Mischkulturen im Futterbau: So kombinierst und lenkst du Gras und Leguminosen
- Mischkultur im Futterbau heißt: zwei oder mehr Arten wachsen gleichzeitig auf derselben Fläche.
- Leguminosen wie Klee binden mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff und können ohne Stickstoffdüngung auskommen.
- Zusätzlicher Stickstoff fördert die Gräser und kann den Kleeanteil im Bestand verringern.
- Klee und Luzerne bevorzugen unterschiedliche pH-Bereiche, darum zuerst den Boden messen.
- Saatgut beim Säen gleichmäßig durchmischt halten, damit sich die Arten nicht entmischen.
- Ein früher Schröpfschnitt fördert die Bestockung und hilft so gegen Unkraut.
Du säst eine Mischung aus Gras und Klee, und irgendwann steht auf der Fläche fast nur noch Gras. Das Saatgut ist dabei nur der Anfang: Wie du düngst, schneidest und nachsäst, entscheidet mit, welcher Partner sich durchsetzt. Ich plane einen Mischbestand deshalb in drei Schritten. Erst prüfe ich den Boden, dann lege ich die Nutzung fest, und schon vor der Saat überlege ich, wie ich den Bestand später führe.
Hier geht es um Gras-Leguminosen-Mischungen wie Kleegras und Kleintierwiese, um Getreide-Leguminosen-Gemenge und um die Frage, wie du das Verhältnis der Arten über die Jahre hältst.
Was ist eine Mischkultur im Futterbau?
Von Mischkultur sprichst du, wenn zwei oder mehr Futterpflanzenarten gleichzeitig auf derselben Fläche wachsen. Grünlandfutter ist ohnehin meist so aufgebaut. Typisches Grünlandfutter besteht aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen, zum Beispiel aus Weidelgras, Spitzwegerich und Klee. Im Futterbau begegnen dir vor allem drei Formen:
- Gras-Leguminosen-Mischungen wie Kleegras oder eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee.
- Getreide-Leguminosen-Gemenge wie Hafer mit Erbsen, bei denen du beide Partner gemeinsam aussäst.
- Untersaaten, bei denen Futterpflanzen in eine Deckfrucht gesät werden.
Leguminosen sind Hülsenfrüchtler wie Klee, Luzerne, Wicke oder Erbse. An ihren Wurzeln leben Bakterien, die Luftstickstoff in organischer Form binden. Ein Gemenge ist eine Mischung, deren Arten gemeinsam ausgesät werden.
Welche Pflanzen stecken in einer Futtermischung?
Stehst du vor einer Futterfläche und fragst dich, was das für Pflanzen sind, hilft die Einteilung in Gräser, Leguminosen und Kräuter. Die folgenden Arten tauchen in den hier vorgestellten Mischungen auf.
| Pflanze | Gruppe | Was sie im Bestand ausmacht |
|---|---|---|
| Weidelgras, darunter Welsches Weidelgras | Gras | typischer Grasanteil im Grünlandfutter, wird durch Stickstoffgaben gefördert |
| Futtergräser der Kleintierwiese | Gras | wachsen mit Weißklee zusammen, für Beweidung oder Heu |
| Weißklee, Inkarnatklee | Leguminose | binden mit KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Luftstickstoff |
| Winterwicke | Leguminose | zweite Leguminose neben Inkarnatklee im Landsberger Gemenge |
| Luzerne | Leguminose | braucht Wärme, Sonne und tiefgründigen, durchlässigen Boden |
| Spitzwegerich | Kraut | typischer Kräuteranteil im Grünlandfutter |
| Hafer und anderes Getreide | Getreide | Partner der Leguminose im Gemenge |
„In der Mischung fördern sich die Partner immer gegenseitig.“ So pauschal stimmt das nicht. Im Garten kann Mischkultur die Fläche besser ausnutzen, günstige Einflüsse bestimmter Nachbarn aufeinander sind aber häufig schwer nachweisbar. Fest steht die StickstoffbindungStickstoffbindung heißt, dass Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Leguminosen wie Bohnen, Erbsen oder Klee Stickstoff aus der Luft aufnehmen und in eine Form umwandeln, die Pflanzen nutzen können. der Leguminosen. Ob die Mischung im Gleichgewicht bleibt, hängt deshalb auch von deiner Bestandsführung ab.
Arten wählen: erst der Boden, dann die Nutzung
Eine Mischung, die überall passt, gibt es nicht. Selbst für Kleegras im ökologischen Futterbau existiert keine Saatmischung, die unabhängig vom Standort optimal wäre. Ich fange deshalb beim Boden an und frage erst danach, wofür ich das Futter brauche.
Boden und pH-Wert
Beim pH-Wert gehen die Leguminosen auseinander. Für Kleearten im Feldfutterbau gilt ein Boden-pH von 6,0 bis 6,7 als optimal. Luzerne bevorzugt im Feldfutterbau dagegen einen Boden-pH von 7,0 bis 7,5. Die beiden Spannen überschneiden sich nicht, also bietet kein Boden beiden Arten zugleich ihren bevorzugten Bereich. Nach dem gemessenen pH-Wert richtest du deshalb aus, welche der beiden Leguminosen du in deine Mischung nimmst.
Für die Messung stellst du eine MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. aus 10 bis 15 Einzelproben derselben Fläche zusammen. Liegt der pH-Wert über dem Zielbereich deiner Bodenart, gibst du weder Kalk noch kalkhaltige Dünger. Luzerne stellt noch weitere Ansprüche: Sie will es warm und sonnig, braucht tiefgründigen, durchlässigen Boden und verträgt keine Staunässe.
Nutzung und Standzeit
Danach klärst du, was du mit dem Futter vorhast. Eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee ist als mehrjährige Mischung für Beweidung oder Heugewinnung gedacht. Brauchst du nur für einen Sommer Futter, passen Sommerzwischenfrüchte wie einjähriges Weidelgras oder einsömmeriges Kleegras besser. Früh gesät, lassen sie sich bei ausreichendem Niederschlag nach etwa 8 bis 10 Wochen nutzen.
Stehen im Garten Gemüse und Futterpflanzen nah beieinander, kannst du im Mischkultur-Planer prüfen, welche Nachbarn zusammenpassen.
Fruchtfolge mitdenken
Im Feldfutterbau hält man für Luzerne Anbaupausen von 4 bis 6 Jahren ein, und zwar gegenüber sich selbst und gegenüber anderen Leguminosen. Im Kleegras steckt mit dem Klee ebenfalls eine Leguminose. Säst du Luzerne direkt nach Kleegras, unterläufst du also genau die Pause, die für Luzerne gilt. Ich notiere mir deshalb für jede Fläche, welche Mischung dort stand und welche Leguminosen darin waren.
Welchen pH-Wert hat dein Boden? Liegt die Fläche warm und durchlässig genug für Luzerne, oder neigt sie zu Staunässe? Willst du beweiden, Heu machen oder nur einen Sommer lang Futter ernten? Stand auf der Fläche zuletzt Luzerne oder eine andere Leguminose?
Welche Mischungen gibt es? Drei Beispiele
Landsberger Gemenge: ein Gras, zwei Leguminosen
Das Landsberger Gemenge verbindet ein Gras mit zwei Leguminosen. Eine angebotene Öko-Mischung dieses Typs ist so zusammengesetzt:
| Partner | Gruppe | Anteil an der Mischung |
|---|---|---|
| Welsches Weidelgras | Gras | 50 % |
| Winterwicke | Leguminose | 30 % |
| Inkarnatklee | Leguminose | 20 % |
Als Aussaatmenge werden für diese Mischung 50 bis 60 kg/ha empfohlen. Das ist ein Wert für den Feldanbau.
Kleintierwiese: Futtergräser mit Weißklee
Für Kaninchen oder Meerschweinchen im Garten ist die Kleintierwiese die naheliegende Gras-Leguminosen-Mischung. Sie enthält Futtergräser und Weißklee. Nach der Aussaat hältst du das Saatbett bis zur Keimung gleichmäßig feucht.
Für eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee werden etwa 25 g Saatgut je m² angegeben. Gesät wird 0,5 bis 1 cm tief, von März bis Juni oder von August bis Oktober. Die Mischung keimt bei 10 bis 20 °C in 7 bis 21 Tagen. Als Schnitthöhe gelten 4 bis 5 cm, als Nutzhöhe etwa 20 cm.
Getreide-Leguminosen-Gemenge und Untersaat
Im Getreide-Leguminosen-Gemenge, etwa Hafer mit Erbsen, säst du beide Partner zusammen. Das Getreide gibt den rankenden Erbsen Halt, und die Erbsen binden als Leguminose Luftstickstoff. Bei der UntersaatEine Untersaat ist eine zweite Pflanzenart, die du zusätzlich zwischen oder unter eine Hauptkultur säst. Sie wächst zunächst mit und entwickelt sich nach der Ernte der früher erntereifen Hauptkultur weiter. wächst die Futtermischung unter einer Deckfrucht heran. Damit das gelingt, reduzierst du die Aussaatstärke der Deckfrucht um mindestens 20 bis 25 %.
Wie säst du eine Mischung, ohne dass sie sich entmischt?
Bei einer Mischung kommt zur normalen Aussaat eine Aufgabe hinzu: Alle Partner sollen gleichmäßig verteilt auf der Fläche landen. In der Drillmaschine muss deshalb eine Entmischung vermieden werden. Für die Handsaat schütte ich das Saatgut in eine Schüssel und rühre zwischendurch um, damit sich große und kleine Samen nicht trennen. Feinsämige Futterpflanzen brauchen außerdem ein feinkrümeliges Saatbett mit gutem Bodenschluss, damit beim Auflaufen das Wasser die Keimlinge erreicht.
Saatbett, Drill- und Breitsaat sowie die Technik der Untersaat erklärt der Ratgeber, wie du Futterpflanzen richtig aussäst. Die SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. der einzelnen Arten findest du im Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken. Legst du im Garten Streifen für verschiedene Mischungen an, kannst du die Fläche im Beetplaner einteilen.
Wie lenkst du den Bestand nach der Saat?
Nach der Saat beginnt die Arbeit, die über die Zusammensetzung entscheidet. Drei Hebel hast du in der Hand: Stickstoff, Schnitt und NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen..
Stickstoff entscheidet über den Kleeanteil
Leguminosen binden mit ihren Knöllchenbakterien Luftstickstoff. Kleinkörnige Futterleguminosen können deshalb ohne Stickstoffdüngung auskommen. Höhere Stickstoffgaben treiben in Gras-Leguminosen-Mischungen dagegen das Graswachstum an und können so die Zusammensetzung verschieben. Im Kleegras kann zusätzlicher Stickstoff den Kleeanteil verringern. Zusammengenommen heißt das: Stickstoffdünger, ohne den der Klee auskommen kann, fördert die Gräser, und am Ende kann genau der Partner schwinden, der den Stickstoff selbst binden sollte.
Ich schaue mir vor jeder Düngung an, wie viel Klee im Bestand steht, und entscheide erst dann. Wie du Futterpflanzen nach ihrer Pflanzengruppe gießt und düngst, steht im Ratgeber Futterpflanzen und Weide unter Gießen und Düngen. Für Kleegras ohne synthetische Mittel lohnt der Blick in den Ratgeber, wie du Futterpflanzen im Biolandbau anbaust und düngst.
Schröpfschnitt und Nutzungszeitpunkt
Ein früher SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen. fördert bei Futterbauansaaten die Bestockung, also die Bildung zusätzlicher Triebe. Das hilft dem Bestand, Unkraut zu unterdrücken. Für die Weidenutzung von Gräsern ist das 3-Blatt-Stadium ein günstiger Zeitpunkt. Die übrige Pflege, etwa die Unkrautregulierung in der Jugendphase, behandelt der Abschnitt Pflege im Ratgeber Futterpflanzen und Weide.
Schnittgut nach dem Mähen dick liegen lassen. Unter einer dicken Matte kann die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. ersticken und teilweise absterben. Ich reche dickes Schnittgut deshalb ab, bevor es sich zur Matte verdichtet.
Weide in Koppeln führen
Beweidest du deine Mischfläche, teilst du sie in mehrere Koppeln. So bleiben die Beweidungsphasen kurz und die Erholungsphasen für die Grasnarbe länger. Eine Umtriebsweide und erst recht eine Portionsweide kosten mehr Arbeit als eine Standweide, dafür wird der Futterbestand besser ausgenutzt.
Nachsaat, wenn ein Partner schwindet
Eine dichte Grasnarbe braucht keine Pflegenachsaat. Hat der Bestand Lücken oder ist der Klee zurückgegangen, säst du in den vorhandenen Bestand nach. Damit junge Gräser genug Licht bekommen, hältst du den alten Bestand dabei kurz. Düngst du nach der Nachsaat übermäßig, stärkst du den alten Bestand im Wettbewerb mit den Jungpflanzen. Wie die Nachsaat technisch abläuft, beschreibt der Ratgeber zur Aussaat von Futterpflanzen.
Bestand kontrollieren und Kreuzkraut aussortieren
Ob die Mischung im Lot bleibt, siehst du nur, wenn du regelmäßig hinschaust. Ich sehe mir das Verhältnis von Gras, Klee und Kräutern vor dem Schnitt an, wenn der Aufwuchs hoch steht.
Ich fotografiere vor dem Schnitt immer dieselbe Ecke der Fläche aus derselben Höhe. Lege ich die Bilder nebeneinander, sehe ich, ob der Klee zu- oder abnimmt, bevor ich über Düngung oder Nachsaat entscheide.
Kreuzkraut gehört nicht ins Futter. Die Pyrrolizidinalkaloide aus Kreuzkräutern können Rinder und Pferde auch über Heu oder Silage schwer bis tödlich vergiften. Kontrolliere deine Fläche darauf, bevor du Heu oder Silage machst.
Eine Mischung ist kein verlässlicher Schutz vor Krankheiten und Schädlingen. Vorbeugung läuft über Standort, Fruchtfolge und Kontrolle, wie sie der Abschnitt Krankheiten und Schädlinge im Ratgeber Futterpflanzen und Weide beschreibt.
Ernte und Lagerung: was bei Mischfutter anders ist
In der Mischung entwickeln sich die Partner unterschiedlich, deshalb suchst du einen Erntezeitpunkt, der für den ganzen Bestand passt. Ich richte mich dabei nach der Art, die den größten Anteil hat. Die Grundlagen dazu stehen im Abschnitt Ernte und Verwertung desselben Ratgebers.
Für lagerstabiles Heu gelten weniger als 14 % Wassergehalt als Ziel. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld oder erst im Lager belasten. Wie du Futter sauber lagerst, erklärt der Abschnitt Lagern und Futterhygiene. Stellst du Kaninchen auf frisches Futter von der Mischfläche um, dann langsam, damit sich ihr Verdauungsapparat darauf einstellen kann.





