Kleintier-Wiese im Jahreslauf: Blütenkalender für Fütterung und Tierpflege
- Als Richtwert blühen Gänseblümchen vor allem ab April, Rotklee ab Juni und Schafgarbe ab Juli: Die Blühzeiger zeigen dir, wo deine Wiese steht.
- Vom Winterheu aufs frische Wiesengrün stellst du Kaninchen und Meerschweinchen langsam um, über 14 Tage.
- Das erste Grün ergänzt das Heu, es ersetzt es nicht: Wiesengräser und Wiesenkräuter gehören frisch und als Heu zur Hauptnahrung.
- Im Sommer brauchen alle Tiere gleichzeitig Platz im Schatten und stets frisches Tränkwasser.
- Heu gilt erst unter 14 % Wassergehalt als lagerstabil.
- Herbstzeitlose und Eibe sind für Kaninchen und Meerschweinchen giftig, das Gift der Herbstzeitlose bleibt auch im Heu erhalten.
Im Frühjahr treibt die Kleintier-Wiese aus, und Kaninchen wie Meerschweinchen drängen ans erste Grün. Wer jetzt vom Winterheu direkt auf volle Wiesenportionen wechselt, lässt dem Verdauungsapparat keine Zeit. Ein Futterwechsel muss bei Kaninchen langsam erfolgen, damit sich ihr Verdauungsapparat auf das neue Angebot einstellen kann. Ich nutze deshalb die Blüte auf meiner Wiese als Kalender. Was gerade blüht, zeigt mir, wie weit der Bestand ist, und danach richte ich Futter, Heu, Schatten und die Kontrolle auf Giftpflanzen aus.
Ein Blütenkalender ordnet die Wiese nach Blühzeigern statt nach festen Daten. Die Monatsangaben dazu sind Richtwerte. Gänseblümchen etwa blühen vor allem von April bis Oktober, einzelne Blüten zeigen sich auch außerhalb dieser Zeit. Der Zeiger sagt dir, wo der Bestand steht. Den Blick auf Aufwuchs und Tiere ersetzt er nicht.
Was blüht wann auf der Kleintier-Wiese?
Diese vier Blühzeiger nutze ich, die Monate sind Richtwerte. Was davon auf deiner Fläche wächst, hängt von Mischung und Standort ab.
| Blühzeiger | Blüte als Richtwert | Was sie mir anzeigt |
|---|---|---|
| Gänseblümchen | vor allem April bis Oktober, einzelne Blüten auch außerhalb | Die Wiese wächst, die Saison läuft. |
| Rotklee | Juni bis September | Der Frühsommer ist da, der Bestand geht in die Blüte. |
| Gewöhnliche Schafgarbe | Juli bis Oktober, gelegentlich ab Juni | Hochsommer und Spätsommer |
| Wegwarte | Juli bis Oktober | Hochsommer bis Herbst |
Aus den Blühzeigern ergibt sich mein Jahresplan für Futter und Pflege:
| Phase | Blühzeiger | Fütterung | Tierpflege |
|---|---|---|---|
| Frühjahr | erste Gänseblümchen | frisches Grün schrittweise zum Heu, Umstellung über 14 Tage | Fläche vor der ersten Nutzung auf Giftpflanzen absuchen |
| Frühsommer | Rotklee, vereinzelt Schafgarbe | Fläche bei Nutzhöhe beweiden oder schneiden, Überschuss zu Heu trocknen | nicht gefressenes Frischfutter täglich austauschen |
| Hochsommer | Schafgarbe, Wegwarte, Rotklee | frisch füttern, Heu nur trocken einlagern | kühler Schattenplatz für alle Tiere gleichzeitig, stets frisches Wasser |
| Herbst | Gänseblümchen, Schafgarbe und Wegwarte bis Oktober | langsam zurück zu mehr Heu, wieder über 14 Tage | Giftpflanzen vor jedem Schnitt kontrollieren |
| Winter | höchstens einzelne Gänseblümchen | Heu als Grundlage, frisches Blattgrün aus Beet und Küche | Heu trocken und luftig lagern |
Für die Saattermine einzelner Futterpflanzen nutze ich zusätzlich den Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken.
Ich trage jedes Jahr in meinen Gartenkalender ein, wann die ersten Gänseblümchen, der erste Rotklee und die erste Schafgarbe blühen. Daneben notiere ich, wann ich mit der Futterumstellung begonnen und wann ich das erste Heu geschnitten habe. So vergleiche ich die Jahre miteinander, statt mich auf feste Daten zu verlassen.
Frühjahr: Wie stelle ich vom Heu auf frisches Grün um?
Sobald die Wiese austreibt und die ersten Gänseblümchen blühen, beginne ich mit der Umstellung. Bei Kaninchen und Meerschweinchen soll eine Futterumstellung langsam über 14 Tage laufen. Ich lege das erste Wiesengrün neben das gewohnte Heu und erhöhe den Anteil Schritt für Schritt. Wiesengräser und Wiesenkräuter gehören bei beiden Arten zur Hauptnahrung, und zwar täglich frisch und als Heu. Zusammen mit der langsamen Umstellung heißt das: Das erste Grün ergänzt das Heu, es ersetzt es nicht.
In diesen Wochen schaue ich genau hin, ob alle Tiere normal fressen. Verweigert ein Meerschweinchen das Futter, ist das ein tierärztlicher Notfall. Nicht gefressenes Frischfutter und Heu tausche ich bei Meerschweinchen täglich aus, damit nichts Welkes im Gehege liegen bleibt.
Am ersten warmen Tag dürfen die Tiere gleich den ganzen Tag auf die frische Wiese. Auch Gras, das sie selbst abweiden, ist neues Futter. Deshalb gilt die langsame Umstellung über 14 Tage auch für den Weidegang.
Frühsommer: Wann ist die Wiese reif zur Nutzung?
Ab Juni blüht als Richtwert der Rotklee, und mit der Blüte ändert sich das Futter. Beim Welschen Weidelgras wächst mit zunehmender Reife der Anteil an Stängeln, und der Energiegehalt geht zurück. Ich nehme die beginnende Blüte deshalb als Zeichen, die Fläche zu nutzen, statt sie weiter wachsen zu lassen. Vorher messe ich mit dem Zollstock an mehreren Stellen die Aufwuchshöhe.
Für die als Kleintier-Wiese angebotene mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Gräser- und Kleemischung ist eine Nutzhöhe von etwa 20 cm angegeben, ihre Wuchshöhe liegt bei etwa 10 bis 20 cm. Eine Mischung aus Futtergräsern und Weißklee nennt als Schnitthöhe 4 bis 5 cm.
Was die Tiere frisch nicht fressen, schneide ich und trockne es zu Heu. So wächst der Wintervorrat in den Wochen heran, in denen die Wiese am stärksten treibt.
„Die Kräuter der Wiese sind eine natürliche Apotheke.“ Eine Wiese liefert Futter, keine Medizin. Futterwerte aus Tabellen beschreiben Inhaltsstoffe, keine Wirkung auf die Gesundheit deiner Tiere. Es sind zudem Mittelwerte, eine konkrete Partie kann davon abweichen. Wirkt ein Tier krank, gehört es zum Tierarzt.
Hochsommer: Was brauchen die Tiere, wenn Schafgarbe und Wegwarte blühen?
Ab Juli blühen als Richtwert Schafgarbe und Wegwarte, der Rotklee ist noch dabei. Jetzt zählt neben dem Futter der Schutz vor Hitze. Kaninchen und Meerschweinchen brauchen im Freigehege einen kühlen Schattenplatz, der allen Tieren gleichzeitig Platz bietet. Auch bei Weidegang muss stets genügend frisches Tränkwasser bereitstehen. Ich stelle Schatten und Tränke so, dass kein Tier ein anderes verdrängen muss.
Heu von der eigenen Fläche
Eine angebotene Mischung aus Futtergräsern und Weißklee ist für Beweidung oder Heugewinnung vorgesehen. Als lagerstabil gilt Heu in der landwirtschaftlichen Beratung erst bei weniger als 14 % Wassergehalt. Gelagert wird es geschützt vor erneutem Wasserzutritt, mit genug Luftraum darüber, damit feuchtwarme Luft abziehen kann. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf der Fläche belasten oder erst später im Lager. Ich lagere deshalb nur durchgetrocknetes Heu ein und verfüttere keines, das im Lager wieder feucht geworden ist.
Welche Arbeiten vom Sommerschnitt bis zum Winterfutter anfallen, zeigt dir die Übersicht, welche Pflege- und Nutzungsaufgaben auf der Futterwiese je Jahreszeit anstehen.
Herbst: Wie gelingt der Weg zurück zum Heu?
Der Rotklee hört als Richtwert im September auf. Gänseblümchen, Schafgarbe und Wegwarte blühen noch bis in den Oktober. Danach merke ich den Wechsel daran, dass ich für die Frischfutterportion länger suchen und schneiden muss. Auch dieser Schritt ist eine Futterumstellung, deshalb verschiebe ich das Verhältnis wieder langsam über 14 Tage hin zum Heu.
Wenn die Wiese nachlässt, schneide ich für meine Kaninchen auch Blätter von Hasel, Apfel und Johannisbeere, die sich als Grünfutter eignen. Beim Gehölzschnitt fallen außerdem ungespritzte Zweige von Apfel, Weide oder Haselnuss an, die Kaninchen und Meerschweinchen zum Nagen bekommen können. In diesen Wochen sehe ich auch meine Heuvorräte für den Winter durch.
Winter: Was füttere ich, wenn die Wiese ruht?
Im Winter trägt das Heu von der eigenen Fläche die Fütterung. Für Kaninchen wird Heu zusammen mit Saftfutter als Fütterungsgrundlage empfohlen. Bei Meerschweinchen nutzt vor allem das Kauen von rohfaserhaltigem Grundfutter die ständig nachwachsenden Zähne ab.
Frisches Blattgrün kommt jetzt aus Beet und Küche. Chicorée, Radicchio und Zuckerhut gelten als geeignete Blattsalate für Kaninchen und Meerschweinchen. Für Kaninchen passen außerdem Endivie, Möhrengrün und Fenchelgrün.
Meerschweinchen müssen Vitamin C mit dem Futter aufnehmen, weil sie es anders als Kaninchen nicht selbst bilden können. Vitamin C ist hitze- und lichtempfindlich, und Lagerung kann den Gehalt in Futterpflanzen verändern. Wer im Winter vor allem gelagertes Futter reicht, plant für Meerschweinchen deshalb täglich frisches Grün ein.
Neue Blattsalate führe ich im Winter genauso langsam ein wie im Frühjahr das Wiesengrün. Auch dieser Wechsel des Futterangebots braucht bei Kaninchen Zeit, damit sich der Verdauungsapparat einstellen kann.
Welche Giftpflanzen muss ich das ganze Jahr im Blick behalten?
Bevor ich die Tiere auf eine Teilfläche lasse oder Heu schneide, gehe ich die Fläche ab. Was ich nicht sicher bestimmen kann, kommt nicht ins Futter. Herbstzeitlose und Eibe sind für Kaninchen und Meerschweinchen giftig. Bei der Eibe sind Rinde, Nadeln und Samen giftig, deshalb achte ich auch auf Hecken am Gehegerand. Eisenhut ist für sämtliche Tierarten giftig.
Die Giftstoffe der Herbstzeitlose bleiben auch nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. Weil das Heu im Winter die Fütterung trägt, landet eine beim Schnitt übersehene Pflanze später im Winterfutter.
Kreuzkraut gehört ebenfalls nicht ins Futter. Die Pyrrolizidinalkaloide der Kreuzkräuter können Rinder und Pferde schwer bis tödlich vergiften, auch wenn sie über Heu oder Silage aufgenommen werden.
Bei Verdacht auf eine Vergiftung durch Pflanzen holst du sofort tierärztliche Hilfe. Warte nicht ab, ob sich das Tier von selbst erholt.
Passt der Kalender für jede Tierart?
Für Kaninchen und Meerschweinchen gehören Wiesengräser und Wiesenkräuter zur Hauptnahrung. Für andere Tiere deckt die Wiese nur einen Teil ab, und manche brauchen ganz andere Schwerpunkte.
| Tierart | Rolle der Wiese | Worauf ich achte |
|---|---|---|
| Kaninchen | Gräser und Kräuter als Hauptnahrung, frisch und als Heu | Heu mit Saftfutter als Grundlage, jeden Futterwechsel langsam |
| Meerschweinchen | Gräser und Kräuter als Hauptnahrung, frisch und als Heu | Vitamin C über das Futter, Futterverweigerung ist ein Notfall |
| Goldhamster | nur ein Teil der Ernährung | brauchen auch tierisches Protein, eine Kräuterwiese bildet ihre Gesamternährung nicht ab |
| Degus | Gras, Kräuter, Blätter und Samen gehören zur natürlichen Nahrung | in der warmen Jahreszeit täglich geeignetes frisches Blattgrün, kein Obst wegen der Neigung zu Diabetes |
| Chinchillas | Heu | gut strukturiertes Heu ständig zur freien Verfügung |
| Griechische Landschildkröten | Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich und Klee als pflanzliche Nahrung | Futter auf einer Unterlage anbieten, zuckerreiches Obst ist keine Futterbasis |
| Hühner | Grasauslauf | Futtermenge und Zusammensetzung hängen von Rasse, Körpergröße und Haltungsform ab; Auslauf in 2 bis 3 Segmente teilen, damit sich die gesperrte Fläche erholt |
Anlage, Pflege und Beschäftigung in Kürze
Pflanzenwahl. Grünlandfutter setzt sich typischerweise aus Gräsern sowie Kräutern und LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft. zusammen, zum Beispiel Weidelgras, Spitzwegerich und Klee. Welche Arten zu deinen Tieren passen, erklärt der Ratgeber, welche Gräser, Kräuter und Kleearten in eine Kleintier-Wiese gehören.
Standort und Boden. Wie gut die Wiese übers Jahr trägt, hängt auch an Standort und Boden. Die Grundlagen zu Standort, Boden und Winterhärte von Futterpflanzen stehen im Futterpflanzen-Überblick.
Gießen und Düngen. Gegossen wird vorzugsweise früh morgens und bodennah. In Gras-Leguminosen-Mischungen fördern höhere Stickstoffgaben das Graswachstum und können die Zusammensetzung des Bestandes verändern. Beides ordnet der Futterpflanzen-Überblick im Abschnitt Gießen und Düngen ein, für die Wiese im Detail lies nach, wie du eine Kleintier-Wiese bedarfsgerecht bewässerst.
Aussaat. Eine angebotene Mischung aus Futtergräsern und Weißklee lässt sich von März bis Juni säen. Ein zweites SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. reicht von August bis Oktober. SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind., Saatmenge und Keimphase erklärt der Ratgeber, wie du eine Kleintier-Wiese Schritt für Schritt aussäst.
Pflege. Eine Weide in mehrere Koppeln zu teilen, ermöglicht kurze Beweidungsphasen und längere Erholungsphasen für die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz.. Schnittgut lässt du nicht als dicke Matte liegen, weil sie die Grasnarbe darunter ersticken kann. Mährhythmus, NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. und Beweidung im Wechsel vertieft der Ratgeber, wie du eine bestehende Kleintier-Wiese langfristig pflegst.
Beschäftigung. Verteilt angebotenes, geeignetes Futter kann Kaninchen zur Suche anregen. Ideen für Verstecke, Tränken und Ruhezonen findest du beim Thema, wie du eine Kleintier-Wiese planst und gestaltest.





