Gartenpraxis · Düngen, Boden & Kompost · Anbau

Anzuchterde für Gemüse: Salzgehalt, pH-Wert und torffreies Grundrezept

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Aussaaterde sollte einen Salzgehalt unter 0,5 g/l haben.
  • Topferde für Kübel und Blumenkästen liegt mit 2,5 bis 3 g/l weit darüber und gehört nicht in die Saatschale.
  • Der pH-Wert soll zur Pflanzengruppe passen; bei viel Rindenhumus pH-Werte unter 6 vermeiden.
  • Torffreies Grundrezept: zwei Teile Quarzsand, ein Teil reifer, eher nährstoffarmer Kompost, ein Teil Gartenerde.
  • Torffreie Erde vor dem Gießen auch unter der Oberfläche auf Feuchte prüfen.
  • Gartenkompost tötet Krankheitserreger nicht zuverlässig ab, selbst gemischte Erde ist deshalb nicht automatisch keimfrei.
Anzuchtzubehoer
Foto: Christina & Peter · Pexels License · Quelle ↗

Wenn bei mir die ersten Anzuchtschalen auf der Fensterbank stehen, lehnt daneben oft noch ein angebrochener Sack Erde vom Vorjahr. In diesem Moment entscheidet sich, in welcher Erde deine Gemüsesamen starten. Erde für Kübel und Blumenkästen ist deutlich salzreicher, als Aussaaterde sein sollte. Gelagerte Reste können sich außerdem in Salzgehalt, pH-Wert und Struktur verändert haben. Gute Anzuchterde erkennst du an wenigen prüfbaren Eigenschaften, und mit einem einfachen Grundrezept mischst du sie torffrei selbst.

Mit Anzuchterde meine ich zwei Erden: Aussaaterde für die Keimung und Pikiererde für die Zeit nach dem Vereinzeln.

Woran erkennst du gute Anzuchterde?

Salzgehalt: die Zahl, auf die ich zuerst schaue

Auf jedem Erdsack suche ich zuerst den Verwendungszweck, denn je nach Verwendung unterscheiden sich die Salzgehalte deutlich.

Erde Salzgehalt
Aussaaterde unter 0,5 g/l
Pikiererde bis 1,5 g/l
Topferde für Kübel und Blumenkästen 2,5 bis 3 g/l

Topferde für Kübel liegt damit weit über dem Wert, den Aussaaterde einhalten sollte. Der angebrochene Kübelsack gehört also nicht in die Saatschale, auch wenn die Erde darin noch gut aussieht. Pikiererde darf mehr Salz enthalten als Aussaaterde, bleibt aber nährstoffarm.

Luft, Feuchte und Struktur

Pikiererde soll leicht, gut durchlüftet, feucht und nährstoffarm sein, außerdem frei von Schädlingen und Krankheitskeimen. Gute Erde bleibt dabei strukturstabil und ausreichend belüftet. Ihre Nährstoffversorgung und ihr pH-Wert passen zu der Pflanzengruppe, die darin wachsen soll. Diese Anforderungen gelten für gekaufte Erde genauso wie für deine eigene Mischung.

Worin sich Anzuchterde von Garten-, Blumen- und Pflanzerde unterscheidet und wann du sie wirklich brauchst, klärt ein eigener Vergleich.

Welcher pH-Wert passt zu Anzuchterde?

Der pH-Wert der Anzuchterde soll zur Pflanzengruppe passen, die du darin ziehst. Ist er zu hoch, kann Spurennährstoffmangel entstehen, obwohl die Nährstoffe in der Erde vorhanden sind. Bei Mischungen mit hohem Rindenhumusanteil vermeidest du pH-Werte unter 6, weil eine erhöhte Manganaufnahme einen Eisenmangel auslösen kann. Mischst du Gartenerde unter, bringt sie den pH-Wert deines Beets mit; wie du pH-Wert und Kalk im Gartenboden einordnest, erklärt die Übersicht zu Düngen, Boden und Kompost.

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Welche Zusätze gehören in torffreie Anzuchterde?

Torf lässt sich in Substratmischungen durch Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost, Kokosfasern und Kokosmark ersetzen. Torffreie Erden kombinieren solche Stoffe, damit Luft-, Wasser- und Nährstoffhaushalt zueinander passen. Auf Torf verzichte ich, weil Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung Moorlebensräume zerstören und gespeicherten Kohlenstoff als Treibhausgas freisetzen.

  • Rindenhumus ist kompostierte, zerkleinerte und nach Korngrößen sortierte Rinde, also kein bloßer Rindenmulch. Er hat ungefähr die doppelte Rohdichte von Weißtorf und macht eine Mischung schwerer.
  • Kompost kann ein torffreies Substrat reich an Phosphor und Kalium machen.
  • Holzfasern können durch mikrobielle Bindung den pflanzenverfügbaren Stickstoff knapp werden lassen.
  • Kokosfasern und Kokosmark zählen ebenfalls zu den Torfersatzstoffen.

Kommen viel Kompost und Holzfasern zusammen, kann die Erde also reich an Phosphor und Kalium sein und trotzdem zu wenig verfügbaren Stickstoff bieten.

Zahl im Blick

Als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Blumenerden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Wenn du ohne Torf säen willst, suchst du auf dem Sack das Wort torffrei.

Achtung

Die erprobte torffreie Mischung aus jeweils ungefähr 25 % Holzfasern, Kokosmark, Rindenhumus und gütegesichertem Kompost ist eine Beispielmischung für Substrate. Ein Rezept für Aussaaterde ist sie nicht.

Anzuchterde selbst mischen: das Grundrezept

Für eine torffreie Anzuchterde brauchst du drei Zutaten in einem einfachen Verhältnis:

  • zwei Teile Quarzsand
  • ein Teil reifer, eher nährstoffarmer Kompost
  • ein Teil Gartenerde

Ich mische alles in einer sauberen Wanne und zerdrücke dabei grobe Klumpen mit den Händen. Erst wenn die Mischung gleichmäßig aussieht, fülle ich sie in die Schalen.

Beim Kompost zählt die Reife, und die prüfst du mit dem Kressetest. Ich mache ihn mit jeder Kompostcharge, bevor sie in meine Anzuchterde kommt.

Jetzt dran

Säe Kresse in eine Schale mit deinem Kompost und zum Vergleich in eine Schale mit Gartenerde. Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit und kommt noch nicht in die Mischung.

Die Gartenerde bringt mit, was dein Beet hat, vom Humus bis zum pH-Wert. Wie du Humus, Bodenleben und eine Bodenanalyse einordnest, steht im Abschnitt zum Boden derselben Übersicht zu Düngen, Boden und Kompost. Hat dein Beetboden Nachholbedarf, zeigt ein eigener Ratgeber, mit welchen Mitteln du den Gemüseboden dauerhaft verbesserst.

So verwendest du Anzuchterde richtig

Locker einfüllen und anfeuchten

Fülle die Erde locker in Schalen oder Töpfe und klopfe das Gefäß nur leicht auf, damit sie sich setzt. Drück sie nicht fest an, denn Anzuchterde soll gut durchlüftet bleiben. Vor der Aussaat feuchtest du sie gleichmäßig an. Zur Probe drückst du etwas Erde in der Faust zusammen: Zerfällt sie, ist sie zu trocken; tropft Wasser heraus, ist sie zu nass. Jedes Anzuchtgefäß braucht einen funktionierenden Wasserablauf, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann und keine Staunässe entsteht.

Feuchte unter der Oberfläche prüfen

Torffreie und torfreduzierte Erden können an der Oberfläche schon trocken sein, während sie tiefer im Gefäß noch nass sind. Ich stecke deshalb vor dem Gießen einen Finger in die Erde und gieße nach dem, was ich dort fühle.

Häufiger Fehler

Gießen, weil die Oberfläche trocken aussieht. Ist die Erde darunter noch nass, kann sich Staunässe bilden.

Samen abdecken und Wärme geben

Wie dick du Samen mit Erde bedeckst, steht auf der Samentüte. Kresse ist ein Lichtkeimer, ihre Samen drücke ich nur an. Neben der Erde muss auch die Wärme passen. Für Kopfsalat liegt die Keimtemperatur in der Anzucht zum Beispiel bei 18 °C. Paprika braucht mit 25 °C deutlich mehr Wärme.

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Nach dem Keimen: vereinzeln und später düngen

Gemeinsam ausgesäte Paprika und Chili vereinzele ich, wenn sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter bilden. Für diesen Schritt nimmst du Pikiererde, die mit bis 1,5 g/l mehr Salz enthalten darf als Aussaaterde. Wann du danach in nährstoffreichere Erde umsetzt, behandelt der Vergleich von Anzuchterde und Gartenerde.

Ob und wie viel du Jungpflanzen nachdüngst, richtet sich nach dem Bedarf der Kultur und nach dem, was das Substrat schon liefert. Wie du Menge, Zeitpunkt und Ausbringung bestimmst, steht im Abschnitt Düngen nach Bedarf der Übersicht zu Düngen, Boden und Kompost.

Hygiene: saubere Erde und saubere Gefäße

Pikiererde soll frei von Schädlingen und Krankheitskeimen sein. Gartenkompost tötet Krankheitserreger aber nicht zuverlässig ab, weil ausreichende Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden. Eine selbst gemischte Erde mit Gartenkompost ist deshalb nicht automatisch frei von Krankheitskeimen.

Alte Topferde aus Gefäßen mit wurzelfaulen Pflanzen verwendest du nicht wieder. Länger gelagerte Erde kann sich in Salzgehalt, pH-Wert und Struktur verändern. Reste aus einem angebrochenen Sack mischst du darum unter frische Erde, statt sie pur zu verwenden.

Mythos-Check

Sichtbare Pilze in der Erde bedeuten nicht automatisch, dass die Pflanzen darin krank sind. Sie können Zersetzer sein, die abgestorbene organische Bestandteile abbauen.

Marias Erfahrung

Auf jeden angebrochenen Erdsack schreibe ich das Datum, an dem ich ihn geöffnet habe. Meine Anzuchtschalen wasche ich nach der Saison aus und lagere sie trocken.

Starkzehrer, Schwachzehrer und der Weg ins Beet

Ob Starkzehrer oder Schwachzehrer: Für die Aussaaterde gilt der niedrige Salzgehalt unabhängig davon, ob später Rosenkohl oder Radieschen darin keimen. Die Einteilung zählt erst im Beet; wie du dort den Boden vorbereitest und pflegst, damit die Düngung wirkt, erklärt der Ratgeber zur Bodenpflege. Zehrer-Einstufung und Anbaupausen kannst du im Beetplaner für deine Beete einplanen.

Häufige Fragen

Welche Eigenschaften machen eine hochwertige Anzuchterde aus?
Gute Anzuchterde ist leicht, gut durchlüftet, feucht und nährstoffarm sowie frei von Schädlingen und Krankheitskeimen. Für die Aussaat sollte ihr Salzgehalt unter 0,5 g/l liegen. Außerdem bleibt sie strukturstabil, und ihr pH-Wert passt zur Pflanzengruppe, die du darin ziehst.
Worauf achte ich beim pH-Wert von Anzuchterde?
Der pH-Wert sollte zur Pflanzengruppe passen, die du in der Erde ziehst. Ist er zu hoch, kann Spurennährstoffmangel entstehen, obwohl die Nährstoffe in der Erde vorhanden sind. Enthält deine Mischung viel Rindenhumus, vermeidest du pH-Werte unter 6, weil eine erhöhte Manganaufnahme einen Eisenmangel auslösen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Aussaaterde und normalem Substrat?
Ein messbarer Unterschied ist der Salzgehalt: Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen. Pikiererde darf bis 1,5 g/l enthalten. Für Topferde in Kübeln und Blumenkästen wird ein Salzgehalt von 2,5 bis 3 g/l angegeben, deshalb eignet sie sich nicht für die Aussaat.
Welche Methoden gibt es zur Feuchtigkeitskontrolle bei der Aussaat?
Vor der Aussaat drückst du etwas Erde in der Faust zusammen: Hält sie zusammen, ohne zu tropfen, ist sie gleichmäßig angefeuchtet. Bei torffreier und torfreduzierter Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während es tiefer im Gefäß noch nass ist. Prüfe die Feuchte deshalb vor dem Gießen mit dem Finger auch unter der Oberfläche. Ein funktionierender Wasserablauf im Gefäß sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser abfließt und keine Staunässe entsteht.
Stimmt es, dass teure Anzuchterde automatisch bessere Ergebnisse liefert?
Der Preis allein sagt nicht, ob eine Erde zur Aussaat passt; entscheidend sind Eigenschaften, die du prüfen kannst. Für die Aussaat sollte der Salzgehalt unter 0,5 g/l liegen. Achte beim Torf auf das genaue Wort, denn als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Erden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Länger gelagerte Erde kann sich in Salzgehalt, pH-Wert und Struktur verändern, deshalb mischst du Reste unter frische Erde.
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