Rotblättriges Basilikum vermehren: Stecklinge im Wasserglas und Aussaat als Lichtkeimer
- Stecklinge erhalten die Eigenschaften der Mutterpflanze; Nachkommen aus Samen sind genetisch verschieden.
- Für Stecklinge etwa 10–15 cm lange, blüten- und knospenfreie Triebe unten entblättern und ins Wasserglas stellen.
- Wasserglas bei 20–25 °C ohne pralle Sonne, Wasser alle 3–4 Tage wechseln, nach etwa 10–14 Tagen eintopfen.
- Basilikum ist Lichtkeimer: 0–0,5 cm tief, in Kulturanleitungen 15–20 °C Keimtemperatur, 7–21 Tage Keimdauer.
- Pikieren nach 2 Blattpaaren, bei der dunkelroten Sorte Chianti 3–4 Sämlinge zusammen in einen Topf.

Eine einzige rotblättrige Basilikumpflanze auf der Fensterbank ist schnell zu wenig, wenn Tomatensalat und Pesto gleichzeitig danach rufen – und genau die eine Pflanze mit dem tiefsten Rot möchtest du nicht verlieren. Ich schneide mir deshalb im Sommer beim Ernten gleich ein paar Triebe extra ab und stelle sie ins Wasserglas, während ich für die nächste Saison Samen aussäe. Beide Wege führen zu neuen Pflanzen, aber sie liefern nicht dasselbe. Welchen du wählst, hängt davon ab, ob du eine bestimmte Pflanze festhalten oder viele Pflanzen bekommen willst.
Stecklinge oder Aussaat: was du am Ende in der Hand hast
Vegetativ vermehrte Pflanzen sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze – ein StecklingEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. trägt also Blattfarbe, Wuchs und Aroma seiner Mutter weiter. Nachkommen aus Samen sind dagegen genetisch verschieden. Aus selbst gesammelten Samen von HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. können Pflanzen entstehen, die deutlich anders aussehen als die Mutter.
Für rotblättriges Basilikum ist das die Kernfrage. Gefällt dir eine Pflanze wegen ihrer Farbe besonders, sichert dir der Steckling genau dieses Merkmal. Willst du im Frühjahr eine ganze Reihe fürs Beet, ist die Aussaat der einfachere Weg – mit der Möglichkeit, dass einzelne Sämlinge anders ausfallen. Manche Basilikum-Hybriden wie ‘African Blue’ werden ohnehin nur über Stecklinge vermehrt; wie du solche und andere Blütenformen behandelst, steht in der Anleitung, wie du Blütenbasilikum über Stecklinge und Aussaat vermehrst.
| Stecklinge | Aussaat | |
|---|---|---|
| Erbgut | identisch mit der Mutterpflanze | genetisch verschieden, bei Hybriden deutlich |
| Rote Blattfarbe | bleibt erhalten | kann abweichen |
| Zeit bis zur Jungpflanze | etwa 10–14 Tage im Wasserglas bis zum Eintopfen | 7–21 Tage Keimdauer, dann PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. |
| Menge | begrenzt durch die Mutterpflanze | viele Pflanzen aus einer Tüte |
Stecklinge im Wasserglas bewurzeln
Den richtigen Trieb wählen
Für Basilikum-Stecklinge werden von gesunden Pflanzen etwa 10–15 cm lange Triebe geschnitten. Achte auf feste, noch nicht verholzte Triebe, die weder Blüten noch Knospen tragen und drei bis vier Blattpaare haben. Der Schnitt sitzt unterhalb eines Blattpaares. Ich nehme die Triebe am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist und ich ohnehin ernte – dann liegt die Schere schon bereit und die Triebe kommen ohne Umweg ins Glas.
Vorbereiten und einstellen
Die unteren Blätter kommen ab, damit kein Laub im Wasser steht. Dann stellst du die Triebe ins Wasserglas, bei 20–25 °C und ohne pralle Sonne. Das Wasser wird alle 3–4 Tage gewechselt, um Fäulnis vorzubeugen. Ich stelle das Glas so auf die Küchenzeile, dass ich beim Frühstück hineinschaue: Sobald das Wasser trüb wird, ist Wechsel dran, egal welcher Tag ist.
Nach etwa 10–14 Tagen haben die Stecklinge in der Regel genügend Wurzeln zum Eintopfen; manche Anleitungen nennen rund 10 Tage. Ich warte nicht auf ein dichtes Wurzelbüschel, sondern topfe ein, wenn die ersten Wurzeln einige Zentimeter lang sind – lange Wasserwurzeln brechen beim Umsetzen leichter.
Ein Trieb mit Knospe wird zum Steckling. Basilikum steckt seine Kraft dann in die Blüte statt in Wurzeln. Lieber einen jüngeren Seitentrieb nehmen und an der Mutterpflanze die Blüten ausknipsen – das fördert dort die Blattentwicklung.
Stecklinge direkt ins Substrat
Statt ins Glas kannst du die vorbereiteten Triebe auch in nährstoffarmes, durchlässiges Substrat stecken, das mit Perlit oder Sand aufgelockert ist. Die Töpfe stehen hell ohne grelle Sonne unter einer Folienabdeckung. Die Abdeckung kontrollierst du auf Feuchte und Schadstellen und lüftest sie kurz. Sobald der Topf durchwurzelt ist, geht es in ein größeres Gefäß.
Steckling in fünf Handgriffen
- Trieb 10–15 cm, fest, unverholzt, ohne Blüte und Knospe, 3–4 Blattpaare
- Schnitt unterhalb eines Blattpaares
- untere Blätter entfernen
- Wasserglas bei 20–25 °C ohne pralle Sonne, Wasser alle 3–4 Tage wechseln
- nach etwa 10–14 Tagen eintopfen
Aussaat: rotblättriges Basilikum als Lichtkeimer
Saatgut, Erde, Tiefe
Basilikum wird als Lichtkeimer beschrieben. Die Samen werden oberflächennah gesät, 0–0,5 cm tief, und höchstens leicht mit Erde bedeckt – oft reicht Andrücken. Für die Vorkultur nimmst du frische, ausdrücklich als Aussaaterde gekennzeichnete Erde. Der Boden ist mäßig feucht und locker, und beim vorsichtigen Angießen darf das Saatgut nicht abgeschwemmt werden. Während und nach der Keimung darf es nicht austrocknen. Ich gieße die Schalen deshalb mit der Sprühflasche und prüfe die Oberfläche mit dem Finger, statt aus der Kanne zu gießen.
Wärme und Geduld
In den Kulturanleitungen der Saatgut-Hersteller stehen für Basilikum 15–20 °C Keimtemperatur und 7–21 Tage Keimdauer – mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass dieser Rahmen für rotblättrige Sorten abweichen kann. Andere geprüfte Quellenangaben reichen von 15–22 °C und 7–25 Tagen. Rechne also mit einer Spanne und säe nicht nach einer Woche nach, nur weil noch nichts zu sehen ist.
Für Basilikum liegt die FreilandsaatFreilandsaat ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle im Gartenbeet unter freiem Himmel. Die Samen keimen dort, wo die Pflanzen anschließend weiterwachsen sollen. belegt im Bereich Mai–Juni. Der Kulturstart für rotblättriges Basilikum ist mit Mai, Juni und Juli hinterlegt. Für das Wachstum sind 20–25 °C günstig; unter 10 °C kommt es zum Stillstand, und bereits leichter Frost kann Schäden verursachen.
Kleinblättrige Basilikumformen gelten als besonders wärmebedürftig. Ich ziehe auch das rotblättrige lieber am warmen Fenster vor, statt es früh ins kalte Beet zu säen.
Pikieren und auspflanzen
Basilikumsämlinge können pikiert werden, sobald sie 2 Blattpaare entwickelt haben. Vorgezogene Jungpflanzen werden in kleinen Büscheln pikiert; bei der dunkelroten Sorte ‘Chianti’ – sie gehört zu Ocimum basilicum und wird etwa 20–30 cm hoch – werden nach der Keimung jeweils 3–4 Sämlinge zusammen in einen Topf gesetzt. Ich hebe die Pflänzchen mit einem Holzstäbchen an und fasse sie nur an den Blättern.
Ins Freiland kommt Basilikum ab Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Beim Abstand denkst du in Reihe plus ErziehungsformDie Erziehungsform ist die Gestalt, in die du eine Pflanze, vor allem ein Obstgehölz, durch Schneiden und Binden gezielt ziehst. Bei Obstbäumen gelten Spindel und Spalier als die einfachsten Erziehungsformen.: 10 cm in der Reihe bei 20 cm Reihenabstand sind für rotblättriges Basilikum hinterlegt; die Quellen nennen insgesamt 10–25 cm Pflanzabstand, je nach Pflanzweise (Büschel/Tuff enger, Einzelpflanzen weiter) und Sorte. Wer die Fläche im Ganzen plant, kann die Reihen im Beetplaner durchspielen; die AussaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. liest du im Aussaatkalender für rotblättriges Basilikum ab.
Eigenes Saatgut gewinnen
Zur Saatgutgewinnung bleiben ausgewählte Mutterpflanzen bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen – bei Basilikum lässt du also einen Teil der Pflanzen bewusst blühen, wovon auch Bienen und Hummeln etwas haben. Die Blüte ist für Basilikum im Bereich Juli bis September belegt. Für den Rest des Bestandes gilt weiter: Blüten ausknipsen, dann bilden die Pflanzen mehr Blatt.
Die Samenstände nimmst du bei trockenem Wetter mit Messer oder Schere ab und breitest sie zum Nachtrocknen auf Papier aus. Feine Samen lassen sich mit einem Sieb von trockenen Samenhäuten trennen. Danach kommt das Saatgut beschriftet – Sorte und Jahr – kühl, dunkel und trocken in ein möglichst luftdichtes Gefäß. Ich beschrifte jedes Tütchen, bevor ich die nächste Pflanze ausschüttle; sonst liegen im Winter drei gleiche braune Häufchen vor mir.
Bei älterem Saatgut prüfst du die KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. mit einer Probeaussaat genau abgezählter Samen. Und behalte im Kopf, was oben stand: Die Nachkommen sind genetisch verschieden, und bei Hybridsorten können sie deutlich anders aussehen. Eine gezielte Zucht auf Farbe braucht deshalb mehrere Jahre Auslese – für den Hausgarten ist der Steckling der kürzere Weg zur sicher roten Pflanze.
Was die Jungpflanzen danach brauchen – kurz
Rotblättriges Basilikum ist sonnig hinterlegt und als starkzehrend eingestuft, mit einer Anbaupause von 4 Jahren am selben Platz. Gegossen wird mit Maß: Erde leicht feucht halten, Staunässe vermeiden, möglichst ohne die Blätter zu benetzen. Erhöhte Stickstoffgaben können das Wachstum steigern und gleichzeitig den Gehalt an ätherischem Öl verringern. Die Grundlagen zu Standort, Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß findest du im Kräuter-Ratgeber, der die zwei Kräuter-Welten und das Gießen nach Welten erklärt, und dort auch die Regeln zum Überwintern.
Zum Überwintern nur so viel: Basilikum ist nicht freiland-winterhart. Am Fensterbrett leidet es bei wenig Winterlicht unter Aromaverlust und erhöhter Anfälligkeit, weshalb die jährliche Neuaussaat oder der Kauf neuer Pflanzen empfohlen wird – oder eben ein Steckling im Spätsommer, den du hell und frostfrei über die dunklen Monate bringst. Wie die Topfkultur auf Balkon und Fensterbank im Detail gelingt, steht in den Expertentipps für rotblättriges Basilikum im Topf; den Überblick zu Anbau und Küche gibt dir der Beitrag zu Anbau und Verwendung von rotblättrigem Basilikum, und alle Artikel zur Art sammelt die Übersichtsseite zu rotblättrigem Basilikum.
Ich führe im Sommer zwei Gläser nebeneinander: eines mit Stecklingen der Pflanze, deren Farbe mir gefällt, und eines für Triebe, die beim Ernteschnitt ohnehin abfallen. So sehe ich beim Wasserwechsel alle 3–4 Tage nebenbei, welche Triebe Wurzeln schieben, und habe für die nächste Kiste immer Nachschub in Arbeit.





