Regenwasser zur Gartenbewässerung nutzen: vom Fallrohr bis zur Winterpause
- Regenwasser ist weich und eignet sich besonders zum Gießen kalkempfindlicher Pflanzen.
- Von herbizidhaltigen Bitumendachbahnen sammelst du kein Gießwasser, bei Kupfer- und Zinkdächern schaust du genau hin.
- Die Größe deines Speichers richtet sich nach örtlichem Niederschlag, nutzbarer Dachfläche und Bewässerungsbedarf.
- Eine geeignete Sicherungseinrichtung muss verhindern, dass Regenwasser ins Trinkwassersystem gelangt.
- Regentonnen leerst du vor dem Winterfrost, und bei kleinen Kindern im Garten brauchen sie eine sichere Abdeckung.
Eine volle Regentonne neben dem Gemüsebeet spart dir im Sommer viele Wege zum Wasserhahn. Sie hilft aber nur, wenn das Wasser vom richtigen Dach kommt, sauber in die Tonne läuft und die Anlage heil durch den Winter kommt. Ich gieße meine Beete zuerst aus der Tonne am Schuppen und nehme erst danach den Schlauch. Bevor ich die Tonne nach dem Winter wieder anschließe, gehe ich Fallrohr, Deckel und Hahn der Reihe nach durch.
Regenwasser ist weich und eignet sich deshalb besonders zum Gießen kalkempfindlicher Pflanzen. Damit es im Beet ankommt, brauchst du ein geeignetes Dach, einen passenden Speicher, einen sauberen Anschluss und feste Handgriffe vor dem Frost.
Welches Dach liefert brauchbares Gießwasser?
Bevor ich eine Tonne an ein Fallrohr hänge, schaue ich mir an, womit das Dach darüber gedeckt ist. Regenwasser von herbizidhaltigen Bitumendachbahnen verwendest du nicht zur Gartenbewässerung. Bei Gartenhaus, Carport oder Garage fragst du im Zweifel beim Hersteller der Dachbahnen nach, ob sie Herbizide enthalten.
Auch Metall auf dem Dach prüfst du. Von Kupfer- und Zinkdächern ablaufendes Wasser kann umweltschädliche Metallverbindungen enthalten. Hängt deine Tonne an einem solchen Dach, such dir für das Gemüsebeet lieber ein anderes Fallrohr.
„Eine Zinkrinne verdirbt das ganze Regenwasser.“ So pauschal stimmt das nicht. Einzelne Dachrinnen und Fallrohre aus Kupfer oder Zink sind in der Regel unproblematisch. Genau hinschauen musst du bei Dachflächen aus diesen Metallen.
Für Wasser aus Baden, Duschen oder Waschen gilt eine eigene Regel. Dieses Grauwasser nutzt du im Garten nur, wenn es vorher in einer dafür vorgesehenen Grauwasseranlage gereinigt wurde.
Regentonne oder Erdspeicher: Was passt zu deinem Garten?
Die Regentonne steht oberirdisch am Fallrohr und ist schnell aufgestellt. Du zapfst das Wasser über einen Hahn oder tauchst die Kanne ein. Ein Erdspeicher liegt unter der Erde, braucht mehr Planung beim Einbau und eine Pumpe, die das Wasser heraufholt.
| Regentonne | Erdspeicher | |
|---|---|---|
| Lage | oberirdisch am Fallrohr | unter der Erde |
| Wasserentnahme | Hahn oder Kanne, ohne Strom | über eine Pumpe |
| Einbau | stellst du selbst auf | braucht Planung, für eine komplette Gartenbewässerung empfiehlt sich ein Fachbetrieb |
| Sicherheit | sichere Abdeckung, wenn kleine Kinder im Garten sind | geeignete Sicherungseinrichtung, damit kein Regenwasser ins Trinkwassersystem gelangt |
| Winter | vor dem Frost entleeren | unterirdische Leitungen und wasserführendes Zubehör vor dem Frost entleeren |
Wie groß dein Speicher sein sollte, hängt vom örtlichen Niederschlag, von der nutzbaren Dachfläche und von deinem Bewässerungsbedarf ab. Ob sich ein großer Speicher für deinen Garten rechnet und wie du das Wasser filterst, vertieft der Ratgeber zum Sammeln, Speichern und Verteilen von Regenwasser.
Wie viel Regenwasser braucht deine Gartenbewässerung?
Der Wasserbedarf hängt von Pflanzenart und Sorte, Witterung und SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. ab, dazu von Sonne und Wind am Standort. Deshalb arbeite ich nicht mit einer Pauschale. Ich zähle in einer trockenen Phase mit, wie viele Kannen ich aus der Tonne schöpfe.
Gartenbeete wässerst du durchdringend mit 10–20 l/m² je Wassergabe, das ist ein Orientierungsbereich. Für Gemüsebeete bei sommerlicher Trockenheit gelten als Orientierung etwa 20–25 l/m² alle 3 Tage.
Die Auslegung des Speichers muss den Bewässerungsbedarf berücksichtigen, und Gemüsebeete brauchen gerade bei sommerlicher Trockenheit viel Wasser. Wer große Gemüseflächen aus der Tonne versorgen will, plant den Speicher deshalb nach den trockenen Sommerwochen und nicht nach einem nassen Frühjahr.
Miss die Fläche deiner Beete aus und notiere an einem trockenen Gießtag, wie viele Kannen du brauchst. Gießt du mit dem Schlauch, stoppst du die Füllzeit einer 10-Liter-Gießkanne. Dann weißt du, wie lange der Schlauch für diese Menge laufen muss. Deine Flächen hast du schnell beisammen, wenn du deine Beete im Beetplaner anlegst.
Halte dich bei der Gartenbewässerung außerdem an lokale Anordnungen zur Wasserentnahme und an die Hinweise deines Wasserversorgers. Das wird wichtig, wenn die Tonne leer ist und du zum Leitungswasser greifst.
Regentonne anschließen: So gehst du vor
- Standort wählen: Stell die Tonne direkt ans Fallrohr und möglichst nah an die Beete. Der Untergrund muss eben und tragfähig sein, weil eine volle Tonne schwer ist.
- Dach prüfen: Kläre vorher, ob über dem Fallrohr Bitumendachbahnen mit Herbiziden oder eine Kupfer- oder Zinkdeckung liegen.
- Regensammler einbauen: Setz den Regensammler nach der Anleitung des Herstellers ins Fallrohr. Dort steht auch, auf welcher Höhe er zu deiner Tonne passen muss.
- Überlauf klären: Ist die Tonne voll, muss das Wasser kontrolliert abfließen. Prüf, ob dein Sammler es dann zurück ins Fallrohr leitet, sonst brauchst du einen eigenen Überlauf.
- Abdecken: Leg einen festen Deckel auf, damit kein Laub hineinfällt und Kinder geschützt sind.
- Erhöht aufstellen: Stell die Tonne auf einen stabilen Sockel, dann läuft das Wasser ohne Pumpe in Kanne oder Schlauch.
Sind kleine Kinder im Garten, deckst du die Regentonne so ab, dass sie nicht hineinfallen können. Ein loser Deckel, den ein Kind anheben kann, erfüllt diesen Zweck nicht.
Meine Tonnen stehen auf einem festen, ebenen Sockel, damit die Gießkanne unter den Hahn passt. Den Deckel klappe ich nach dem Schöpfen sofort wieder zu.
Erdspeicher und Leitungen: Was du selbst machst und was der Fachbetrieb übernimmt
Kleine Bewässerungssysteme für einzelne Beete kannst du selbst installieren. Für eine komplette Gartenbewässerung aus dem Erdspeicher empfiehlt sich ein Fachbetrieb. Frag vor dem Einbau eines großen Erdspeichers außerdem bei deiner Gemeinde nach, welche Regeln dort gelten.
Regenwasser- und Trinkwassersystem bleiben getrennt. Eine geeignete Sicherungseinrichtung muss verhindern, dass Regenwasser ins Trinkwassersystem gelangt. Schließt du eine unterirdische Beregnungsanlage an, beurteilt ein Fachunternehmen, welche Sicherungseinrichtung deine Trinkwasserinstallation schützt.
Weil kein Regenwasser ins Trinkwassersystem gelangen darf und das Fachunternehmen die Sicherungseinrichtung beurteilt, holst du es schon zur Planung dazu, sobald Leitungswasser als Reserve einspringen soll.
Auch beim Strom gibt es eine Grenze. Eine netzversorgte Bewässerungssteuerung fest an ein Erdkabel anzuschließen, ist Arbeit für eine Elektrofachkraft.
Für unterirdische Gartenbewässerung werden ausreichend große PE-HD-Leitungen von etwa ¾–1 Zoll empfohlen. Das ist eine Rohrdimension, kein Schlauchmaß. Die Leitungen kommen etwa 30 cm tief in den Boden und werden vor dem Frost entleert.
Bei einer größeren Anlage misst du vorab den verfügbaren Durchfluss in Abhängigkeit vom Fließdruck. Reichen Wassermenge und Druck nicht aus, teilst du die Anlage in Bewässerungskreise, die nacheinander laufen. Rechne außerdem damit, dass eine Automatik mehr Wasser verbrauchen kann als zurückhaltendes Gießen von Hand, weil sie die Pflanzen durchdringender versorgt.
Regenwasser verteilen: Kanne, Tropfschlauch oder Regner
Mit Kanne oder Gießstab versorgst du einzelne Pflanzen gezielt, Tropfbewässerung eignet sich für Beete und Kübelpflanzen, Regner vor allem für Rasenflächen. Ein Tropfsystem braucht einen Filter, weil die Tropfer verstopfen können. Welches System zu Gartengröße, Pflanzen und Budget passt, vergleicht der Ratgeber zu Bewässerungssystemen für den Garten.
Weniger Gießwasser verbrauchen: Boden, Mulch und Pflanzenwahl
Kompost oder GründüngungGründüngung ist eine Bodenpflegemaßnahme: Auf freie Beete säst du Pflanzen, die den Boden schützen und verbessern sollen. Sie werden meist nicht geerntet, sondern abgemäht, als Mulch liegen gelassen oder flach eingearbeitet. erhöhen den HumusgehaltHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. und verbessern die Wasserspeicherung des Bodens, standortgerechte, hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanzen senken den Bewässerungsbedarf. Wie viel Wasser deine BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien. speichert und wie dick du mulchst, findest du im Grundlagenteil zu Gießen, Bodenspeicher und Wasser sparen. Weitere Sparschritte vom Gießverhalten bis zur Gartengestaltung sammelt der Ratgeber mit einfachen Tricks zum Wassersparen.
Wartung übers Jahr: dicht, sauber, frostsicher
Eine Regenwasseranlage braucht keine aufwendige Pflege, aber feste Handgriffe vor, während und nach der Saison.
| Zeitpunkt | Was du tust |
|---|---|
| Vor der Saison | Tonne und Regensammler wieder anschließen, Kupplungen auf dichte Verbindungen, passende Dichtungen und leichtgängige Gewinde prüfen, verschlissene Dichtungen tauschen |
| Während der Saison | Filter regelmäßig reinigen, Laub aus dem Sieb am Regensammler holen, Überlauf frei halten, Deckel kontrollieren, Schläuche nach dem Gießen aufrollen |
| Bei automatischer Bewässerung | versenkte Regner freilegen, Filter reinigen, Sensoren prüfen, vor dem Urlaub rechtzeitig einen Probelauf machen |
| Vor dem Frost | Regentonne entleeren, Schläuche und anderes wasserführendes Zubehör entleeren und frostgeschützt lagern, nicht frostsichere Außenleitungen und Armaturen entleeren und absperren, unterirdische Leitungen entleeren |
Räum Schläuche nach dem Gießen weg, weil herumliegende Schläuche Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle verursachen können. Dichtungen, Filter und Düsen sind Verschleißteile. Ich notiere mir beim Entleeren vor dem Frost, welche Dichtung spröde aussieht, und besorge Ersatz, bevor ich die Anlage wieder anschließe. Zum Reinigen nimmst du keinen Essig, weil er Gummidichtungen spröde machen und an Kupfer oder Messing Grünspan bilden kann.
Die Sicherungskombination in einer Außenarmatur wartest du nicht selbst. Wartung und Reparatur gehören in die Hände eines zugelassenen Fachbetriebs.
Die Tonne bleibt über den Winter mit Restwasser stehen. Gefrierendes Wasser kann sie beschädigen, deshalb leerst du sie vor dem Winterfrost.
Weil die Tonne vor dem Frost leer sein soll und immergrüne Gehölze auch im Winter austrocknen können, gießt du sie bei Bedarf an frostfreien Tagen mit Leitungswasser aus der Kanne.

