Kräuter vermehren: Stecklinge, Teilung oder Aussaat – welcher Weg zu welchem Kraut passt
- Drei Wege: Stecklinge und Teilung erhalten die Mutterpflanze eins zu eins, Aussaat bringt genetisch neue Pflanzen.
- Stecklinge: feste, noch nicht verholzte, blütenfreie Triebe mit 3–4 Blattpaaren, hell ohne grelle Sonne bewurzeln.
- Teilung passt zu Schnittlauch, Minze, Oregano, Estragon, Zitronenmelisse und Liebstöckel – im Frühjahr oder Herbst.
- Französischer Estragon geht nur vegetativ; Saatgut von Hybridsorten liefert Nachkommen, die anders aussehen können.
- Eigenes Saatgut nur von samenfesten Sorten, trocken geerntet, nachgetrocknet und kühl, dunkel, trocken gelagert.

Dein Thymian schmeckt genau richtig, der Schnittlauchhorst ist nach ein paar Jahren in der Mitte kahl geworden, und der Rosmarin im Kübel soll auch auf die Terrasse der Nachbarin. Für alle drei Fälle brauchst du keine neuen Töpfe aus dem Gartencenter, sondern den passenden Vermehrungsweg. Ich vermehre meine Kräuter jedes Jahr auf drei Arten: Ich schneide im Sommer StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. von Lavendel und Minze, ich teile im Frühjahr den Schnittlauch, und ich säe Basilikum, Dill und Kerbel jedes Jahr neu. Welcher Weg zu welchem Kraut passt, hängt vor allem davon ab, wie die Pflanze wächst und ob du eine bestimmte Sorte erhalten willst.
Welcher Weg zu welchem Kraut passt
Stecklinge und Teilung sind vegetative Vermehrung. Die Nachkommen sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze und behalten ihre Eigenschaften. Aussaat bringt Nachkommen, die genetisch verschieden sind – bei samenfesten Sorten sortentypisch, bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. mit Überraschungen.
Die Faustregel ergibt sich aus der Lebensform:
- Einjährige wie Basilikum, Sommer-Bohnenkraut, Dill oder Kerbel laufen in einer Saison von der Aussaat bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. und werden jedes Jahr neu gesät. Basilikum lässt sich zusätzlich über Triebstecklinge im Wasserglas vermehren – praktisch, wenn du eine gekaufte Pflanze über den Sommer vervielfältigen willst.
- Mehrjährige Stauden mit Horst oder Wurzelstock – Schnittlauch, Minze, Oregano, Zitronenmelisse, Estragon, Liebstöckel – teilst du. Im Beetplaner zählen sie als DauerkulturenDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst., und die Teilung ist gleichzeitig ihre Verjüngung.
- Halbsträucher wie Lavendel, Rosmarin, Thymian und Salbei vermehrst du über Stecklinge aus festen, noch nicht verholzten Trieben. Ihr altes Holz treibt zögerlich, deshalb ist Teilen hier kein guter Weg.
Einige Arten legen den Weg fest: Französischer Estragon wird nur vegetativ durch Teilung oder Stecklinge vermehrt und nicht aus Samen gezogen; nur der Russische Estragon lässt sich säen, hat aber ein schwächeres Aroma. Das Blütenbasilikum ‘African Blue’ geht ebenfalls nur über Stecklinge. Süßkraut kannst du zusätzlich zur Aussaat aus Stecklingen ziehen, Majoran über bewurzelte Stecklinge.
Bei mehrjährigen Kräuterstauden und Halbsträuchern ist der Kauf einer einzigen Jungpflanze ein guter Einstieg – aus ihr ziehst du in den Folgejahren so viele Stecklinge oder Teilstücke, wie du brauchst. Aus Samen gezogene Arten wie Schnittlauch oder Ysop brauchen dagegen häufig ein Jahr Vorkultur, bis sie überhaupt blühen.
Stecklinge: Triebe schneiden, bewurzeln, eintopfen
Den richtigen Trieb finden
Der Erfolg entscheidet sich beim Schneiden. Ich nehme feste, noch nicht verholzte Triebe einer gesunden Mutterpflanze, möglichst ohne Blüten und Knospen, mit drei bis vier Blattpaaren, und schneide unterhalb eines Blattpaares. Die unteren Blätter entferne ich, damit kein Blatt im Substrat sitzt und fault. Bei großblättrigem Salbei halbiere ich die verbliebenen Blätter, damit der Steckling weniger Wasser verdunstet, bevor er Wurzeln hat.
Für Salbei eignen sich etwa 10 cm lange, unverholzte, aber feste Triebspitzen. Für Basilikum schneidest du etwa 10–15 cm lange Triebe. Zitronenmelisse lässt sich in der Erwerbsanzucht mit etwa 5 cm langen Kopfstecklingen oder unverholzten Stängelstücken mit zwei Blattpaaren vermehren – im Hausgarten reichen die Kopfstecklinge.
Substrat und Standort
Stecklinge wollen ein nährstoffarmes, durchlässiges Substrat, das du mit Perlit oder Sand auflockerst. Für Salbei bewährt sich eine Mischung aus torffreier AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. und Quarz- oder Rasensand, in die die Stecklinge etwa 2–3 cm tief kommen. Lavendelstecklinge setzt du in Aussaaterde, gießt sie an und stellst sie hell, aber ohne grelle Sonne.
Eine Folienabdeckung oder Haube hält die Luft feucht – und ist gleichzeitig die häufigste Fehlerquelle. Ich kontrolliere abgedeckte Stecklinge täglich auf Feuchte und weiche, glasige Stellen und lüfte jedes Mal kurz. Was weich wird, sortiere ich sofort aus, bevor es die Nachbarn ansteckt.
Stecklinge unter der Haube vergessen. Ohne Lüften staut sich die Nässe, das Substrat bleibt dauerfeucht und die Stängelbasis fault. Ebenso ungünstig: knospige oder blühende Triebe, die ihre Kraft in die Blüte statt in Wurzeln stecken.
Bewurzelung im Wasserglas
Basilikum ist der Klassiker fürs Wasserglas: Die etwa 10–15 cm langen Triebe unten entblättern, in Wasser stellen und bei 20–25 °C ohne pralle Sonne aufstellen. Das Wasser wechselst du alle 3–4 Tage, sonst fault die Basis. Nach etwa 10–14 Tagen sind genug Wurzeln da, um einzutopfen. Minzen bewurzeln ebenfalls leicht, hier nimmst du im Sommer gesunde, blütenfreie Triebe mit 3–4 Blattpaaren.
Salbeistecklinge, hell ohne direkte Sonne und gleichmäßig feucht gehalten, bilden nach etwa 2–4 Wochen neue Blätter und Wurzeln. Basilikum im Wasserglas ist nach etwa 10–14 Tagen so weit. Plane die Zeit ein, bevor du die Töpfe umstellst.
Abhärten und weiterkultivieren
Bewurzelte Stecklinge kommen einzeln in kleine Töpfe. Vor dem Auspflanzen ins Freie werden sie abgehärtet – Zitronenmelisse etwa eine Woche kühl, luftig und frostfrei. Ist der Topf vollständig durchwurzelt, setzt du in ein größeres Gefäß um. Wie du die jungen Pflanzen dann gießt und mit Maß versorgst, trägt der Grundlagenartikel im Abschnitt zum Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß: Kräuter sind überwiegend schwachzehrend, zu viel Stickstoff und Wasser macht das Laub weich und flach im Aroma, und bei den Halbsträuchern schneidest du nie tief ins alte Holz.
Ich schneide meine Lavendel- und Minzstecklinge morgens, wenn die Triebe noch prall stehen, und stecke sie innerhalb kurzer Zeit – dazwischen liegen sie in einem feuchten Tuch. Beim täglichen Lüften prüfe ich mit dem Finger, ob das Substrat unter der Oberfläche noch feucht ist, statt pauschal nachzugießen.
Teilung: aus einem Horst werden mehrere
Wann geteilt wird
Teilung ist Vermehrung und Verjüngung in einem Handgriff. Schnittlauch teilst du im Frühjahr und verjüngst ihn dabei alle 2–3 Jahre – der kahl werdende Horst aus dem Einstieg ist genau dieser Fall. Minze und Zitronengras teilst du ebenfalls im Frühjahr, Zitronenmelisse im Frühjahr oder Herbst, Liebstöckel im Herbst, den Estragon-Wurzelstock im Spätherbst oder Frühjahr. Oregano teilst du zur Verjüngung nach 3 Jahren und pflanzt den Wurzelballen um; als allgemeine Empfehlung für mehrjährige Kräuterstauden gilt eine Teilung nach 3–5 Jahren.
So gehst du vor
Grabe den Stock aus und zerlege ihn in Teilstücke, von denen jedes mindestens ein austriebsfähiges Auge oder eine vitale Triebspitze und eigene Wurzeln hat. Schnittlauchhorste ziehst du vorsichtig mitsamt den Wurzeln auseinander; bei festen Wurzelstöcken hilft ein sauberes Messer. Die Teilstücke pflanzst du sofort wieder ein und wässerst gut. Geteilter Schnittlauch braucht etwa einen Monat, bis er wieder kräftig durchtreibt – in dieser Zeit lasse ich ihn in Ruhe und ernte nicht.
Bei der Teilung von Schnittlauch können Viruskrankheiten mit den Mutterstöcken weitergegeben werden. Teile nur gesunde, kräftige Horste und lass kränkelnde Stöcke aus der Vermehrung raus – genauso wie du für Stecklinge nur gesunde Mutterpflanzen wählst.
Minzen wuchern über AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen.; auf schweren Böden lassen sie sich leichter in großen Kübeln begrenzen als im Beet. Wenn du Teilstücke ins Beet setzt, hilft ein eingegrabenes Gefäß, dessen Rand 3–5 cm über dem Boden bleibt.
Aussaat: eigenes Saatgut gewinnen und richtig nutzen
Die Aussaattechnik selbst – Vorkultur, Direktsaat, Lichtkeimer wie Basilikum, Thymian oder Kamille, die nur angedrückt oder dünn bedeckt werden – steht ausführlich im Hub-Abschnitt zur Aussaat mit Vorkultur, Direktsaat und den feinen Samen. Dort findest du auch die belegten Keimtemperaturen und -dauern je Art. Hier geht es um das, was Aussaat zur Vermehrung macht: das eigene Saatgut.
Samenfest oder Hybride?
Nach der Blüte gewonnenes Saatgut samenfester Schnittlauch-, Schnittknoblauch- und Petersiliensorten kannst du erneut aussäen. Aus selbst gesammelten Samen von Hybridsorten können dagegen Nachkommen entstehen, die deutlich anders aussehen als die Mutterpflanze – hier ist ein Steckling der verlässlichere Weg zur Sortenerhaltung.
Samen ernten
Zur Saatgutgewinnung bleiben ausgewählte Mutterpflanzen bis zur Samenreife stehen. Die Reifezeichen sind je Art verschieden: Dillsamen erntest du, sobald sie braun sind; reife Kerbelsamen sind schwarz und glänzend; Blauer Waldmeister muss vor dem selbstständigen Ausfallen geerntet werden, weil er sich sonst selbst aussät. Samenstände nimmst du bei trockenem Wetter mit Messer oder Schere ab, breitest sie auf Papier aus und lässt sie nachtrocknen. Feine Samen trennst du mit einem Sieb von den Samenhäuten.
- Mutterpflanze gesund und sortentypisch?
- Samenstand trocken geerntet?
- Auf Papier nachgetrocknet und gesiebt?
- Tüte mit Pflanzenname und Erntejahr beschriftet?
- Kühl, dunkel und trocken gelagert?
Lagern und Keimfähigkeit prüfen
Trockenes Saatgut hält seine KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. am längsten, wenn es möglichst luftdicht, kühl und dunkel liegt. Viele Kräutersamen wie Dill, Fenchel oder Petersilie gelten als etwa zwei bis drei Jahre gut keimfähig, einige wie Bohnenkraut oder Kerbel nur ein bis zwei Jahre. Bei Stevia ist die Keimquote selbst bei frischem Saatgut mit etwa 13–15 % gering, empfohlen wird höchstens etwa 6 Monate altes Saatgut. Bei älteren Beständen zählst du eine bestimmte Anzahl Körner ab und machst eine Probeaussaat – das zeigt dir, wie dicht du säen musst.
Einige Kräuter erledigen die Aussaat selbst: Kerbel, Zitronenmelisse, Pimpinelle und Echtes Löffelkraut können sich im Garten durch SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. vermehren. Wenn du das nicht willst, schneidest du Verblühtes ab, bevor die Samen fallen – beim Blut-Ampfer etwa nach der Blüte.
Das Vermehrungsjahr planen
Grob sortiert: Frühjahr ist Teilungs- und Aussaatzeit, Sommer die Stecklingszeit, Herbst wieder Teilungszeit für Liebstöckel, Zitronenmelisse und Estragon. Zitronenmelissenstecklinge, die später im Freiland überwintern sollen, gewinnst du in der Erwerbsanzucht von Mitte April bis spätestens Anfang August – die Jungpflanzen brauchen Zeit, sich vor dem Winter zu etablieren. Wie sich die Aussaaten der Kräutermischungen übers Jahr verteilen, beschreibt der Nachbarartikel zur Aussaat und Ernte von Kräutermischungen im Jahresverlauf; die Kulturstartmonate je Art hast du im Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken.
Wer wissen will, welcher Weg bei einer einzelnen Art gewinnt, findet zwei Vergleiche im Detail: wie du Mutterkraut über Stecklinge, Teilung oder Aussaat vermehrst und welche Methode beim Oregano zwischen Aussaat, Stecklingen und Teilung am besten passt. Die geteilten Dauerkulturen setzt du mit ihrer Anbaupause im Beetplaner an den neuen Platz; ob die Nachbarn sich vertragen – gerade die mediterranen Aromatiker stehen untereinander als schwierige Nachbarn –, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug.
Vermehrte Kräuter willst du irgendwann auch ernten und einlagern – wie du dabei je Art richtig schneidest, trocknest oder einfrierst, steht in den Erntetechniken für Kräutermischungen.




