Kräuter im Winter drinnen anbauen: was auf der Fensterbank wirklich wächst
- Drinnen im Winter zählen drei Gruppen: kühle Winterquartiere für Rosmarin und Lorbeer, warme Fensterplätze für Basilikum, Zitronengras und Stevia, und echte Frischkulturen wie Kresse, getriebener Schnittlauch und Schnittknoblauch.
- Ein heller Fensterplatz ist Pflicht; wenig Licht bei hoher Zimmerwärme kann zu Blattverlust führen, und Basilikum reicht das Winterlicht am Fenster nicht.
- Basilikum wächst günstig bei 20–25 °C und stellt unter 10 °C das Wachstum ein; Rosmarin überwintert kühl bei etwa 5–10 °C, Zitronengras bei etwa 10–15 °C.
- Gießen ohne festes Intervall: Feuchte unter der Oberfläche prüfen, bis zum Topfboden durchfeuchten, kein Wasser im Untersetzer lassen.
- Schnittlauch treibt nach mindestens drei Wochen um 0 °C und danach etwa zwei Wochen bei rund 18 °C am hellen Fenster; Kresse auf Küchenkrepp ist nach etwa einer Woche schnittreif.
- Im Winter nicht düngen, was ruht: Rosmarin im Topf bekommt keine Zusatzdüngung, und gelbe Blätter sind zuerst ein Anlass, Licht, Wärme und Gießen zu prüfen.

Im Dezember stehe ich vor meiner Fensterbank und sehe, was ich jeden Winter sehe: Der Basilikum aus dem Supermarkt streckt sich blass nach dem Fenster, der Rosmarin aus dem Garten hat im warmen Wohnzimmer die unteren Nadeln fallen lassen, und nur der Schnittlauch im alten Tontopf schiebt frische Röhrchen. Frische Kräuter im Winter zuhause gelingen, aber nicht mit der Sommerlogik „hell, warm, viel gießen”. Drinnen musst du drei völlig verschiedene Gruppen auseinanderhalten und vor allem eines akzeptieren: Das Winterlicht am Fenster ist die Grenze, an der die meisten Enttäuschungen entstehen.
Drei Gruppen, drei Strategien
Wer im Winter Kräuter im Haus hat, macht drei verschiedene Dinge, die nur zufällig auf derselben Fensterbank passieren. Erstens: mehrjährige, frostempfindliche Kübelkräuter kühl und hell überwintern (Rosmarin, Lorbeer). Zweitens: wärmebedürftige Arten am hellsten Platz der Wohnung durchbringen (Basilikum, Zitronengras, Stevia). Drittens: echte Winterfrischkulturen anbauen, die kaum Licht brauchen oder ihre Kraft aus dem Vorjahr mitbringen (Kresse, getriebener Schnittlauch, Schnittknoblauch).
Die Grundlagen, welche Kräuter draußen bleiben dürfen und welche rein müssen, trägt der Hub-Abschnitt Überwintern: Schnittlauch ist als etablierter Horst freiland-winterhart, Bärlauch übersteht den Winter als etablierte Gartenpflanze, Echter Lavendel kommt in milden Wintern meist zuverlässig durch, und Basilikum übersteht draußen keinen Winter. Wenn du noch sortieren musst, was überhaupt ins Haus gehört, lies zuerst, wie du Kräuter grundsätzlich überwinterst. Dieser Artikel setzt danach an: Die Pflanzen stehen drinnen, und jetzt sollen sie dort nicht nur überleben, sondern etwas liefern.
Gruppe 1: Kühl und hell — das Winterquartier für mediterrane Kübelkräuter
Rosmarin und Lorbeer sind das Gegenteil von Wohnzimmerpflanzen. Sie überwintern hell, kühl und frostfrei bei mäßiger Feuchtigkeit; als Richtwert gelten etwa 5–10 °C, solange keine Fröste drohen. Das kann ein unbeheiztes Treppenhaus mit Fenster sein, ein kühler Wintergarten oder ein Schlafzimmer, das kaum geheizt wird. Wer diese Pflanzen ins 22 Grad warme Wohnzimmer stellt, kombiniert wenig Licht mit hoher Temperatur, und genau diese Kombination kann bei Zimmerpflanzen zu Blattverlust führen.
Rosmarin lässt sich laut Artenhub das ganze Jahr beernten, im Winter aber nur zurückhaltend: Die Pflanze wächst kaum, jeder Schnitt bleibt lange sichtbar. Gedüngt wird im Winterquartier nicht. Für Rosmarin im Topf gilt ausdrücklich: im Winter keine zusätzliche Düngung. Kübelpflanzen, die auf die Winterruhe vorbereitet werden, bekommen ohnehin ab Ende August nichts mehr, damit das Gewebe ausreifen kann.
Ich trage den Rosmarintopf im Herbst ins Treppenhaus ans Nordfenster und hebe ihn alle paar Tage kurz an: Ist er leicht, gieße ich durchdringend bis zum Topfboden und kippe den Untersetzer danach aus. Ist er schwer, lasse ich ihn stehen. Mehr Pflege bekommt er den Winter über nicht.
Gieß-Regel für dieses Quartier: Der Ballen darf nicht austrocknen, aber im Untersetzer bleibt kein Wasser stehen, weil nässeempfindliche Kübelpflanzen sonst Wurzelfäule riskieren. Ein Abzugsloch im Topf ist Pflicht, ganz gleich wie hübsch das Übergefäß ist.
Gruppe 2: Warm und so hell wie möglich — Basilikum, Zitronengras, Stevia
Hier wird es ehrlich schwierig. Basilikum ist die Pflanze, an der die Winterfensterbank am häufigsten scheitert, und die Fachquellen sind deutlich: Basilikum lässt sich am Fenster überwintern, doch das natürliche Winterlicht reicht für seine hohen Lichtansprüche nicht aus. Überwinterte Fensterbankpflanzen leiden unter Lichtmangel, bilden weniger aromatische Blätter und werden anfälliger; deshalb gilt jährliche Neuaussaat oder der Kauf neuer Pflanzen als zweckmäßig.
Was du trotzdem tun kannst: Basilikum braucht Wärme, günstig sind 20–25 °C. Unter 10 °C kommt das Wachstum zum Stillstand, und bereits leichter Frost schädigt die Pflanze, also nie ans zugige Fenster. Kleinblättrige Formen wie Griechisches Buschbasilikum sind in der Regel besonders wärmebedürftig; für Griechisches Buschbasilikum ist beschrieben, dass es bei warmer Überwinterung mehrjährig kultiviert werden kann.
Gekauftes Topfbasilikum steht extrem dicht. Verteile die noch kleinen Pflanzen in Gruppen von 2–3 Pflanzen auf neue Töpfe und kürze sie bei Bedarf auf 2–3 Blattpaare ein. Anschließend erst einmal nicht beernten, damit Blattmasse entsteht. Gegossen wird bei Basilikum so, dass die Erde leicht feucht bleibt, ohne Staunässe und möglichst ohne die Blätter zu benetzen.
Wer im Winter Basilikum nachziehen will, statt eine alte Pflanze zu quälen, kann Stecklinge machen: etwa 10–15 cm lange, gesunde Triebe unten entblättern und ins Wasserglas stellen, bei 20–25 °C ohne pralle Sonne. Das Wasser wechselst du alle 3–4 Tage gegen Fäulnis; nach etwa 10–14 Tagen sind genügend Wurzeln zum Eintopfen da. Auch diese Jungpflanzen brauchen dann Licht, das der Winter kaum hergibt, aber sie starten wenigstens gesund.
Zitronengras ist frostempfindlich und verträgt kein Absinken unter etwa 10 °C; spätestens bei 5 bis 7 °C draußen kommt es rein. Für das Winterquartier gelten etwa 10 bis 15 °C, also eher der kühle Flur als das warme Wohnzimmer. Süßkraut (Stevia) ist nicht freiland-winterhart und überwintert als Kübelpflanze hell und frostfrei; bei kühler Überwinterung am hellen Fenster wird weniger gegossen, ohne den Wurzelstock austrocknen zu lassen. Im Haus ist die Ernte bei Stevia ganzjährig möglich, beim Umtopfen wartest du auf den Neuaustrieb im Frühjahr, der meist ab März beginnt.
Gruppe 3: Die echten Wintererträge — Schnittlauch treiben, Schnittknoblauch, Kresse
Wenn du im Winter wirklich ernten willst, ist das deine Gruppe. Sie hängt nicht am Winterlicht, weil die Pflanzen ihre Energie aus dem Vorjahr mitbringen oder so schnell wachsen, dass Lichtmangel kaum zum Tragen kommt.
Schnittlauch im Zimmer antreiben
Schnittlauch zieht draußen komplett ein und treibt im Frühjahr wieder. Diesen Rhythmus kannst du nach drinnen verlegen, allerdings nur mit KältereizDer Kältereiz ist eine mehrwöchige kühle Phase mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, die die Samen sogenannter Kaltkeimer durchlaufen müssen, bevor sie keimen können. Typisch ist das für viele Stauden wie Akelei, Christrose oder Schlüsselblume.: Zum winterlichen Antreiben vorgesehene Schnittlauchballen treiben williger aus, wenn sie zuvor mindestens 3 Wochen Temperaturen um 0 °C ausgesetzt waren. Ein im Herbst ausgestochener Horst bleibt also zunächst im Topf draußen stehen. Etwa 2 Wochen vor der gewünschten Winterernte stellst du den Topf bei etwa 18 °C hell ans Fenster. Geerntet wird mit scharfem Messer oder Schere etwa 2 cm über dem Boden, damit der Horst gut nachtreibt.
Mindestens 3 Wochen um 0 °C, dann etwa 2 Wochen bei rund 18 °C am hellen Fenster — das ist der Fahrplan für frischen Schnittlauch mitten im Winter. Ohne die Kältephase treibt der Ballen zögerlich.
Ich hole dafür im Herbst einen Teil eines Horstes mit dem Spaten heraus, setze ihn in einen Topf mit Abzugsloch und lasse ihn an der Hauswand stehen, bis er die erste Frostperiode mitgenommen hat. Erst dann kommt er auf die Küchenfensterbank. Übrigens ist die Teilung ohnehin fällig: Schnittlauch-Horste werden etwa alle 2 bis 3 Jahre geteilt und verjüngt.
Schnittknoblauch eintopfen
Schnittknoblauch ist mehrjährig und winterhart, wird draußen von Mai bis November laufend beerntet und macht drinnen weiter: Für die Winterernte werden Pflanzen aus dem Freiland im Herbst zurückgeschnitten, in Töpfe verpflanzt und auf der Fensterbank weiterkultiviert. Die Blätter schneidest du wie Schnittlauch.
Kresse und Microgreens — Ernte ohne Erde
Kresse ist die einfachste Winterkultur überhaupt. Auf feuchtem Küchenkrepp im Zimmer angezogen, lässt sie sich nach etwa 1 Woche mit der Schere ernten. Wer in Erde säht, arbeitet 0 bis 0,5 cm tief; bei 15 bis 20 °C keimt Kresse in drei bis fünf Tagen und ist nach ein bis zwei Wochen erntereif, in Zimmerkultur je nach Quelle schon nach vier bis acht Tagen. Wichtig zu wissen: Nach dem bodennahen Abschneiden treibt Kresse in der Regel nicht erneut aus, du säst also einfach nach.
Kresseanzuchten werden sauber und feucht, aber nicht nass gehalten. Zeigt sich Schimmel, ist die Anzucht nicht mehr nutzbar — dann wegwerfen und neu ansetzen, nicht abspülen und weiterziehen. Junge Kresse schneidest du mit sauberer Schere und verwendest sie möglichst sofort.
Microgreens gehen einen Schritt weiter als Sprossen: Sie werden erst geerntet, wenn neben den beiden KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. mindestens zwei weitere grüne Blättchen gebildet sind. Wer das systematisch auf mehreren Schalen betreiben will, findet die Technik im Beitrag über Pflanztische als Anbausystem für Kräuter und Microgreens.
Koriander, Kerbel und Petersilie als Grenzfälle
Korianderblätter lassen sich im Haus ganzjährig ernten, allerdings beschleunigt Trockenheit bei Koriander die Blütenbildung und verringert die Blattbildung — auf der Fensterbank über der Heizung passiert genau das. Bei Kerbel erschwert Lichtmangel die Winterkultur ausdrücklich; zusätzliche Beleuchtung kann den Anbauerfolg verbessern. Petersilie ist im Beet der bessere Winterkandidat: Sie kann im Freiland überwintern und nach dem Abfrieren des Laubs aus überlebenden Wurzeln erneut austreiben; für die Überwinterung draußen werden die Triebe im Herbst auf 3 bis 4 cm gekürzt. Im Topf am Fenster erntest du sie so, dass die Herzblätter unverletzt bleiben.
Licht: die Grenze, die alles andere bestimmt
Kräuter benötigen für die Kultur im Zimmer einen hellen Fensterplatz und ausreichend Feuchtigkeit. Diese eine Aussage entscheidet mehr als jede Erde und jeder Dünger. Wenn Blätter im Winter vergilben oder fallen, denken viele zuerst an Nährstoffmangel. Bei Zimmerpflanzen können Blattvergilbung und Blattfall aber durch Lichtmangel, Temperaturschwankungen, WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. oder Nährstoffmangel entstehen, deshalb prüfst du zuerst die Kulturbedingungen. Und Kälte-, Trockenheits- und Krankheitssymptome dürfen nicht allein als Stickstoffmangel gedeutet werden.
Die schlappe Basilikumpflanze am dunklen Fenster wird gedüngt, „damit sie wieder in Gang kommt”. Das Kraut kann dann zwar wachsen, aber erhöhte Stickstoffgaben können bei Basilikum den Gehalt an ätherischem Öl verringern — und das eigentliche Problem, das fehlende Licht, bleibt. Erst Standort, dann alles andere.
Zusätzliche Beleuchtung kann bei Kerbel den Winteranbau verbessern. Wenn du eine Lampe einsetzt, beobachte die Pflanze: Bleiben die Internodien kurz und die Blätter satt grün, passt das Licht; strecken sich die Triebe blass, fehlt es weiterhin.
Töpfe, Erde und Umtopfen im Winter
Für Kräuter in Pflanzgefäßen eignen sich Blumenpflanzenerde oder spezielle Kübelpflanzenerde, für länger im Gefäß wachsende Kräuter eine Kübelpflanzenerde mit strukturstabilen Zuschlägen wie Splitt, Bims oder Blähton. Mediterrane Topfkräuter kannst du in torffreier Erde mit grobem Sand im Verhältnis 1:1 setzen. Jedes Gefäß braucht Abzugslöcher, damit sich keine Staunässe bildet.
Bei der Größe hilft die Wurzeltiefe: Flach wurzelnde Küchenkräuter wie Schnittlauch, Basilikum oder Petersilie kommen mit 15 bis 20 cm Erdtiefe aus, TiefwurzlerTiefwurzler sind Pflanzen, deren Wurzeln bis in tiefere Bodenschichten reichen, im Gemüsegarten etwa Möhre, Pastinake, Tomate oder Mangold. Sie ergänzen sich gut mit Flachwurzlern, weil beide Wasser und Nährstoffe aus unterschiedlichen Schichten holen. wie Rosmarin, Salbei oder Liebstöckel benötigen mindestens 25 bis 30 cm. Ein im Verhältnis zur Pflanze kleiner Topf speichert weniger Wasser und muss häufiger gegossen werden — in der Heizungsluft wird das schnell zur Dauerbaustelle.
Umgetopft wird, sobald der bisherige Topf vollständig durchwurzelt ist. Bei torffreier oder torfreduzierter Erde ist noch etwas zu beachten: In torffreien, organisch gedüngten Substraten können sich pH-Wert und Nährstoffangebot innerhalb kurzer Zeit erheblich verändern, und tiefere Substratbereiche können noch nass sein, während die Oberfläche trocken wirkt. Wer Kräuter ganz von vorn aus Samen zieht, findet die Anzuchtschritte im Beitrag zur Kräuteranzucht in Schalen vom Samen bis zur Jungpflanze und die AussaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. im Aussaatkalender für Kräuter.
Gießen im Winter: kein Intervall, sondern ein Handgriff
Für Gartenpflanzen und Topfkräuter gibt es kein allgemeines Gießintervall, weil Bodenart, Gefäß und Witterung den Bedarf bestimmen. Im Zimmer kommt die Heizung dazu. Deshalb gieße ich nicht nach Kalender, sondern prüfe vor jedem Gießen die Feuchte unterhalb der Oberfläche mit dem Finger und hebe kleine Töpfe kurz an. Dann wird das Substrat bis zum Topfboden durchfeuchtet, und der Untersetzer wird anschließend geleert.
Welke ist dabei kein Gießbefehl: Schlaffe Blätter können sowohl auf Trockenstress als auch auf beginnende Wurzelfäule hinweisen. Erst fühlen, dann gießen. Die Wassergruppen aus dem Hub gelten drinnen weiter: Petersilie, Minze, Zitronenmelisse und Schnittlauch brauchen mehr Feuchtigkeit als Thymian, Salbei und Oregano.
„Heizungsluft ist Gift für alle Kräuter.” Sie ist eine Belastung, aber keine gleichmäßige. Die feuchteliebenden Blattkräuter leiden am Heizkörper eher als Thymian, Salbei oder Oregano. Das eigentliche Problem der warmen Wohnung ist nicht die Luft allein, sondern wenig Licht bei viel Wärme — und dafür ist die Lösung ein kühlerer, hellerer Platz, nicht die Sprühflasche. Beim Gießen selbst gilt weiterhin: auf die Erde, nicht über das Blatt, das hält Blattnässezeiten kurz.
Düngen im Winter: meistens gar nicht
Die Kräuterlinie „lebendiger Boden mit Kompost zum Start, kein wöchentlicher Dünger” aus dem Hub-Abschnitt Gießen, Düngen und Pflegen gilt drinnen im Winter verschärft. Was ruht, braucht nichts: Rosmarin im Topf bekommt im Winter keine zusätzliche Düngung, und Kübelpflanzen auf dem Weg in die Winterruhe werden ab Ende August nicht mehr gedüngt. Frisch eingetopfte Kräuter in nährstoffhaltiger Kauferde erhalten in den ersten Wochen kaum zusätzliche Gaben.
Wenn du im warmen Zimmer bei aktiv wachsenden Frischkulturen doch düngst, gib die Düngerlösung auf bereits feuchte Erde, um Wurzelschäden zu vermeiden. Zu starke Düngung kann Kräuter mastig wachsen lassen und ihr Aroma verringern — bei Lichtmangel erst recht.
Schädlinge und Krankheiten am warmen Fenster
Trockene Wärme ist Spinnmilbenwetter. Weibchen der Gemeinen SpinnmilbeDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. sind winzig, bis 0,6 mm lang, und sitzen geschützt in Gespinsten blattunterseits; an Zitronenmelisse zeigen sich weiß gesprenkelte Blätter und bei starkem Befall feine Gespinste an Blattunterseiten und Triebspitzen. Blattläuse verraten sich durch gekräuselte junge Blätter und klebrigen HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn.. Bei beiden gilt an Basilikum als erste Maßnahme das Abduschen der Pflanze — mechanisch, ohne Mittel. Stevia kann zudem von der Weißen Fliege befallen werden.
Bei Pilzen zählt Hygiene: Fahlgelbe Basilikumblätter mit graubraunem, filzigem Belag auf der Unterseite können auf Falschen Mehltau hinweisen und beweisen keinen Nährstoffmangel. Bei geringem Blattpilzbefall ausgewachsener Kräuter kannst du erkrankte Blätter entfernen und vernichten. Vorbeugend hilft, Blattnässezeiten kurz zu halten und nicht zu dicht zu stellen. Hausmitteln wird gegen Läuse einiges nachgesagt; bedenke aber, dass viele Hausmittel zur Schädlingsbekämpfung auch Nützlinge schädigen können — im Zimmer bleibt Abduschen mein erster Griff.
Wöchentlicher Rundgang an der Winterfensterbank — Blattunterseiten auf Gespinste und Läuse ansehen · Feuchte unter der Oberfläche prüfen, Untersetzer leeren · gelbe Blätter erst auf Licht und Wärme zurückführen, nicht sofort düngen · Töpfe drehen und den hellsten Platz den lichthungrigsten Arten geben · bei Frischkulturen nachsäen und nachtopfen.
Ernten drinnen: wenig, aber richtig
Drinnen wächst alles langsamer nach, deshalb erntest du im Winter kleiner und gezielter. Bei Basilikum werden obere Triebe bis zu den nächsten BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. geschnitten, und einige Blätter bleiben an der Pflanze, damit sie erneut austreibt; blühende Triebe kneifst du aus, das fördert die Blattentwicklung. Schnittlauch schneidest du etwa 2 cm über dem Boden ab, Petersilie so, dass die Herzblätter unverletzt bleiben. Pfefferminze und Melisse vertragen einen kräftigen Rückschnitt und treiben danach wieder aus. Bei üppig gewachsenen Kräutern schneide ich immer nur einen Teil des Bestands zurück, dann steht laufend Neuaustrieb zur Verfügung.
Frisch geschnittenes Basilikum lagerst du im Zimmer in Wasser, nicht im Kühlschrank. Für alles, was du drinnen nicht sofort verbrauchst, gilt die Konservierungslinie aus dem Hub-Abschnitt Ernten und Konservieren: Schnittlauch, Petersilie und Dill vor der Blüte portionsweise einfrieren, eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Selbst angesetzte Kräuteröle setzt du nicht auf Vorrat an — unter Luftabschluss können sich darin Botulinumtoxine bilden; sie gehören in den Kühlschrank und werden spätestens am Folgetag verbraucht.
Wer im Frühjahr wieder nach draußen will, plant jetzt schon die Sommeraussaat. Basilikum säst du dann neu, statt die Winterpflanze mitzuschleppen; die Grundlagen von der Aussaat bis zur ersten Ernte stehen im Beitrag zur Anzucht von Kräutern von der Aussaat bis zur Ernte. Der Winter am Fenster ist dann das, was er sein sollte: eine Zeit für Schnittlauch, Kresse und Schnittknoblauch — und ein kühles, helles Quartier für alles, was im Mai wieder in die Sonne darf.




