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Raupen im Biogarten natürlich bekämpfen: Kohlweißling, Apfelwickler und Buchsbaumzünsler

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Absammeln entfernt Raupen sofort und kann bei früh erkanntem oder geringem Befall an Kohl und Buchsbaum ausreichen.
  • Vom Apfelwickler befallene Früchte pflückst du schon im Juni und Juli vom Baum.
  • Pheromonfallen zeigen vor allem den Falterflug, Leimringe gegen Frostspanner sind keine geeignete Maßnahme gegen den Apfelwickler.
  • Überwinterte Buchsbaumzünslerraupen fressen im Frühjahr ab etwa 7 °C wieder, befallenes Schnittgut gehört nicht auf den üblichen Hauskompost.
  • Ein Pflanzenschutzmittel erwägst du erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos bleiben und erhebliche Ernteverluste drohen.

Wenn am Kohl die Blätter durchlöchert sind oder im Buchs braune Triebe mit Gespinsten auftauchen, willst du schnell handeln, aber ohne Gift. Ich fange in dieser Lage immer mit den Händen an, denn abgesammelte Raupen sind sofort von der Pflanze. Bei früh erkanntem oder geringem Befall an Kohl und Buchsbaum kann das schon ausreichen. Reicht es nicht, kommen natürliche Gegenspieler und Maßnahmen, die auf die jeweilige Raupe zugeschnitten sind. Wie das bei Kohlweißling, Apfelwickler und Buchsbaumzünsler konkret aussieht, zeige ich dir Schritt für Schritt.

Erst hinschauen: Welche Raupe frisst da?

Kohlweißling, Apfelwickler und Buchsbaumzünsler hinterlassen unterschiedliche Spuren, und nicht jede Raupe im Garten ist ein Schädling. Gezielt eingreifen kannst du erst, wenn du weißt, wer frisst. Woran du Fraßspuren, Gespinste und Kot einer Raupenart zuordnest, erklärt der Ratgeber zur Früherkennung.

Danach gilt eine feste Reihenfolge. Zuerst schöpfst du Kulturmaßnahmen aus, bei weiterem Bedarf bevorzugst du biologische oder biotechnische Verfahren. Wie du einen Befall einordnest und die Maßnahmen der Reihe nach wählst, steht im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Absammeln: So entfernst du Raupen sofort

Im Hausgarten lassen sich Raupen durch Absammeln unmittelbar entfernen. Je früher du sie entdeckst, desto eher reicht diese Handarbeit allein. Ich nehme ein Gefäß mit Deckel mit und sammle Raupen und Eigelege in einem Durchgang ab. Wo genau du suchen musst, hängt von der Art ab, die Handgriffe für Kohl, Apfel und Buchs stehen weiter unten bei den einzelnen Raupen.

Achtung

Nicht jede Raupe sammelst du selbst ab. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können Haut und Augen reizen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen auslösen. Nester und Haare lässt du von Fachleuten entfernen.

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Natürliche Gegenspieler fördern

Viele Gartenvögel brauchen während der Brutzeit eiweißreiche Nahrung, und dazu gehören Raupen. Ich hänge Nistkästen auf und lasse Hecken stehen, damit Vögel im Garten brüten können. Zur Förderung natürlicher Gegenspieler gehört auch, einen gewissen Befall als ihre Nahrungsgrundlage zu dulden. Wer also jede Raupe sofort entfernt, nimmt den Vögeln einen Teil des Futters, das sie in der Brutzeit brauchen. Ich sammle deshalb dort konsequent, wo Ernte oder Pflanze ernsthaft leiden, und lasse anderswo Raupen auch mal sitzen.

Parasitische Wespen gehen einen anderen Weg. Sie legen ihre Eier in geeignete Wirtsinsekten, in denen sich ihre Larven entwickeln. Die Trichogramma-Wespe etwa parasitiert die Eier des Maiszünslers, sodass aus diesen Eiern Wespen statt Raupen schlüpfen.

Gegenspieler brauchen Nahrung und Verstecke, etwa Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und blühende Kräuter. Staudenstängel lässt du über Winter stehen, weil Insekten und Entwicklungsstadien von Schmetterlingen daran oder darin überwintern. Wie du Wiese, Altgras und offene Bodenstellen dafür gestaltest, steht im Abschnitt über Lebensräume im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Nützlinge kaufen: Was du im Freiland erwarten kannst

Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz. Im Freiland ist ihr Einsatz im Vergleich teurer und weniger effizient. Willst du es trotzdem versuchen, bestimme den Schädling vorher genau und bereite den Einsatz schon bei beginnendem Befall vor. Ob er gelingt, hängt bei vielen Arten von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchte ab. Nach dem Ausbringen kontrollierst du regelmäßig den Erfolg, denn daraus kann sich ergeben, dass du nachbestellen oder den Nützling wechseln musst. Hast du vorher ein Pflanzenschutzmittel eingesetzt, prüfe, welche Nebenwirkungen es auf die vorgesehenen Nützlinge haben kann.

Zahl im Blick

Trichogramma-Wespen gegen den Maiszünsler erreichten in elf historischen Maisversuchen nach zweimaliger Ausbringung Wirkungsgrade von 35 bis 81 % gegenüber unbehandelten Kontrollen.

Selbst im besten dieser Versuche blieb ein Teil des Befalls, und im Freiland arbeiten gekaufte Nützlinge ohnehin weniger effizient als unter Glas. Plane sie deshalb als Ergänzung zur Handarbeit, nicht als Ersatz.

So gehst du bei Kohlweißling, Apfelwickler und Buchsbaumzünsler vor

Kohlweißling: Blätter wenden, Netz einplanen

Am Kohl beginnt die Bekämpfung mit dem Absammeln. Ich wende die Blätter und schaue auf die Unterseiten, denn dort finde ich Raupen und Eigelege. Die Eigelege streife ich gleich mit ab.

Ein Kulturschutznetz mit weniger als 1 mm Maschenweite liegt ab der Saat oder Pflanzung bis zur Ernte auf dem Beet, dicht am Boden abgeschlossen. Es ist damit Vorbeugung für die nächste Pflanzung und keine Antwort auf Raupen, die schon im Kohl sitzen.

Sellerie oder Tomaten neben Kopfkohl können den Befall durch den Kohlweißling mindern. Solche Effekte treten aber nicht unter allen Standort-, Licht-, Boden- und Pflegebedingungen gleichermaßen auf, verlass dich also nicht darauf. Welche Nachbarn zu deinem Kohl passen, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug, die Grundlagen stehen im Abschnitt zu Fruchtfolge und Mischkultur im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Apfelwickler: Falterflug beobachten, befallene Früchte abpflücken

Beim Apfelwickler hänge ich eine Pheromonfalle in den Baum, um den Flug der Falter zu verfolgen.

Mythos-Check

„Die Pheromonfalle fängt den Apfelwickler weg.“ Pheromonfallen für Obstwickler zeigen vor allem, wann die Falter fliegen. Allein mindern sie den Befall nur gering.

Die eigentliche Arbeit machen die Früchte. Vom Apfelwickler befallene Äpfel pflückst du schon im Juni und Juli vom Baum. Die Falle sagt dir, wann du genauer hinschauen solltest, das Abpflücken nimmt sie dir aber nicht ab.

Leimringe am Stamm richten sich gegen den Frostspanner. Du bringst sie ab Mitte September an. Bis Februar kontrollierst du sie laufend, danach nimmst du sie ab. Leimringe können auch Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten, deshalb hängen sie nur während der Aktivitätsphase des Frostspanners.

Häufiger Fehler

Leimringe gegen den Apfelwickler anbringen. Ringe gegen den Frostspanner sind gegen diesen Schädling keine geeignete Maßnahme.

Buchsbaumzünsler: früh anfangen, ins Innere schauen

Beim Buchsbaumzünsler richtet sich der Beginn der Kontrolle nach der Temperatur. Überwinterte Raupen werden im Frühjahr ab etwa 7 °C wieder aktiv und fangen an zu fressen. Eine Generation entwickelt sich je nach Witterung innerhalb von 2 bis 3 Monaten. Ein einmaliges Absammeln im Frühjahr deckt deshalb nicht die ganze Saison ab, weil in dieser Zeitspanne eine neue Generation heranwachsen kann.

Ich biege die Zweige auseinander und schaue ins Innere des Buchses, weil die Raupen auch dort in ihren Gespinsten sitzen. Schneidest du befallene Triebe heraus, gehört das Schnittgut nicht auf den üblichen Hauskompost. Dessen Temperaturen reichen nicht aus, um die Raupen abzutöten.

Natürliche Mittel gegen Raupen: Hausmittel und Pflanzenschutzmittel einordnen

Gegen Raupen werden gern Jauchen und Brühen aus Brennnessel, Wermut oder Rainfarn empfohlen, dazu Knoblauchsud oder Duftkräuter zwischen dem Gemüse. Ihnen wird nachgesagt, dass Bitterstoffe oder starker Geruch Raupen und Falter abschrecken, eine verlässliche Wirkung gegen akuten Fraß ist damit aber nicht versprochen. Wie du Jauchen und Hausmittel einordnest, steht im Abschnitt über pflanzliche Mittel und Hausmittel im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Ein Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Auch Mittel natürlichen Ursprungs können Nützlinge treffen oder andere Schmetterlingsraupen schädigen. Greifst du doch zu einem Mittel, gilt ein fester Rahmen.

Mini-Checkliste

So bleibst du im sicheren Rahmen, wenn du ein Pflanzenschutzmittel einsetzt.

  • Nur Mittel verwenden, die für den Haus- und Kleingarten gekennzeichnet und für Pflanze und Schädling zugelassen sind.
  • Gebrauchsanleitung, Schutzvorgaben und Wartezeit bis zur Ernte einhalten, Schutzkleidung tragen.
  • Kinder und Haustiere fernhalten.
  • Nie auf Terrasse, Gehweg oder Einfahrt anwenden, denn auf befestigten Flächen ist der Einsatz grundsätzlich verboten.
  • In der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank lagern, außer Reichweite von Kindern und Tieren.
  • Reste zur Sondermüll-Sammelstelle bringen, nie in Toilette, Gully, Garten oder Hausmüll.

Vorbeugen für die nächste Saison

Die akute Bekämpfung ist nur ein Teil, der andere beginnt vor der Pflanzung. Sortenwahl, angepasste Pflanzzeiten, Fruchtfolge, Netze und ein Plan fürs Gartenjahr können das Risiko senken, dass Raupen überhaupt zum Problem werden. Wie du Raupenbefall schon vor der Pflanzung vorbeugst, steht im Ratgeber zur Raupenvorbeugung.

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