Anzuchtschale wählen: Material, Form, Wasserabzug und welche Größe zu deiner Aussaat passt
- Jede Anzuchtschale braucht einen Wasserabzug am Boden, damit überschüssiges Gießwasser ablaufen kann.
- Wer Paprika einzeln in Multitopfplatten oder kleine Töpfe sät, kann das spätere Pikieren vermeiden.
- Tomaten, Paprika und Hausgurken kommen während der Jungpflanzenanzucht in Töpfe mit 8 bis 10 cm Durchmesser.
- Pastinaken säst du direkt ins Freiland, eine tiefe Anzuchtschale brauchst du dafür nicht.
- Gebrauchte Schalen reinigst du gründlich und steckst sie erst trocken ineinander.

Wenn die Samentüten auf dem Tisch liegen, entscheide ich zuerst über das Gefäß und erst dann über die Erde. Die Anzuchtschale legt fest, ob Gießwasser abläuft, ob du später pikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. musst und wie viel Platz die Wurzeln bis zum Umtopfen haben. Ein Fehlgriff zeigt sich meist erst, wenn die Sämlinge schon stehen. Darum gehe ich die Kriterien der Reihe nach durch: die Pflanze, Form und Größe, Wasserabzug, Material und Haltbarkeit.
Was eine Anzuchtschale leisten muss
Eine Anzuchtschale ist ein flaches Gefäß für die Aussaat. Darin keimen die Samen und wachsen, bis du sie vereinzelst oder in eigene Töpfe setzt. Neben der klassischen Saatschale gibt es Multitopfplatten mit vielen verbundenen Einzelzellen und einzelne Anzuchttöpfe. Für alle gilt dieselbe Grundregel: Überschüssiges Gießwasser muss am Boden ablaufen können.
Licht, Wärme und Feuchte steuerst du vor allem über Standort, Erde und Gießen. Die Schale gibt dafür den Rahmen vor, ersetzen kann sie nichts davon.
Welche Schale passt zu welcher Pflanze?
Bevor ich ein Gefäß kaufe, schaue ich auf die Samentüten. Die Tabelle zeigt Kulturen, für die es klare Angaben zum Gefäß oder zur Aussaat gibt.
| Kultur | Gefäß in der Anzucht | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Paprika und Chili | Saatschale mit Rillen, alternativ einzeln in die Multitopfplatte | später Topf mit 8 bis 10 cm Durchmesser |
| Tomaten | Saatschale, Samen etwa 1 cm tief | nach Blattpaaren und sichtbarem Zuwachs einzeln pikieren, Topf mit 8 bis 10 cm Durchmesser |
| Haus- und Kastengurken | Topf mit 8 bis 10 cm | VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. von 2 bis 3 Wochen bis zur Pflanzung |
| Buschbohnen | Topf | VorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus. kann den Schaden durch Bohnenfliegen verringern |
| Basilikum | Saatschale | Samen nur andrücken, nicht abdecken |
| Tagetes | Saatschale | Samen nur dünn bedecken, etwa 0 bis 0,5 cm tief |
| Bärlauch | Schale draußen, windgeschützt | Aussaat ab Herbst bis Anfang März für die natürliche Kältebehandlung |
| Pastinaken, Möhrensorte Nantaise 2 | keine | direkt ins Freiland säen |
„Für Wurzelgemüse brauchst du eine besonders tiefe Anzuchtschale.“ Bei Pastinaken und der Möhrensorte Nantaise 2 stellt sich die Frage gar nicht, denn beide werden direkt ins Freiland gesät. Eine tiefe Schale für diese Kulturen kaufst du also für einen Arbeitsschritt, den es bei ihnen nicht gibt.
Wie viele Zellen und Töpfe du brauchst, hängt davon ab, wie viele Pflanzen später ins Beet passen. Ich verteile deshalb zuerst die Hauptkulturen und plane meine Beete im Beetplaner. Erst danach zähle ich, wie viele Gefäße ich für die Anzucht vorbereite.
Saatschale, Multitopfplatte oder Einzeltopf?
Die flache Saatschale für die gemeinsame Aussaat
In der flachen Saatschale säst du viele Samen auf wenig Fläche, meist in Reihen. Später setzt du die Sämlinge einzeln in eigene Töpfe, das nennt man Pikieren. Die Schale passt deshalb zu allem, was du ohnehin vereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. willst. Wie eng die Reihen liegen, ist ein Artwert: Für Paprika und Chili liegen die Saatrillen in der Schale etwa 4 cm auseinander.
Die Multitopfplatte für die Einzelsaat
Eine Multitopfplatte besteht aus vielen kleinen, verbundenen Zellen. In jede Zelle kommt ein Samenkorn, und jeder Sämling wächst mit eigenem Ballen heran. Wer Paprika so einzeln in Multitopfplatten oder kleine Töpfe sät, kann das spätere Pikieren vermeiden. Bleibt eine Zelle leer, säe ich dort nach, ohne die Nachbarn anzufassen.
Ich stecke in jede Reihe der Platte ein Etikett mit Sorte und Aussaatdatum. Im Gartentagebuch notiere ich zusätzlich, welche Sorte in welchem Gefäß stand und wie sie gekeimt hat. So baut meine nächste Planung auf eigenen Beobachtungen auf.
Der Einzeltopf für Fruchtgemüse
Anzuchttopf und Endgefäß sind zwei verschiedene Klassen. Den kleinen Topf brauchst du für die Jungpflanzenzeit, das große Gefäß erst, wenn die Pflanze an ihren endgültigen Platz zieht. Auch Buschbohnen ziehe ich in Töpfen vor. Das kann den Schaden durch Bohnenfliegen verringern, der bei anhaltend kühlem Wetter zunimmt.
Tomaten, Paprika sowie Haus- und Kastengurken kommen während der Jungpflanzenanzucht in Töpfe von 8 bis 10 cm. Für Fruchtgemüse auf dem Balkon wird als Endgefäß dagegen ein Pflanzgefäß mit mindestens 10 l Volumen und etwa 30 cm Durchmesser empfohlen.
Wasserabzug: Warum ich zuerst auf den Boden schaue
Jede neue Schale drehe ich um, bevor ich sie fülle. Anzuchtgefäße müssen überschüssiges Gießwasser ablaufen lassen, sonst sammelt sich die Nässe unten in der Erde. Trauermückenlarven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde und können Pflanzenwurzeln anfressen. Eine Schale ohne Abzug schafft also genau die Bedingungen, in denen sich diese Larven vermehren.
Bei Aussaaten von Zierpflanzen beugen lockere Aussaat, gute Durchlüftung und das Vermeiden zu nasser Flächen Auflauf- und Umfallkrankheiten vor. Der Wasserabzug der Schale ist dafür die Voraussetzung.
Ob der Abzug reicht, siehst du beim ersten Gießen. Läuft das Wasser unten ab und bleiben oben keine Pfützen stehen, passt die Schale. Spült das Wasser feine Erde mit heraus, sind die Löcher für deine Aussaaterde zu groß. Steht die Schale in einer Wanne, kippe ich das abgelaufene Wasser weg.
Eine eigene Drainageschicht aus Kies oder Blähton lege ich in flache Saatschalen nicht ein, mir reicht ein Boden mit Löchern. Bei torffreier Erde prüfe ich die Feuchte auch unter der Oberfläche. Eine trockene Oberfläche kann nasses Substrat im unteren Bereich verdecken.
Joghurtbecher, Dosen oder Übertöpfe ohne Löcher als Anzuchtgefäß. Stich vor dem Füllen Löcher in den Boden, damit überschüssiges Gießwasser ablaufen kann.
Welches Material passt zu deiner Anzucht?
Beim Material wägst du Haltbarkeit, Gewicht und Pflege gegeneinander ab. Dazu kommt die Frage, ob der Topf mit in die Erde soll.
Kunststoff: leicht und immer wieder verwendbar
Schalen und Platten aus Kunststoff sind leicht, lassen sich abwaschen und immer wieder verwenden. Weil die Wand kein Wasser durchlässt, trocknet die Erde darin langsamer ab als in Ton. Ich nehme Kunststoff für alles, was ich später pikiere, weil ich diese Schalen nach der Saison nur reinige und stapele. Sinnvoll ist Kunststoff, wenn du ihn immer wieder nutzt, statt dünne Einwegschalen jedes Frühjahr neu zu kaufen.
Ton: wiederverwendbar, aber schwerer
Tontöpfe eignen sich für die Jungpflanzenanzucht und lassen sich nach der Reinigung wieder verwenden. Die poröse Wand gibt Feuchtigkeit nach außen ab, deshalb trocknet die Erde schneller als in Kunststoff. Bei Sämlingen, die gleichmäßig feucht stehen wollen, prüfe ich in Ton daher genauer nach. Ton ist schwerer, und mit der Zeit setzt sich Kalk ab, den du beim Reinigen entfernst.
Kokos und Quelltabletten
Kokos-Quelltabletten kannst du ohne zusätzliche AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. verwenden. Wie die Pflanze später mit Nährstoffen versorgt ist, hängt von Kultur und Produkt ab, deshalb lese ich vorher die Angaben auf der Packung. Gepresste Töpfe aus KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. sind meist dafür gedacht, mit eingepflanzt zu werden.
Pappe, Papier und Eierkarton
Töpfe aus Pappe oder Zeitungspapier und Eierkartons sind günstig und kompostierbar. Viele davon kommen mit der Pflanze in die Erde, sodass der WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. beim Umsetzen nicht aus dem Gefäß muss. Steht die Erde darin dauerhaft nass, weicht das Material auf. Ich stelle solche Töpfe deshalb dicht in eine stabile Wanne, damit ich sie gemeinsam tragen kann.
Torf: auf die Kennzeichnung achten
Manche gepressten Anzuchttöpfe enthalten Torf. Ich wähle torffreie Töpfe aus demselben Grund wie torffreie Erde: Torffreie Substrate schonen Moore und vermindern die CO₂-Emissionen, die mit dem Torfabbau verbunden sind. Verlass dich auf die ausdrückliche Angabe torffrei, denn bei Erde garantiert auch die Bezeichnung Bio keine Torffreiheit.
Anzucht ganz ohne Erde
In hydroponischen Systemen wachsen die Wurzeln in NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln. statt in Erde. Weil der ausgleichende Substratvorrat fehlt, musst du Wasser und Nährstoffe besonders genau dosieren. Bei einem hydroponischen Wasserbeet werden Nährstoffkonzentration und pH-Wert regelmäßig kontrolliert, etwa einmal pro Woche.
Erde, Haube, Licht und Platz: was neben der Schale zählt
In die Saatschale gehört Aussaaterde mit einem Salzgehalt unter 0,5 g/l. Beim Pikieren darf der Salzgehalt des Substrats bis zu 1,5 g/l betragen, reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts nicht als Anzuchterde. Mehr dazu findest du in den Grundlagen zu Anzuchterde, Keimbedingungen und Gießen.
Eine luft- und lichtdurchlässige Haube hält die Aussaat feucht. Sobald der erste Keimling erscheint, nimmst du sie ab. Wie du Feuchte, Temperatur und Lüftung darunter steuerst, erklärt der Ratgeber, wie du mit einer Anzuchtschale mit Abdeckung gute Keimbedingungen schaffst.
Frisch gekeimte Sämlinge stellst du hell auf und schützt sie zunächst vor praller Sonne. Ein zu dunkles Fenster oder zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren führen zu blassen, dünnen und weichen Jungpflanzen, ganz gleich, in welchem Gefäß sie stehen. Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann die Pflanzen zudem stärker verdunsten lassen, als die Wurzeln durch Wasseraufnahme ausgleichen.
Regale und Tische vergrößern im Gewächshaus die Stellfläche, stapelbare Systeme sparen Platz auf engem Raum. Wie du Schalen dort anordnest und vertikal anziehst, zeigt der Ratgeber, wie du Anzuchtschalen im Gewächshaus platzsparend aufstellst.
Reinigen, lagern, wiederverwenden
Nach der Saison bürste ich die Erdreste aus den Schalen und wasche sie mit warmem Spülwasser. Kalkablagerungen an Tontöpfen löst du mit Essigwasser im Verhältnis 1:10 und spülst anschließend mit klarem Wasser nach. Erst wenn alles vollständig trocken ist, stecke ich die Gefäße ineinander. So lagere ich sie an einem trockenen Ort bis zur nächsten Aussaat.
Wie lange ein Gefäß hält, hängt vor allem vom Material ab. Kunststoff und Ton nutze ich immer wieder, solange sie keine Risse zeigen. Brüchige Platten sortiere ich aus, bevor sie unter nasser Erde nachgeben. Töpfe aus Pappe, Papier oder Kokos sind für einen Durchgang gedacht, weil sie mit der Pflanze in die Erde gehen.
Meine Kriterien vor dem Kauf
Bevor eine neue Schale bei mir einzieht, gehe ich diese Punkte durch.
- Hat der Boden Löcher, durch die Gießwasser abläuft?
- Passt die Form zur Aussaat: Saatschale zum Pikieren, Multitopfplatte für die Einzelsaat, Topf für Fruchtgemüse?
- Passt die Schale auf meine Fensterbank und in die Wanne darunter?
- Will ich das Gefäß immer wieder verwenden oder mit einpflanzen?
- Steht bei gepressten Töpfen ausdrücklich torffrei drauf?
- Ist die Schale stabil genug, um sie mit nasser Erde zu tragen?
Wenn du mit Kindern oder einer Klasse säen willst, findest du Ideen, wie du Anzuchtschalen als Schulprojekt einsetzt. Welche Fehler bei der Anzucht sonst vorkommen, liest du im Ratgeber, welche Anzuchtfehler oft passieren und wie du ihnen vorbeugst.
