Nährstoffreiche Pflanzerde selbst herstellen: Rezepte mit Kompost
- Fürs Beet mischst du je ein Drittel Gartenerde, reifen Kompost und Rindenhumus.
- Selbst gemischte Blumenerde enthält höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteten Kompost.
- Kompost auf etwa 10 bis 15 mm sieben und vorher mit dem Kressetest auf Reife prüfen.
- Kompost liefert Phosphor und Kalium, den Stickstoff ergänzt du mit Hornmehl oder Hornspänen.
- Für Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren keine Mischung mit Gartenkompost verwenden.
- Nur so viel mischen, wie du bald brauchst, denn bei langer Lagerung können sich Salzgehalt und pH-Wert verändern.

Kompost aus dem eigenen Garten ist die naheliegende Basis, wenn du nährstoffreiche Erde selbst herstellen willst. Pur gehört er aber nicht in Topf oder Saatschale: Reiner Kompost hat eine so hohe Nährsalzkonzentration, dass er Keimlingswurzeln Wasser entziehen kann. Reine Gartenerde ist das andere Extrem, denn im Gefäß verschlämmt und verdichtet sie beim Wässern. Gute Erde entsteht erst aus der Mischung nach festen Teilen.
Eigener Kompost kann dabei Ausgaben für Dünger und Blumenerde verringern. Ich messe jede Zutat mit demselben Eimer ab und schreibe Mischung und Datum auf den Sack.
Was eine selbst gemischte Erde leisten muss
Ein Kultursubstrat gibt den Wurzeln Halt, stellt Luft und Wasser bereit, speichert Nährstoffe, gibt sie wieder ab und puffert den pH-Wert. Deshalb kombinierst du mehrere Bestandteile, damit Luftführung, Wasserspeicherung, pH-Stabilität und Nährstoffangebot zusammenpassen. Welche Nährstoffe Pflanzen brauchen und wie Erden grundsätzlich aufgebaut sind, findest du in den Abschnitten Nährstoffe sowie Erden und Substrate im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost.
Welche Zutaten in die Mischung gehören
Die Rezepte weiter unten kommen mit wenigen Zutaten aus. Jede bringt etwas mit, und jede hat eine Eigenheit, die du beim Mischen kennen solltest.
| Zutat | Was sie beiträgt | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Reifer Kompost | Grundversorgung mit Phosphor, Kalium und Spurenelementen, dazu organische Substanz | kann hohe Salz- und pH-Werte einbringen und setzt nur wenig Stickstoff frei |
| Gartenerde | je nach Boden Ton- und Humusanteile, die Nährstoffe speichern und wieder abgeben | pur verschlämmt und verdichtet sie im Gefäß |
| Rindenhumus | kompostierte, zerkleinerte und nach Korngrößen sortierte Rinde | speichert weniger Wasser als Torf, hat ungefähr die doppelte Rohdichte von Weißtorf und ist kein Rindenmulch |
| KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. und KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. | Torfersatz | Kokosmark hält mehr Wasser, Kokosfasern verbessern die Luftversorgung |
| Holzfasern | Torfersatz in torffreien Mischungen | ihr Abbau kann Stickstoff binden |
| Quarzsand | mineralischer Anteil in Anzucht- und Kräutermischungen | kann leichte Bestandteile zusammendrücken und erhöht dann die Wasserkapazität |
| Blähton, Bims, Splitt, Perlite | StrukturstabilitätStrukturstabilität beschreibt, wie dauerhaft eine Blumenerde oder ein Substrat locker bleibt. Strukturstabile Erde gibt den Wurzeln Halt, ohne mit der Zeit zusammenzusacken oder zu verdichten., vor allem in Kübelerde | Blähton hat nahezu keine Kationenaustauschkapazität und speichert kaum Nährstoffe |
Wie sich die Zutaten im Detail unterscheiden und woran du eine gute Mischung aus organischen und mineralischen Bestandteilen erkennst, liest du im Ratgeber zum Mischen.
Torf brauchst du für keine der folgenden Mischungen, denn Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost und Kokosmaterialien können ihn ersetzen. Kaufst du Sackerde dazu, zählt das genaue Wort: Als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Blumenerden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Mehr zu Torfersatz und Torfabbau steht im Abschnitt Erden und Substrate des oben verlinkten Ratgebers.
Rindenmulch statt Rindenhumus. Rindenmulch ist ein Abdeckmaterial und kein gleichwertiger Substratbestandteil. Erst bei der Kompostierung der Rinde werden wachstumshemmende Phenole und GerbstoffeGerbstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die zum Beispiel reichlich in Baumrinde stecken. Im Garten begegnen sie dir vor allem im Rindenmulch, wo sie das Wachstum von Gemüse, aber auch von Unkraut hemmen. abgebaut, deshalb kommt nur Rindenhumus in die Erde.
Erprobte Mischungen für Beet, Kasten und Anzucht
Alle Rezepte rechnest du in Raumteilen, also mit demselben Eimer für jede Zutat.
| Wofür | Mischung | Hinweis |
|---|---|---|
| Freiland-Pflanzsubstrat für Beet und Pflanzloch | je ein Drittel Gartenerde, Kompost und Rindenhumus | für Gefäße gelten die Kompostgrenzen unten |
| Kräuter und anspruchslose Stauden | 1 Teil Quarzsand, 1 Teil Gartenerde, 1 Teil reifer Kompost | Rucola, Basilikum, Schnittlauch und Petersilie brauchen eine stärkere Nährstoffversorgung |
| Mediterrane Kräuter im Gefäß | ein Drittel Kompost, zwei Drittel mineralische Bestandteile wie Ziegelsplitt, Vulkangestein oder Blähtonbruch | Thymian, Salbei und Lavendel wachsen auf kargen, trockenen Böden |
| Balkonkasten, torffrei | bis zu 30 % vollständig verrotteter Kompost, der Rest zu gleichen Teilen Rindenhumus, Kokosfaser und gebrochener Blähton oder Perlite | Kompost vorher sieben |
| Torffreie Beispielmischung | je etwa 25 % Holzfasern, Kokosmark, Rindenhumus und gütegesicherter Kompost | Beispiel, kein Rezept für Rhododendron- oder Aussaaterde |
| Anzuchterde, torffrei | 2 Teile Quarzsand, 1 Teil reifer, eher nährstoffarmer Kompost, 1 Teil Gartenerde | bewusst nährstoffarm |
Wie viel Kompost die Mischung verträgt
In selbst gemischter Blumenerde bleibt der Anteil an besonders gut durchgerottetem Kompost bei höchstens etwa 30 %. Bei Zimmerpflanzen macht Kompost grundsätzlich höchstens etwa 20 Volumen-% der Erde aus. Orchideen und Farne bekommen gar keinen Kompost. Für Pelargonien, die im Regen stehen, eignet sich ebenfalls ein leichtes Substrat mit höchstens 30 % Kompost.
Für Aussaaterde sollte der Salzgehalt unter 0,5 g/l liegen, für PikiererdePikiererde ist ein humoses, nur schwach gedüngtes Substrat, in das du Sämlinge beim Pikieren einzeln umsetzt. Sie kommt nach der Aussaat zum Einsatz, wenn die Jungpflanzen aus der Aussaatschale in eigene Töpfe wandern. gilt bis 1,5 g/l. Für Topferde in Kübeln und Blumenkästen gelten 2,5 bis 3 g/l. Kompost und Rindenhumus können hohe Salzwerte in deine Mischung bringen.
Im Handel werden manche Rindensubstrate sowohl als Blumenerde als auch als Pflanzerde angeboten. Worin sich Pflanzerde und Blumenerde im Einsatz unterscheiden, klärt ein eigener Vergleich.
Anzuchterde: bewusst mager
Für Aussaaten drehst du das Prinzip um, denn spezielle Anzuchterde ist nährstoffärmer als gewöhnliche Blumenerde. Im Rezept bleibt der Kompost deshalb ein Nebenbestandteil neben viel Quarzsand, und du nimmst eher nährstoffarmen, reifen Kompost. Pikiererde soll frei von Schädlingen und Krankheitskeimen sein, Gartenkompost tötet Krankheitserreger aber nicht zuverlässig ab. Eine Garantie für keimfreie Anzuchterde gibt dir eigener Kompost also nicht.
Hochbeet: Deckschicht für Schwachzehrer
Für eine Hochbeet-Deckschicht, die von Beginn an überwiegend Schwachzehrer trägt, mischst du Feinkompost, Gartenerde und Sand im Verhältnis 1:1:2. Wie du den Aufbau darunter planst und Pflanzerde in Gemüsebeet, Hochbeet und Rasen richtig einsetzt, zeigt ein eigener Ratgeber.
Kompost vorbereiten: reif, gesiebt, feucht
Ins Substrat kommt nur reifer Kompost. Je nach Material und Rotteführung braucht Gartenkompost etwa 4 bis 12 Monate, deshalb prüfst du den Reifezustand zusätzlich. Ob deine Pflanzen ihn vertragen, zeigt der KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch..
Fülle zwei gleiche Schalen, eine mit deinem Kompost und eine mit Gartenerde. Säe in beide Kresse, halte sie leicht feucht und stell sie hell nebeneinander. Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit.
Für Blumenerde siebst du den Kompost auf etwa 10 bis 15 mm ab. Gröbere Bestandteile können zur Bodenverbesserung im Beet bleiben. Ich verteile die Siebreste deshalb auf den Beeten und arbeite sie flach ein. Vor dem Mischen prüfe ich den Kompost mit der Hand: Er soll sich wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlen.
Nährstoffreich machen: Kompost und Horn ergänzen sich
Kompost versorgt eine Mischung mit Phosphor, Kalium und Spurenelementen. Sein Stickstoff ist überwiegend organisch gebunden, und er setzt nur wenig davon frei. Trotz Kompost kann also zusätzlicher Stickstoffbedarf bestehen. Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten typischerweise 10 bis 14 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist., bei geringen Phosphor- und Kaliumgehalten. Kompost und Horn ergänzen sich deshalb: Der Kompost legt die Grundversorgung mit Phosphor und Kalium, das Horn liefert den Stickstoff, den der Kompost nur in geringem Umfang freisetzt.
| Hornmehl | Hornspäne | |
|---|---|---|
| Wirkungsdauer im Topf | 6 bis 8 Wochen | 4 bis 6 Monate |
| Beispiel für die Grundgabe | etwa 5 g je Liter Substrat für Kübeltomaten in torffreier Erde, ebenso mit Horngrieß | 4 g je Liter Substrat für Pelargonien beim Umtopfen |
Das Horn mischst du vor dem Pflanzen unter die Erde. Hohe Temperaturen können die Umsetzung beschleunigen. Mikroorganismen müssen Hornspäne, Knochenmehl oder Blutmehl erst abbauen, deshalb kann ihre Wirkung in kleinen Gefäßen verzögert und unzureichend einsetzen. Pelargonien zählen zu den Starkzehrern und brauchen ein entsprechend versorgtes Substrat.
Bei holzfaserreichen Mischungen planst du mehr Stickstoff ein, weil ihr Abbau Stickstoff binden kann. Kompostreiche Mischungen können dagegen schon viel Phosphor und Kalium enthalten. Diesen Vorrat rechnest du an, statt phosphatbetont nachzulegen.
Ich wiege die Hornmenge für eine Mischung einmal auf der Waage ab und markiere die Füllhöhe außen am Becher. Weil sich Dünger im Schüttgewicht unterscheiden, bekommt jedes Produkt seinen eigenen Strich.
So mischst du Schritt für Schritt
- Wähle das Rezept nach dem Zweck: Beet, Balkonkasten, Kräutertopf oder Anzucht.
- Siebe den Kompost und prüfe seine Reife mit dem Kressetest.
- Miss jede Zutat mit demselben Eimer ab und gib alles in eine große Wanne.
- Wiege das Horn ab, wenn die Erde nährstoffreich werden soll, und streue es gleichmäßig über die Zutaten.
- Mische alles mit der Schaufel durch, bis keine Nester einzelner Zutaten mehr zu sehen sind.
- Verwende die Erde direkt oder beschrifte den Sack mit Mischung und Datum.
Den pH-Wert über die Zutaten steuern
Für Kultursubstrate außerhalb der Moorbeetkulturen gilt pH 5,0 bis 6,5 als anzustrebender Bereich. Mischungen mit Rindenhumus sollten eher im oberen Teil liegen. Bei hohen Rindenhumusanteilen vermeidest du Werte unter pH 6, weil eine erhöhte Manganaufnahme Eisenmangel auslösen kann. Rindenhumus macht eine Mischung dabei nicht automatisch sauer, sein pH-Wert kann zwischen 4,0 und 7,0 liegen.
Gewöhnlicher Gartenkompost hat typischerweise einen pH-Wert von 6,5 bis 7,5 und kann den pH-Wert einer Mischung anheben. Für Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren taugt eine Mischung mit Gartenkompost deshalb nicht, sie brauchen ein angepasstes Azaleen- oder Moorbeetpflanzensubstrat. Auch für Zitrusgewächse sind selbst gemischte komposthaltige Substrate wegen ihres häufig hohen pH-Werts oft ungeeignet.
Zum Messen nimmst du eine kalibrierte Glas-Einstichelektrode. Einfache Metallsonden und sehr trockenes Substrat liefern unzuverlässige Werte. Soll der pH-Wert eines Substrats mit Schwefel sinken, muss die Menge durch eine Probesäuerung im Labor bestimmt werden. Hartes Gießwasser kann den pH-Wert des Substrats später erhöhen.
Holzasche kann mit Schwermetallen und Schadstoffen belastet sein. Deshalb taugt sie weder als Dünger noch als Kompostzutat und gehört auch nicht in deine Mischung. Abgekühlt entsorgst du sie über den Hausmüll.
Befüllen, gießen und lagern
Jedes Gefäß braucht Abflusslöcher, damit überschüssiges Wasser abläuft und keine Staunässe entsteht. Torffreie Mischungen können oben schon trocken sein, während sie unten noch nass sind. Prüf die Feuchte deshalb vor dem Gießen unterhalb der Oberfläche oder am Gewicht des Topfes. Grobe, holzreiche Mischungen brauchen oft häufiger Wasser in kleineren Portionen.
Bei torffreien Mischungen kann es sinnvoll sein, die Nährstoffgabe je Pflanze zu bemessen, unabhängig vom Gießrhythmus. Flüssigdünger gibst du nur auf feuchte Erde. Wie du Erde für Töpfe auswählst, einfüllst und im Gefäß erneuerst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Mische nur so viel, wie du bald brauchst. Bei langer Lagerung können in komposthaltiger Erde der Salzgehalt steigen, der pH-Wert sich verändern und die Strukturstabilität abnehmen. Weil Aussaaterde unter 0,5 g/l Salz bleiben soll, mischst du sie am besten frisch. Reste lagerst du gut verschlossen, kühl und dunkel.
Typische Fehler beim Selbermischen
- Sand für mehr Durchlässigkeit: Sand kann leichte Bestandteile zusammendrücken und erhöht dann Feinporenanteil und Wasserkapazität der Mischung. Für dauerhafte Struktur in Kübelerde sorgen mineralische Zuschläge wie Splitt, Bims oder Blähton. Für langlebige Kübel- und Gehölzsubstrate eignen sich 30 bis 40 Volumen-% Blähton als strukturstabilisierende Beimischung.
- VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. als Strukturgeber: Blähvermiculit ist mechanisch wenig stabil und kann sich selbst wassergesättigt noch trocken anfühlen. Perlite bleibt dagegen strukturstabil.
- Alte Erde von kranken Pflanzen: Substrat aus Gefäßen mit an Wurzelfäule erkrankten Pflanzen verwendest du nicht wieder, auch nicht als Zutat.
- Gartenkompost für Moorbeetpflanzen: Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren brauchen sauren Boden und keinen gewöhnlichen Gartenkompost.
Ein Mykorrhiza-Präparat macht die Mischung nährstoffreicher. Das stimmt so nicht: Mykorrhizapilze erschließen vorhandene Nährstoffe, bringen selbst aber keine in den Boden. Kompostreiche Mischungen können viel Phosphor enthalten, und eine hohe Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung vermindern. In einer gut versorgten Erde bietet eine zusätzliche Beimpfung deshalb keinen sicheren Wachstumsvorteil.
