Kompostierung in der Stadt: Welcher Wohnungskomposter passt zu dir?
- Wurmkiste und Bokashi-Eimer kommen ohne Garten aus, ein selbst gebauter Balkonkomposter steht draußen.
- Kompostwürmer arbeiten bei 15 bis 25 °C und brauchen Luft, deshalb schließt eine Wurmkiste nie luftdicht.
- Bokashi gärt im luftdichten Eimer und muss danach in Erde oder Kompost nachreifen.
- Ein kommunaler Bauvorschlag nutzt für den Balkonkomposter einen Kunststoffbehälter mit Deckel und mindestens 75 Litern.
- Ein Thermokomposter spart Stellfläche, halbiert die Rottezeit aber nicht grundsätzlich.
- Im Mietshaus klärst du Stellplatz und Gemeinschaftskompost vorab mit Vermieter oder Hausverwaltung.

Der Biomüll sammelt sich in der Küche, der Balkon ist klein, und im Treppenhaus soll nichts riechen. Wer in der Stadt kompostieren will, braucht deshalb ein System, das zu Platz, Abfallmenge und Hausgemeinschaft passt. Bevor ich jemandem einen Wohnungskomposter empfehle, stelle ich zwei Fragen: Wo soll er stehen, und wer braucht den fertigen Kompost?
Erst klären: Wohin mit dem fertigen Kompost?
Selbst kompostieren lohnt sich nur, wenn du den Kompost auch verwendest. Was du nicht brauchst, kannst du über die Biotonne oder die kommunale Grüngutsammlung verwerten lassen. Welche Kompostform zu dir passt, hängt vom verfügbaren Platz und von der Menge ab, die bei dir anfällt.
Wer alle Bioabfälle des Haushalts selbst verwerten will, braucht als Faustregel ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied, sonst droht ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt.. Ein Balkon mit einigen Kästen bleibt weit darunter. Den Überschuss gibst du deshalb besser in die Biotonne, statt alles in die Kästen zu geben.
Was jeder Kompost braucht, auch im Kleinformat
Kompost braucht Luft und eine Mischung aus feuchtem und trockenem, grobem und feinem, stickstoffreichem und stickstoffarmem Material. Liegt er zu nass und zu dicht, fault er, und sein pH-WertDer pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch etwas ist, etwa Gartenboden, Blumenerde, Gießwasser oder Kompost. Die Skala reicht von 0 bis 14; der Wert 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind sauer, höhere alkalisch. kann in einen für die Rotte ungünstigen sauren Bereich absinken. Standort, Mischung, Umsetzen und Reifeprüfung erklärt der Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost in den Abschnitten Kompost anlegen sowie Kompost pflegen, prüfen und verwenden.
Wohnungskomposter im Vergleich
Für Stadtwohnung, Balkon und Hof kommen vier Systeme infrage. Sie unterscheiden sich darin, wo sie stehen können, was sie brauchen und was am Ende herauskommt.
| System | Standort | Was es braucht | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Wurmkiste | ohne Garten, an einem Platz mit 15 bis 25 °C | Luftzufuhr, Feuchtigkeit, eine Abdeckung für Dunkelheit | Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten, das Abfallvolumen schrumpft auf ungefähr ein Zehntel |
| Bokashi-Eimer | drinnen, die Gärung läuft bei Zimmertemperatur | luftdichter Verschluss, Siebeinsatz mit Ablass für die Flüssigkeit | je nach Verfahren nach etwa 2 bis 6 Wochen ein Ferment, das danach in Erde oder Kompost nachreifen muss |
| Balkonkomposter im Selbstbau | auf dem Balkon, erhöht über einem Untersetzer | Kunststoffbehälter mit Deckel und mindestens 75 l, Öffnungen in Boden und Seiten | Kompost, dessen Reife du vor der Verwendung prüfst |
| Thermo- oder Schnellkomposter | auf offenem Boden im HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone. oder Schatten, etwa im Hof | Belüftung gegen VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen., Vorrat an trockenem Strukturmaterial | Gartenkompost nach etwa 4 bis 12 Monaten, je nach Material und Rotteführung |
Ich ordne die Systeme nach der Wohnsituation zu:
- Nur Küche, kein Balkon: die Wurmkiste, denn sie kommt ohne Garten aus und liefert fertigen Wurmkompost.
- Balkon mit Kästen: ein selbst gebauter Balkonkomposter, erhöht über einem Untersetzer.
- Hof oder Mietergarten mit Erdboden: ein geschlossener Thermo- oder Schnellkomposter, bei kleinen Mengen ein Trommelkomposter.
- Beet oder Gemeinschaftskompost in Reichweite: der Bokashi-Eimer als Vorstufe, weil das Ferment dort nachreifen kann.
Wurmkiste: Kompost ohne Garten
In der Wurmkiste verarbeiten Kompostwürmer deine pflanzlichen Küchenreste, dazu Tee und Kaffeesatz. Der Kompostwurm Eisenia fetida gehört zur Familie der Regenwürmer. Die Tiere brauchen Sauerstoff, deshalb darf die Kiste nie luftdicht verschlossen sein. Günstig für ihre Arbeit sind Temperaturen von 15 bis 25 °C. Der Abfall schrumpft dabei auf ungefähr ein Zehntel seines Volumens. Zitrusschalen, Fleisch, Milch- und Getreideprodukte, Gekochtes und Verschimmeltes bleiben draußen. Wie du die Kiste startest, fütterst und feucht hältst, zeigt der Ratgeber zum Kompostieren von Küchenabfällen in der Wohnung.
Bokashi-Eimer: Gärung statt Rotte
Bokashi ist eine Vorbehandlung durch Milchsäuregärung und noch kein fertiger Kompost. Die zerkleinerten Küchenreste gären im luftdicht schließenden Eimer bei Zimmertemperatur, je nach Verfahren etwa 2 bis 6 Wochen lang. Für den laufenden Betrieb planst du zwei Eimer ein: Einer bleibt geschlossen, der andere sammelt die neuen Reste. Frisches Ferment kann Pflanzen schädigen und muss erst in Erde oder Kompost weiter umgesetzt werden. In einem beschriebenen häuslichen Verfahren reift das Gemisch danach weitere 3 Monate in einem offenen Behälter. Wer Bokashi wählt, braucht also einen Platz für diese zweite Phase. Ferment und abgelassener Saft können kräftig riechen und sind deshalb eher etwas für draußen. Befüllen, Saft ablassen und Nachreife Schritt für Schritt beschreibt der Ratgeber zum Kompostieren in der Wohnung ebenfalls.
Thermo- und Schnellkomposter: wenig Fläche, offener Boden
Geschlossene Thermo- und Schnellkomposter brauchen wenig Stellfläche und bremsen Austrocknung und Abkühlung. Kleine Abfallmengen trocknen darin nicht so rasch aus. Dafür verlangen sie ausreichende Belüftung, sonst vernässt der Inhalt. Ich stelle neben den Behälter einen Vorrat aus kleinen Ästen, RindenmulchRindenmulch ist rohe, nicht kompostierte Baumrinde, mit der du den Boden unter Gehölzen abdeckst. Er enthält wachstumshemmende Stoffe und bindet Stickstoff im Boden, deshalb gehört er nicht ins Gemüsebeet. oder Stroh und mische dieses trockene Material beim Befüllen unter. Ein Gartenkomposter steht günstig im Halbschatten oder Schatten auf offenem Boden und sollte bequem erreichbar sein. Für Hof oder Mietergarten mit Erdfläche passt ein Thermokomposter deshalb gut, auf dem Balkon fehlt ihm dieser Boden. Trommelkomposter erleichtern das Mischen und eignen sich besonders für kleinere Mengen. Auf die Wärme im Behälter verlässt du dich trotzdem nicht: Ausreichend hohe RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. werden oft nicht durchgehend erreicht, sodass Krankheitserreger für Mensch, Tier und Pflanze im Gartenkompost nicht zuverlässig absterben.
Ein Thermokomposter halbiert die Rottezeit? Nicht grundsätzlich. Wie schnell der Kompost reift, bestimmen auch die Zutaten, die Feuchtigkeit und die Bodenlebewesen.
Balkonkomposter und Wurmkiste selbst bauen
Ein Wohnungskomposter muss nicht aus dem Handel kommen. Eine kommunale Bauanleitung für den Balkon kommt mit einem Kunststoffbehälter mit Deckel aus.
Balkonkomposter nach kommunalem Bauvorschlag
- Kunststoffbehälter mit Deckel
- mindestens 75 Liter Volumen
- Öffnungen im Boden und in den Seitenwänden
- erhöhte Aufstellung über einem Untersetzer
Mit den Öffnungen bekommt der geschlossene Behälter die Belüftung, die er gegen Vernässung braucht. Im Hof oder Mietergarten ist ein Lattenkomposter eine Alternative: Herausnehmbare Bretter erleichtern die Entnahme, und ein zweiter Behälter schafft Platz zum Umsetzen oder Lagern.
Bei einer selbst gebauten Wurmkiste plane ich zwei Kammern ein. Vor der Ernte fütterst du nur noch in einer Kammer, die Würmer wandern dorthin, und du entnimmst den HumusHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. aus der anderen. Luftzufuhr ist Pflicht, und eine leicht feuchte Zeitung oder Hanfmatte auf dem Futter hält das Innere dunkel und feucht. Ein selbst gebauter Bokashi-Eimer braucht dagegen einen luftdichten Verschluss und einen Siebeinsatz, unter dem sich die Flüssigkeit sammelt und ablassen lässt.
Ich beschrifte jeden selbst gebauten Behälter mit dem Datum der ersten Befüllung. Vor der Entnahme sehe ich so, wie lange der Inhalt schon darin liegt.
Kompostieren im Mietshaus: Was du vorher klärst
Für Haus-, Nutz- und Kleingärten gilt die Bioabfallverordnung nicht, Vorschriften aus dem Düngemittel- und Pflanzenschutzrecht bleiben davon aber unberührt. Im Mietshaus klärst du zusätzlich mit Vermieter oder Hausverwaltung, ob und wo ein Komposter auf Balkon, Hof oder Gemeinschaftsfläche stehen darf. Ich lasse mir die Zusage schriftlich geben und lege sie zu den Mietunterlagen.
Rücksicht auf die Nachbarn heißt konkret:
- Halte Abstand zu benachbarten Fenstern und Terrassen.
- Gekochte Speisereste, Fleisch und Käse kommen nicht auf einen Kompost im Freien, weil sie Ratten anlocken können.
- Frische Küchenabfälle deckst du mit trockenem Material oder reifem Kompost ab, damit sie weniger Fruchtfliegen anlocken.
- Gute Durchlüftung hilft, Geruch und klimaschädliches Methan zu vermeiden.
- Bokashi-Saft und Ferment verwendest du draußen, nicht in der Wohnung.
Für einen Gemeinschaftskompost in der Wohnanlage klärt ihr vorab drei Dinge: wer ihn betreut, ob die Hausverwaltung zustimmt und wer den fertigen Kompost verwendet. Wie ihr die Gemeinschaftskompostierung organisiert, Nachbarn dafür gewinnt und Geruch oder Fäulnis im Alltag vermeidet, beschreibt der Ratgeber zum störungsfreien Kompostieren in der Stadt.
Notier dir zwei mögliche Stellplätze und schätze ab, wie viel Küchenabfall bei dir anfällt. Mit diesen Angaben gehst du zur Hausverwaltung und wählst danach dein System.
Elektrische Küchenkomposter und Kompoststarter
Elektrische Küchenkomposter zerkleinern und trocknen Bioabfälle in der Regel nur, eine vollständige mikrobielle Kompostierung braucht mehr Zeit. Mehr zu Technik und neuen Ideen findest du im Ratgeber über moderne Kompostlösungen für Balkon und Terrasse. Käufliche Kompoststarter sind bei vielfältig gemischten Küchen- und Gartenabfällen normalerweise entbehrlich; ob ein Kompostbeschleuniger überhaupt etwas bringt, klärt ein eigener Ratgeber.
Den fertigen Kompost im Balkonkasten verwenden
Reiner Kompost eignet sich nicht als SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. für empfindliche Keimlinge, weil seine hohe Nährsalzkonzentration ihren Wurzeln Wasser entziehen kann. In selbst gemischter Blumenerde bleibt der Anteil bei höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerottetem Kompost. Weitere Ideen zur Verwendung findest du im Ratgeber zum störungsfreien Kompostieren in der Stadt.
