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Wurzelaktivatoren und Gießen: was sie leisten können und wie du beides verbindest

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Frisch gesetzte Pflanzen brauchen das Angießen und häufiger Wasser als eingewachsene, unabhängig davon, was im Pflanzloch liegt.
  • Bei Bäumen erschließt das Hyphennetz der Mykorrhizapilze zusätzliches Bodenvolumen für Wasser und Nährstoffe.
  • Eine Mykorrhizabeimpfung bringt nicht unter allen Bedingungen einen Vorteil, und viel Phosphat im Boden kann die Ausbildung einer arbuskulären Mykorrhiza unterdrücken.
  • Biostimulanzien sollen Ernährungsprozesse unabhängig vom eigenen Nährstoffgehalt beeinflussen und ersetzen keine Düngung nach Bodenuntersuchung.
  • Prüf vor zusätzlichem Gießen die Feuchte im Wurzelbereich, denn Welke kann auch nach Wurzelschäden durch Überwässerung auftreten.

Wenn du einen Wurzelaktivator ins Pflanzloch gibst, hoffst du wahrscheinlich auf Pflanzen, die schnell einwurzeln und später mit weniger Wasser auskommen. Riskant wird es, wenn du dich darauf verlässt und in der Anwachsphase zu wenig gießt. Frisch gepflanzte Stauden und Gehölze brauchen häufiger zusätzliche Wassergaben als gut eingewachsene Pflanzen, unabhängig davon, was im Pflanzloch liegt. Ich plane deshalb bei jeder Pflanzung zuerst das Gießen und entscheide erst danach, ob überhaupt ein Präparat in die Grube kommt.

Was hinter dem Begriff Wurzelaktivator steckt

Unter dem Namen Wurzelaktivator werden sehr unterschiedliche Präparate verkauft. Fachlich greifbar sind vor allem zwei Ansätze: Mykorrhizapilze, die mit den Wurzeln eine Lebensgemeinschaft eingehen, und Biostimulanzien. Beiden wird nachgesagt, dass sie ein kräftigeres, stärker verzweigtes Wurzelsystem fördern, das mehr Wasser erreicht und Trockenheit besser verkraftet. Ob das in deinem Beet eintritt, hängt an Bedingungen, die du vor dem Kauf prüfen kannst.

Kurz erklärt

Mykorrhiza heißt die Lebensgemeinschaft von Pilzen und Pflanzenwurzeln. Die Pilze bilden ein Netz aus feinen Fäden, den Hyphen, das im Boden wächst. Biostimulanzien sollen pflanzliche Ernährungsprozesse beeinflussen, und zwar unabhängig davon, wie viele Nährstoffe das Produkt selbst mitbringt.

Was Wurzelaktivatoren für die Wasseraufnahme leisten können

Einen direkten Bezug zum Wasser hat die Mykorrhiza. Bei Bäumen erschließt das Hyphennetz der Pilze zusätzliches Bodenvolumen, aus dem Wasser und Nährstoffe aufgenommen werden. Auf diesen Mechanismus berufen sich Präparate, die Mykorrhizapilze an die Wurzeln bringen sollen.

Eine Beimpfung ist allerdings keine Garantie. Auf 54 Schweizer Maisfeldern wurde sie im Feldversuch getestet, und einen Ertragsvorteil brachte sie dort nicht unter allen Bedingungen. Das war Mais auf dem Acker und kein Gemüsebeet, es zeigt aber, dass die Bedingungen vor Ort über den Nutzen mitentscheiden. Dazu gehört die Nährstofflage: Ist der Boden gut mit Phosphat versorgt, kann das die Ausbildung einer arbuskulären Mykorrhiza unterdrücken.

Bei Biostimulanzien liegt der Anspruch woanders, denn sie sollen Ernährungsprozesse unabhängig vom eigenen Nährstoffgehalt beeinflussen. Die Düngung im Hausgarten richtet sich dagegen nach einer Bodenuntersuchung und den Nährstoffen, die tatsächlich fehlen. Ein Biostimulans ersetzt also keine bedarfsgerechte Düngung, es kommt höchstens dazu.

Mythos-Check

„Mit Wurzelaktivator muss ich beim Einwachsen weniger gießen.“ Darauf solltest du dich nicht verlassen. Selbst trockenheitsverträgliche Stauden dürfen in der Anwachsphase nicht austrocknen und brauchen bei Bedarf Wasser.

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Vor dem Kauf: erst den Boden prüfen

Bevor ich über ein Präparat nachdenke, lasse ich eine Bodenprobe untersuchen. Sie zeigt, wie dein Boden mit Nährstoffen versorgt ist, und danach richtet sich die Düngung. Weil eine gute Phosphatversorgung die arbuskuläre Mykorrhiza unterdrücken kann, gibt dir dieselbe Untersuchung auch einen Hinweis, ob ein Pilzpräparat bei dir gute Startbedingungen vorfindet.

Menge, Zeitpunkt und Ausbringung stehen in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Präparats. Ich halte mich daran und notiere, welches Beet wann etwas bekommen hat.

Mini-Checkliste

Bevor ein Präparat ins Pflanzloch kommt:

  • Bodenuntersuchung liegt vor, auch mit Blick auf Phosphat.
  • Gebrauchsanweisung ist gelesen.
  • Gießen für die Anwachsphase ist eingeplant.
  • Boden ist nicht zu nass zum Bearbeiten.

So verbindest du Präparat und Gießen beim Pflanzen

  1. Boden vorbereiten: Arbeite nur auf Boden, der nicht zu nass ist, weil beim Betreten und Bearbeiten nasser Erde neue Verdichtungen entstehen können.
  2. Präparat einbringen: Gib es genau so, wie es die Gebrauchsanweisung beschreibt.
  3. Angießen: Gemüsesetzlinge gießt du mit einem feinen Wasserstrahl an, damit der Ballen guten Kontakt zum umgebenden Boden bekommt. Bei frisch gepflanzten Bäumen ist der ursprüngliche Wurzelballen das vorrangige Ziel jeder Wassergabe.
  4. Einsickern lassen: Ein harter Strahl kann die Bodenoberfläche verschlämmen oder abtragen. Schwemmt das Wasser oben weg, gießt du zuerst anderswo weiter und kommst später zurück.
  5. Anwachsphase einplanen: Die Tabelle zeigt, womit du je nach Pflanze rechnen solltest.

Wie oft und wie viel nötig ist, hängt an Pflanze, Boden und Wetter. Die Werte gelten jeweils nur für die genannte Situation.

Pflanze und Situation Orientierung beim Gießen
Frisch gepflanzte Stauden und Gehölze bei sommerlicher Trockenheit zum Einwachsen etwa 2–3 Wassergaben pro Woche
Trockenheitsverträgliche Stauden in der Anwachsphase nicht austrocknen lassen, bei Bedarf wässern
Junge Obstbäume in der Anwachsphase je Gießgang können etwa 50–100 Liter nötig sein
Obstbäume in den ersten 2–3 Standjahren besonders auf Zusatzbewässerung achten, vor allem bei schwachen Unterlagen und leichten Böden
Neu gepflanzte Hausbäume regelmäßige ergänzende Bewässerung etwa über die ersten 3–5 Jahre
Gefäße mit Wasserspeicher zunächst von oben gießen, bis die Pflanzen eingewurzelt sind

Ich gieße nach diesen Orientierungen, ob im Pflanzloch ein Präparat liegt oder nicht. Lass den Boden in dieser Zeit nicht völlig austrocknen: Ausgetrockneter Boden nimmt Wasser schlechter auf, deshalb fängst du an, solange der Untergrund noch leicht feucht ist.

Jetzt dran

Stell eine 10-Liter-Gießkanne unter deinen Schlauch und miss, wie lange sie zum Volllaufen braucht. Dann weißt du, wie lange du für diese Menge an einer Pflanze stehen musst, zum Beispiel bei einem jungen Obstbaum.

Wassergaben auf den Wurzelraum abstimmen

Wie viel Wasser du auf einmal gibst, richtet sich nach der Bodenart und dem durchwurzelten Raum. Die Häufigkeit bestimmen dagegen Wasserverbrauch und Bodenfeuchte. Gemüse- und Gewürzpaprika im Kleingewächshaus haben zum Beispiel wenig Wurzelmasse und bekommen deshalb häufigere, mengenmäßig kleinere Wassergaben. Für einen durchdringenden Gießgang im Gemüsebeet rechnest du mit etwa 10–25 Litern je m², die in Teilgaben einsickern sollen.

Was du grundsätzlich zu Menge, Zeitpunkt und Methode wissen solltest, erklärt der Ratgeber zur Bewässerung nach Menge, Zeitpunkt und Methode. Wie Obst und Gemüse je nach Kultur Wasser bekommen, zeigt der Ratgeber zum Gießen im Nutzgarten nach Kultur und Wachstumsphase.

Mit Automatik gehört der Bodenfeuchtefühler in den Wurzelraum, an eine Stelle, die für das Beet repräsentativ ist. Stell ihn auf den Wasserbedarf der jeweiligen Kultur ein, dann kann er die Tropfbewässerung sperren, solange die Erde noch feucht ist.

Woran du siehst, ob die Wurzeln richtig versorgt sind

Welke Blätter sind ein Hinweis, aber kein eindeutiger. Ich drücke vor dem Gießen einen Finger neben dem Ballen in die Erde und fühle, ob es darunter noch feucht ist.

Häufiger Fehler

Hängende Blätter sofort mit einer Extragabe beantworten. Welke kann bei Wassermangel auftreten, aber auch nach Wurzelschäden durch anhaltende Überwässerung. Prüf deshalb zuerst die Feuchte im Wurzelbereich und gieß erst dann.

Auch an einzelnen Kulturen kann sich zeigen, dass die Versorgung der Wurzeln nicht passt:

  • Bei Gurken kann Wassermangel Knospenabwurf und Blattnekrosen verursachen, deshalb brauchen sie eine gleichmäßige Versorgung.
  • Blütenendfäule an Tomaten kann durch dauerhaft trockenen Boden entstehen oder dadurch, dass andere Nährsalze die Kalziumaufnahme behindern.
  • Bei Thuja können sowohl Trockenheit als auch Nässe die Feinwurzeln schädigen und Triebe verbräunen lassen.
  • Im Topf begünstigt stehendes Wasser Wurzelfäulnis, deshalb brauchen Gefäße Abflusslöcher.

Falsches Gießen in beide Richtungen kann also genau die Wurzeln schädigen, um die es bei einem Wurzelaktivator geht.

Boden, Mulch und Technik: das Grundgerüst in Kürze

Wie viel Wasser zwischen zwei Gaben im Boden bleibt, hängt an der Bodenart: Sand hält je Schicht deutlich weniger als Lehm, deshalb gießt du auf sandigen Böden häufiger. Kompost oder Gründüngung erhöhen den Humusgehalt und verbessern, wie der Boden Wasser aufnimmt und speichert. Wie viel Wasser welche Bodenart speichert und wie du Menge und Rhythmus beim Gießen darauf abstimmst, fasst der Überblick zu Werkzeug, Bewässerung und Anzucht zusammen.

Organischer Mulch kommt im Gemüsebeet normalerweise etwa 2–3 cm dick auf den Boden, feiner Rasenschnitt nur dünn. Wie du mit Mulch, Regenwasser und passender Gestaltung den Wasserverbrauch im ganzen Garten senkst, zeigt ein eigener Ratgeber.

Tropfbewässerung bringt das Wasser gezielt an die Pflanze und kann dadurch Wasser sparen. Sie braucht einen Filter, weil die Tropfer sonst verstopfen können. Welche wassersparenden Systeme an dauerhaft trockenen Standorten passen und wie du sie einbaust und wartest, beschreibt der Ratgeber dazu.

Häufige Fragen

Was sind Wurzelaktivatoren und wie funktionieren sie im Garten?
Unter dem Namen Wurzelaktivator werden unterschiedliche Präparate verkauft, die das Wurzelwachstum unterstützen sollen, etwa mit Mykorrhizapilzen oder als Biostimulanzien. Bei Bäumen erschließt das Hyphennetz der Mykorrhizapilze zusätzliches Bodenvolumen, aus dem Wasser und Nährstoffe aufgenommen werden. Biostimulanzien sollen Ernährungsprozesse der Pflanze beeinflussen, ohne dass es dabei auf ihren eigenen Nährstoffgehalt ankommt. Ob ein Präparat in deinem Garten etwas bringt, hängt von den Bedingungen vor Ort ab.
Was ist der Unterschied zwischen Wurzelaktivatoren und herkömmlichen Pflanzendüngern?
Ein Dünger soll Nährstoffe liefern, die im Boden fehlen, und welche das sind, zeigt eine Bodenuntersuchung. Wurzelaktivatoren, die als Biostimulanzien angeboten werden, sollen dagegen Ernährungsprozesse der Pflanze beeinflussen, unabhängig von ihrem eigenen Nährstoffgehalt. Eine bedarfsgerechte Düngung ersetzen sie deshalb nicht.
Wie helfen Mykorrhizapilze bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme?
Bei Bäumen erschließen Mykorrhizapilze mit ihrem Hyphennetz zusätzliches Bodenvolumen, aus dem Wasser und Nährstoffe aufgenommen werden. Eine Beimpfung bringt aber nicht unter allen Bedingungen einen Vorteil, wie Feldversuche auf 54 Schweizer Maisfeldern beim Ertrag gezeigt haben. Ist der Boden gut mit Phosphat versorgt, kann das die Ausbildung einer arbuskulären Mykorrhiza unterdrücken, deshalb lohnt vor einer Beimpfung der Blick auf eine Bodenuntersuchung.
Stimmt es, dass mehr Bewässerung automatisch zu gesünderen Pflanzen führt?
Nein. Anhaltende Überwässerung kann die Wurzeln schädigen, und stehendes Wasser im Topf begünstigt Wurzelfäulnis. Deshalb kann Welke sowohl auf Wassermangel als auch auf solche Wurzelschäden hindeuten. Prüf vor zusätzlichem Gießen, ob die Erde im Wurzelbereich noch feucht ist.
Wie können Bodensensoren und intelligente Steuerungen die Bewässerung optimieren?
Ein Bodenfeuchtefühler kann eine automatische Tropfbewässerung sperren, solange die Erde noch feucht ist, und richtet die Wassergaben so am tatsächlichen Feuchtezustand aus. Dafür muss er im Wurzelraum an einer repräsentativen Stelle messen und auf den Wasserbedarf der jeweiligen Kultur eingestellt sein. Zur regelmäßigen Wartung gehört, die Sensoren zu prüfen und die Filter zu reinigen.
Wie lassen sich Wasserspeicherung im Boden und aktive Bewässerung optimal kombinieren?
Kompost oder Gründüngung erhöhen den Humusgehalt, sodass der Boden Wasser besser aufnimmt und speichert. Organischer Mulch, im Gemüsebeet normalerweise etwa 2–3 cm dick, ergänzt das an der Oberfläche. Gieß dann durchdringend in Teilgaben und fang an, solange der Untergrund noch leicht feucht ist, weil völlig ausgetrockneter Boden Wasser schlechter aufnimmt.
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