Süße Stevia-Rezepte: Desserts, Getränke und Gebäck ohne Zucker süßen
- Steviolglycoside sind in der EU als Süßungsmittel E 960 zugelassen, unverarbeitete Stevia-Blätter dagegen nicht als Lebensmittel – süße deshalb mit zugelassenen Produkten.
- Zucker liefert im Teig Volumen, Feuchte und Bräunung; ersetzt du ihn, gleichst du das mit Apfelmus, Joghurt oder zerdrückter Banane aus.
- Süße schrittweise und probiere zwischendurch – die Dosierung deines Produkts steht auf der Packung, eine allgemeine Umrechnung gibt es nicht.
- Süßkraut ist ein Küchenkraut, keine Medizin; wer Zucker ersetzt, spart Zucker.

Ein Kompott ohne Zucker, das trotzdem süß schmeckt, ein Eistee ohne Sirup, ein Rührkuchen, der nicht zusammenfällt – genau daran scheitern die ersten Versuche mit Stevia oft. Die Süße ist ungewohnt stark, im Teig fehlt der Zucker als Masse, und beim Nachsüßen kippt ein Dessert schnell ins Bittere. Ich rühre Steviolglycosid-Süße deshalb grundsätzlich erst nach dem Kochen ein und probiere nach jedem Schritt. Hier findest du, wie du Getränke, Gebäck, Desserts und herzhafte Saucen ohne Zucker süßt, welche Küchenregeln dabei gelten und was du von der Pflanze gesundheitlich erwarten darfst – und was nicht.
Kurz eingeordnet: Pflanze, Zulassung, Zuckerersatz
Süßkraut (Stevia rebaudiana) ist ein Kraut aus Südamerika, dessen Blätter süß schmecken; hierzulande wird es als nicht winterharte Kübelpflanze gezogen. Wo es zwischen mediterranen und frisch-feuchten Kräutern steht und welche Lebensläufe Kräuter haben, erklärt der Grundlagenartikel über Kräuter im Garten und ihre zwei Welten. Als Zuckerersatz folgt Stevia einem einfachen Prinzip: Die Süße kommt ohne Zucker – alles, was der Zucker sonst noch leistet, musst du im Rezept ersetzen.
Für die Küche zählt eine Unterscheidung: Steviolglycoside sind in der EU als Süßungsmittel E 960 zugelassen. Die unverarbeiteten Blätter dagegen sind nicht als Lebensmittel zugelassen. Die Rezepte hier arbeiten deshalb mit Steviolglycosid-Süße aus dem Handel – als Pulver, Flüssigsüße oder Tabs. Dein selbst gezogenes Süßkraut bleibt damit vor allem eine Anbaupflanze: Es keimt bei 20 bis 24 °C in 14 bis 21 Tagen, das feine Saatgut wird nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt, die Blätter lassen sich etwa von Juni bis Oktober ernten und getrocknet aufbewahren. Mein Süßkraut steht im Kübel auf der Terrasse; im Herbst räume ich es hell und frostfrei ins Haus, weil es nicht freiland-winterhart ist. Wie die Kultur auf Balkon und Terrasse im Detail gelingt, zeigt der Ratgeber dazu, wie du Süßkraut im Topf ziehst und pflegst.
Empfehlungen für den Garten
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Die Samen benötigen Licht zum Keimen.
Richtig dosieren: so ersetzt du Zucker in Rezepten
Steviolglycosid-Süße süßt intensiv, und je nach Produkt unterschiedlich stark. Eine Umrechnung von Zucker zu Stevia, die für alle Produkte gilt, gibt es nicht – halte dich an die Dosierangabe deines Herstellers. Drei Regeln helfen unabhängig vom Produkt:
- Schrittweise süßen. Gib die Süße in mehreren Schritten zu und probiere dazwischen. Nachsüßen geht immer, Übersüßtes rettest du nur durch Verdünnen oder Strecken.
- Erst warten, dann nachlegen. Bei vielen Menschen entfaltet sich die Süße etwas verzögert. Lass nach dem Probieren einen Moment vergehen, bevor du nachsüßt.
- Die Masse ersetzen. Zucker liefert im Teig Volumen, Feuchte und Bräunung; Steviolglycoside liefern nur Süße. Ersetze deshalb zunächst einen Teil des Zuckers und gleiche fehlende Masse mit Apfelmus, Joghurt oder zerdrückter Banane aus.
Ich notiere die Menge, die zu einem Rezept gepasst hat, direkt auf der Rezeptkarte, zusammen mit dem verwendeten Süßungsmittel und dem Datum.
Fällt dir im Dessert eine Stevia-Note auf, dämpfen Vanille, Zitronensaft oder ein größerer Fruchtanteil sie oft. Kombinierst du Steviolglycosid-Süße mit Honig oder Sirup, süßt der Rest wieder mit Zucker – das Rezept ist dann zuckerreduziert, nicht zuckerfrei.
Desserts und Süßspeisen: hier zahlt sich Stevia am meisten aus
Puddings und Cremes. Vanillepudding, Schokocreme, Quark- und Joghurtspeisen sind der einfachste Einstieg, weil Zucker hier vor allem süßt und kaum Struktur trägt. Koche den Pudding ohne Zucker, nimm ihn vom Herd und süße die noch warme Creme schrittweise. Vanille rundet ab; ein Frosting aus Frischkäse oder Sahne süßt du genauso.
Fruchtdesserts. Kompott, Grütze und Fruchtpüree vertragen die neue Süße gut, besonders säuerliches Obst wie Rhabarber, Beeren oder Johannisbeeren. Koche das Obst ohne Zucker weich, binde es bei Bedarf mit Stärke ab und süße erst danach. Ich koche Rhabarber und Erdbeeren für die Grütze zuerst weich, binde sie ab und rühre die Süße erst lauwarm ein, mit einer Probe nach jedem Schritt.
Eis und Sorbet. Für Sorbet pürierst du Früchte, süßt die Masse und probierst sie noch einmal, bevor sie in den Froster oder die Eismaschine kommt. Bei Sahneeis fehlt ohne Zucker Masse; Sahne und Milch tragen die Textur, und die Masse kann fester gefrieren als gewohnt – rühre sie während des Gefrierens deshalb häufiger durch.
Konfitüre und Fruchtaufstrich. Beim Einkochen ist Zucker mehr als Süße: Er geliert zusammen mit dem Pektin und konserviert. Ohne Zucker brauchst du ein Geliermittel, das für zuckerfreie oder zuckerreduzierte Zubereitungen ausgelegt ist, und richtest dich nach dessen Anleitung. Der Fruchtgeschmack tritt dabei deutlicher hervor, weil ihn kein Zucker überlagert.
Zuckerfreie Konfitüre wie klassische Konfitüre monatelang im Vorratsregal zu lagern. Ohne Zucker fehlt der Zubereitung ein Konservierungspartner. Halte dich an die Lager- und Haltbarkeitsangaben des Geliermittel-Herstellers und stelle angebrochene Gläser in den Kühlschrank.
Getränke, Gebäck und Herzhaftes in Kürze
Getränke. Zitronenlimonade aus Zitronensaft und Wasser, mit Steviolglycosid-Süße abgeschmeckt und mit Beeren oder Minzblättern ergänzt; Eistee aus abgekühltem Schwarz-, Grün- oder Kräutertee; Kaffee, Tee und Kakao süßt du direkt in der Tasse. Für Eistee aus Kräutertee gieße ich das Kraut mit sprudelnd kochendem Wasser auf, lasse es mindestens fünf Minuten ziehen und kühle den Tee anschließend zügig herunter, statt ihn über Stunden stehen zu lassen.
Gebäck. Rührteig verliert ohne Zucker Masse, Feuchte und Bräunung – ersetze zunächst nur einen Teil des Zuckers und gleiche mit Apfelmus, Joghurt oder Banane aus. Für Mürbeteig, Kekse und Muffins nimmst du ein Süßungsmittel, das der Hersteller ausdrücklich als backfest ausweist; gemahlene Nüsse oder Mandeln bringen zusätzlich Geschmack und Bindung.
Herzhaftes. Balsamico-Dressing, Tomatensauce, Ketchup, Relish, süß-saure Wok-Sauce – überall, wo Süße Säure ausgleicht, funktioniert Steviolglycosid-Süße. Gib sie am Ende zu und probiere ab, denn sie bräunt und karamellisiert nicht wie Zucker.
Wie du Süßkraut darüber hinaus praktisch in der Küche einsetzt, aufbewahrst und worauf du bei der Verträglichkeit achtest, liest du im Ratgeber darüber, wie du Süßkraut in der Küche verwendest und aufbewahrst.
Kräuteröl für Dressings und Marinaden setzt du nicht auf Vorrat an. Unter Luftabschluss können sich in selbst angesetzten Öl-Zubereitungen Botulinumtoxine bilden. Selbst angesetztes Kräuteröl gehört in den Kühlschrank und wird spätestens am Tag nach der Herstellung verbraucht – so lautet auch die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung.
Was Stevia gesundheitlich bietet – und was nicht
Der Kern ist unspektakulär: Wer Zucker durch Steviolglycosid-Süße ersetzt, spart den Zucker. Süßkraut ist ein Küchenkraut und E 960 ein Zusatzstoff – beides ist Lebensmittel, keine Medizin. In Südamerika wird das Kraut traditionell zum Süßen genutzt; eine Wirkung leitet sich aus dieser Tradition nicht ab, und bei Beschwerden oder einer Erkrankung ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Ob und wie zuckerfreies Süßen bei Diabetes in den Speiseplan passt, gehört in ein Gespräch mit Arztpraxis oder Ernährungsberatung. Eine nüchterne Einordnung, was Süßkraut Menschen mit Diabetes bieten kann und wo die Grenzen liegen, findest du im Nachbarartikel. Für deine Küche bleibt die Regel dieselbe wie bei jedem Rezept hier: erst kochen, dann süßen, dazwischen probieren.



