Bio-Dünger selbst machen: Rezepte und Dosierung für Gemüse und Tomaten
- Bei warmer Witterung ist Pflanzenjauche nach etwa 14 Tagen fertig, erkennbar an dunkler Farbe und ausbleibendem Schaum.
- Für die Wurzeldüngung verdünnst du fertige Pflanzenjauche im Verhältnis 1:10, eine feste Ausbringmenge gibt es nicht.
- Ein Gemüsebeet bekommt im Frühjahr höchstens 3 l Kompost je m², Stickstoff ergänzt du nach Bedarf.
- Blütenendfäule bei Tomaten beruht häufig auf gestörtem Calciumtransport zur Frucht, nicht auf fehlendem Calcium im Boden.
- Holzasche gehört weder ins Beet noch auf den Kompost, sondern abgekühlt in den Hausmüll.

Brennnesseln vom Zaunrand, Rasenschnitt und Gemüseschalen fallen in jedem Garten an. Aus solchen Pflanzenresten setzt du Naturdünger für Gemüse und Tomaten selbst an. Schwierig wird es erst beim Ausbringen, denn selbst gemachter Dünger trägt kein Etikett mit Nährstoffangaben. Ich halte mich deshalb beim Ansetzen an feste Rezepte und dosiere über Verdünnung, Bodenprobe und den Blick auf die Pflanzen.
Bio-Dünger meint hier organischen Dünger aus pflanzlichem oder tierischem Material. Bevor Wurzeln seine Nährstoffe aufnehmen können, müssen Bodenorganismen sie mineralisieren. Feuchtwarme Bedingungen verstärken diese Freisetzung, bei Frost, Trockenheit oder Staunässe werden dagegen kaum Nährstoffe frei.
Welche Pflanzenreste taugen als Naturdünger?
Nicht jeder Rest passt zu jedem Verfahren. Frisches Kraut setzt du als Jauche an, Küchenabfälle wandern auf den Kompost oder in einen Bokashi-Eimer. Angewelkter Rasenschnitt bleibt als dünne Mulchschicht direkt im Beet.
| Pflanzenrest | So wird Dünger daraus | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn, Giersch | Pflanzenjauche | Der Nährstoffgehalt schwankt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit. |
| Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz, Eierschalen | Bestandteil eines gemischten Gartenkomposts | Küchenreste mischst du mit grobem Gartenmaterial. |
| zerkleinerte Obst- und Gemüseabfälle | Bokashi im luftdicht verschlossenen Eimer | Frisches Ferment gibst du nicht direkt an Pflanzen, es muss mit Erde oder Kompost weiterreifen. |
| Rasenschnitt | angewelkt als dünne Mulchschicht | Er liefert Stickstoff nach, den du bei weiteren Gaben anrechnest. |
| Erntereste und Grünschnitt | Kompost | Sie versorgen Bodenorganismen und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf. |
Wie setzt du Pflanzenjauche an?
Für eine Pflanzenjauche brauchst du Kraut, Wasser und ein großes Gefäß. Klassisch ist die Brennnessel, ebenso eignen sich Beinwell, Löwenzahn oder Giersch. Die Mengen in der Tabelle gelten für den Ansatz und sind keine Ausbringmenge.
| Ansatz | Pflanzenmaterial | Wasser | Fertig nach |
|---|---|---|---|
| Pflanzenjauche aus frischem Kraut | 1 kg frisches, zerkleinertes Kraut | 10 l | bei warmer Witterung etwa 14 Tagen, sonst etwa 2 bis 3 Wochen |
| Pflanzenjauche aus getrocknetem Kraut | 100 bis 200 g getrocknetes Kraut | 10 l | wie bei frischem Kraut |
| Brennnesseljauche aus Blättern | 75 g gehackte frische Blätter | 1 l | etwa 10 bis 14 Tagen |
| Brennnesseljauche aus Kraut mit Stängeln | 100 g frisches Kraut | 1 l | etwa 10 bis 14 Tagen |
| Brennnesseljauche aus getrockneten Blättern | 15 g getrocknete Blätter | 1 l | etwa 10 bis 14 Tagen |
Schritt für Schritt zur fertigen Jauche
- Zerkleinere das Kraut, wiege es ab und übergieße es im Gefäß mit Wasser.
- Deck das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz ab, damit keine Tiere hineinfallen. Einen geschlossenen Deckel setzt du nicht auf.
- Rühr die Jauche täglich einmal kräftig um.
- Fertig ist sie, wenn sie dunkel gefärbt ist und nicht mehr schäumt.
- Verdünne die fertige Jauche für die Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser.
Bei Brennnesseljauche gilt für Jungpflanzen ein Verhältnis von 1:20. Wie viele Nährstoffe in deiner Jauche stecken, schwankt mit Pflanzenart, Zustand des Krauts und Erntezeit.
Ich wiege das Kraut für jeden Ansatz ab und schreibe Datum und Pflanzenart mit wasserfestem Stift auf den Eimer. Beim täglichen Umrühren sehe ich so, wie lange die Jauche schon gärt.
Die verdünnte Jauche auf ausgetrocknete Erde gießen. Flüssigdünger gehört auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen.
Komposttee, Wurmkisten-Flüssigkeit und Bokashi-Saft
Drei weitere Flüssigdünger entstehen aus Resten, die ohnehin anfallen. KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. setzt du für jede Anwendung neu an, statt ihn auf Vorrat herzustellen. Die Flüssigkeit aus der Wurmkiste verdünnst du im Verhältnis 1:10 mit Wasser und gießt sie als Flüssigdünger. Bokashi-Saft kommt für Gartenfreiflächen im Verhältnis 1:100 ins Gießwasser. Weil er geruchsintensiv sein kann, verwendest du ihn außerhalb von Wohnräumen. Im Eimer lässt du den Saft etwa alle 2 bis 3 Tage ab.
Wann ist eine Blattgabe sinnvoll?
Für übliche Gaben gehört die Jauche an die Wurzel. Bei sehr akutem Nährstoffmangel kannst du sie für eine Blattgabe im Verhältnis 1:50 verdünnen. Sprüh dann bei bedecktem Himmel oder abends, weil starke Sonne die Lösung eintrocknen lässt und Blattschäden begünstigt. Bei empfindlichen Pflanzen machst du vorher eine Probespritzung. Eine Blattgabe kann einen Mangel vorübergehend lindern, ersetzt aber keine Versorgung über die Wurzeln.
Ob wirklich ein Mangel vorliegt, lässt sich an den Blättern allein nicht sicher erkennen. Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Symptome verursachen.
Wie verwendest du Kompost im Gemüsebeet?
Reifer Kompost bildet die Grundversorgung im Gemüsebeet. Im Frühjahr bekommt ein Beet davon höchstens 3 l je m², flach eingearbeitet. Diese Gabe deckt den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf, liefert aber nicht automatisch genug verfügbaren Stickstoff. Da Kompost außerdem nur wenig Stickstoff freisetzt, ergänzt du den Stickstoff gezielt nach dem Bedarf der Kultur, statt mehr Kompost zu streuen.
Kompost tief untergraben. Tiefer im Boden können bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen, deshalb arbeitest du ihn nur oberflächlich ein.
Woran erkennst du reifen Kompost?
Fürs Gemüsebeet nimmst du nur reifen Kompost, und den Reifegrad prüfst du mit dem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.. Ich säe dafür Kresse in eine Schale mit Kompost und zum Vergleich in eine Schale mit Gartenerde. Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit. Frischen Kompost gibst du nicht zu Wurzelgemüse, Zwiebeln oder Kohl, weil er schädliche Gemüsefliegen anlocken kann.
Kompost oder Mist, und wie viel Fläche du brauchst
Auf eine Fläche kommt entweder Kompost oder Stallmist, weil beide organische Substanz und Nährstoffe zuführen. Wer alle häuslichen Bioabfälle selbst verwertet, braucht als Faustregel ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied. Auf kleinerer Fläche können sich die Nährstoffe übermäßig anreichern. Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten genug Kalzium nachliefern. Ob zusätzlich gekalkt wird, entscheidet trotzdem der Bodenbefund.
Gartenkompost tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil die nötigen Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden.
Kompost als Zuschlag in selbst gemischter Erde
Reiner Kompost eignet sich nicht als Anzuchterde, denn seine hohe Nährsalzkonzentration kann Keimlingswurzeln Wasser entziehen. In Mischungen setzt du ihn deshalb nur in begrenztem Anteil ein.
In selbst gemischter Blumenerde sollte höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteter Kompost stecken. In Anzuchterde für Aussaat und Stecklinge sind es meist höchstens 20 Volumen-%. Als Erdbestandteil siebst du den Kompost auf etwa 10 bis 15 mm.
Kompost anlegen, Wurmkiste und Bokashi
Reifer Gartenkompost braucht je nach Material und Rotteführung etwa 4 bis 12 Monate. Ohne Garten bleibt die Wurmkiste, und im Bokashi-Eimer fermentieren Küchenabfälle luftdicht verschlossen, bevor das Ferment mit Erde oder Kompost weiterreift. Wie du einen Kompost anlegst, von Standort und Material bis zum passenden System, erklärt der Grundlagenratgeber Düngen, Boden & Kompost.
Wie viel Dünger braucht welches Gemüse?
Gemüse braucht unterschiedlich viel Stickstoff. Als Orientierung gelten Tomaten als Starkzehrer, Rote Bete als MittelzehrerMittelzehrer sind Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff: Sie brauchen mehr als Schwachzehrer, aber weniger als Starkzehrer. Typische Mittelzehrer sind Möhren, Rote Bete, Spinat, Fenchel und viele Salate. und Erbsen als Schwachzehrer. Welche Kultur wie viel braucht, berücksichtigst du bei der Planung mit dem Beetplaner, der Zehrer-Einstufung und Anbaupausen einbezieht.
Stickstoff unterstützt Blatt- und Triebwachstum, Phosphor ist am Energiehaushalt beteiligt und Kalium reguliert den Wasserhaushalt. Mehr zu Nährstoffen und Pflanzenbedarf erklärt der Grundlagenratgeber Düngen, Boden & Kompost.
Erst den Bedarf klären, dann düngen
Wie viel Stickstoff du ergänzt, ergibt sich aus dem Bedarf der Pflanze abzüglich des mineralischen Stickstoffs im Boden und der erwarteten NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab.. Eine Standard-Bodenuntersuchung erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert. Den pflanzenverfügbaren Stickstoff muss das Labor gesondert als Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen. bestimmen. Im Hausgarten wird eine Bodenanalyse alle 3 bis 5 Jahre empfohlen. Liefert der Bodenhumus viel Stickstoff nach, kannst du die zusätzliche Gabe verringern oder ganz aussetzen. Kompost, Jauche und Mulch aus Rasenschnitt zählen bei dieser Rechnung mit.
Bei gekauftem Dünger mit Etikett rechnest du die Menge aus. Die Produktmenge in g/m² ist der Nährstoffbedarf in g/m² mal 100, geteilt durch den Nährstoffgehalt des Düngers in %. Beispiel: 5 g Stickstoff je m² ergeben bei einem Dünger mit 20 % Stickstoff rechnerisch 25 g Produkt je m².
Horndünger nach Zehrergruppe
Brauchen deine Beete zusätzlichen Stickstoff und sind sie gut mit Phosphat und Kalium versorgt, dienen dir diese Höchstwerte als Orientierung. Sie gehen von einer jährlichen Kompostgabe von 3 l je m² aus und gelten vor der Korrektur für humusreiche Böden.
| Zehrergruppe | Beispiele | HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. je m² | So gibst du ihn |
|---|---|---|---|
| Schwachzehrer | Feldsalat, Radieschen, Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln | bis zu 50 g | zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten |
| Mittelzehrer | Eissalat, Möhren, Endivien, Rettich, Spinat, Rote Bete, Gurken | bis zu 100 g | zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten |
| Starkzehrer | Tomaten und weitere ausdrücklich als Starkzehrer genannte Kulturen | bis zu 150 g | 50 % zur Pflanzung, 50 % etwa 3 bis 4 Wochen danach |
Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g N je m² nicht überschreiten.
Hornmehl oder Hornspäne?
Für die vollständige Umsetzung von Hornmehl im Boden rechnest du mit etwa 6 Wochen, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Radieschen und Kopfsalat haben dagegen nur 4 bis 8 Wochen Entwicklungszeit. Für solche kurzen Frühjahrskulturen nimmst du deshalb Hornmehl statt grober Hornspäne. Im Gemüsegarten bringst du Horndünger auch für Herbstkulturen nicht später als Ende August aus. Bei Feldsalat und Radieschen im Spätsommer kann die Stickstoffdüngung meistens entfallen.
Hornprodukte werden aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen hergestellt. Wer auf tierische Rohstoffe verzichten möchte, findet in Rapskuchen und Vinasse pflanzliche organische Dünger. Handelsübliche Hornspäne sind übrigens nicht grundsätzlich keimfrei, denn bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen.
Dünger unterscheiden sich im Schüttgewicht. Wiege die Menge für einen Quadratmeter einmal ab und markiere die Füllhöhe an einem Becher, dann brauchst du beim nächsten Streuen keine Waage.
Wie düngst du Tomaten mit Bio-Dünger?
Tomaten sind Starkzehrer und haben einen höheren Stickstoffbedarf als Erbsen und Bohnen. Zu viel ist trotzdem nicht gut, denn ein StickstoffüberschussStickstoffüberschuss heißt, dass Pflanzen mehr Stickstoff bekommen, als sie brauchen. Sie wachsen dann üppig, bilden weiches, schwammiges Gewebe und dunklere Blätter und werden anfälliger für Krankheiten. kann starkes Laubwachstum auf Kosten der Blütenbildung fördern. Auch eine zusätzliche Phosphatbetonung ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten.
Tomaten im Beet
Im Beet startest du im Frühjahr mit der Kompostgrundgabe. Den zusätzlichen Horndünger teilst du auf: Die Hälfte kommt bei der Pflanzung ins Beet, die andere Hälfte 3 bis 4 Wochen später. Statt Kompost kannst du abgelagerten Stallmist im Frühjahr vor der Pflanzung flach einarbeiten. Er sollte mindestens 1 Jahr gelagert sein, besser zusätzlich mit Pflanzenresten kompostiert. Wegen der Phosphatzufuhr bringst du nicht mehr als 3 kg Rinder- oder Pferdemist je m² aus.
Frischer Mist kann keimfähige Unkrautsamen, Tierarzneimittelrückstände und Krankheitserreger enthalten. Auch die lange Lagerung ist kein Nachweis, dass er frei von Erregern ist. Beim Verteilen trägst du deshalb Handschuhe oder wäschst dir danach gründlich die Hände. Geerntete Tomaten wäschst du vor dem Essen gründlich.
Tomaten im Kübel
Für Tomaten auf Balkon und Terrasse sollte das Gefäß mindestens 10 l Substrat fassen. In torffreies Substrat mischst du die Grundgabe Horn schon vor dem Pflanzen ein. Als Beispiel gelten etwa 5 g Hornmehl oder Horngrieß je Liter Substrat. Feste organische Dünger müssen erst mikrobiell abgebaut werden, in kleinen Gefäßen kann ihre Wirkung deshalb verzögert und unzureichend einsetzen. Während des Fruchtwachstums kann bei Balkongemüse eine zusätzliche Flüssigdüngung nötig werden. Substrate mit hohem Holzfaseranteil können außerdem mehr Stickstoff brauchen als die bisher verwendete Erde.
Bei torffreier Erde trocknet die Oberfläche schneller als das Substrat darunter. Ich stecke deshalb vor jeder Flüssiggabe den Finger tief in den Topf oder hebe ihn kurz an, denn Flüssigdünger kommt nur auf feuchte Erde.
Gleichmäßig gießen statt Eierschalen streuen
Tomaten brauchen bis zur Ernte eine gute Wasserversorgung. Gleichmäßiges Gießen unterstützt dabei die kontinuierliche Aufnahme von Nährstoffen. Gieß morgens direkt in den Wurzelbereich, damit weniger Wasser verdunstet und das Laub möglichst trocken bleibt. Bei trockenem Wetter dienen etwa 20 bis 25 l Wasser je m² und gründlichem Gießgang als Orientierung für eingewachsene Gemüsebestände.
Eierschalen sollen Tomaten vor Blütenendfäule schützen. Die Blütenendfäule beruht aber häufig auf unzureichendem CalciumtransportCalciumtransport ist die Verteilung von Calcium in der Pflanze. Calcium wandert mit dem Wasserstrom aus dem Boden in die Blätter, wo das Wasser verdunstet (Transpirationsstrom); Früchte verdunsten wenig und erhalten deshalb weniger Calcium. zur Frucht und nicht auf fehlendem Calcium im Boden. Ungleichmäßige Wasserversorgung kann diesen Transport beeinträchtigen. Wer Eierschalen streut, ändert also an der häufigen Ursache wenig, während gleichmäßiges Gießen das Risiko senken kann.
Holzasche gilt manchen als Kaliumquelle für Tomaten. Wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen gehört sie aber weder ins Beet noch auf den Kompost. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll, und zwar ohne Staub aufzuwirbeln.
Mulch und Nitrat
Tomaten mulchst du erst ab Mai oder Juni, damit sich der Boden vorher erwärmen kann. Stroh eignet sich als Mulch für Tomaten, bindet beim Abbau aber Stickstoff. Die Stickstoffversorgung stellst du deshalb vor dem Mulchen mit einer ergänzenden Gabe sicher. Viel Stickstoff im Boden kann außerdem die Nitratanreicherung im Gemüse fördern. Das ist kein Grund, auf Gemüse zu verzichten, wohl aber einer, bedarfsgerecht zu düngen.
Wie dosierst du selbst gemachten Dünger richtig?
Der Nährstoffgehalt einer selbst angesetzten Jauche schwankt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit. Für Ausbringmenge und Häufigkeit gibt es deshalb keine allgemeingültige Vorgabe. Weil jede Gabe zudem mit dem Bodenvorrat und dem Kompost verrechnet werden muss, hilft dir ein fester Düngekalender wenig. Taste dich stattdessen heran: Gib die verdünnte Jauche, beobachte Wuchs und Blattfarbe und gleiche das mit dem Bodenbefund ab.
Grundregeln beim Ausbringen
Bodendünger bringst du auf feuchten Boden aus und achtest darauf, dass er nicht auf nassen Pflanzenteilen liegen bleibt, weil dort Ätzschäden entstehen können. Im Hausgarten ist eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung vorzuziehen, weil so weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die frei werdenden Nährstoffe mehr auf, sie sind dann auswaschungsgefährdet. Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder Staunässe kaum Nährstoffe frei, und eine weitere Gabe behebt das akute Problem dann nicht zuverlässig. Feuchtwarme Witterung kann dagegen starke Nährstoffschübe auslösen. Bei Hitze und Trockenheit gibst du Flüssigdünger nur niedrig konzentriert auf zuvor angefeuchteten Boden und nicht auf die Blätter.
Ist die Erde feucht? Bleiben die Blätter trocken? Ist die Jauche verdünnt? Hast du Kompost, Mist, Gründüngung und Mulch aus Rasenschnitt angerechnet? Wächst die Pflanze, und ist der Boden weder gefroren noch ausgetrocknet oder staunass?
Auch Bio-Dünger kann zu viel sein
Auch organische Dünger können bei zu hohen Gaben Pflanzen schädigen und Boden sowie Grundwasser belasten. Nitrat kann mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen, besonders nach der Ernte und bei starken Niederschlägen. Weist die Bodenprobe für einen Nährstoff Versorgungsstufe E aus, kannst du die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend aussetzen. Bei Stufe D braucht nur 50 % des erwarteten Entzugs durch Düngung ersetzt zu werden.
Feste Dünger lagerst du trocken und verpackt oder abgedeckt. Nicht ausreichend erhitzter Rizinusschrot in organischen Düngern kann bei Hunden schwere Vergiftungen verursachen. Bei Verdacht kontaktierst du sofort eine Tierarztpraxis und bringst die Verpackung mit, ohne Hausmittel zu geben oder Erbrechen auszulösen. Hat ein Kind vermutlich größere Mengen Blumendünger aufgenommen, wendest du dich an ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis.
Lass im Herbst nach der Ernte eine Standard-Bodenprobe untersuchen und plane danach Kompost und Horndünger Beet für Beet. Für die erste Jauche schneidest du frisches Kraut, wiegst es ab und deckst das Gefäß mit einem Gitter statt einem Deckel ab.
Was ist mit Bananenschalen, Kaffeesatz und Eierschalen?
Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich als Bestandteile eines gemischten Gartenkomposts. Ihre Nährstoffe gelangen dann über die Kompostgabe ins Beet. Kaffeesatz enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium, ergibt aber keine festgelegte Düngerdosis. Willst du ihn direkt nutzen, trocknest du ihn vorher und arbeitest ihn als ergänzende Gabe in kleinen Mengen in die Erde ein.
Bei Schalenwasser aus Bananen- oder Eierschalen weißt du weder, wie viele Nährstoffe sich gelöst haben, noch wie stark du verdünnen müsstest. Ich sammle die Schalen deshalb in einem Behälter neben der Spüle und leere ihn auf den Kompost, sobald er voll ist. Zu Eierschalen gegen Blütenendfäule findest du den Mythos-Check im Tomatenabschnitt.
Wie passen Gründüngung, gekaufte Dünger und Fruchtfolge dazu?
Gründüngung
Gründüngung auf frei gewordenen Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und verringert deren Auswaschung. Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen können mithilfe von Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff binden, und was beim Verrotten frei wird, rechnest du bei der Folgekultur an. Wie du den Gemüsegarten mit Kompost, Gründüngung und Mulch versorgst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Hornspäne und andere feste organische Dünger
Gekaufte feste organische Dünger wie Hornspäne, Knochenmehl oder Blutmehl müssen erst mikrobiell abgebaut werden, bevor Pflanzen ihre Nährstoffe aufnehmen. Hornprodukte liefern überwiegend Stickstoff und Schwefel und ersetzen deshalb keine vollständige Nährstoffversorgung. Welche organischen Dünger im Gemüse-, Obst- und Ziergarten infrage kommen, erklärt der Ratgeber zur organischen Düngung.
Fruchtfolge, Mischkultur und Bodenleben
Selbst gemachter Dünger ist ein Baustein neben Fruchtfolge, Mischkultur, Mulch und Bodenpflege. Humus ernährt die Bodenorganismen, deren Tätigkeit Nährstoffe freisetzt und über Regenwurmgänge auch Durchlüftung und Wasserversickerung unterstützt. Welche Kulturen als Beetnachbarn zusammenpassen, prüfst du im Planer, und welche natürlichen Düngemethoden es im Bio-Garten gibt, zeigt ein Überblick.
Was bringt Bio-Dünger gegenüber Mineraldünger?
Die Herstellung synthetischer Mineraldünger ist energieaufwendig, deshalb kann das Recycling vorhandener Gartennährstoffe den Zukauf verringern. Eigener Kompost kann außerdem Ausgaben für Dünger und Blumenerde senken. Warum sich biologischer Dünger für Boden, Umwelt und Geldbeutel lohnt, vertieft der Nachbarratgeber.
