt, Pflanzen aus Samen in Schalen oder Töpfen unter geschützten Bedingungen heranzuziehen, etwa am Fenster, im Gewächshaus oder im Frühbeet. Die Jungpflanzen setzt du später ins Beet. März–Mai, Pflanzzeit März–Mai |
| Majoran | 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 15–20 °C | 7–35 Tage | Voranzucht März–Mai, Pflanzzeit Mai–Juni |
| Bohnenkraut | etwa 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 15–20 °C | 7–24 Tage | Voranzucht März–April, Pflanzzeit Mai–Juni |
| Salbei | etwa 0,5 cm, bedecken | etwa 18–22 °C | etwa 7–21 Tage | Voranzucht März–April, Pflanzzeit April–Juni |
| Zitronenmelisse | etwa 0–0,5 cm, Lichtkeimer | etwa 18–25 °C | 7–30 Tage | Voranzucht März–Mai, Pflanzzeit April–August |
| Koriander | 1–2 cm | 10–22 °C | 12–21 Tage | Vorkultur März–April, Pflanzzeit April–Juni |
| Kerbel | etwa 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 8–20 °C | 7–20 Tage | FreilandsaatFreilandsaat ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle im Gartenbeet unter freiem Himmel. Die Samen keimen dort, wo die Pflanzen anschließend weiterwachsen sollen. Mai–Juli |
| Kresse | 0–0,5 cm | 15–20 °C | 3–5 Tage | erntereif nach 1–2 Wochen |
Feines Saatgut streue ich von einem gefalteten Blatt Papier, damit ich sehe, wo die Körner liegen; bei Zellenplatten lege ich pro Zelle einige Körner ab statt nur eines. Der Grund steht in den Keimraten: Für Petersilie und Schnittlauch rechnen wir mit 70 % Keimrate, für Dill mit 75 %, für Basilikum mit 80 %. Ein Korn allein lässt also jede vierte bis dritte Zelle leer. So dicht, dass die Keimlinge sich später berühren, darf es aber nicht werden – dann verflechten sich die Wurzeln und die Sämlinge beschatten einander.
Die Erde feuchte ich vor dem Säen durch, nicht danach: Ein kräftiger Guss nach der Saat schwemmt Lichtkeimer zusammen. Nach dem Säen sprühe ich nur noch fein über die Oberfläche.
Basilikum oder Thymian „zur Sicherheit” einen Fingerbreit tief eingraben. Beide sind Lichtkeimer; unter einer dicken Erdschicht laufen sie lückig oder gar nicht auf. Andrücken genügt, höchstens ein dünner Schleier Erde darüber.
Das Mini-Treibhaus: Haube, Wärme, Lüften
Eine durchsichtige Haube, eine Glasscheibe oder Frischhaltefolie über der Schale hält die Oberfläche gleichmäßig feucht und die Luft darunter etwas wärmer als den Raum. Für Lichtkeimer, deren Samen offen auf der Erde liegen, ist das der größte Hebel: Trocknet die Oberfläche in der Keimphase ab, bricht die Keimung ab.
So führe ich die Haube:
- Platz: hell und warm, aber nicht in der prallen Mittagssonne. Unter einer geschlossenen Haube staut sich Hitze, und feuchte Keimlinge verbrühen.
- Wärme nach Art: Basilikum läuft in einer Spanne von 15–22 °C auf, Zitronenmelisse braucht etwa 18–25 °C, Kerbel keimt schon ab 8 °C. Kerbel und Schnittlauch können deshalb in einen kühleren Raum, Basilikum und Melisse stehen bei mir über der Heizung am Fenster.
- Lüften: Ich hebe die Haube an, wische das Kondenswasser ab und setze sie wieder auf. Liegt Wasser in Tropfen auf der Erde, war es zu lange geschlossen.
- Abnehmen: Sobald die ersten Keimlinge stehen, kommt die Haube weg. Unter der Haube werden Sämlinge weich und lang und kippen um.
Ich lege nach dem Auflaufen einen Bleistift unter den Rand der Haube, sodass sie schräg aufliegt, und nehme sie am nächsten Tag ganz ab. Dabei schaue ich, ob die Erde unter den Keimlingen dunkel und die Keimlinge selbst aufrecht sind – das sind meine beiden Kontrollpunkte, bevor die Schale ohne Schutz steht.
Pflege in der Schale bis zum Pikieren
Gießen. Über die Keimlinge zu gießen legt sie flach und schwemmt die Erde vom WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt.. Ich stelle die Schale stattdessen in eine Wanne mit Wasser und nehme sie heraus, sobald die Oberfläche dunkel wird; dann darf der Untersetzer leerlaufen. Zwischen den Gaben soll die Oberfläche leicht abtrocknen. Mediterrane Arten wie Thymian, Salbei oder Bohnenkraut halte ich trockener als Basilikum, Petersilie oder Kerbel.
Licht. Die Schale steht am hellsten Fenster, das du hast, und ich drehe sie beim Wässern, damit die Keimlinge nicht alle zur Scheibe kippen. Lang gezogene, blasse Sämlinge können auf zu wenig Licht oder zu viel Wärme hindeuten; dann rückst du näher ans Fenster, stellst kühler oder ergänzt eine Pflanzenlampe.
Schimmel und Algen. Ein weißer Flaum auf der Erde oder ein grüner Belag entsteht meist bei stehender, feuchter Luft und dauernass gehaltener Oberfläche. Haube abnehmen, Schale luftiger stellen, Oberfläche abtrocknen lassen, befallene Sämlinge herausnehmen – das kann den Befall bremsen. Mehr zum Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß steht im Kräuter-Überblick.
Düngen. In der Schale nicht. Die Anzuchterde reicht bis zum Pikieren, und die große Mehrheit der Kräuter ist als schwachzehrend eingestuft. Die Ausnahmen Basilikum, Borretsch und Liebstöckel sind starkzehrend und bekommen erst nach dem Umtopfen eine nährstoffreichere Erde.
Pikieren, umtopfen, abhärten
Der Zeitpunkt ist erreicht, wenn nach den beiden KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. die ersten echten Blätter stehen und sich die Sämlinge in der Schale berühren. Ich wässere die Schale vorher von unten, hebe die Sämlinge mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. oder Löffelstiel samt Erde heraus und fasse sie ausschließlich an den Keimblättern – der Stängel ist an dieser Stelle eine dünne Röhre, die einen Fingerdruck nicht verträgt. Jeder Sämling kommt in ein vorgebohrtes Loch, die Erde wird leicht angedrückt und vorsichtig angegossen.
Beim Umtopfen zählt die Erdtiefe des Folgegefäßes: 15 bis 20 cm für die Flachwurzler Schnittlauch, Basilikum und Petersilie, mindestens 25 bis 30 cm für Rosmarin, Salbei und Liebstöckel. Basilikum und Liebstöckel bekommen jetzt die nährstoffreichere Erde, alle anderen bleiben in magerer Mischung.
AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. bedeutet, die Jungpflanzen an Wind, Sonne und Temperaturwechsel zu gewöhnen: erst stundenweise an einen geschützten, halbschattigen Platz im Freien, dann von Tag zu Tag länger, bei Frostgefahr wieder hinein. Petersilie hältst du dabei von Kälte fern: Niedrige Temperaturen zwischen 0 und 10 °C können die Blütenbildung auslösen, und blühende Pflanzen sind nicht mehr nutzbar; das Risiko ist beim sehr frühen Anbau am größten. Bei Basilikum ist die Sortenlage ähnlich streng: Thai-Basilikum ‘Siam Queen’ kommt nicht vor Mitte Mai ins Freiland, ausgewachsenes Zimtbasilikum verträgt keine Temperaturen unter 10 °C.
Pflanzfertig ist die Jungpflanze, wenn sie mehrere echte Blätter trägt, der Ballen beim Herausdrücken zusammenhält, sie draußen ein paar Tage ohne Schlappen überstanden hat und die Pflanzzeit ihrer Art erreicht ist – Basilikum etwa Mai–Juni, Petersilie etwa April–August, Schnittlauch etwa April–September, Thymian etwa März–Mai, Salbei etwa April–Juni.
Beim Auspflanzen setzt du nach System, nicht nach einer nackten Zahl: Basilikum als Einzelpflanzen mit 10 cm in der Reihe und 20 cm Reihenabstand, wobei der Pflanzabstand je nach Pflanzweise und Sorte bis 25 cm gehen kann (Büschel enger, Einzelpflanzen weiter); Petersilie 15 cm in der Reihe bei 25 cm Reihenabstand; Schnittlauch büschelweise mit 20 cm in der Reihe und 30 cm Reihenabstand; Thymian als Einzelpflanzen im Raster 20 x 25 cm. Standort, Abstände und Anbaupausen für weitere Arten prüfst du im Beetplaner mit den hinterlegten Kräuter-Systemwerten. Nachbarn wählst du mit Blick auf die Verträglichkeit: Basilikum steht gut neben Tomaten, Gurken, Melonen und Kürbis, aber nicht neben Thymian, Salbei, Rosmarin oder Minze – die Mischkultur-Prüfung für Kräuter und Gemüse zeigt dir die Paare. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts.
Wann kommt was in die Schale?
Die Vorkultur-Fenster liegen für die meisten Kräuter im Frühjahr: Bohnenkraut, Salbei, Koriander und Kamille März–April, Thymian, Majoran und Zitronenmelisse März–Mai, Liebstöckel März–Juni. Basilikum wird etwa Mai–Juni ins Freie gepflanzt und ist bis dahin auf einen warmen, hellen Platz angewiesen. Den kompletten Monatsplan mit allen Arten findest du im Aussaatkalender für Kräutersamen nach Monaten; zum Aufhängen neben der Fensterbank gibt es ihn als druckbaren Kräuter-Aussaatkalender.
Saatgut prüfst du vor dem Säen auf das Alter: Dill, Fenchel und Petersilie gelten als etwa zwei bis drei Jahre gut keimfähig, Bohnenkraut und Kerbel nur ein bis zwei Jahre. Älteres Saatgut säst du dichter oder ersetzt es.
Willst du Kräuter statt im Beet dauerhaft auf der Fensterbank ziehen, gelten in der Schale dieselben Handgriffe, aber das Licht wird zum Engpass. Wie du Kräuter im Winter drinnen anbaust, beschreibt der eigene Artikel dazu; für den Sommer auf der Fensterbank reicht ein Südfenster und die Bereitschaft, öfter zu wässern als im Beet.
Schale lochen, Erde durchfeuchten, Lichtkeimer obenauf, Petersilie einen halben bis einen Zentimeter tief, Haube auf, Saatdatum notieren – und die Keimspanne der Art abwarten, bevor du die Schale abräumst.




