Natürliche Düngemethoden für den Bio-Garten: Kompost, Gründüngung, Mist und Jauche richtig anwenden
- Kompost ist die Grundversorgung: 3 l reifer Kompost je m² im Frühjahr, flach eingearbeitet; über Abweichungen entscheidet die Bodenanalyse.
- Stickstoff liefert Kompost nicht automatisch in ausreichender Menge, Horndünger ergänzen ihn gezielt.
- Gründüngung bindet Nährstoffe auf abgeernteten Beeten, Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden zusätzlich Luftstickstoff.
- Pflanzenjauche wird zum Gießen 1:10 mit Wasser verdünnt; eine allgemeingültige Ausbringmenge oder Häufigkeit gibt es nicht.
- Auch natürliche Dünger können überdüngen: Als Grundgabe wählst du Kompost oder Mist, nicht beides, und rechnest alle Gaben an.

Wer im Bio-Garten ohne synthetischen Dünger auskommen will, steht schnell vor einer langen Liste: Kompost, Mist vom Reitstall, Hornspäne, Brennnesseljauche, Mulch und Gründüngung. Da liegt es nahe, von allem ein bisschen zu geben. Doch auch organische Dünger können Pflanzen und Umwelt mit zu vielen Nährstoffen belasten. Ich plane deshalb jede Gabe vom Beet her: zuerst Kompost als Grundversorgung, dann gezielt Stickstoff dort, wo eine Kultur mehr braucht.
Welcher natürliche Dünger passt wofür?
Natürliche Düngemethoden unterscheiden sich darin, was sie liefern und wofür sie taugen. Der Überblick zeigt, welche Methode welche Aufgabe im Garten übernimmt.
| Methode | Was sie liefert | Wofür sie passt |
|---|---|---|
| Kompost | Stickstoff, Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe | Grundversorgung der meisten Gartenpflanzen |
| Gründüngung | organische Substanz für den Humus, bindet freigesetzte Nährstoffe | abgeerntete und leere Beete |
| Mulch | Nahrung für Bodenorganismen, weniger Verdunstung | Gemüsebeete und Gehölzbereiche |
| Mist | Nährstoffe je nach Tierart, Fütterung und Wasseranteil | Grundgabe anstelle von Kompost |
| HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. | überwiegend Stickstoff und Schwefel | gezielte Stickstoffergänzung zum Kompost |
| Pflanzenjauche | flüssiger Dünger mit schwankendem Nährstoffgehalt | verdünnte Wurzeldüngung |
| Bokashi und Wurmkompost | verwertete Küchenabfälle | Küchenabfälle ohne Komposthaufen nutzen |
Warum natürlich düngen?
Kompost und Mist können neben Nährstoffen auch Bodenstruktur und Bodenleben verbessern, und mit Grünschnitt und Ernteresten bleiben Nährstoffe im Gartenkreislauf. Dafür wirken sie langsamer, denn organisch gebundene Nährstoffe müssen im Boden erst mineralisiert werden, bevor die Wurzeln sie aufnehmen. Was biologischer Dünger für Boden, Umwelt und Geldbeutel bringt und wie die Umstellung auf organische Düngung im ganzen Garten gelingt, vertiefen eigene Ratgeber.
Erst den Bedarf kennen, dann düngen
Pflanzen nehmen Nährstoffe über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form auf, ganz gleich, ob sie aus Kompost oder aus einem Mineraldünger stammen. Welche Vorräte dein Boden schon hat, zeigt eine Bodenuntersuchung, die Grundlage für Auswahl und Menge jeder Düngung. Wie Hauptnährstoffe, Humus und Bodenprobe zusammenhängen, erklären die Grundlagen zu Nährstoffen, Humus und Bodenanalyse.
Kompost: die Grundversorgung für fast jedes Beet
Reifer Kompost ist in meinem Garten die erste Gabe des Jahres. Er liefert Stickstoff, Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe. Diese Gesamtgehalte stehen den Pflanzen aber nicht sofort vollständig zur Verfügung.
Wie viel Kompost braucht dein Beet?
Als allgemeine Grundversorgung arbeitest du im Frühjahr jährlich 3 l reifen Kompost je m² flach ein. Ob du davon abweichst, entscheidet die Bodenanalyse. Im Gemüsebeet deckt diese Grundgabe den Phosphatbedarf und weitgehend auch den Kaliumbedarf. Genug verfügbaren Stickstoff liefert sie aber nicht automatisch, den ergänzt du nach Bedarf.
Kompost gehört nur in die oberste Bodenschicht, weil tiefer im Boden bei Sauerstoffmangel Fäulnisprodukte entstehen können, die Pflanzen schaden. Ich verteile ihn mit der Schaufel und harke ihn flach ein. Je nach Gartenbereich ändern sich Menge und Vorbehalte:
| Gartenbereich | Kompost je Jahr | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Gemüsebeet | höchstens 3 l/m² im Frühjahr | Stickstoff nach Bedarf ergänzen |
| Ziergarten allgemein | 2 l/m² | bei Phosphat-Gehaltsstufe C bis E höchstens 3 l/m² |
| Prachtstauden | 3 l/m² im Frühjahr | nur ohne stark überhöhte Phosphor- oder Kaliumvorräte |
| Rosen | etwa 3 l/m² im März und April | als Frühjahrsgabe |
| Eingewachsene Zier- und Obstgehölze | 2 bis 4 l/m² im Frühjahr | nach Mitte Juli kein zusätzlicher Stickstoff |
| Genügsame Gartenkräuter | 3 l/m² einmal im Frühjahr | reicht für die meisten Arten |
| Polsterstauden und mediterrane Stauden auf mageren Standorten | keine Kompostgabe | brauchen magere Böden |
| Rhododendron, Azaleen, Heidelbeeren | kein Gartenkompost | Kompost hebt den pH-Wert |
Kompost kann den pH-Wert anheben. Liegt der pH-Wert deines Bodens schon über dem Zielbereich für Bodenart und Kultur, gibst du deshalb weder Kompost noch kalkhaltige Dünger.
Woran du reifen Kompost erkennst
Je nach Material und Rotteführung braucht Gartenkompost etwa 4 bis 12 Monate. Verlass dich deshalb nicht allein auf die Zeit, sondern prüfe den Reifezustand. Für den KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch. fülle ich eine Schale mit Kompost und eine zweite mit Gartenerde, feuchte beide an und säe Kresse aus. Wächst die Kresse im Kompost nach 5 Tagen schwächer als in der Erde oder färbt sie sich gelblich-braun, braucht der Kompost noch Reifezeit.
Frischen Kompost gibst du nicht zu Wurzelgemüse, Zwiebeln oder Kohl, weil er schädliche Gemüsefliegen anlocken kann. Als Aussaaterde taugt reiner Kompost ebenfalls nicht: Seine hohe Nährsalzkonzentration kann Keimlingswurzeln Wasser entziehen. KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht., also in Wasser eingeweichter Kompost, setzt du für jede Anwendung neu an.
Kompost selbst anlegen
Für eigenen Kompost brauchst du einen geschützten Platz auf offenem, ebenem Boden und Ausgangsmaterial mit einem Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von etwa 25:1 bis 35:1. Kranke Pflanzenteile lasse ich draußen, weil Gartenkompost Krankheitserreger nicht zuverlässig abtötet: Die nötigen Rottetemperaturen werden oft nicht durchgehend erreicht. Standort, Material und das passende Kompostsystem findest du in den Grundlagen zu Düngen, Boden und Kompost im Abschnitt Kompost anlegen.
Gründüngung: Pflanzen, die den Boden versorgen
Auf einem abgeernteten, leeren Beet nimmt keine Pflanze mehr auf, was der Boden an Nährstoffen freisetzt. Diese Nährstoffe sind deshalb auswaschungsgefährdet. Eine Gründüngung bindet sie und vermindert die Auswaschung. Überwinternde Einsaaten halten den Boden außerdem durchwurzelt und schützen ihn vor Abschwemmung. Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen können zusätzlich mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden.
Phacelia säst du mit 1 bis 3 g Saatgut je m², ihre Kulturdauer beträgt 6 bis 9 Wochen. Winterroggen eignet sich als späte Gründüngung: Aussaat von Ende September bis Anfang Oktober mit 20 g Saatgut je m².
Wähle für die Gründüngung eine andere Pflanzenfamilie als für die Gemüsekultur davor und danach. Zehrer-Einstufung und Anbaupausen behältst du mit dem Beetplaner für deine Fruchtfolge im Blick. Was die Gründüngung an Nährstoffen hinterlässt, rechnest du bei der nächsten Düngung an.
Mulchen: Bodenschutz und Futter für das Bodenleben
Organischer Mulch vermindert die Verdunstung von Bodenwasser und liefert Bodenorganismen Nahrung für Abbau und Humusbildung. Im Gemüsebeet ist eine etwa 2 bis 3 cm dicke Schicht üblich. Mulche erst, wenn die Gemüsepflanzen ungefähr 10 cm hoch sind, und lass Saatrillen und kleine Jungpflanzen frei. Tomaten, Kürbis und Bohnen mulchst du erst ab Mai oder Juni, damit sich der Boden vorher erwärmen kann.
Rasenschnitt lässt du vorher anwelken und trägst ihn dünner auf, sonst verklebt er zu einer dichten, schimmelnden Masse. Er liefert Stickstoff nach, den du bei weiteren Düngergaben berücksichtigst. Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch verhalten sich anders: Beim Abbau können sie Stickstoff binden. Plane vor dem Mulchen mit diesen Materialien deshalb eine ergänzende Stickstoffversorgung ein. Eine feuchte Mulchdecke kann außerdem Nacktschnecken begünstigen, darum hebe ich die Schicht am Beetrand an und schaue nach.
Frische Holzhäcksel landen auf der BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. junger Obstgehölze oder im Aushub fürs Pflanzloch. Ihr Abbau bindet Stickstoff, der dem jungen Baum dann fehlen kann.
Mist: was Rind, Pferd und Huhn liefern
Mist ist ein klassischer natürlicher Dünger, doch seine Nährstoffgehalte schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil. Die Tabelle nennt durchschnittliche Tabellenwerte.
| Mistart | Stickstoff im Tabellenmittel | Hinweis |
|---|---|---|
| Rindermist | etwa 0,5 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. | im Hausgarten höchstens 3 kg/m² wegen der Phosphatzufuhr |
| Pferdemist | etwa 0,4 % Gesamtstickstoff | setzt Stickstoff langsam frei; im Hausgarten höchstens 3 kg/m² |
| Hühnermist | 1,7 % Stickstoff | Wert gilt für frischen Mist |
Einzelne Chargen können von diesen Mittelwerten abweichen. Für die Gartendüngung nimmst du mindestens ein Jahr gelagerten Mist. Einen Hygienenachweis ersetzt diese Lagerdauer allerdings nicht. Beim Kompostieren wird Mist mürbe und entwickelt sich zu einem meist angenehm riechenden Kompost. Pferdemist ist kein schnell wirkender Stickstoffdünger, weil er seinen Stickstoff vergleichsweise langsam freisetzt.
Pferdemist hole ich nur aus Ställen, deren Haltung ich kenne. Er kann Rückstände von Tierarzneimitteln enthalten, und Angaben zu Behandlungen fehlen häufig. Wer nach Öko-Regeln gärtnert, nimmt außerdem keinen Mist aus industrieller Tierhaltung.
Kompost deckt im Gemüsebeet mit der Grundgabe bereits den Phosphatbedarf, und Mist ist im Hausgarten gerade wegen seiner Phosphatzufuhr begrenzt. Beides zusammen auf einem Beet bringt also Phosphat über den Bedarf hinaus. Setz Kompost und Mist deshalb als alternative Grundgaben ein, nicht übereinander.
Horndünger: gezielter Stickstoff zum Kompost
Wo der Kompost beim Stickstoff nicht reicht, ergänze ich mit Horn. Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl werden aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen hergestellt. Sie enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff, der nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar ist.
Je feiner das Horn, desto schneller wird der Stickstoff frei: Hornmehl wirkt am schnellsten, Horngrieß etwas langsamer, Hornspäne am langsamsten. Für die vollständige Umsetzung von Hornmehl rechnest du mit etwa 6 Wochen, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Für kurze Frühjahrskulturen wie Radieschen oder Kopfsalat mit 4 bis 8 Wochen Entwicklungszeit eignet sich Hornmehl deshalb besser als grobe Späne.
Horn liefert überwiegend Stickstoff und Schwefel, aber nur wenig Phosphor und Kalium, und ersetzt deshalb keine vollständige Versorgung. Kompost bringt umgekehrt Phosphat und weitgehend Kalium mit, aber nicht automatisch genug Stickstoff. Zusammen ergänzen sich beide: Kompost als Grundgabe, Horn für den Stickstoff, der dann noch fehlt.
Wie viel Horndünger im Gemüsebeet?
Die folgenden Mengen sind Obergrenzen zur Orientierung. Sie gelten auf phosphat- und kaliumreichen Gemüsebeeten mit jährlicher Kompostgabe, wenn zusätzlicher Stickstoff nötig ist.
| Bedarfsgruppe | Beispiele | Horndünger höchstens | So bringst du ihn aus |
|---|---|---|---|
| Schwachzehrer | Feldsalat, Radieschen, Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln | bis zu 50 g/m² | zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten |
| MittelzehrerMittelzehrer sind Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff: Sie brauchen mehr als Schwachzehrer, aber weniger als Starkzehrer. Typische Mittelzehrer sind Möhren, Rote Bete, Spinat, Fenchel und viele Salate. | Eissalat, Möhren, Endivien, Rettich, Spinat, Rote Bete, Gurken | bis zu 100 g/m² | zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten |
| Starkzehrer | Tomaten | bis zu 150 g/m² | zur Hälfte bei der Pflanzung, zur Hälfte etwa 3 bis 4 Wochen danach |
Liefert der Bodenhumus viel Stickstoff nach, kannst du die Horngabe verringern oder ganz aussetzen. Bei Feldsalat und Radieschen im Spätsommer kann die Stickstoffdüngung meist entfallen. Den mineralischen Stickstoff im Boden erfasst eine Standard-Bodenuntersuchung nicht, dafür lässt du einen Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen. gesondert bestimmen. Im Gemüsegarten bringst du Horn auch für Herbstkulturen nicht später als Ende August aus. Wie du dein Gemüsebeet über die ganze Saison natürlich versorgst, zeigt der Ratgeber zum Gemüsegarten.
Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen. Ich streue Horn deshalb mit Handschuhen.
Pflanzliche Alternativen zu Horn
Organische Dünger sind nicht automatisch vegan, denn Horn und Schafwolle stammen vom Tier. Rapskuchen und Vinasse sind pflanzliche organische Dünger und eine Alternative zu tierischen Ausgangsstoffen. Schafwolle setzte in einem Versuch mit Pelargonien ihren Stickstoff für die kurze KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. zu langsam frei.
Mehr Phosphat bringt mehr Blüten? Pauschal lässt sich eine phosphatbetonte Düngung nicht mit stärkerer Blütenbildung begründen. Auch Blühpflanzen düngst du deshalb nach Bedarf und Bodenbefund statt nach der Aufschrift auf der Packung.
Pflanzenjauche ansetzen und anwenden
Für Pflanzenjauche eignen sich zum Beispiel Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch. Ihr Nährstoffgehalt schwankt mit Pflanzenart, Pflanzenzustand und Erntezeit.
| Schritt | So gehst du vor |
|---|---|
| Ansatz mit frischem Kraut | 1 kg frisches, zerkleinertes Kraut auf 10 l Wasser |
| Ansatz mit getrocknetem Kraut | 100 bis 200 g getrocknetes Kraut auf 10 l Wasser |
| Abdecken | luftdurchlässiges Gitter oder Netz gegen hineinfallende Tiere, kein geschlossener Deckel |
| Pflege | einmal täglich kräftig umrühren |
| Gärzeit | etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme etwa 14 Tage |
| Fertig, wenn | die Jauche dunkel ist und nicht mehr schäumt |
| Wurzeldüngung | fertige Jauche 1:10 mit Wasser verdünnen |
| Blattgabe bei sehr akutem Mangel | fertige Jauche 1:50 mit Wasser verdünnen |
Das Rezept beschreibt den Ansatz, keine Ausbringmenge. Weil der Nährstoffgehalt schwankt und Pflanzenbedarf und Bodenvorrat verschieden sind, gibt es für Menge und Wiederholung keine allgemeingültige Vorgabe. Ich gieße die verdünnte Jauche auf feuchte Erde und beobachte danach Wuchs und Blattfarbe, bevor ich wieder zur Kanne greife.
Eine Blattgabe bringst du abends oder bei bedecktem Himmel aus, weil starke Sonne die Lösung eintrocknen lässt und Blattschäden begünstigt. Bei empfindlichen Pflanzen machst du vorher eine Probespritzung. Blattdüngung lindert einen akuten Mangel nur vorübergehend und ersetzt keine Versorgung über die Wurzeln. Wie du weitere Bio-Dünger für Gemüse und Tomaten selbst herstellst und dosierst, liest du im Ratgeber zum Selbermachen.
Meinen Jaucheeimer stelle ich an den hinteren Gartenrand, weit weg von Terrasse und Nachbarzaun. Auf den Eimer klebe ich einen Streifen Klebeband mit dem Ansatzdatum, damit ich die Gärzeit im Blick behalte.
Bokashi und Wurmkompost: Dünger aus der Küche
Fehlt der Platz für einen Komposthaufen, verwerten Bokashi-Eimer und Wurmkiste deine Küchenabfälle. Bokashi ist eine milchsäurebasierte Vorbehandlung: Die Abfälle fermentieren im verschlossenen Eimer je nach Verfahren etwa 2 bis 6 Wochen, bei Kälte länger. Fertiger Dünger ist das Material danach noch nicht, es muss mit Erde vermischt oder kompostiert werden. Eine Möglichkeit ist, es mit Gartenerde oder Kompost zu mischen und in einem offenen Behälter unter gelegentlichem Umsetzen weitere 3 Monate nachreifen zu lassen.
Den Bokashi-Saft verdünnst du für Beete im Freien 1:100 mit Wasser. Weil er stark riechen kann, verwendest du ihn nur draußen. In einem vierjährigen Feldversuch brachte die EM-Zugabe keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Was Bokashi und Mist dort bewirkten, ging auf ihr organisches Material und ihre Nährstoffe zurück.
In der Wurmkiste arbeiten Kompostwürmer bei 15 bis 25 °C unter günstigen Bedingungen. Je nach Feuchte, Temperatur und Ausgangsmaterial ist der Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten fertig. Fleisch, Milchprodukte, Getreideprodukte, gekochte Speisereste und Zitrusschalen gehören nicht hinein.
Kalk, Steinmehl, Pflanzenkohle und Holzasche
Kalk ist nur sinnvoll, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten bereits genug Kalzium nachliefern. Ob du zusätzlich kalkst, hängt deshalb vom Bodenbefund ab, denn eine Bodenprobe ersetzt der Kompost nicht. Wird gekalkt, wirkt kohlensaurer Kalk langsam und mild. Steinmehl steht wie Calciumcarbonat natürlichen Ursprungs, Ton und Tonminerale auf der Öko-Positivliste.
Pflanzenkohle enthält selbst kaum pflanzenverfügbare Nährstoffe. Vor der Nutzung wird sie deshalb mit Nährstoffen beladen, zum Beispiel indem du sie frischem Kompost zugibst. Beim Kauf sichert eine anerkannte Zertifizierung wie das European Biochar Certificate die Prüfung der Schadstoffgehalte ab.
Holzasche ist kein Dünger für den Garten und gehört auch nicht auf den Kompost, weil sie mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet sein kann. Abgekühlt entsorgst du sie im Hausmüll, ohne Staub aufzuwirbeln.
Was „bio“ bei Dünger bedeutet
Für den privaten Selbstversorgergarten können die Regeln der ökologischen Landwirtschaft als Orientierung dienen. Zulässige Düngemittel und Bodenverbesserer führt dort Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 auf, jeweils mit ihren Beschränkungen. Hornmehl und Wolle gehören zu dieser Positivliste. Das EU-Bio-Logo suchst du auf einem Dünger allerdings vergeblich, denn biotaugliche Düngemittel dürfen damit nicht gekennzeichnet werden.
Orientierung bietet die Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau. Die Aufnahme dort bestätigt die geprüfte Verwendbarkeit, aber keine geprüfte Düngewirksamkeit. Auch Horndünger aus dem Ökoanbau können Rohstoffe aus konventioneller Tierhaltung enthalten. Wie die Zertifizierung bei Bio-Rosendünger funktioniert, erklärt ein eigener Ratgeber.
So wendest du natürliche Dünger richtig an
Zeitpunkt und Wetter
Dünge im Frühjahr statt im Herbst, damit weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Feste Dünger streust du auf feuchten Boden, nicht auf nasses Laub, weil anhaftender Dünger dort Ätzschäden verursachen kann. Obst- und Ziergehölze bekommen nach Mitte Juli keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit ihre Triebe vor dem Winter ausreifen. Eine zu späte oder zu reichliche Düngung kann Stauden und Gehölze im Winter zusätzlich gefährden.
Anrechnen statt aufschichten
Bevor du zusätzlich düngst, rechnest du an, was Kompost, Mist und Gründüngung schon geliefert haben. Ich notiere dafür in meinem Gartenheft jede Kompost- und Mistgabe mit Beet und Datum. Auch organische Dünger können in zu hoher Menge Pflanzen und Umwelt belasten. Viel Stickstoff im Boden kann außerdem die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Das ist kein Grund, auf Gemüse zu verzichten, wohl aber einer, bedarfsgerecht zu düngen.
Zeigt die Bodenanalyse für einen Nährstoff Versorgungsstufe E, kannst du die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend ganz aussetzen. Wer alle Bioabfälle selbst kompostiert, braucht als Faustregel gegen Überdüngung ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied.
Feste Dünger lagerst du verpackt oder abgedeckt an einem trockenen Ort. Hat ein Kind vermutlich größere Mengen Dünger aufgenommen, rufst du ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an.
Gelbe Blätter: erst prüfen, dann nachdüngen
Vergilbte ältere Blätter können auf Stickstoffmangel hindeuten. Ähnliche Bilder entstehen aber auch durch Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden oder verdichteten Boden. Weil Wurzeln Nährstoffe nur in Wasser gelöst aufnehmen, kann Trockenheit Mangelsymptome auslösen, obwohl genug Nährstoffe im Boden sind.
Bei Kälte oder Trockenheit gleich die nächste Gabe nachschieben. Frost, Trockenheit und Staunässe hemmen die Freisetzung organischer Dünger, deshalb behebt eine weitere Gabe das akute Problem nicht zuverlässig. Sobald es feuchtwarm wird, können organische Dünger dafür starke Nährstoffschübe verursachen.
- Bodenbefund kennen, bevor du Dünger und Menge wählst
- Kompost als Grundgabe im Frühjahr flach einarbeiten
- Stickstoff gezielt mit Horn ergänzen, im Gemüsegarten bis Ende August
- Kompost oder Mist als Grundgabe wählen, nicht beides auf dasselbe Beet
- Leere Beete mit Gründüngung bedecken
- Jede Gabe notieren und bei der nächsten Düngung anrechnen
