Hydrokultur düngen: pH-Wert, EC-Wert und Wasserhärte bei Zimmerpflanzen
- In erdloser Kultur müssen alle Nährstoffe gezielt dosiert über die Nährlösung kommen, eine Grunddüngung wie in vorgedüngter Erde fehlt.
- Bei fertig gekauften Hydrokulturgefäßen ist die Nährlösung üblicherweise auf einen pH-Wert von 5,5 bis 6,5 eingestellt.
- Der EC-Wert erfasst alle gelösten Salze aus Gießwasser und Dünger, aber keine einzelnen Nährstoffe.
- Viel Hydrogencarbonat im Gießwasser kann den pH-Wert anheben und Phosphor, Eisen, Mangan und Bor schlechter verfügbar machen.
- Ungefähr alle 6 Monate wird das Wasser gewechselt und die Nährlösung neu eingestellt.

Steht deine Zimmerpflanze in HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze., fehlt ihr die Grunddüngung, die in vorgedüngter Blumenerde steckt. Jeder Nährstoff, den sie aufnehmen soll, muss gezielt dosiert über die NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln. kommen. Ich messe deshalb zwei Werte, bevor ich am Dünger etwas ändere: den pH-Wert und die LeitfähigkeitDie Leitfähigkeit, oft als EC-Wert angegeben, ist ein Messwert für die Menge gelöster Salze, etwa Düngesalze, in Erde oder Wasser. Gemessen wird, wie gut die Probe Strom leitet: Je mehr Salze gelöst sind, desto höher der Wert..
Ein Hydrokulturgefäß besteht aus einem wasserdichten Außentopf, einem durchbrochenen Innentopf, einem Wasserstandsanzeiger und einem Füllsubstrat wie Blähton. Für den Einstieg eignen sich in Wasser bewurzelte Stecklinge, zum Beispiel von Grünlilie oder Tradescantia. Welche Substrate und Systeme es gibt, liest du im Ratgeber dazu, was Hydrokultur ausmacht und wie der Einstieg ohne Erde gelingt.
Was ändert sich beim Düngen ohne Erde?
In Erde zählt beim Nachdüngen die Grunddüngung mit, die schon im Substrat steckt. Wer eine Kübelpflanze frisch in vorgedüngte Blumenerde setzt, muss gewöhnlich in den ersten 4 bis 6 Wochen nicht zusätzlich düngen. In erdloser Kultur gibt es diesen Vorrat nicht, dort müssen sämtliche benötigten Nährstoffe gezielt dosiert zugeführt werden.
Weil in Erde die Grunddüngung mitzählt und in der Hydrokultur alles über die Lösung kommt, muss ein Dünger für Hydrokultur alle Haupt- und SpurennährstoffeSpurennährstoffe sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in geringen Mengen aufnehmen, auf die sie aber trotzdem angewiesen sind. Dazu zählen etwa Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän. mitbringen. Ein Dünger, der nur einen Teil davon liefert, lässt Lücken, die kein Substrat füllt.
Beim pH-Wert bleibt der Bezugsbereich gleich. Handelsübliche Fertigsubstrate für den Großteil der Zierpflanzen sind auf pH 5,5 bis 6,5 eingestellt. Die Nährlösung fertig gekaufter Hydrokulturgefäße für Zimmerpflanzen liegt üblicherweise im selben Bereich.
Anders ist das Messen. In Erde brauchen vergleichbare Messungen mit Einstichelektroden eine kontrollierte Substratfeuchte, eine einheitliche Einstichtiefe und ein geprüftes Messgerät. In der Hydrokultur misst du dagegen die Nährlösung direkt.
Willst du eine Pflanze aus Erde in Hydrokultur setzen, lies vorher, wie du sie von Erde auf Hydrokultur umstellst und durch die Anpassungsphase bringst.
Welcher Dünger passt in die Hydrokultur?
Was ein Hydrodünger enthalten muss
Zu den Hauptnährstoffen gehören Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft.. Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. zählen zu den Spurennährstoffen. Wofür die Pflanze die einzelnen Nährstoffe braucht und wie du in Erde richtig dosierst, erklärt der Ratgeber dazu, welche Nährstoffe Zimmerpflanzen brauchen und wie du Düngefehler vermeidest.
Nährstoffe, die schon im Gießwasser stecken, etwa Calcium und Magnesium, rechnest du bei der Nährlösung mit an. Wie viel Dünger hineingehört, steht in der Dosierungsanweisung auf der Verpackung. An diese Angabe hältst du dich, denn die Hydrokultur hat keinen Erdvorrat, der Fehler ausgleicht.
Flüssigdünger oder Depotdünger?
Flüssigdünger mischst du ins Wasser, Menge und Zeitpunkt bestimmst du dabei selbst. Für Zimmerpflanzen in Hydrokultur gibt es außerdem DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. auf Ionenaustauschbasis. Bei Langzeitdüngern, ob organisch oder mineralisch, verzögern niedrigere Temperaturen die Wirkung.
Für den Anfang rate ich dir zum Flüssigdünger für Hydrokultur. Du dosierst nach Etikett und kannst die fertige Lösung messen, bevor sie ins Gefäß kommt. Ich mische den Dünger in einer Kanne mit zimmerwarmem Wasser an und messe die Lösung, bevor ich sie einfülle.
Mineralisch oder organisch?
Organisch gebundene Nährstoffe werden erst durch mikrobielle MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. pflanzenverfügbar. Hornspäne zum Beispiel müssen zuerst von Mikroorganismen abgebaut werden. Auch diese Freisetzung kann zu Überversorgung und erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen. Organisch-mineralische Dünger kombinieren beide Bindungsformen.
In der Hydrokultur sollen alle Nährstoffe gezielt dosiert ankommen, organisch gebundene stehen aber erst nach dem Abbau durch Mikroorganismen bereit. Wann wie viel frei wird, legst du mit der Dosierung eines organischen Düngers also nicht allein fest. Ich nehme in der Hydrokultur deshalb einen mineralischen Dünger.
pH-Wert der Nährlösung: Wie misst und stellst du ihn ein?
Passt der pH-Wert nicht zur Pflanzenart, kann sie Nährstoffe schlechter aufnehmen, auch wenn genug davon in der Lösung ist. Bevor du nachdüngst, prüfst du deshalb den pH-Wert. Die folgenden Werte geben dir Bezugspunkte, jeweils mit dem Rahmen, für den sie gelten.
| Bezug | pH-Wert | Was gilt |
|---|---|---|
| Nährlösung fertig gekaufter Hydrokulturgefäße für Zimmerpflanzen | 5,5 bis 6,5 | üblicherweise so eingestellt |
| Handelsübliche Fertigsubstrate für den Großteil der Zierpflanzen | 5,5 bis 6,5 | so eingestellt |
| Zierpflanzensubstrate | unter 5 | kann die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Kalium vermindern |
| Molybdän in Zierpflanzensubstraten | oberhalb eines Bereichs von 5,6 bis 5,8 | erst dort optimal verfügbar, besonders relevant bei Weihnachtssternen |
| Kalibrieren der pH-Elektrode | Pufferlösungen bei pH 4 und pH 7 | für zuverlässige Messungen |
Gemessen wird mit einer pH-Elektrode. Vor dem Messen kalibrierst du sie mit den beiden Pufferlösungen aus der Tabelle. Ich kalibriere meine Elektrode, bevor ich eine neue Lösung ansetze, und schreibe Datum und Messwert auf.
Liegt die Lösung über dem üblichen Bereich, schau zuerst auf dein Ausgangswasser. Hohe Hydrogencarbonatgehalte im Gießwasser können den pH-Wert anheben. Ich setze die Lösung in diesem Fall mit zimmerwarmem Regenwasser an, weil Regenwasser weich ist. Neu eingestellt wird die Nährlösung beim Wasserwechsel, der ungefähr alle 6 Monate ansteht.
Wie der pH-Wert in Blumenerde wirkt, erklärt der Ratgeber dazu, wie der pH-Wert die Nährstoffaufnahme deiner Zimmerpflanzen bestimmt.
EC-Wert bei Zimmerpflanzen: Was die Leitfähigkeit zeigt und was nicht
EC steht für die elektrische Leitfähigkeit. Der EC-Wert in mS/cm beschreibt die Leitfähigkeit aller gelösten Salze aus Gießwasser und Dünger, und auch die Temperatur beeinflusst ihn.
Die EC-Messung zeigt dir die Summe der gelösten Salze in der Lösung, nicht die Menge einzelner Nährstoffe. Ob genug Eisen oder Kalium darin ist, liest du an dieser Zahl nicht ab.
Der EC-Wert misst dein Leitungswasser mit und hängt auch von der Temperatur ab. Dieselbe Düngung kann also in zwei Wohnungen mit unterschiedlichem Wasser zu verschiedenen Zahlen führen. Was du stattdessen brauchst, ist dein eigener Ausgangswert.
EC-Wert-Tabelle für Zimmerpflanzen in Hydrokultur: Messung und Einordnung
| Frage | Antwort |
|---|---|
| In welcher Einheit? | mS/cm |
| Was fließt in den Wert ein? | alle gelösten Salze aus Gießwasser und Dünger |
| Was zeigt er nicht? | die Konzentration einzelner Nährstoffe |
| Was verändert ihn außerdem? | die Temperatur |
| Womit vergleichst du? | mit deinem eigenen Ausgangswert, also dem reinen Gießwasser vor der Düngerzugabe |
| Wie viel Dünger kommt hinein? | so viel, wie die Dosierungsanweisung auf der Verpackung angibt |
| Womit liest du den Wert zusammen? | mit dem Zustand der Pflanze und der Wachstumsphase |
So gehe ich vor: Ich messe zuerst das zimmerwarme Gießwasser allein und notiere den Wert. Danach mische ich den Dünger nach Etikett ein und messe die fertige Lösung bei gleicher Temperatur. Auf diese Weise sehe ich, welcher Teil der Zahl schon aus meinem Wasser stammt. Spätere Messungen vergleiche ich mit diesen beiden notierten Werten.
Steigt die Leitfähigkeit über den Wert, den du beim Ansetzen gemessen hast, gib keinen Dünger nach. Schau dir dann Pflanze, Wasserstand und pH-Wert an, bevor du etwas änderst.
„Hoher EC-Wert heißt viel Dünger.“ Das stimmt so nicht. Ein Teil des Werts kann aus dem Gießwasser stammen, und welche Nährstoffe dahinterstehen, zeigt die Zahl nicht.
Wasserhärte: Was dein Leitungswasser in die Lösung mitbringt
Zimmerwarmes Regenwasser passt für Zimmerpflanzen gut. Kaltes oder hartes Leitungswasser kann dagegen empfindlichen Arten Probleme machen. In der Hydrokultur wirkt die Härte auf die Nährstoffrechnung und auf den pH-Wert.
Calcium und Magnesium aus dem Wasser zählen bei der Nährlösung mit. Hohe Hydrogencarbonatgehalte können außerdem den pH-Wert erhöhen. Dadurch kann die Verfügbarkeit von Phosphor, Eisen, Mangan und Bor sinken.
Ein vollständiger Dünger allein genügt also nicht. Hebt das Hydrogencarbonat den pH-Wert an, kann die Pflanze Phosphor oder Eisen schlechter aufnehmen, weil ein unpassender pH-Wert die Aufnahme begrenzt, obwohl beides in der Lösung ist.
Was dein Wasser an gelösten Salzen mitbringt, zeigt dir die EC-Messung des reinen Wassers. Den pH-Wert misst du im selben Durchgang.
Ich fange Regenwasser in einer abgedeckten Tonne auf und stelle eine gefüllte Kanne ins Zimmer, bis das Wasser Raumtemperatur hat. Erst dann messe ich pH-Wert und Leitfähigkeit und setze die Nährlösung an.
Wie passt du die Düngung an die Wachstumsphasen an?
Hauptwachstumszeit
Die Hauptwachstumszeit gängiger Zimmerpflanzen liegt als grobe Orientierung zwischen März und Oktober. In dieser Zeit richtet sich die Düngung nach dem Bedarf der Pflanze. Ich schaue mir neue Blätter und Triebe an, bevor ich die nächste Lösung ansetze.
Rund um die Blüte
Bei manchen Arten ändert die Blüte den Rhythmus. Die Tabelle nennt die Abstände je Art, die Menge je Gabe richtet sich weiter nach dem Etikett deines Düngers.
| Pflanze | Phase | Düngung |
|---|---|---|
| Phalaenopsis | sobald Blütenstiele sichtbar werden | zusätzliche Düngergaben alle 2 Wochen |
| Strelitzien | im Sommer und während der Blüte | Düngergaben im Abstand von etwa 1 Woche |
| Zimmer-Alpenveilchen | nach dem Verblühen | Düngung für die Ruhephase eingestellt |
Bei Orchideen können zu hohe oder zu häufige Düngergaben die Wurzeln schädigen. Halte dich deshalb auch bei zusätzlichen Gaben an die Dosierung auf der Verpackung.
Winter und Ruhezeit
Im Winter bekommt die Pflanze weniger Licht und braucht dann weniger Wasser und Nährstoffe, selbst in einem warmen Zimmer. Du düngst in dieser Zeit seltener. Bleibt das Wachstum wegen Lichtmangels ganz aus, ist zusätzlicher Dünger nicht angezeigt. Wenig Licht zusammen mit zu hoher Temperatur kann außerdem Blattfall verursachen. Steht die Pflanze im Winter kühl, wirkt ein Langzeitdünger verzögert.
Praktische Tipps für die Hydrokultur-Düngung
Nährlösung ansetzen in fester Reihenfolge
Wenn du jedes Mal gleich vorgehst, bleiben deine Messwerte vergleichbar.
So setze ich eine neue Nährlösung an.
- pH-Elektrode mit beiden Pufferlösungen kalibrieren.
- Zimmerwarmes Gießwasser allein messen, pH-Wert und Leitfähigkeit notieren.
- Dünger nach der Dosierungsanweisung auf der Verpackung einmischen.
- Fertige Lösung bei gleicher Temperatur messen und notieren.
- Gefäß nicht randvoll füllen, weil ein zu hoher Wasserstand Sauerstoff aus dem Wurzelbereich verdrängt und Wurzelfäule begünstigt.
- Beim Wasserwechsel, ungefähr alle 6 Monate, die Lösung neu einstellen.
Mehrere Pflanzen in einem Gefäß
In ein gemeinsames Gefäß setzt du nur Pflanzen mit annähernd gleichen Ansprüchen an Licht, Wasser und Nährstoffe. In der Hydrokultur teilen sie sich dieselbe Nährlösung mit demselben pH-Wert und derselben Leitfähigkeit. Eine Pflanze mit anderem Bedarf lässt sich darin nicht getrennt versorgen.
Wasserstandsanzeiger prüfen
Der Anzeiger steht hoch, der Topf ist aber fast leer. Das kann passieren, wenn eingewachsene Wurzeln den Wasserstandsanzeiger hochdrücken. Ich hebe das Gefäß an, und wirkt es trotz hohem Anzeiger leicht, sehe ich nach, ob Wurzeln unter dem Anzeiger sitzen.
Wenn Blätter sich verfärben
Gelbe Blätter mit Blattfall können auf Nährstoffmangel hindeuten, ebenso aber auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress. Prüfe deshalb zuerst Standort, pH-Wert und Lösung, bevor du Dünger nachgibst. Wie du Mangelbilder deutest, erklärt der Pflegeratgeber im Abschnitt zu Nährstoffmangel, Spurenelementen und Überdüngung bei Zimmerpflanzen.
Wenn du zu viel gedüngt hast
Bei Überdüngung stellst du das Düngen zunächst ein. Welche Fehlerbilder eine zu hohe Konzentration oder ein falscher pH-Wert auslöst, zeigt der Ratgeber dazu, wie du Fehler bei Nährlösung und pH-Wert in der Hydrokultur erkennst und vermeidest.

