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Hausmittel gegen Schädlinge und Pilze: ansetzen, sicher anwenden, Grenzen kennen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 10 Min.Von der samen.live Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren.
  • Kartoffelkäfer und ihre Larven sammelst du ab, sicher erkannte Eigelege an den Blattunterseiten zerdrückst du.
  • Brennnesselauszug ist als Grundstoff gegen die Schwarze Bohnenlaus an Freilandbohnen genehmigt, danach gelten 7 Tage Wartezeit bis zur Ernte.
  • Vorbeugend gespritzt ist der Brennnesselauszug gegen die Schwarze Bohnenlaus wirkungslos.
  • Schmierseife, Kernseife und Kamille sind keine genehmigten Grundstoffe für den Pflanzenschutz.
  • Die anwendungsfertige Ackerschachtelhalm-Brühe muss innerhalb von 24 Stunden verbraucht sein.
Nahaufnahme einer Kolonie gruener Blattlaeuse an einer gelben Bluetenknospe. Die Tiere sitzen dicht an Kelchblaettern und Knospenansatz, dazwischen liegen weisse Haeutungsreste.
Foto: Marian Florinel Condruz · Pexels License · Quelle ↗

Schwarze Läuse an den Bohnen, gestreifte Käfer im Kartoffelkraut, weißer Belag auf den Gurkenblättern: In solchen Wochen steht in vielen Gärten schnell ein Eimer mit Brennnesseljauche. Ich setze Brühen auch an. Vorher schaue ich aber nach, was genau an der Pflanze sitzt und ob ein Handgriff reicht.

Hausmittel sind nicht gleich Hausmittel. Für manche gibt es als Grundstoff feste Regeln, anderen wird eine Wirkung nur nachgesagt. Unten findest du, wie du Brennnesseljauche, Knoblauchsud, Schmierseife, Schachtelhalmbrühe und Kamillentee ansetzt, welcher Handgriff zu welchem Schädling passt und wie du sicher damit umgehst. Wer Kartoffelkäfer bekämpfen will, findet dazu einen eigenen Abschnitt.

Erst einordnen, dann ansetzen

Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst geeignete Kulturmaßnahmen aus. Bleibt danach Bekämpfungsbedarf, werden biologische oder biotechnische Verfahren bevorzugt. Ausführlich erklärt der Ratgeber Nützlinge & Schädlinge, wie du einen Befall erst einordnest und dann handelst.

Für die Hausmittel selbst zählt vor allem eine Frage: Hat das Mittel einen geregelten Status, oder wird ihm die Wirkung nur nachgesagt? Davon hängt ab, ob es feste Anwendungsregeln gibt, an die du dich halten kannst.

Kurz erklärt

Für einen genehmigten Grundstoff sind Anwendungsgebiete, Anwendungsbedingungen und gegebenenfalls Wartezeiten festgelegt, und die hältst du ein. Solche Regeln gibt es für Brennnesselauszug und Ackerschachtelhalm. Schmierseife, Kernseife und Kamille sind keine genehmigten Grundstoffe für den Pflanzenschutz. Pflanzenschutzmittel sind eine eigene Kategorie: Im Hausgarten darfst du nur gekennzeichnete Mittel verwenden, die für Pflanze und Schadorganismus zugelassen sind.

Brennnesseljauche und Brennnesselauszug

Brennnesseljauche wird nachgesagt, Blattläuse zu vertreiben und Pflanzen zu kräftigen. Verlass dich beim Schutz vor Blattläusen nicht allein auf Brennnesseljauche. Angesetzt wird sie so: Frische Brennnesseln zerkleinern, in einen Eimer geben und mit Wasser übergießen, bis alles bedeckt ist. Den Eimer deckst du ab und lässt den Ansatz gären. Beim Umrühren siehst du, ob noch Schaum aufsteigt; ist die Gärung abgeklungen, seihst du die Jauche ab. Ausgebracht wird sie verdünnt. Taste dich heran und schau dir die Blätter danach genau an.

Davon zu unterscheiden ist der Brennnesselauszug als genehmigter Grundstoff. Für ihn ist eine Anwendung gegen die Schwarze Bohnenlaus an Freilandbohnen genehmigt. Danach gilt bis zur Ernte eine Wartezeit von 7 Tagen. Vorbeugend gespritzt ist der Auszug gegen die Schwarze Bohnenlaus wirkungslos. Wer auf Verdacht spritzt, handelt sich also die Wartezeit bis zur Ernte ein, ohne die Bohnenlaus zu bremsen.

Marias Erfahrung

Ich setze Jauche in einem Kunststoffeimer mit Deckel an und stelle ihn weit weg von Terrasse und Nachbarzaun, weil der Geruch kräftig wird. Auf jeden Eimer schreibe ich Inhalt und Ansetzdatum.

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Knoblauchsud: was dem Geruch nachgesagt wird

Knoblauch wird wegen seines scharfen Geruchs nachgesagt, Schädlinge abzuschrecken und auch gegen Pilze zu helfen. Für den Sud zerdrückst du Zehen, übergießt sie mit Wasser, lässt sie ziehen und seihst ab. Mengen und Spritzfolge lege ich dir nicht fest, weil ich dir keine Wirkung zusagen kann.

Selbst hergestellte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen. Ich bringe einen solchen Sud deshalb nur dort aus, wo der Befall sitzt, und nie flächig über blühende Beete.

Mythos-Check

„Was stark riecht, hält Schädlinge fern.“ Eine zuverlässige Fliegenabwehr durch stark riechende Pflanzen und ähnliche Duft-Hausmittel ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Auch dass ausgepflanzter Lavendel oder Rosmarin Schnecken zuverlässig abwehrt, ist nicht nachgewiesen. Und Kräuter wie Basilikum und Dill können selbst von Blattläusen befallen werden.

Schmierseife und Rapsöl

Schmierseife wird nachgesagt, weichhäutige Insekten wie Blattläuse zu benetzen und dadurch zu schädigen. Rapsöl gilt als Zusatz, der eine Brühe länger auf den Blättern halten soll. Beides taucht in vielen Hausmittel-Rezepten auf.

Für den Pflanzenschutz sind Schmierseife und Kernseife keine genehmigten Grundstoffe. Bei genehmigten Grundstoffen sind Anwendungsgebiet, Bedingungen und Wartezeit festgelegt. Für die Seifenlauge fehlen die festgelegten Anwendungsregeln eines genehmigten Grundstoffs. Wenn ich Seifenlauge ansetze, probiere ich sie zuerst an einzelnen Blättern und schaue danach, ob sich die Blätter verändern.

Schachtelhalmbrühe und Kamillentee: zwei Rezepte mit festen Mengen

Für zwei Pflanzenbrühen gibt es Rezepte mit festen Mengen. Die Ackerschachtelhalm-Spritzbrühe folgt einem Grundstoffverfahren, der Kamillentee dient der Pflanzenpflege.

Ackerschachtelhalm-Spritzbrühe

Schritt Angabe
Kraut 200 g getrocknetes oberirdisches Kraut vom Ackerschachtelhalm
Einweichen in 10 l Wasser mit pH 6,5, für 30 Minuten
Abkochen 45 Minuten
Nach dem Abkühlen filtrieren
Verdünnen mit 90 l Wasser auf 100 l
Verbrauchen innerhalb von 24 Stunden

Am Ende stehen 100 l anwendungsfertige Brühe. Verbraucht sein muss sie innerhalb von 24 Stunden, also setzt du erst an, wenn klar ist, dass du die ganze Menge in dieser Frist ausbringen kannst. Wie bei jedem genehmigten Grundstoff hältst du dabei die Anwendungsvorschriften ein.

Kamillentee zur Pflanzenpflege

Schritt Angabe
Blüten 5 g getrocknet oder 50 bis 100 g frisch
Wasser 1 l, kochend
Ziehzeit 15 bis 20 Minuten

Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz. Ich setze den Tee deshalb zur Pflanzenpflege an und nicht als Mittel gegen einen bestimmten Schädling.

Tipp

Die Blüten kannst du selbst ziehen. Echte Kamille ist einjährig, wird von März bis Juli gesät und keimt im Licht, die Saattiefe liegt bei 0 bis 0,5 cm. Sie braucht einen sonnigen Platz und gut durchlässigen Boden und gedeiht auch auf nährstoffarmem. Geerntet wird von Juni bis September, jeweils 3 bis 5 Tage nach dem Aufblühen. An einem passenden Standort sät sie sich gewöhnlich reichlich selbst aus.

Und gegen Pilze?

Gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau werden Schachtelhalm und Kamille oft genannt. Vorbeugend wähle ich bei Rosen geprüfte Sorten: Bei der ADR-Prüfung stehen Rosensorten drei Jahre ohne Pflanzenschutzmittel und werden unter anderem auf Blattgesundheit geprüft.

Welcher Handgriff zu welchem Schädling passt

Je nach Schädling sieht die Reihenfolge anders aus. Oft steht der Handgriff vorn, und das Hausmittel kommt erst danach oder gar nicht.

Blattläuse

Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren. Ich spritze dabei auch die Triebspitzen und die Blattunterseiten ab. Bei Gemüse lohnt das Eingreifen vor allem an jungen Pflanzen, ältere können einen Befall mitunter tolerieren. Natürliche Gegenspieler brauchen einen gewissen Befall als Nahrung, deshalb lasse ich Läuse an älteren Pflanzen oft sitzen. Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag.

An Freilandbohnen ist gegen die Schwarze Bohnenlaus der Brennnesselauszug als Grundstoff genehmigt, mit Wartezeit und ohne vorbeugende Wirkung. Wie du im Gemüsebeet mit Wasserstrahl, Absammeln und laufender Früherkennung arbeitest, steht in einem eigenen Ratgeber.

Kartoffelkäfer bekämpfen: absammeln und Eigelege zerdrücken

Den Kartoffelkäfer erkennst du an zehn gelbschwarzen Streifen. Seine Larven sind rot und schwarz gezeichnet und fressen an den Kartoffelblättern. Bekämpft wird er mechanisch: Du sammelst Käfer und Larven ab und zerdrückst die Eigelege an den Blattunterseiten. Zerdrücke dabei nur Gelege, die du sicher als Kartoffelkäfer-Eigelege erkannt hast.

Ich gehe dafür die Reihen ab, drehe die Blätter um und sammle in einen Eimer. Beim Kartoffelkäfer bleibe ich beim Absammeln. Wie du Gemüse gezielt vor Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Möhrenfliege schützt, liest du im Gemüse-Ratgeber.

Raupen am Kohl

Raupenbefall an Kohl kann sich durch Fraß am Blattrand, Löcher im Blatt, Bohrgänge ins Kopfinnere und zurückbleibenden Kot zeigen. Die Raupen des Großen Kohlweißlings sind gelbschwarz, die des Kleinen Kohlweißlings grün und samtartig behaart. Bei beginnendem oder leichtem Befall kann das Absammeln schon reichen.

Schnecken

Schnecken sammle ich ab. Dafür lege ich Bretter oder Dachziegel als Verstecke aus und schaue regelmäßig darunter. Gegossen wird morgens und gezielt an den Kulturpflanzen, damit die Wege, über die Schnecken zuwandern, trocken bleiben.

Die bekannten Hausmittel haben Grenzen. Bei Kräuterbarrieren ist die Wirkung nicht gesichert, trinkfertiger Kaffee gilt als unwirksam. Verlass dich auch beim Kaffeesatz nicht auf eine Schneckenabwehr. Bierfallen können zusätzliche Schnecken aus der Umgebung anlocken und auch andere Tiere töten. Ausführlich steht, wie du Schnecken mit Gestaltung, Barrieren und Fallen von der Ernte fernhältst, im Schnecken-Ratgeber.

Spinnmilben

Weißlich gelbe Sprenkel auf den Blättern können auf Spinnmilben hindeuten. Die Tiere sind etwa 0,5 mm groß und sitzen vor allem auf den Blattunterseiten. Bei Zierpflanzen im Wintergarten oder Kleingewächshaus können regelmäßiges Übersprühen mit Wasser und eine höhere Luftfeuchte ihre Vermehrung und Ausbreitung mindern. Ich nehme dafür eine Sprühflasche mit klarem Wasser und arbeite die Blattunterseiten mit ab.

Weiße Fliege

Erwachsene Weiße Fliegen mit ihren vier weißen Flügeln und die flachen, ungeflügelten Larven sitzen vor allem auf den Blattunterseiten. Gelbtafeln dienen unter Glas und am Blumenfenster der Früherkennung. An Kübelzierpflanzen im Freien reichen Gelbsticker und kleine Gelbtafeln zur Bekämpfung nicht aus. Hohe Temperaturen begünstigen die Vermehrung, deshalb lüftest du ein Kleingewächshaus bei Sonne rechtzeitig und beschattest die Kulturen bei Bedarf.

Befallene Beet- und Balkonpflanzen können den Schädling ins Gewächshaus einschleppen. Bevor eine Balkonpflanze dort einzieht, drehe ich deshalb ihre Blätter um und schaue auf die Unterseiten.

Trauermücken

Trauermückenlarven sind weißlich durchscheinend, haben eine schwarze Kopfkapsel und werden bis zu 7 mm lang. Sie können in feuchter Topferde leben. Gießen über den Untersetzer kann die obere Erdschicht trocken halten; überschüssiges Wasser kippst du danach weg. Gelbtafeln fangen die fliegenden Erwachsenen, an die Larven in der Erde kommen sie nicht heran. Das Trockenhalten der oberen Erdschicht zielt deshalb genau auf den Bereich, den die Tafel nicht erreicht. Eine befallene Zimmerpflanze stellst du zunächst getrennt auf und kontrollierst die übrigen auf weiteren Befall.

Saisonaler Pflanzenschutzkalender

Viele Handgriffe haben ihre Zeit. So verteilen sie sich übers Jahr:

Wann Was ansteht Worauf du achtest
Frühjahr, ab etwa 7 °C Buchsbaum auf Raupen kontrollieren Junge Raupen sitzen oft zwischen zusammengesponnenen Blättern, größere flüchten bei Erschütterung ins Strauchinnere
Frühjahr bei Jungpflanzen Gemüse auf Blattläuse prüfen Junge Pflanzen zuerst, ältere tolerieren einen Befall mitunter
März bis Juli Kamille für den Tee säen Lichtkeimer, sonniger Platz
Sobald Käfer oder Larven auftauchen Kartoffelkäfer absammeln Blattunterseiten auf Eigelege prüfen
Juni bis September Kamillenblüten ernten 3 bis 5 Tage nach dem Aufblühen
Juni und Juli Vom Apfelwickler befallene Früchte absammeln Früchte direkt vom Baum holen
Ab August Netz über den Möhren lassen Die zweite Generation der Möhrenfliege schädigt, das Netz bleibt bis kurz vor der Ernte
Bei Sonne Kleingewächshaus rechtzeitig lüften Hohe Temperaturen begünstigen die Weiße Fliege
Am Tag des Ansetzens Ackerschachtelhalm-Brühe verbrauchen Innerhalb von 24 Stunden
Vor der Bohnenernte Wartezeit nach Brennnesselauszug einhalten 7 Tage bis zur Ernte
Über Winter Staudenstängel stehen lassen Insekten überwintern daran oder darin

Überwinterte Buchsbaumzünslerraupen werden im Frühjahr ab etwa 7 °C wieder aktiv und fressen. Eine Generation entwickelt sich je nach Witterung innerhalb von 2 bis 3 Monaten, deshalb endet die Kontrolle am Buchs nicht mit dem ersten Absammeln im Frühjahr.

Sicher ansetzen, ausbringen und lagern

Natürlich heißt nicht harmlos, das gilt für jede selbst angesetzte Brühe. Bei genehmigten Grundstoffen hältst du Anwendungsgebiete, Anwendungsbedingungen und Wartezeiten ein. Ich fülle Ansätze nie in Getränkeflaschen, beschrifte jeden Behälter und stelle ihn außer Reichweite von Kindern und Haustieren. Asche streue ich nicht als Schneckenbarriere, weil sie Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten kann.

Mini-Checkliste

Bevor du eine Brühe ausbringst:

  • Schädling bestimmt und geprüft, ob Wasserstrahl oder Absammeln reicht?
  • Ausbringen nur dort geplant, wo der Befall sitzt?
  • Bei Grundstoffen Anwendungsbedingungen und Wartezeit geklärt?
  • Ackerschachtelhalm-Brühe innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht?
  • Behälter beschriftet und für Kinder und Haustiere unerreichbar?

Wenn doch ein Pflanzenschutzmittel ins Spiel kommt

Ein Pflanzenschutzmittel ziehst du im Hausgarten erst in Erwägung, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann kommt nur ein Mittel infrage, das für nichtberufliche Anwender gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen ist. Gebrauchsanleitung, Schutzvorgaben samt Schutzkleidung und Wartezeit hältst du ein, Kinder und Haustiere bleiben fern. Gelagert wird es in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank. Restmengen gehören zur Sondermüll-Sammelstelle und nicht in Toilette, Gully, Garten oder Hausmüll. Auch ein Mittel natürlicher Herkunft kann Nützlinge treffen.

Achtung

Auf befestigten Flächen wie Terrassen, Bürgersteigen und Einfahrten ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verboten.

Wie natürliche und chemische Verfahren im Vergleich abschneiden, steht im Abschnitt „Natürlich oder chemisch“ des Ratgebers Nützlinge & Schädlinge. Und wie du eine Pflanzenschutz-Strategie bis zum rechtssicheren Mitteleinsatz aufbaust, zeigt ein eigener Ratgeber Schritt für Schritt.

Was neben Hausmitteln zählt

Standort, Boden und Düngung. Am Anfang steht beim Boden die Untersuchung. Beim Düngen zählt das Maß, denn übermäßige Stickstoffgaben machen Kopfkohl anfälliger für Krankheiten. Wie du mit Kulturmaßnahmen vorbeugst, beschreibt der Ratgeber Nützlinge & Schädlinge im Abschnitt „Standort, Boden und Düngung“.

Mischkultur und Fruchtfolge. Eine zuverlässige gegenseitige Schädlingsabwehr durch beliebige Pflanzenkombinationen ist nicht nachgewiesen. Tomaten und Sellerie neben Kopfkohl können den Kohlweißlingsbefall mindern, verlass dich aber nicht darauf; passende Beetnachbarn findest du im Mischkultur-Werkzeug. Schiebst du die Kulturfolgen von fünf Beeten jedes Jahr ein Beet weiter, ergibt das einen Fruchtwechsel, den du im Beetplaner über die Jahre festhältst.

Netze, Barrieren und Fallen. Kulturschutznetze mit weniger als 1 mm Maschenweite legst du gleich nach Saat oder Pflanzung auf und schließt sie an den Rändern. Im Frühjahr können Vlies oder Netz liegen, ab dem Frühsommer wird nur noch Netz empfohlen. Was Barrieren, Netze und Fallen sonst leisten, steht im gleichnamigen Abschnitt des Ratgebers.

Gartenhygiene. Mit Buchsbaumzünslerraupen befallenes Schnittgut gehört nicht auf den üblichen Hauskompost, weil dessen Temperaturen die Raupen nicht abtöten. Weitere Handgriffe zu Schnittgut und Vorräten findest du im Abschnitt „Gartenhygiene“.

Nützlinge und biologische Verfahren. Bei blattlausfressenden Marienkäfern erbeuten Käfer und Larven Blattläuse, bei Schwebfliegen tun das die Larven. Gekaufte Nützlinge setzt man überwiegend im Gewächshaus ein, im Freiland ist ihr Einsatz teurer und weniger effizient. Porträts und Nematoden findest du in den Abschnitten „Nützlinge im Porträt“ und „Biologische Verfahren“, und wo biologischer Pflanzenschutz im Gemüsegarten an Grenzen stößt, liest du gesondert.

Häufige Fragen

Was versteht man unter natürlichem Pflanzenschutz?
Gemeint ist ein Vorgehen in fester Reihenfolge: Zuerst schöpfst du geeignete Kulturmaßnahmen aus, bei weiterem Bedarf bevorzugst du biologische oder biotechnische Verfahren. Dazu gehört, natürliche Gegenspieler zu fördern und einen gewissen Schädlingsbefall als ihre Nahrungsgrundlage zu dulden. Ein Pflanzenschutzmittel kommt im Hausgarten erst infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.
Welche Hausmittel eignen sich zur biologischen Schädlingsbekämpfung?
Oft helfen zuerst einfache Handgriffe: Blattläuse lassen sich häufig mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren, Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken sammelst du ab. Unter den Pflanzenauszügen ist Brennnesselauszug als Grundstoff gegen die Schwarze Bohnenlaus an Freilandbohnen genehmigt, danach gilt eine Wartezeit von 7 Tagen bis zur Ernte. Schmierseife, Kernseife und Kamille sind keine genehmigten Grundstoffe für den Pflanzenschutz, für sie gibt es also keine festgelegten Anwendungsbedingungen.
Worin unterscheiden sich biologischer und integrierter Pflanzenschutz?
Biologische Schädlingsbekämpfung nutzt natürliche Gegenspieler, also räuberische oder parasitische Tiere sowie gegen Schadinsekten gerichtete Pilze, Viren und Bakterien. Integrierter Pflanzenschutz beschreibt dagegen eine Reihenfolge: Zuerst werden geeignete Kulturmaßnahmen ausgeschöpft. Bleibt Bekämpfungsbedarf, werden biologische oder biotechnische Verfahren bevorzugt, die biologischen Verfahren sind also ein Teil des integrierten Vorgehens.
Wie wendet man Schachtelhalmbrühe an?
Für Ackerschachtelhalm gibt es ein Grundstoffverfahren: Getrocknetes oberirdisches Kraut wird eingeweicht, abgekocht, nach dem Abkühlen filtriert und mit Wasser verdünnt. Die anwendungsfertige Brühe muss innerhalb von 24 Stunden verbraucht sein. Wie bei jedem genehmigten Grundstoff hältst du die festgelegten Anwendungsgebiete und Anwendungsbedingungen ein.
Sind natürliche Pflanzenschutzmittel wirklich chemikalienfrei?
Wichtiger als die Frage nach Chemie ist, ob ein Mittel harmlos ist, und das ist auch ein natürliches nicht automatisch. Selbst hergestellte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen. Asche, die manche als Schneckenbarriere streuen, kann Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten. Zugelassene Pflanzenschutzmittel verwendest du unabhängig von ihrer Herkunft nur nach Gebrauchsanleitung und mit den vorgeschriebenen Schutzvorgaben.
Wie fördert man Nützlinge im Garten effektiv?
Biete ihnen Nahrung und Rückzugsräume: Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und unaufgeräumte Gartenecken dienen vielen Tieren als Versteck. Staudenstängel lässt du über Winter stehen, weil Insekten daran oder darin überwintern können. Lass einen Teil von Kräutern wie Thymian, Lavendel, Dill oder Gewürzfenchel blühen, damit Insekten Nahrung finden. Und dulde einen gewissen Schädlingsbefall, denn er ist die Nahrungsgrundlage der Gegenspieler.
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