Schädlinge auf der Kleintier-Wiese natürlich abwehren: Schnecken, Blattläuse, Pilze
- Fraß vom Blattrand aus mit silbrigen Schleimspuren weist auf Schnecken hin; das Absammeln lohnt sich besonders spät abends oder frühmorgens nach warmem Regen.
- Ein Schneckenzaun schützt nur zuverlässig, wenn du die Schnecken innerhalb absammelst und keine Pflanzen als Kletterbrücke überhängen.
- Geringen Blattlausbefall kannst du dulden; Marienkäfer und ihre Larven sind natürliche Gegenspieler der Läuse.
- Dauerhaftes Mulchen kann Schnecken fördern und taugt nicht als pauschale Schneckenabwehr.
- Brennnesseljauche und andere Hausmittel versprechen keine sichere Wirkung; auf der Futterfläche gehen Kontrolle und Handarbeit vor.
- Herbstzeitlose und Eibe sind für Kaninchen und Meerschweinchen giftig; bei Vergiftungsverdacht holst du sofort tierärztliche Hilfe.

Auf einer Kleintier-Wiese wächst Futter. Was du gegen Schnecken, Läuse oder Pilze auf die Fläche bringst, fressen deine Kaninchen und Meerschweinchen womöglich mit. Ich gehe deshalb auf der Futterwiese anders vor als im Gemüsebeet: Ich schaue zuerst genau hin, greife dann von Hand ein und lasse natürliche Gegenspieler arbeiten.
Natürliche Abwehr heißt nicht, dass nie mehr etwas frisst. Absammeln, Barrieren und Nützlinge können Befall bremsen, eine schadfreie Wiese garantieren sie nicht. Wer das einplant, sucht bei den ersten Fraßspuren zuerst den Verursacher, statt gleich zu sprühen.
Wer war das? Spuren auf der Wiese deuten
Bevor ich etwas unternehme, will ich wissen, wer am Werk war. Auf meinem Rundgang schaue ich auf Blattränder, Blattunterseiten und den Boden zwischen den Pflanzen. Die Zeichen in der Tabelle sind Hinweise, keine sichere Diagnose.
| Was du siehst | Kann hindeuten auf | Was ich dann prüfe |
|---|---|---|
| Fraß vom Blattrand aus, dazu silbrige Schleimspuren | Schnecken | Spät abends mit der Lampe nachsehen |
| Zuckerhaltiger HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. auf den Blättern, darauf mitunter Rußtaupilze | Blattläuse | Triebspitzen und Blattunterseiten nach Kolonien absuchen |
| Gekräuselte Blätter an Chicorée | Blattläuse | Ob schon Marienkäferlarven an der Kolonie sitzen |
| Kümmerwuchs, am WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. von Chicorée weißliche, wachsartige Ausscheidungen | Wurzelläuse | Den Wurzelhals einer kümmernden Pflanze freilegen |
| Weißer, abwischbarer Belag auf der Blattoberseite | Echter Mehltau | Ob der Bestand an dieser Stelle sehr dicht steht |
| Weißlicher bis grau-violetter Belag auf der Blattunterseite, nicht abwischbar | Falscher Mehltau | Wie lange die Blätter dort nass bleiben |
| Gelbe Streifen entlang des Mittelnervs von Futtergräsern, später Welke trotz ausreichender Wasserversorgung | Bakterienwelke | Ob die Welke auch bei feuchtem Boden bleibt |
| Hohe, runde Hügel mittig über dem Gang | Maulwurf | Mehrere Hügel miteinander vergleichen |
| Flachere, asymmetrische Haufen seitlich über schrägen Gängen | Wühlmaus | Wo die Haufen liegen und wie sie verteilt sind |
Bei Erdhaufen vergleiche ich immer mehrere Hügel, bevor ich ein Urteil fälle. Wichtig ist zuerst, dass du die Wühlmaus nicht mit dem Maulwurf verwechselst.
Was hilft gegen Schnecken auf der Kleintier-Wiese?
Gegen Schnecken setze ich zuerst auf Handarbeit. Besonders lohnt das Absammeln in den späten Abendstunden oder frühmorgens nach warmem Regen. Ich gehe dann mit Lampe und Eimer die Wiesenränder ab und hebe Bretter und Steine an, unter denen sich Schnecken verstecken.
Ein Schneckenzaun ergänzt das Absammeln, er ersetzt es nicht. Zuverlässig schützt er nur, wenn du die Schnecken innerhalb der Barriere absammelst und keine überhängenden Pflanzen als Kletterbrücke dienen. Kontrolliere deshalb auch die Verstecke im eingezäunten Bereich regelmäßig. Um eine ganze Wiese lässt sich so ein Zaun kaum ziehen, darum setze ich ihn nur um kleine Flächen wie eine frische NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen..
Die Wiese kann umgekehrt Schnecken an ein Nachbarbeet abgeben. Grenzt eine Futterrübenfläche an deine Wiese, kann ein etwa 2 bis 3 m breiter, kurz gehaltener Grasstreifen einwandernde Schnecken vorbeugend bremsen. Verlass dich aber nicht allein darauf und sammle im Beet trotzdem ab.
Mulch hält Schnecken fern? Dauerhaftes Mulchen kann Schnecken im Garten sogar fördern und ist deshalb keine pauschale Schneckenabwehr. Auf der Wiese kommt ein zweites Problem hinzu: Eine dicke Matte aus liegen gelassenem Schnittgut kann die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. darunter ersticken und teilweise absterben lassen.
Was tun bei Blattläusen?
Einen geringen Blattlausbefall kannst du tolerieren. Nimmt er zu, reduziere ich die Kolonien mit einem Wasserstrahl, denn auf der Futterfläche bleibt dabei nur Wasser zurück. Blattlausfressende Marienkäfer und ihre Larven sind natürliche Gegenspieler der Läuse. Duldest du kleine Kolonien, finden diese Gegenspieler auf deiner Wiese Nahrung; wer jede Laus sofort entfernt, nimmt ihnen genau diese Nahrung.
Bevor ich eine Kolonie abspüle, suche ich die Triebe nach Marienkäferlarven ab. Sitzen schon welche daran, lasse ich die Stelle in Ruhe und schaue beim nächsten Rundgang wieder nach.
Wie beugst du Pilzkrankheiten und Welke vor?
Gegen Pilzkrankheiten arbeite ich vorbeugend. Gut belüftete, nicht zu dichte Bestände und möglichst wenig Blattbenetzung beim Gießen gehören zur Vorbeugung gegen Mehltau. Muss ich gießen, dann früh morgens und bodennah.
Bei den Gräsern beginnt die Vorbeugung schon beim Saatgut. Gegen Blattkrankheiten in Futtergräserbeständen wählst du möglichst resistente und regional geeignete Arten und Sorten. Ein eigener Ratgeber zeigt, welche Pflanzenarten in eine Kleintier-Wiese gehören und zu welchen Tieren sie passen.
Pilze sind auf einer Futterwiese nicht nur eine Frage des Ertrags. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld kontaminieren, nicht erst während der Lagerung. Stellen, die mir verschimmelt vorkommen, schneide ich deshalb nicht fürs Futter.
Welke Blätter sofort mit der Gießkanne beantworten. Zu viel Wasser kann Wurzeln schädigen und ähnliche Welkeerscheinungen verursachen wie Wassermangel. Bei der Bakterienwelke welken Futtergräser sogar trotz ausreichender Wasserversorgung. Gießen hilft also nur, wenn wirklich Wassermangel dahintersteckt; fühl deshalb zuerst, wie feucht der Boden ist.
Brennnesseljauche und Hausmittel: Was ist dran?
Pflanzenjauchen und Brühen sind beliebt, weil du sie aus Gartenpflanzen selbst ansetzen kannst. BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. wird nachgesagt, dass sie düngt und Blattläuse fernhält. SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. soll gegen Pilzkrankheiten helfen, Knoblauchauszug gegen verschiedene Schädlinge. SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. und Rapsöl gelten als Hausmittel gegen Blattläuse. Auf eine sichere Wirkung solltest du dich bei keinem davon verlassen.
Auf der Kleintier-Wiese kommt hinzu, dass die Blätter das Futter sind. Was du darauf sprühst, fressen deine Tiere mit. Ich bringe deshalb auf die Futterfläche selbst keine Jauche und kein Hausmittel aus und bleibe bei Absammeln, Wasserstrahl und Kontrolle.
Greifst du doch zu einem chemischen Pflanzenschutzmittel, dann nur zu einem mit Zulassung für Haus- und Kleingarten. Halte dich an die Gebrauchsanweisung, trag Schutzkleidung, halte die Wartezeit ein, bevor deine Tiere wieder von der Fläche fressen, und entsorge Reste fachgerecht. Solche Mittel können auch Nützlinge wie Marienkäfer treffen.
Wie lässt du Nützlingen auf der Wiese Platz?
Über Winter lasse ich am Wiesenrand einen Altgrasstreifen stehen. In naturnahen Blumenwiesen dienen solche Streifen als Tierquartiere und als Sitzwarten für Vögel. Auch verholzte Staudenstängel und Blütenreste räume ich im Herbst nicht ab, weil sie kleinen Insekten Überwinterungsplätze bieten.
Am Rand dürfen außerdem Kräuter blühen. Ungefüllte Blüten erleichtern Blütenbesuchern den Zugang zu Nektar und Pollen. Die Wegwarte gilt als nützlingsfreundlich und blüht von Juli bis Oktober. Ein eigener Ratgeber beschreibt, wie du Fütterung und Pflege an den Blühphasen deiner Wiese ausrichtest.
Helfen Netze und Mischkultur im Futterbeet?
Netze gehören nicht auf die Wiese, sondern auf das Futterbeet daneben, etwa mit Kohl oder Rüben. Ein Kulturschutznetz kommt unmittelbar nach Aussaat oder Pflanzung auf das Beet und wird an den Rändern dicht geschlossen. Bei Kohl zählt der Zeitpunkt, weil die Kleine KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. etwa ab Mitte April Eier ablegt. Bei starkem Druck der Rübenfliege kann ein Netz direkt nach der Saat den Befall von Futterrüben abhalten. Bedenke aber, dass ein Netz auch Nützlingen den Zugang zu den Pflanzen verwehren kann.
Ein Kulturschutznetz für Kohl hat eine Maschenweite von weniger als 1 mm.
Im Rübenbeet lohnt zudem der Blick auf Blattläuse, weil die Grüne Pfirsichblattlaus bei Futterrüben Viren der Vergilbungskrankheit übertragen kann. Mischkultur kann die Beetfläche besser ausnutzen. Günstige Einflüsse bestimmter Nachbarn aufeinander sind aber häufig schwer nachweisbar, plane sie also nicht als Schädlingsschutz ein. Wenn du trotzdem mischst, prüfe vorher, welche Kulturen im Beet gut nebeneinander passen.
Giftpflanzen: Was gehört nicht ins Futter?
Auf dem Rundgang achte ich nicht nur auf Fraß, sondern auch auf Pflanzen, die nicht ins Futter gehören. Herbstzeitlose und Eibe sind für Kaninchen und Meerschweinchen giftig, Eisenhut ist es für sämtliche Tierarten. Die Giftstoffe der Herbstzeitlose bleiben auch nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. Wächst sie auf deiner Wiese, ist also auch Heu von dieser Stelle kein sicheres Futter.
Kreuzkräuter gehören ebenfalls nicht ins Futter. Die Pyrrolizidinalkaloide aus Kreuzkräutern können über Heu oder Silage bei Rindern und Pferden schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen.
Besteht der Verdacht, dass eines deiner Tiere eine Giftpflanze gefressen hat, hol sofort tierärztliche Hilfe.
Vorbeugen über Standort, Boden und Pflege
Meide für die Wiese staunasse Stellen, denn Wasserstau fördert etwa die violette Wurzelfäule an Chicorée. Wie Standort, Boden und pH-Werte je Pflanzengruppe zusammenhängen, steht im Überblick zu Standort, Boden sowie Gießen und Düngen bei Futterpflanzen.
Mit Düngung bekämpfst du keine Schädlinge, du veränderst damit aber den Bestand. Höhere Stickstoffgaben fördern in Gras-Klee-Beständen die Gräser und können den Kleeanteil verringern. Klee selbst bindet mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff.
Mährhythmus, Nachsaat und Bewässerung vertieft der Ratgeber, wie du deine Kleintier-Wiese langfristig mähst, nachsäst und beweidest. Bei einer dichten Grasnarbe ist keine Pflegenachsaat nötig; Lücken säst du zu den Terminen im Aussaatkalender für Futterpflanzen nach. Teilst du die Fläche in Koppeln, bekommt die Grasnarbe zwischen kurzen Beweidungsphasen längere Erholungsphasen.




