Gelbtafeln mit Nützlingen und Mischkultur kombinieren: welche Methode welche Aufgabe übernimmt
- Gelbtafeln halten anfliegende Insekten auf einer Leimfläche fest und dienen unter Glas vor allem der Früherkennung von Weißen Fliegen, Minierfliegen und Trauermücken.
- Für Thripse hängst du Blautafeln auf.
- Bei Weißen Fliegen an Kübelzierpflanzen im Freien und bei der Kirschfruchtfliege reicht die Tafel allein nicht aus.
- Bei Trauermücken an Topfpflanzen fängt die Tafel die Erwachsenen, Steinernema-feltiae-Nematoden gehen gegen die Larven in der Erde.
- Leimtafeln hängst du nicht unmittelbar neben Nützlingsträger und begrenzt sie auf die Aktivitätsphase des Zielschädlings.
- Mischkultur und Blühpflanzen unterstützen die Abwehr, eine Garantie geben sie nicht.
Eine Gelbtafel voller kleiner Fliegen sieht nach getaner Arbeit aus. Bei der Weißen Fliege im Gewächshaus sitzen die flachen, ungeflügelten Larven aber auf den Blattunterseiten, und an eine Leimfläche kommt nur, was anfliegt. Ich lese die Tafel deshalb als Anzeige und verteile die eigentliche Arbeit auf NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei., Kulturmaßnahmen und MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt..
Damit sich die Methoden nicht gegenseitig behindern, braucht jede ihre eigene Aufgabe. Eine Leimtafel direkt neben den Nützlingsträgern ist das Gegenteil davon.
Was die Gelbtafel in der Kombination leistet
Gelbtafeln locken mit ihrer Farbe an und halten anfliegende Insekten auf einer Leimfläche fest. Unter Glas und am Blumenfenster dienen sie vor allem der Früherkennung von Weißen Fliegen, Minierfliegen und TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen.. Für Thripse nimmst du Blautafeln.
Zwei Beispiele zeigen, wo die Tafel als Bekämpfung an ihre Grenze kommt. Bei Weißen Fliegen an Kübelzierpflanzen im Freien weisen Gelbsticker und kleine Gelbtafeln den Befall nach, zur Bekämpfung reichen sie nicht aus. Bei der Kirschfruchtfliege mindert der Wegfangeffekt den Befall nicht wesentlich. In der Kombination ist die Tafel deshalb vor allem die Anzeige, welcher Flieger gerade unterwegs ist.
Das Auslesen selbst gehört zum Monitoring. Ich notiere zu jeder Tafel Platz, Datum und die gefangenen Arten, damit ich nach einer Maßnahme vergleichen kann. Wie du Gelbtafeln als Frühwarnsystem auswertest und welches Format an welchen Platz passt, steht im eigenen Ratgeber.
In welcher Reihenfolge du die Methoden einsetzt
Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst die passenden Kulturmaßnahmen aus. Bleibt danach Bekämpfungsbedarf, haben biologische oder biotechnische Verfahren Vorrang. Pflanzenschutzmittel stehen am Ende dieser Kette.
Biologische Schädlingsbekämpfung nutzt natürliche Gegenspieler. Dazu zählen räuberische oder parasitische Tiere sowie Pilze, Viren und Bakterien, die gegen Schadinsekten gerichtet sind.
Kulturmaßnahmen im Beet
Im Gemüsebeet gehört das KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. zu den ersten Maßnahmen. Empfohlen werden möglichst feinmaschige Netze mit weniger als 1 mm Maschenweite. Du legst das Netz unmittelbar nach Aussaat oder Pflanzung auf und lässt es mit dichtem Bodenabschluss bis zur Ernte liegen. Im Frühjahr geht im Gemüsebeet auch Vlies, ab dem Frühsommer wird nur noch Netz empfohlen. Ich decke gleich beim Pflanzen ab und prüfe danach die Ränder, ob sie überall dicht am Boden anliegen.
Kulturmaßnahmen unter Glas
Hohe Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Weißen Fliege. Deshalb lüftest du ein Kleingewächshaus bei Sonne rechtzeitig und beschattest die Kulturen bei Bedarf. Befallene Beet- und Balkonpflanzen können den Schädling ins Gewächshaus einschleppen. Bevor neue Pflanzen hineinkommen, drehe ich ihre Blätter um und schaue auf die Unterseiten.
Pflanzen stärken: Boden und Kultur vor Jauche
Pflanzenstärkung beginnt bei mir mit dem Boden: erst untersuchen lassen, dann gezielt düngen. Dass Düngung und Pflanzenschutz zusammenhängen, zeigt der Kopfkohl, denn übermäßige Stickstoffgaben machen ihn anfälliger für Krankheiten. Wie du Standort, Boden und Düngung als erste Kulturmaßnahmen aufeinander abstimmst, steht im Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
Zur Stärkung werden oft BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. und SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. angesetzt. Der Jauche wird kräftiges Wachstum nachgesagt, der Brühe eine Härtung des Gewebes durch Kieselsäure. Als Schutz verlässt du dich darauf besser nicht: Vorbeugend gegen die Schwarze Bohnenlaus an Bohnen ist der Brennnessel-Grundstoffauszug wirkungslos. Auch bei genehmigten Grundstoffen hältst du die jeweiligen Anwendungsvorschriften ein.
Bevor du stärkst oder bekämpfst, schau auf die Ursache. Welke und gelbe Blätter an Topf- und Wintergartenpflanzen können auch auf zu viel Gießwasser und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich hindeuten.
Tafel und Nützling: wer welches Stadium übernimmt
Trauermücken an Topfpflanzen
Bei Trauermücken teilen sich Tafel und Nützling die Arbeit klar auf. Die Gelbtafel fängt die flugfähigen Erwachsenen, gegen die Larven in der Erde setzt du Steinernema-feltiae-Nematoden ein. Bei kleinen Topfpflanzen steckst du einen Gelbsticker in die Erde, in größere Pflanzen hängst du eine Tafel. Die Larven erkennst du am weißlich durchscheinenden Körper mit schwarzer Kopfkapsel, sie werden bis zu 7 mm lang.
Weiße Fliege unter Glas
Bei der Gewächshaus-Weißen-Fliege sitzen die Erwachsenen mit ihren vier weißen Flügeln und die Larven vor allem auf den Blattunterseiten. Klebt die erste Weiße Fliege an meiner Tafel, drehe ich die Blätter in der Umgebung um und suche nach Larven.
Als Gegenspieler kannst du die Schlupfwespe Encarsia formosa einsetzen, auch im Kleingewächshaus. Parasitische Wespen, die als Gegenspieler genutzt werden, legen ihre Eier in geeignete Wirtsinsekten, in denen sich ihre Larven entwickeln. Weil die Tafel den Befall früh zeigt und ein gezielter Nützlingseinsatz die genaue Bestimmung des Schädlings bei beginnendem Befall voraussetzt, ist der erste Fang dein Zeitpunkt, den Einsatz vorzubereiten.
Ob gekaufte Nützlinge arbeiten, hängt von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Für Encarsia gegen Weiße Fliegen im Wintergarten werden diese Werte angegeben:
| Bedingung | Wert für Encarsia im Wintergarten |
|---|---|
| Licht | mindestens 4.200 Lux |
| Luftfeuchtigkeit | 60 bis 70 % |
Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz, im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. ist ihr Einsatz im Vergleich teurer und weniger effizient. Wie du Gelbtafeln im Gewächshaus bei Tomaten, Gurken und Zierpflanzen einsetzt, liest du im Ratgeber für die Arbeit unter Glas.
Tafel und Nützlingsträger auseinanderhalten
Leimtafeln hängst du im Gewächshaus möglichst auf Höhe der Kultur, aber nicht unmittelbar neben die Nützlingsträger. Nach einer Pflanzenschutzmaßnahme wechselst du die Tafel, damit die neuen Fänge zeigen, ob die Maßnahme Erfolg hatte. Ich schreibe den Tag des Wechsels auf die neue Tafel, so kann ich die Fänge später zuordnen.
Nach dem Ausbringen von Nützlingen gehören regelmäßige Erfolgskontrollen dazu. Aus ihnen kann sich ergeben, dass du nachbestellst oder auf einen anderen Nützling wechselst.
Die Nützlingsträger landen direkt neben der Gelbtafel, weil beides gerade in der Hand ist. Häng die Leimtafel an eine andere Stelle, denn Klebetafeln können auch Nützlinge töten.
Im Freiland: Gegenspieler fördern statt kaufen
Draußen setze ich auf Gegenspieler, die von selbst kommen. Dazu gehört, einen gewissen Schädlingsbefall zu dulden, weil er ihre Nahrungsgrundlage ist. Bei blattlausfressenden Marienkäferarten erbeuten die Käfer und ihre Larven Blattläuse, und auch die Larven der Grünen Florfliege fressen sie.
| Gegenspieler | Gefressene Blattläuse |
|---|---|
| Siebenpunkt-Marienkäfer, erwachsen | etwa 40 bis 50 pro Tag |
| Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers | etwa 600 während ihrer Entwicklung |
| Larve der Grünen Florfliege | etwa 400 während ihrer gesamten Larvenentwicklung |
Ohrwürmer fressen ebenfalls Blattläuse, können aber auch weichschaliges Obst wie Kirschen und Weintrauben anfressen. Unterschlupf bieten Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und unaufgeräumte Gartenecken. Staudenstängel lasse ich über Winter stehen, weil Insekten daran oder darin überwintern können. Eine Wasserstelle für Insekten legst du leicht erreichbar und mit Ausstieg an.
Tafeln draußen nur gezielt und befristet
Klebetafeln können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten. Wenn du sie draußen überhaupt aufhängst, begrenzt du sie auf die Aktivitätsphase des Zielschädlings. Wer Gegenspielern zuliebe etwas Befall duldet, lässt also keine Tafel die ganze Saison hängen, die genau diese Helfer festhalten kann.
Ein Beispiel ist die Überwachung der Kirschfruchtfliege. Die Tafel kommt vor dem Gelbwerden der Früchte an die Süd-, Südost- oder Südwestseite des Kirschbaums. Drei Wochen nach dem ersten Fang nimmst du sie wieder ab. Gegen Fliegen allgemein sind Leimfallen im Außenbereich wenig sinnvoll, weil sie laufend weitere Fliegen anlocken und Nichtzieltiere festhalten können. Wie du Gelbtafeln im Freilandgarten richtig einsetzt und ob sie sich dort lohnen, klärt der Ratgeber für draußen.
Mischkultur und Blühpflanzen: unterstützen, nicht garantieren
Mischkultur unterstützt die Abwehr, sie garantiert nichts. Beschriebene positive Effekte treten nicht unter allen Standort-, Licht-, Boden- und Pflegebedingungen gleichermaßen auf. Tomaten und Sellerie eignen sich als Partner für Kopfkohl und können den Kohlweißlingsbefall mindern, verlass dich aber nicht allein darauf. Als ungünstige Nachbarn gelten dagegen Tomaten und Gurken.
Weil erwachsene blattlausfressende SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. Pollen und Nektar nutzen und ihre Larven Blattläuse fressen, unterstützt du mit blühenden Kräutern die Tiere, deren Nachwuchs an deinen Blattläusen frisst. Lass deshalb einen Teil von Thymian, Lavendel, Dill und Gewürzfenchel zur Blüte kommen. Dill und Basilikum können allerdings selbst von Blattläusen befallen werden. Auf frei gewordenen Stellen abgeernteter Beete säe ich Ringelblumen, Zinnien, Schmuckkörbchen und Tagetes als blühende Lückenfüller.
Ob zwei Kulturen nebeneinander passen, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug. Wo Netzreihen und Blühstreifen hinkommen, legst du im Beetplaner fest.
Duftpflanzen wie Knoblauch und Lavendel halten Fliegen fern? Eine zuverlässige Fliegenabwehr durch stark riechende Pflanzen ist wissenschaftlich nicht belegt. Auch eine zuverlässige Schneckenabwehr durch ausgepflanzten Lavendel oder Rosmarin ist nicht belegt. Pflanz sie für Blüte und Küche, nicht als Ersatz für Netz und Tafel.
Wenn die Fänge trotzdem steigen
Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken sammelst du im Hausgarten direkt ab und entfernst sie so sofort. Bei früh erkanntem oder geringem Raupenbefall an Kohl kann gezieltes Absammeln schon ausreichen.
Pflanzenschutzmittel bleiben das letzte Mittel. Du erwägst sie erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Ein Mittel kann auch die Nützlinge treffen, die du gerade förderst. Hast du schon gespritzt, berücksichtigst du vor dem nächsten Nützlingseinsatz mögliche Nebenwirkungen des Mittels auf die vorgesehenen Nützlinge.
Im Hausgarten verwendest du nur Mittel, die für nichtberufliche Anwender gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen sind. Halte dich an Gebrauchsanleitung, Schutzvorgaben und Wartezeit. Kinder und Haustiere hältst du fern. Auf befestigten Flächen wie Terrassen, Bürgersteigen und Einfahrten ist der Einsatz grundsätzlich verboten. Lagere Mittel in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank, Reste bringst du zur Sondermüll-Sammelstelle.
Einen Vergleich, worin sich Gelbtafeln und chemische Mittel bei Wirkung, Kosten, Risiken und Rechtslage unterscheiden, findest du im eigenen Ratgeber.
- Gefangene Art bestimmen und die Blattunterseiten in der Nähe prüfen.
- Kulturmaßnahmen ausschöpfen: Netz auflegen, Gewächshaus lüften, neue Pflanzen kontrollieren.
- Den Gegenspieler nach Stadium wählen, etwa Steinernema-feltiae-Nematoden gegen Trauermückenlarven in der Erde.
- Leimtafel nicht unmittelbar neben die Nützlingsträger hängen.
- Nach einer Pflanzenschutzmaßnahme die Tafel wechseln und die neuen Fänge vergleichen.
- Draußen Tafeln auf die Aktivitätsphase des Zielschädlings begrenzen.

