Anzuchterde für Gemüse: Salzgehalt, pH-Wert und torffreies Grundrezept
- Aussaaterde sollte einen Salzgehalt unter 0,5 g/l haben.
- Topferde für Kübel und Blumenkästen liegt mit 2,5 bis 3 g/l weit darüber und gehört nicht in die Saatschale.
- Der pH-Wert soll zur Pflanzengruppe passen; bei viel Rindenhumus pH-Werte unter 6 vermeiden.
- Torffreies Grundrezept: zwei Teile Quarzsand, ein Teil reifer, eher nährstoffarmer Kompost, ein Teil Gartenerde.
- Torffreie Erde vor dem Gießen auch unter der Oberfläche auf Feuchte prüfen.
- Gartenkompost tötet Krankheitserreger nicht zuverlässig ab, selbst gemischte Erde ist deshalb nicht automatisch keimfrei.

Wenn bei mir die ersten Anzuchtschalen auf der Fensterbank stehen, lehnt daneben oft noch ein angebrochener Sack Erde vom Vorjahr. In diesem Moment entscheidet sich, in welcher Erde deine Gemüsesamen starten. Erde für Kübel und Blumenkästen ist deutlich salzreicher, als Aussaaterde sein sollte. Gelagerte Reste können sich außerdem in Salzgehalt, pH-Wert und Struktur verändert haben. Gute AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. erkennst du an wenigen prüfbaren Eigenschaften, und mit einem einfachen Grundrezept mischst du sie torffrei selbst.
Mit Anzuchterde meine ich zwei Erden: Aussaaterde für die Keimung und PikiererdePikiererde ist ein humoses, nur schwach gedüngtes Substrat, in das du Sämlinge beim Pikieren einzeln umsetzt. Sie kommt nach der Aussaat zum Einsatz, wenn die Jungpflanzen aus der Aussaatschale in eigene Töpfe wandern. für die Zeit nach dem VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe..
Woran erkennst du gute Anzuchterde?
Salzgehalt: die Zahl, auf die ich zuerst schaue
Auf jedem Erdsack suche ich zuerst den Verwendungszweck, denn je nach Verwendung unterscheiden sich die Salzgehalte deutlich.
| Erde | Salzgehalt |
|---|---|
| Aussaaterde | unter 0,5 g/l |
| Pikiererde | bis 1,5 g/l |
| Topferde für Kübel und Blumenkästen | 2,5 bis 3 g/l |
Topferde für Kübel liegt damit weit über dem Wert, den Aussaaterde einhalten sollte. Der angebrochene Kübelsack gehört also nicht in die Saatschale, auch wenn die Erde darin noch gut aussieht. Pikiererde darf mehr Salz enthalten als Aussaaterde, bleibt aber nährstoffarm.
Luft, Feuchte und Struktur
Pikiererde soll leicht, gut durchlüftet, feucht und nährstoffarm sein, außerdem frei von Schädlingen und Krankheitskeimen. Gute Erde bleibt dabei strukturstabil und ausreichend belüftet. Ihre Nährstoffversorgung und ihr pH-Wert passen zu der Pflanzengruppe, die darin wachsen soll. Diese Anforderungen gelten für gekaufte Erde genauso wie für deine eigene Mischung.
Worin sich Anzuchterde von Garten-, Blumen- und Pflanzerde unterscheidet und wann du sie wirklich brauchst, klärt ein eigener Vergleich.
Welcher pH-Wert passt zu Anzuchterde?
Der pH-Wert der Anzuchterde soll zur Pflanzengruppe passen, die du darin ziehst. Ist er zu hoch, kann Spurennährstoffmangel entstehen, obwohl die Nährstoffe in der Erde vorhanden sind. Bei Mischungen mit hohem Rindenhumusanteil vermeidest du pH-Werte unter 6, weil eine erhöhte Manganaufnahme einen Eisenmangel auslösen kann. Mischst du Gartenerde unter, bringt sie den pH-Wert deines Beets mit; wie du pH-Wert und Kalk im Gartenboden einordnest, erklärt die Übersicht zu Düngen, Boden und Kompost.
Welche Zusätze gehören in torffreie Anzuchterde?
Torf lässt sich in Substratmischungen durch Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost, KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. und KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. ersetzen. Torffreie Erden kombinieren solche Stoffe, damit Luft-, Wasser- und Nährstoffhaushalt zueinander passen. Auf Torf verzichte ich, weil Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung Moorlebensräume zerstören und gespeicherten KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. als Treibhausgas freisetzen.
- Rindenhumus ist kompostierte, zerkleinerte und nach Korngrößen sortierte Rinde, also kein bloßer Rindenmulch. Er hat ungefähr die doppelte Rohdichte von Weißtorf und macht eine Mischung schwerer.
- Kompost kann ein torffreies Substrat reich an Phosphor und Kalium machen.
- Holzfasern können durch mikrobielle Bindung den pflanzenverfügbaren Stickstoff knapp werden lassen.
- Kokosfasern und Kokosmark zählen ebenfalls zu den Torfersatzstoffen.
Kommen viel Kompost und Holzfasern zusammen, kann die Erde also reich an Phosphor und Kalium sein und trotzdem zu wenig verfügbaren Stickstoff bieten.
Als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Blumenerden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Wenn du ohne Torf säen willst, suchst du auf dem Sack das Wort torffrei.
Die erprobte torffreie Mischung aus jeweils ungefähr 25 % Holzfasern, Kokosmark, Rindenhumus und gütegesichertem Kompost ist eine Beispielmischung für Substrate. Ein Rezept für Aussaaterde ist sie nicht.
Anzuchterde selbst mischen: das Grundrezept
Für eine torffreie Anzuchterde brauchst du drei Zutaten in einem einfachen Verhältnis:
- zwei Teile Quarzsand
- ein Teil reifer, eher nährstoffarmer Kompost
- ein Teil Gartenerde
Ich mische alles in einer sauberen Wanne und zerdrücke dabei grobe Klumpen mit den Händen. Erst wenn die Mischung gleichmäßig aussieht, fülle ich sie in die Schalen.
Beim Kompost zählt die Reife, und die prüfst du mit dem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.. Ich mache ihn mit jeder Kompostcharge, bevor sie in meine Anzuchterde kommt.
Säe Kresse in eine Schale mit deinem Kompost und zum Vergleich in eine Schale mit Gartenerde. Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit und kommt noch nicht in die Mischung.
Die Gartenerde bringt mit, was dein Beet hat, vom Humus bis zum pH-Wert. Wie du Humus, Bodenleben und eine Bodenanalyse einordnest, steht im Abschnitt zum Boden derselben Übersicht zu Düngen, Boden und Kompost. Hat dein Beetboden Nachholbedarf, zeigt ein eigener Ratgeber, mit welchen Mitteln du den Gemüseboden dauerhaft verbesserst.
So verwendest du Anzuchterde richtig
Locker einfüllen und anfeuchten
Fülle die Erde locker in Schalen oder Töpfe und klopfe das Gefäß nur leicht auf, damit sie sich setzt. Drück sie nicht fest an, denn Anzuchterde soll gut durchlüftet bleiben. Vor der Aussaat feuchtest du sie gleichmäßig an. Zur Probe drückst du etwas Erde in der Faust zusammen: Zerfällt sie, ist sie zu trocken; tropft Wasser heraus, ist sie zu nass. Jedes Anzuchtgefäß braucht einen funktionierenden Wasserablauf, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann und keine Staunässe entsteht.
Feuchte unter der Oberfläche prüfen
Torffreie und torfreduzierte Erden können an der Oberfläche schon trocken sein, während sie tiefer im Gefäß noch nass sind. Ich stecke deshalb vor dem Gießen einen Finger in die Erde und gieße nach dem, was ich dort fühle.
Gießen, weil die Oberfläche trocken aussieht. Ist die Erde darunter noch nass, kann sich Staunässe bilden.
Samen abdecken und Wärme geben
Wie dick du Samen mit Erde bedeckst, steht auf der Samentüte. Kresse ist ein Lichtkeimer, ihre Samen drücke ich nur an. Neben der Erde muss auch die Wärme passen. Für Kopfsalat liegt die Keimtemperatur in der Anzucht zum Beispiel bei 18 °C. Paprika braucht mit 25 °C deutlich mehr Wärme.
Nach dem Keimen: vereinzeln und später düngen
Gemeinsam ausgesäte Paprika und Chili vereinzele ich, wenn sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter bilden. Für diesen Schritt nimmst du Pikiererde, die mit bis 1,5 g/l mehr Salz enthalten darf als Aussaaterde. Wann du danach in nährstoffreichere Erde umsetzt, behandelt der Vergleich von Anzuchterde und Gartenerde.
Ob und wie viel du Jungpflanzen nachdüngst, richtet sich nach dem Bedarf der Kultur und nach dem, was das Substrat schon liefert. Wie du Menge, Zeitpunkt und Ausbringung bestimmst, steht im Abschnitt Düngen nach Bedarf der Übersicht zu Düngen, Boden und Kompost.
Hygiene: saubere Erde und saubere Gefäße
Pikiererde soll frei von Schädlingen und Krankheitskeimen sein. Gartenkompost tötet Krankheitserreger aber nicht zuverlässig ab, weil ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht werden. Eine selbst gemischte Erde mit Gartenkompost ist deshalb nicht automatisch frei von Krankheitskeimen.
Alte Topferde aus Gefäßen mit wurzelfaulen Pflanzen verwendest du nicht wieder. Länger gelagerte Erde kann sich in Salzgehalt, pH-Wert und Struktur verändern. Reste aus einem angebrochenen Sack mischst du darum unter frische Erde, statt sie pur zu verwenden.
Sichtbare Pilze in der Erde bedeuten nicht automatisch, dass die Pflanzen darin krank sind. Sie können Zersetzer sein, die abgestorbene organische Bestandteile abbauen.
Auf jeden angebrochenen Erdsack schreibe ich das Datum, an dem ich ihn geöffnet habe. Meine Anzuchtschalen wasche ich nach der Saison aus und lagere sie trocken.
Starkzehrer, Schwachzehrer und der Weg ins Beet
Ob Starkzehrer oder Schwachzehrer: Für die Aussaaterde gilt der niedrige Salzgehalt unabhängig davon, ob später Rosenkohl oder Radieschen darin keimen. Die Einteilung zählt erst im Beet; wie du dort den Boden vorbereitest und pflegst, damit die Düngung wirkt, erklärt der Ratgeber zur Bodenpflege. Zehrer-Einstufung und Anbaupausen kannst du im Beetplaner für deine Beete einplanen.
