Anzuchtschale mit Deckel: So führst du Feuchte, Wärme und Lüftung
- Die Haube hält die Aussaat feucht und kommt ab, sobald der erste Keimling erscheint.
- Keimtemperaturen sind Artwerte: Tomaten keimen bei 22 bis 25 °C, Kopfsalat um 18 °C.
- Unter einen Deckel gehören nur Arten mit ähnlicher Keimtemperatur.
- Laufen Tropfen am Deckel herab und glänzt die Erde nass, öffnest du den Lüftungsschieber.
- Bei Salaten und Spinat können hohe Bodentemperaturen die Keimung verhindern oder unterbrechen.
- Kokos-Quelltöpfe brauchen keine zusätzliche Anzuchterde, die spätere Nährstoffversorgung hängt aber von Kultur und Produkt ab.

Der Deckel auf der Anzuchtschale hält deine Aussaat feucht, solange die Samen keimen. Bleibt er danach liegen oder steht die Schale in praller Sonne, stauen sich darunter Wärme und Nässe. Ich nutze die Haube deshalb für einen klar begrenzten Abschnitt: von der Aussaat bis zum ersten Keimling. Was in dieser Zeit unter dem Deckel passiert, steuerst du über drei Dinge: Feuchte, Temperatur und Lüftung.
Was der Deckel auf der Anzuchtschale leistet
Eine Anzuchtschale mit Deckel besteht aus zwei Teilen: dem Unterteil mit Erde und Saat und einer durchsichtigen Haube darüber. Die Haube lässt Luft und Licht durch und hält die Aussaat feucht. Das Unterteil braucht einen Wasserabzug, damit überschüssiges Gießwasser ablaufen kann. Wasser, das im Untersetzer stehen bleibt, gieße ich ab.
Am deutlichsten zeigt sich der Nutzen bei Samen, die oben aufliegen. Basilikumsamen werden auf der Erde nur angedrückt und nicht mit Substrat bedeckt. Sie liegen also offen an der Oberfläche, und genau dort hält die Haube die Feuchte.
Manche Deckel haben einen Lüftungsschieber. Damit lässt du feuchte Luft entweichen, ohne die Haube abzunehmen. Hat dein Deckel keinen, hebst du die Haube kurz an.
Wie viel Feuchte unter der Haube richtig ist
Nach der Aussaat feuchte ich die Erde an, setze den Deckel auf und schließe den Lüftungsschieber. Ab dann hält die Haube die Feuchte über der Saat. Beim Blick durch den Deckel achte ich auf zwei Dinge: die Tropfen an der Innenseite und den Glanz der Erde. Ein leichter Beschlag zeigt nur, dass die Luft darunter feucht ist. Laufen dicke Tropfen herab und glänzt die Erde nass, öffne ich den Schieber und lasse die feuchte Luft abziehen.
Für Aussaaten von Zierpflanzen gilt: Lockere Aussaat, gute Durchlüftung und keine zu nassen Flächen helfen, Auflauf- und Umfallkrankheiten vorzubeugen. Meine Gemüseschalen führe ich nach demselben Muster und säe nicht zu dicht. Knicken SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. an der Stängelbasis ein und fallen um, kann das auf eine Umfallkrankheit hindeuten. Solche Sämlinge nehme ich aus der Schale.
Bei torffreier oder torfreduzierter Erde prüfe ich die Feuchte zusätzlich unter der Oberfläche. Eine trockene Oberfläche kann verdecken, dass das Substrat weiter unten nass ist.
Welche Temperatur braucht die Saat unter dem Deckel?
Eine KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. für alle Samen gibt es nicht, die Werte hängen an der Art. Ich lege deshalb ein kleines Thermometer in die Schale und lese es durch den Deckel ab.
| Art | Keimtemperatur |
|---|---|
| Kopfsalat | um 18 °C; bei Bodentemperaturen über 18 °C keimt er schlechter |
| Tomate | 22 bis 25 °C |
| Paprika und Chili | 25 °C gelten als optimal, Paprika keimt im Bereich 22 bis 25 °C |
| Hausgurke | 25 °C als Beispielwert aus der Anzucht |
Kopfsalat keimt bei Bodentemperaturen über 18 °C schlechter. Tomaten keimen dagegen im Bereich von 22 bis 25 °C. Unter einem gemeinsamen.liveckel wäre also immer eine der beiden Arten falsch temperiert, deshalb bekommt bei mir jede Temperaturgruppe ihre eigene Schale.
Nach der Keimung ändern sich die Werte. Paprika ziehst du als Jungpflanze bei 18 bis 20 °C weiter. Für Tomatenjungpflanzen in heller Weiterkultur reichen die Empfehlungen von 16 bis 20 °C. Kopfsalat für den ersten Frühjahrssatz ziehst du nach dem Keimen bei 8 bis 12 °C an.
Blumenkohl, Frühkohl, Kohlrabi und Sellerie sollen während der Anzucht nicht kälter als 14 bis 16 °C stehen. Sonst droht vorzeitiges SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen.. Miss bei diesen Arten nach, bevor du die Schale an einen kühleren Platz stellst.
Wann muss der Deckel runter? Lüften in Stufen
Lüften heißt unter dem Deckel zweierlei: Feuchte ablassen, bevor sie zur Nässe wird, und die Haube rechtzeitig abnehmen. Ich gehe dabei in drei Stufen vor.
- Nach der Aussaat: Deckel auf, Lüftungsschieber zu. Die Haube hält die Erde feucht.
- Bei starkem Beschlag: Laufen Tropfen herab und glänzt die Erde nass, öffnest du den Schieber. Ohne Schieber hebst du die Haube an und schüttelst das Wasser von der Innenseite ab.
- Beim ersten Keimling: Die Haube kommt ab, auch wenn noch nicht alle Samen gekeimt sind. Ab jetzt achtest du selbst darauf, dass die Erde feucht bleibt.
Danach stellst du die Schale hell auf. Die frisch gekeimten Sämlinge schützt du aber zunächst vor praller Sonne.
Den Deckel nach dem Keimen liegen lassen, weil die Erde darunter so schön feucht bleibt. Die Sämlinge stehen dann weiter in feuchter, warmer Luft. Nimm die Haube ab, sobald du den ersten Keimling siehst.
Ich beschrifte jede Schale mit Art und Aussaattag. Sehe ich den ersten Keimling, notiere ich das Datum daneben und nehme den Deckel ab. Diese Notizen übertrage ich in mein Gartentagebuch, damit ich bei der nächsten Aussaat weiß, welche Sorten gut gekeimt haben.
Wie du Überhitzung unter der Haube vermeidest
Ein geschlossener, durchsichtiger Deckel in der Sonne wärmt die Luft darunter auf. Wie warm es wirklich wird, zeigt dir das Thermometer in der Schale. Liegt die Anzeige deutlich über der Keimtemperatur deiner Art, ziehe ich die Schale aus der direkten Sonne und öffne den Lüftungsschieber.
Bei Salaten, auch bei Feldsalat, und bei Spinat können hohe Bodentemperaturen die Keimung verhindern oder unterbrechen. Kopfsalat keimt bereits bei Bodentemperaturen über 18 °C schlechter. Schalen mit Salat und Spinat stelle ich deshalb hell, aber nicht in die pralle Sonne.
Wo die Schale am besten steht
Der Platz muss hell sein. Für Paprikakeimlinge eignet sich ein helles Südfenster, solange du die frisch gekeimten Sämlinge zunächst vor praller Sonne schützt. Unter vielen Fensterbänken sitzt allerdings die Heizung. Trockene Heizungsluft kann Pflanzen zu stärkerer Verdunstung zwingen, als ihre Wurzeln durch Wasseraufnahme ausgleichen können.
Solange die Haube drauf ist, hält sie die Aussaat feucht. Sobald sie beim ersten Keimling abkommt, stehen die Sämlinge ungeschützt in dieser Luft. Such dir deshalb schon vor dem Abnehmen des Deckels einen Platz, an dem keine Heizungsluft aufsteigt.
Stellst du Schalen ins Gewächshaus, bedenke: Ein unbeheiztes Haus ist nicht zuverlässig frostfrei. Für die Klimakontrolle helfen dort Minimum-Maximum-Thermometer, HygrometerEin Hygrometer ist ein Messgerät für die Luftfeuchtigkeit. Beim Gärtnern zeigt es dir, wie feucht die Luft im Gewächshaus, unter der Anzuchthaube oder bei deinen Zimmerpflanzen ist. und Bodenthermometer. Regale und Tische schaffen zusätzliche Stellfläche, beschatten aber die Beete darunter. Wie du die Fläche mit Tischen, Regalen und Stapeln planst, steht im Ratgeber, wie du den Platz im Gewächshaus mit Anzuchtschalen nutzt.
Schale mit Deckel oder Kokos-Quelltöpfe?
Kokos-Quelltöpfe, also Quelltabletten aus Kokos, kannst du ohne zusätzliche AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. verwenden. Wie die Sämlinge später mit Nährstoffen versorgt sind, hängt von der Kultur und vom Produkt ab. In die Schale füllst du dagegen Aussaaterde, deren Salzgehalt unter 0,5 g/l liegen sollte. Reiner Kompost eignet sich dafür wegen seines hohen Nährstoffgehalts nicht.
Ein zweiter Unterschied betrifft das PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat.. Wer Paprika einzeln in kleine Töpfe oder Multitopfplatten sät, kann das spätere Pikieren vermeiden. Ich lege in jeden Quelltopf ein Korn, dann steht jeder Sämling von Anfang an für sich.
Den Deckel setzt du in beiden Fällen gleich ein. Ich stelle die gequollenen Quelltöpfe in eine Schale mit Wasserabzug, setze die Haube auf und nehme sie beim ersten Keimling ab.
| Schale mit Deckel | Kokos-Quelltopf | |
|---|---|---|
| Substrat | Aussaaterde mit Salzgehalt unter 0,5 g/l | ohne zusätzliche Anzuchterde verwendbar |
| Nährstoffe | später beim Pikieren in Substrat mit bis zu 1,5 g/l Salzgehalt | hängen von Kultur und Produkt ab |
| Pikieren | Sämlinge kommen später einzeln in Töpfe | jeder Sämling steht von Anfang an für sich |
| Feuchte prüfen | Blick durch den Deckel, bei torffreier Erde auch unter der Oberfläche | unter der Oberfläche, denn Kokos zählt zu den torffreien Bestandteilen |
| Haube | bis zum ersten Keimling | bis zum ersten Keimling, Quelltöpfe in einer Schale |
Aus der flachen Schale pikierst du die Sämlinge später einzeln, Tomaten etwa nach den ersten Blattpaaren und erkennbarem Zuwachs. Für Paprika, Tomaten sowie Haus- und Kastengurken sind dann Töpfe von 8 bis 10 cm Größe vorgesehen. Wie du dabei vorgehst, steht im Abschnitt zur Jungpflanzenpflege mit Licht, Temperatur und Pikieren.
KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. und KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. gehören zu den Bestandteilen torffreier Substrate, und torffreie Substrate schonen Moore. Eine Kunststoffschale verwende ich wieder: Ich reinige sie nach der Anzucht und stecke sie erst trocken ineinander. Worauf du bei Material, Haltbarkeit und Pflege achtest, erklärt der Ratgeber zur Wahl der passenden Anzuchtschale.
