Blaukorn-Alternative: Organische Dünger herstellen, dosieren und kombinieren
- Kompost trägt die Grundversorgung: 3 l/m² im Jahr decken im Gemüsebeet den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf, aber nicht automatisch den Stickstoff.
- Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff und nur wenig Phosphor und Kalium.
- Hornmehl wird unter günstigen Bedingungen in etwa 6 Wochen umgesetzt, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate.
- Stallmist sollte für den Gemüsegarten mindestens 1 Jahr gelagert sein.
- Pflanzenjauche gießt du 1:10 verdünnt an die Wurzel; eine allgemeingültige Menge oder Häufigkeit gibt es nicht.
- Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder Staunässe kaum Nährstoffe frei.

Wer Blaukorn ersetzen will, braucht selten nur einen anderen Sack. Blaukorn bringt Stickstoff, Phosphat, Kalium und Magnesium in einem Korn, die organischen Alternativen teilen diese Arbeit auf. Kompost trägt die Grundversorgung, Horn liefert den Stickstoff, und Flüssigdünger können bei festgestelltem Mangel rasch helfen. Ich plane deshalb jedes Beet mit drei Fragen: Was liegt schon im Boden, was braucht die Kultur, und wie schnell muss es wirken? Wie du die einzelnen Dünger ansetzt, dosierst und kombinierst, zeige ich dir Kultur für Kultur.
Was Blaukorn liefert und was ein Ersatz leisten muss
Blaukorn ist ein mineralischer Volldünger. Mineraldünger liefern ihre Nährstoffe meist als leicht lösliche Salze und können einen kurzfristigen Bedarf deshalb rasch decken. Das Problem ist das feste Verhältnis im Korn: Wer nach dem Stickstoffbedarf streut, bringt Phosphat und Kalium automatisch mit, ob der Boden sie braucht oder nicht.
Die Deklaration NPK 12-12-17-2 steht für 12 % Stickstoff, 12 % Phosphat als P₂O₅, 17 % Kalium als K₂O und 2 % Magnesium als MgO. In einem Rechenbeispiel decken rund 167 g/m² eines Düngers mit NPK 12-8-16 einen Bedarf von 20 g Stickstoff je m². Dabei landen rund 13 g P₂O₅ je m² im Beet, gebraucht werden nur 5 g.
Organische Dünger trennen diese Aufgaben. In einem Düngeverfahren für Gemüse deckt eine jährliche Kompostgabe von 3 l/m² den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf. Verfügbaren Stickstoff liefert sie dabei nicht automatisch in ausreichender Menge. Horndünger bringen dagegen überwiegend Stickstoff und Schwefel mit, Phosphor und Kalium enthalten sie nur wenig. Weil beide verschiedene Nährstoffe tragen, bemisst du sie getrennt und legst Stickstoff nach, ohne Phosphat doppelt zu geben.
Auch im Tempo und in den Folgen für den Boden unterscheiden sich die beiden Gruppen. Wie organische und mineralische Dünger auf Pflanze, Boden und Umwelt wirken und wann du welche einsetzt, liest du im eigenen Ratgeber dazu. Ob sich der Umstieg auch beim Geld rechnet, hängt davon ab, wie viel Kompost, Jauche und Gründüngung du selbst erzeugst.
Welche organischen Dünger kommen infrage?
| Dünger | Liefert vor allem | Wie schnell | Merkpunkt |
|---|---|---|---|
| Reifer Kompost | Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe | setzt nur wenig Stickstoff frei | Grundversorgung für die meisten Gartenpflanzen |
| Hornmehl | typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff | unter günstigen Bedingungen etwa 6 Wochen | schnellste Hornform |
| Horngrieß | typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff | etwas langsamer als Hornmehl | mittlere Körnung |
| Hornspäne | typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff | mehrere Monate | im Topf schon vor dem Pflanzen untermischen |
| Rindermist | etwa 0,5 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. im Tabellenmittel | kompostiert gibt er Nährstoffe langsam frei | mindestens 1 Jahr gelagert |
| Pferdemist | etwa 0,4 % Gesamtstickstoff im Tabellenmittel | vergleichsweise langsam | möglichst aus bekannten Haltungen |
| Pflanzenjauche | schwankt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit | flüssig an die Wurzel gegossen | 1:10 mit Wasser verdünnt |
| Vinasse, Rapskuchen | pflanzliche organische Dünger | Vinasse kann Kübelpflanzen schnell versorgen | Alternative zu tierischen Rohstoffen |
| Gründüngung mit Leguminosen | Luftstickstoff über Knöllchenbakterien | wächst auf dem Beet | Stickstoff bei der Folgekultur anrechnen |
Für Gemüse, Obst und Stauden bauen die Düngepläne auf denselben zwei Bausteinen auf: Kompost für die Grundversorgung, Hornmehl oder Hornspäne für den Stickstoff. Mist ersetzt auf derselben Fläche den Kompost und kommt nicht obendrauf. Organisch heißt nicht automatisch vegan, denn organische Dünger können tierische Rohstoffe wie Horn oder Schafwolle enthalten. Wer darauf verzichten will, nimmt pflanzliche Dünger wie Rapskuchen oder Vinasse. Algen- und Pflanzenextrakte können Pflanzenhormone als biostimulierende Inhaltsstoffe enthalten, ihre Dosierung richtest du nach der Packung.
Pflanzenwurzeln nehmen Nährstoffe in mineralisch gelöster Form auf, auch wenn sie aus organischem Dünger stammen. Organisch gebundene Nährstoffe müssen deshalb zuerst mikrobiell abgebaut werden. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe passiert dabei wenig, feuchtwarme Witterung kann dagegen starke Nährstoffschübe auslösen. Niedrige Temperaturen verzögern die Wirkung von Langzeitdüngern zusätzlich.
Kompost: was er liefert und wie viel wohin gehört
Was Kompost leistet und was nicht
Kompost liefert Stickstoff, Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe. Seine Gesamtgehalte sind aber nicht gleichzusetzen mit dem, was die Pflanze sofort aufnehmen kann. Vor allem Stickstoff setzt er nur wenig frei, deshalb kann Gemüse je nach Kultur eine Ergänzung brauchen.
Daneben wirkt Kompost auf den Boden selbst. Er verbessert die Wasser- und Nährstoffspeicherung sandiger Böden und lockert schwere Böden. Zugleich fördert er das Bodenleben und die Bildung stabiler Bodenaggregate, wodurch sich Wasser- und Lufthaushalt verbessern können. Seine basisch wirksamen Bestandteile können außerdem einer Versauerung entgegenwirken. Regelmäßige Gaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten bereits genug Kalzium nachliefern. Ob du zusätzlich kalkst, entscheidet dann der Bodenbefund.
Wie viel Kompost wohin
| Fläche | Kompostgabe | Hinweis |
|---|---|---|
| Allgemeine Grundversorgung | 3 l reifer Kompost je m² und Jahr, im Frühjahr flach eingearbeitet | die Bodenanalyse entscheidet über Abweichungen |
| Gemüsebeet | höchstens 3 l/m² im Frühjahr als Grundversorgung | Stickstoff bedarfsgerecht ergänzen |
| Ziergarten mit Phosphat-Gehaltsstufe C | höchstens 3 l je m² und Jahr | weitere Phosphatgaben entfallen |
| Kräftig wachsende Prachtstauden | 2 bis 3 l/m² jährlich | oberflächlich eingearbeitet |
| Bestehende Zier- und Obstgehölze | 1 bis 4 l/m² jährlich, je nach Empfehlung | nur, wenn die Bodenversorgung die Gabe rechtfertigt |
| Rosen | etwa 3 l/m² im März und April | als Frühjahrsgabe |
| Genügsame Gartenkräuter | 3 l/m² einmal im Frühjahr | reicht für die meisten Arten |
| Erdbeerbeet vor der Pflanzung | 3 bis 5 l/m² | leicht eingearbeitet |
| Rasen | etwa 2 l/m² | abgesiebt |
Kompost arbeitest du nur oberflächlich ein. Tiefer im Boden können bei Sauerstoffmangel Fäulnisprodukte entstehen, die Pflanzen schaden. Für Rasen und Blumenbeete siebst du ihn ab, sodass die Bestandteile kleiner als 10 bis 15 mm sind.
Wo Kompost nicht hingehört
- Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, Azaleen und Heidelbeeren vertragen gewöhnlichen Gartenkompost nicht, weil er den pH-Wert anhebt. Kulturheidelbeeren bekommen auch keinen Stallmist, dessen Kalkgehalt häufig zu hoch ist.
- Polsterstauden, Wildstauden und trockenheitsliebende mediterrane Stauden auf mageren Standorten erhalten keine Kompostgabe.
- Frischer Kompost kommt nicht an Wurzelgemüse, Zwiebeln oder Kohl, weil er schädliche Gemüsefliegen anlocken kann.
- Liegt der Boden-pH über dem Zielbereich für Boden und Kultur, bringst du weder kalkhaltige Dünger noch Kompost aus.
- Orchideen und Farne im Haus bekommen keinen Kompost.
Selbst kompostieren: die Reife prüfen
Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich als Bestandteile eines gemischten Gartenkomposts. Günstig ist ein Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis des Ausgangsmaterials von etwa 25:1 bis 35:1. Je nach Material und Rotteführung braucht Gartenkompost etwa 4 bis 12 Monate, deshalb prüfst du die Reife zusätzlich. Beim KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch. säst du Kresse in Kompost und zum Vergleich in Gartenerde. Wächst sie im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit. Ich setze beide Proben in gleich großen Schalen nebeneinander auf die Fensterbank und beschrifte sie, damit ich sie nicht verwechsle.
Gartenkompost tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil die nötigen Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden. Holzasche gehört wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen weder auf den Kompost noch als Dünger ins Beet. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll.
Horndünger: welche Körnung, welche Menge?
Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl werden aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen hergestellt. Sie enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff, der nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar ist. Phosphor und Kalium enthalten sie nur wenig, deshalb ersetzen sie keine vollständige Nährstoffversorgung.
Mehl, Grieß oder Späne
Je feiner das Horn zerkleinert ist, desto schneller wird sein Stickstoff verfügbar. Hornmehl wird unter günstigen Bedingungen ungefähr innerhalb von 6 Wochen umgesetzt. Horngrieß setzt etwas langsamer frei, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Radieschen oder Kopfsalat stehen nur 4 bis 8 Wochen im Beet, Hornspäne brauchen dagegen Monate: Für solche kurzen Kulturen nimmst du deshalb Hornmehl.
Wie viel Horn ins Gemüsebeet
Die Werte gelten, wenn ein phosphat- und kaliumreiches Gemüsebeet jährlich 3 l Kompost je m² erhält und zusätzlich Stickstoff braucht. Es sind Obergrenzen zur Orientierung, keine Pflichtmengen.
| Gruppe | Beispiele | Horndünger | Zeitpunkt |
|---|---|---|---|
| Schwachzehrer | Feldsalat, Radieschen, Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln | bis 50 g/m² | zur Saat oder Pflanzung leicht eingearbeitet |
| MittelzehrerMittelzehrer sind Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff: Sie brauchen mehr als Schwachzehrer, aber weniger als Starkzehrer. Typische Mittelzehrer sind Möhren, Rote Bete, Spinat, Fenchel und viele Salate. | Eissalat, Möhren, Endivien, Rettich, Spinat, Rote Bete, Gurken | bis 100 g/m² | zur Saat oder Pflanzung leicht eingearbeitet |
| Starkzehrer | Tomaten | bis 150 g/m² | 50 % zur Pflanzung, 50 % etwa 3 bis 4 Wochen danach |
Liefert der Bodenhumus viel Stickstoff nach, kannst du die Gabe verringern oder ganz aussetzen. Bei Feldsalat und Radieschen im Spätsommer kann die Stickstoffdüngung meistens entfallen. Im Gemüsegarten streust du Horn auch für Herbstkulturen nicht später als Ende August. Ein hohes Stickstoffangebot im Boden kann außerdem fördern, dass sich Nitrat im Gemüse anreichert. Das spricht für bedarfsgerechte Gaben, nicht gegen Gemüse auf dem Teller.
Gestreut wird auf feuchten Boden, nicht auf nasse Pflanzenteile. Wie du natürliche Dünger gleichmäßig und umweltschonend ausbringst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Ich wiege jede Hornsorte einmal auf der Küchenwaage ab und markiere die Füllhöhe an einem alten Messbecher. Weil sich Dünger im Schüttgewicht unterscheiden, bekommt jede Sorte ihren eigenen Strich. Beim Streuen trage ich Handschuhe, denn handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei: Bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen.
Feste Dünger lagerst du trocken und verpackt oder abgedeckt. Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Dünger aufgenommen, ruf ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an.
Mist: was du bei Lagerung und Menge beachtest
Stallmist besteht aus Kot und Harn zusammen mit Einstreu, meist Stroh. Seine Nährstoffgehalte schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil. Eine feste, überall gleiche NPK-Zusammensetzung hat er deshalb nicht.
Als Tabellenmittel für Stickstoff gelten etwa 0,5 % bei Rindermist, etwa 0,4 % bei Pferdemist und 1,7 % bei frischem Hühnermist. Je nach Quelle reichen die Mittelwerte für Rindermist von 0,5 bis 0,6 % und für Pferdemist von 0,4 bis 0,57 %. Keiner dieser Werte ersetzt die Untersuchung der konkreten Charge.
Ich nehme Mist nur abgelagert. Für den Gemüsegarten sollte er mindestens 1 Jahr gelagert sein, besser zusätzlich mit Pflanzenresten kompostiert. Einen mit Laub oder Häckselgut gemischten Misthaufen lässt du mindestens 3 bis 4 Monate rotten. Besser ist ein ganzes Jahr, eine Keimfreiheit beweist aber auch diese Dauer nicht. Den Haufen stapelst du wegen der Wärmeentwicklung höchstens 1 m hoch. Beim Kompostieren wird Mist mürbe und riecht am Ende meist angenehm.
Abgelagerten Stallmist arbeitest du im Frühjahr vor der Pflanzung flach ein, und zwar in Beete für Starkzehrer wie Kohl, Tomaten, Gurken oder Zuckermais. Wegen der Phosphatzufuhr sollte die Menge an Rinder- oder Pferdemist 3 kg je m² nicht überschreiten. Eine Fläche bekommt entweder Kompost oder Stallmist, weil beide zugleich organische Substanz und Nährstoffe liefern. Pferdemist setzt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam frei und ist kein schnell wirkender Stickstoffdünger. Stallmist kann die Wasserhaltefähigkeit sandiger Böden und die Durchlüftung schwerer Lehmböden verbessern. Im Herbst kann kompostierter Mist den Boden um Zierpflanzen und Gehölze schützen.
Frischer Pferde- und Rindermist kann keimfähige Unkrautsamen, Tierarzneimittelrückstände und Krankheitserreger enthalten. Pferdemist holst du deshalb möglichst aus Haltungen, die du kennst. Bei der Arbeit trägst du Handschuhe oder wäschst dir danach gründlich die Hände, und geerntetes Gemüse wäschst du ebenso gründlich.
Pflanzenjauche: so setzt du sie an
Pflanzenjauchen setzt du zum Beispiel aus Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch an. Ihr Nährstoffgehalt schwankt mit Pflanzenart, Pflanzenzustand und Erntezeit. Für den Ansatz gibt es deshalb ein Rezept, für Menge und Wiederholung beim Gießen aber keine allgemeingültige Vorgabe.
| Schritt | So gehst du vor |
|---|---|
| Frischer Ansatz | 1 kg frische, grob zerkleinerte Blätter und Stängel auf 10 l Wasser |
| Getrockneter Ansatz | 100 bis 200 g getrocknetes Kraut auf 10 l Wasser |
| Abdecken | luftdurchlässiges Gitter oder Netz gegen hineinfallende Tiere, kein geschlossener Deckel |
| Umrühren | täglich einmal kräftig |
| Gärzeit | etwa 2 bis 3 Wochen, bei warmer Witterung ungefähr 14 Tage |
| Fertig | dunkle Farbe, kein Schäumen mehr |
| Gießen an die Wurzel | fertige Jauche 1:10 mit Wasser verdünnt |
| Blattgabe bei sehr akutem Mangel | fertige Jauche 1:50 mit Wasser verdünnt |
Ich stelle den Eimer mit dem Gitter an einen Platz abseits der Sitzecke und rühre jeden Tag einmal mit einem Holzstab um. KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. setzt du dagegen für jede Anwendung frisch an.
Ob du nachgießt, entscheidest du an der Pflanze. Hellen vor allem ältere Blätter auf, kann das auf Stickstoffmangel hindeuten. Ähnliche Bilder entstehen allerdings auch durch Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden oder verdichteten Boden. Bei Trockenheit oder Staunässe hilft eine weitere organische Gabe nicht zuverlässig, weil dann kaum Nährstoffe frei werden.
Eine Blattgabe kann einen akuten Mangel vorübergehend lindern, ersetzt aber nicht die Versorgung über die Wurzeln. Du bringst sie bei bedecktem Himmel oder abends aus, weil starke Sonne die Lösung eintrocknen lässt und Blattschäden begünstigt. Bei empfindlichen Pflanzen machst du vorher eine Probespritzung.
Gründüngung und Mulch: Nährstoffe am Ort halten
Auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die frei werdenden Nährstoffe auf, deshalb sind sie auswaschungsgefährdet. Gründüngung schließt diese Lücke: Der Bewuchs auf abgeernteten Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und vermindert ihre Auswaschung. Überwinternde Einsaaten halten den Boden durchwurzelt und schützen ihn vor Abschwemmung. Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen können mithilfe von Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff binden.
Für Phacelia als Gründüngung nimmst du 1 bis 3 g Saatgut je m², die Kulturdauer beträgt 6 bis 9 Wochen. Winterroggen kannst du als späte Gründüngung von Ende September bis Anfang Oktober säen, mit 20 g Saatgut je m².
Wähle die Gründüngung aus einer anderen Pflanzenfamilie als die Gemüsekultur davor und danach. Welche Familie auf welchem Beet stand, behältst du mit dem Beetplaner für Anbaupausen und Zehrer-Einstufung im Blick. Den Stickstoff, der beim Verrotten frei wird, rechnest du bei der Düngung der Folgekultur an.
Auch Mulch verändert die Stickstoffbilanz. Angewelkter Rasenschnitt, dünn verteilt, liefert Stickstoff nach, den du bei weiteren Düngergaben berücksichtigst. Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch können beim Abbau dagegen Stickstoff binden. Bevor du damit mulchst, planst du deshalb eine ergänzende Stickstoffversorgung ein. Im Gemüsebeet ist eine organische Mulchschicht von etwa 2 bis 3 cm üblich.
Bokashi und Wurmkiste: Dünger aus der Küche
Bokashi
Bokashi ist eine milchsäurebasierte Vorbehandlung organischer Abfälle im verschlossenen Eimer. Nach dem letzten Befüllen bleibt der Eimer für die Fermentation etwa 2 bis 3 Wochen zu. Je nach Verfahren kann die Fermentation bis zu 6 Wochen dauern, bei Kälte auch länger.
Das fermentierte Material ist noch kein fertiger Dünger. Du vermischst es mit Erde oder lässt es kompostieren, bevor es als Gartendünger ins Beet kommt. Ein Nachreifeverfahren sieht vor, es mit Gartenerde oder Kompost gemischt im offenen Behälter weitere 3 Monate reifen zu lassen und dabei gelegentlich umzusetzen.
Den Bokashi-Saft verdünnst du für Gartenfreiflächen 1:100 mit Wasser. Weil er geruchsintensiv sein kann, verwendest du ihn draußen und nicht in der Wohnung.
Bokashi wirkt nur mit Zusatz effektiver Mikroorganismen? In einem vierjährigen biologischen Feldversuch brachte die EM-Zugabe keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Die beobachteten Wirkungen der Bokashi- und Mistgaben gingen auf das organische Material und die Nährstoffzufuhr zurück.
Wurmkiste
Kompostwürmer arbeiten in der Wurmkiste bei 15 bis 25 °C unter günstigen Bedingungen. Sie brauchen Luft und Feuchtigkeit: Bei Nässe helfen trockene Kartonschnipsel, bei Trockenheit besprühst du vorsichtig. Je nach Feuchte, Temperatur und Ausgangsmaterial ist der Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten fertig. Das Volumen der Bioabfälle sinkt dabei auf ungefähr ein Zehntel.
In die Kiste kommen pflanzliche Küchenreste. Zitrusschalen, Fleisch- und Milchreste, Getreideprodukte sowie gekochte oder verschimmelte Lebensmittel bleiben draußen. Die Flüssigkeit, die bei der Wurmkompostierung anfällt, nutzt du im Verhältnis 1:10 mit Wasser als Flüssigdünger.
Organisch düngen im Topf: was anders ist
Im Topf stoßen feste organische Dünger an Grenzen. Hornspäne, Knochenmehl oder Blutmehl müssen erst mikrobiell abgebaut werden. Im begrenzten Kübelsubstrat kann diese Freisetzung so verzögert ablaufen, dass sie nicht zum Bedarf der Pflanze passt.
Hornspäne oder Hornmehl für torffreie Gefäßerde mischst du deshalb schon vor dem Pflanzen unter. Für Pelargonien sind 4 g Hornspäne je Liter Substrat ein Beispiel für die organische Grunddüngung beim Umtopfen. Torffreie Erde kann trotz Vordüngung vorübergehend zu wenig verfügbaren Stickstoff liefern, weil ihre organischen Bestandteile ihn binden. Holzreiche Erden brauchen eher stickstoffbetonte Düngung, bei kompostreichen rechnest du den enthaltenen Phosphor an.
Für kurzfristigen Bedarf eignen sich organische Flüssigdünger wie Vinasse, die Kübelpflanzen schnell mit Nährstoffen versorgen können. Düngerlösung gibst du nur auf bereits feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Bei Pelargonien brauchst du Gießwasser mit organischem Flüssigdünger im selben Gießgang auf, weil es sonst gären kann. Im Haus verwendest du organische Flüssigdünger nur in Erde und nicht in HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze., damit kein Geruch entsteht.
Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während es weiter unten im Gefäß noch nass ist. Prüf die Feuchte deshalb auch unterhalb der Oberfläche, bevor du gießt oder Düngerlösung gibst.
Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde brauchen Kübelpflanzen meist 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger. Mischst du Blumenerde selbst, sollte sie höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteten Kompost enthalten. Bei Zimmerpflanzen liegt die Grenze bei höchstens etwa 20 Volumen-% Kompost.
So kombinierst du nach Kulturen
Für Obst, Beeren, Stauden, Rosen und Kräuter folgt die organische Düngung demselben Muster: Kompost als Grundgabe, Hornmehl als Stickstoffergänzung. Die Mengen setzen eine passende Bodenversorgung voraus.
| Kultur | Grundgabe Kompost | Stickstoff-Ergänzung | Zeitpunkt |
|---|---|---|---|
| Junge Obstbäume und Beerensträucher | 1 bis 1,5 l reifer Kompost je Pflanze und Jahr | ergänzt um 10 g Hornmehl | jährlich in den ersten Standjahren |
| Kernobst wie Apfel und Birne, kleinkronig im Vollertrag | 4 l je Baum auf einer BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. von etwa 1 m Durchmesser | 70 bis 100 g Hornmehl je Baum | Ende März bis Anfang April, leicht eingearbeitet |
| Steinobst wie Kirsche und Zwetschge, kleinkronig im Vollertrag | 4 l je Baum auf einer Baumscheibe von etwa 1 m Durchmesser | 100 bis 140 g Hornmehl je Baum | Ende März bis Anfang April |
| Johannisbeere, Himbeere, Brombeere, etabliert | 2 l je Strauch | 100 g Hornmehl je Strauch | Ende März bis Anfang April |
| Einmaltragende Erdbeeren | 3 bis 5 l/m² vor der Pflanzung | 30 bis 45 g Hornmehl je m² | nach der Ernte im Juli |
| Kräftig wachsende Prachtstauden | 2 bis 3 l/m² | starkwachsende Arten wie Rittersporn, Phlox und Pfingstrosen bis zu 50 g Hornmehl je m² | Frühjahr |
| Etablierte Gartenrosen | etwa 3 l/m² | langsam wirkender organischer Dünger | Kompost im März und April, Dünger zur Forsythienblüte |
| Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Rucola | 3 l/m² einmal im Frühjahr | Hornmehl nach jedem Schnitt | Frühjahr und nach dem Schnitt |
| Rasen | etwa 2 l/m², abgesiebt | regelmäßiges Mulchmähen kann den Düngebedarf um 30 bis 50 % senken | Frühjahr |
Obst- und Ziergehölze bekommen nach Mitte Juli keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit ihre Triebe vor dem Winter ausreifen. Zu viel Stickstoff fördert bei Obst starkes Triebwachstum auf Kosten von Blüten und Früchten und erhöht die Gefahr von Frostschäden an unausgereiftem Holz. Frisch gepflanzte Rosen düngst du frühestens im folgenden Jahr, wenn sie eingewurzelt sind und kräftig wachsen. Wie du Blühpflanzen mit natürlichen Düngern zu üppiger Blüte versorgst, vertieft ein eigener Ratgeber.
Erst Kompost oder verrotteten Mist geben und dann noch einen Volldünger nach Packung streuen. Bei Obstgehölzen kann das zu Überdüngung und einseitiger Nährstoffanreicherung führen. Die volle Packungsdosierung setzt eine passende Bodenversorgung voraus und gilt nicht unverändert zusätzlich zu Kompostgaben.
Wo du weglässt oder zurückhältst
- Gartenkresse braucht bei der kurzen Kultur zur jungen Ernte keine zusätzliche Düngung, im Beet wie in der Schale auf der Fensterbank.
- Bei Lavendel unterstützt zurückhaltende Düngung einen kompakten, standfesten Wuchs und einen intensiveren Duft. Stark stickstoffhaltige Dünger und Mist können zu weichem, instabilem Wuchs führen.
- Eingewachsene, standortgerecht gepflanzte Steingartenpflanzen kommen in der Regel ohne Zusatzdünger aus.
- Viele Kiefernarten gedeihen auch auf nährstoffarmen Böden und brauchen keine Behandlung als stark nährstoffbedürftige Gehölze.
- Bei vielen Ziergehölzen außer Rosen deckt das Stickstoffangebot des Bodens den Bedarf häufig weitgehend.
- Stauden nährstoffarmer Naturstandorte reagieren auf übermäßige Düngung mit untypisch starkem Wachstum und schlechterer Winterhärte.
So gehe ich vor, bevor ich ein Beet organisch dünge.
- Bodenbefund lesen: Bei Versorgungsstufe E kann die Düngung mit dem betreffenden Nährstoff vorübergehend ganz entfallen.
- Grundgabe wählen: Kompost oder Mist, nicht beides auf derselben Fläche.
- Anrechnen: Nährstoffe aus Kompost, Mist und Gründüngung zählen bei jeder weiteren Gabe mit.
- Stickstoff mit Horn passend zur Kultur ergänzen.
- Bei hoher Phosphatversorgung und Kalium- oder Magnesiummangel einen gezielten EinzelnährstoffdüngerEin Einzelnährstoffdünger enthält nur einen einzigen Pflanzennährstoff, zum Beispiel nur Stickstoff oder nur Kalium. Ein Mehrnährstoffdünger liefert dagegen mehrere Nährstoffe als Mischung. statt eines NPK-Düngers wählen.
Wie viel genau? Düngen nach Bedarf
Die passende Stickstoffmenge ergibt sich aus dem Bedarf der Kultur, abzüglich des vorhandenen mineralischen Stickstoffs und der NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab. während der Kultur. Grundlage ist eine Bodenuntersuchung, die die pflanzenverfügbaren Vorräte ermittelt. Wie du daraus Menge, Zeitpunkt und Ausbringung ableitest, zeigt das Kapitel Düngen nach Bedarf in unseren Grundlagen zu Düngen, Boden und Kompost.
Boden, Umwelt und Forschung in Kürze
Kompost, Grünschnitt und Erntereste versorgen die Bodenorganismen mit organischer Substanz und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf. Auch organische Dünger können bei zu hohen Gaben Pflanzen schädigen und Boden sowie Grundwasser belasten. Warum sich organische Düngung im ganzen Garten lohnt und wie die Umstellung gelingt, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Für Topfkulturen in torffreier Erde gibt es einen Hinweis aus der Forschung: In den HOT-Reallaboren verbesserte eine an Gefäß und Substrat angepasste Nährstoffgabe die Versorgung gegenüber einer Düngung, die allein an das Gießwasser gekoppelt war. Mehr zu torffreien Erden und ihren Bestandteilen steht im Grundlagenkapitel Erden und Substrate.
