Löwenmäulchen vermehren: Stecklinge schneiden oder Samen ernten?
- Kopfstecklinge geben die Eigenschaften der Mutterpflanze weiter, Samen von F1-Hybriden spalten dagegen auf.
- Für Stecklinge taugen feste, unverholzte Triebspitzen ohne Blütenknospen von gesunden Pflanzen.
- Als allgemeine Faustregel gilt eine etwa 10 cm lange Triebspitze, deren untere Blätter nicht in die Erde kommen.
- Unter einer durchsichtigen Tüte hell und warm ohne pralle Sonne aufstellen, jeden Tag kontrollieren und kurz lüften.
- Neue kleine Blättchen zeigen, dass ein Steckling eingewurzelt ist.
- Für eigene Samen einzelne Blüten ausreifen lassen und von rostbefallenen Pflanzen kein Saatgut nehmen.

Du hast ein Löwenmäulchen in einer Farbe, die du im nächsten Sommer wieder im Beet haben willst? Ob die Nachkommen wieder so aussehen, hängt von der Methode ab, mit der du vermehrst. Ich markiere solche Pflanzen schon während der Blüte und schneide später Kopfstecklinge davon. Bei den übrigen Löwenmäulchen lasse ich einzelne BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. für Samen stehen. Hier erfährst du, wie beide Wege gelingen, was die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. beiträgt und wann sich welche Methode lohnt.
Drei Wege zu neuen Löwenmäulchen
Vorhandene Löwenmäulchen vermehrst du auf drei Wegen: über Kopfstecklinge, über selbst geerntete Samen und über die Selbstaussaat im Beet. Ein Kopfsteckling ist eine abgeschnittene Triebspitze, die in Erde eigene Wurzeln bildet. Samen sammelst du von Blütenständen, die du bis zur Reife an der Pflanze lässt. Bei der Selbstaussaat fallen die Samen von allein auf den Boden und keimen dort.
Botanisch ist das Garten-Löwenmäulchen eine kurzlebige mehrjährige, krautige Pflanze, die an der Basis oft verholzt. Im Garten wird es meist einjährig kultiviert, weil die Pflanzen im zweiten Jahr oft nachlassen. Winterhart ist es nicht. Eine Lieblingsfarbe sicherst du deshalb über Nachwuchs.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Bodenart
Sandige, kalkhaltige, lehmige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Neutrale, alkalische, saure Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte gut durchlässig sein.
- Anbauort
Je nach Sorte ist die Kultur im Kübel, im Topf oder im Hochbeet möglich.
Pflege
- Pflege
Die Pflanze wird häufig einjährig kultiviert, da sie im zweiten Jahr oft nachlässt; am geeigneten Standort sät sie sich häufig selbst aus.
- Düngung
Nach dem ersten Flor können zurückgeschnittene Löwenmäulchen erneut blühen. Düngen, sobald die Knospen des zweiten Flors sichtbar werden.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die krautige Pflanze ist kurzlebig mehrjährig und verholzt oft an der Basis.
- Verwendung
Je nach Sorte: Die Pflanze eignet sich als Schnittblume. Die Pflanze eignet sich für Beet und Balkon.
Stecklinge oder Samen: Wann lohnt sich welche Methode?
Am Anfang steht eine Frage: Willst du eine bestimmte Pflanze vervielfältigen, oder sollen es einfach viele Löwenmäulchen werden? StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. geben die Eigenschaften einer ausgewählten Mutterpflanze vegetativ weiter. Bei F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. spalten die Merkmale in der nächsten Generation dagegen wieder auf, deshalb können Pflanzen aus eigenen Samen anders aussehen als die Mutter. Stammt deine Lieblingsfarbe aus einer F1-Sorte, ist der Steckling also der Weg, der genau diese Pflanze weitergibt.
Samen spielen ihre Stärke bei der Menge aus. Mit eigenem Saatgut ziehst du viele Pflanzen auf einmal, und die Ernte läuft nebenbei mit, wenn du einzelne Blüten stehen lässt. Stecklinge machen dagegen mehr Handarbeit je Pflanze. Du schneidest, steckst und deckst ab, und die abgedeckten Töpfe kontrollierst du jeden Tag. Die Selbstaussaat nimmt dir die Anzucht ganz ab, passt aber nur, wenn dir Farbe und Platz gleich sind. Auch dort kann der Nachwuchs von HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. anders aussehen als die Pflanze im Vorjahr.
Bevor du dich festlegst, hilft ein Blick auf die Sorte. Hohe Löwenmäulchensorten eignen sich als Schnittblumen, niedrige für Beeteinfassungen und Töpfe. Mehr dazu, welche Löwenmäulchen-Sorten zu deinem Garten passen, findest du im Sortenratgeber.
Steckling, wenn du genau diese eine Pflanze behalten willst, besonders bei einer F1-Sorte. Eigene Samen, wenn du viele Pflanzen möchtest und die Sorte keine Hybride ist oder dich abweichende Farben nicht stören. Selbstaussaat, wenn ein sonniger bis halbschattiger Platz mit offenem Boden bereitsteht und dir Ort und Farbe gleich sind.
Auch eine geschützte Sorte darfst du für den eigenen Garten vermehren. Auf Handlungen im privaten Bereich zu nicht gewerblichen Zwecken erstreckt sich der Sortenschutz nicht.
Löwenmäulchen-Stecklinge schneiden: So gehst du vor
Die artübergreifenden Grundlagen zu Topf, Überwintern und Stecklingen bei Sommerblumen findest du im Überblick zu allen Sommerblumen. Hier geht es darum, worauf du beim Löwenmäulchen achtest.
Welche Mutterpflanze eignet sich?
Für Stecklinge wählst du eine gesunde, kräftige Pflanze mit festen, noch unverholzten Trieben. Löwenmäulchen verholzen an der Basis oft, deshalb holst du die Stecklinge von den Triebspitzen und nicht vom Grund der Pflanze. Schau dir vorher die Blattunterseiten an. Gelbe bis rötlichbraune Flecken mit Pusteln können dort auf Rost hindeuten. Eine solche Pflanze nehme ich nicht als Mutterpflanze.
Ich binde an die Pflanze, deren Farbe ich behalten will, schon während der Blüte ein Wollfädchen. Wenn ich später blütenfreie Triebe schneide, finde ich sie so wieder, auch ohne Blüten.
Wie schneidest du den Steckling?
Ein guter Steckling ist eine Triebspitze ohne Blütenknospen. Für Stecklinge von Zimmer- und Kübelpflanzen gilt als Faustregel, etwa 10 cm der Triebspitze abzuschneiden. Am Steckling bleiben dabei 2 bis 4 Blattpaare. Ich nehme diese allgemeine Regel beim Löwenmäulchen als Maß und schneide mit einem sauberen, scharfen Messer. Trägt jeder Trieb schon Blütenknospen, taugt die Pflanze eher für die Samenernte.
Hast du vorher an kranken Pflanzen gearbeitet, reinigst du Messer und Handschuhe, bevor du an die Mutterpflanze gehst. Anschließend zupfst du die Blätter am unteren Stielstück ab. Lass den Stiel so lang, dass er gut in der Erde steckt und kein Blatt den Boden berührt. Blätter in der Erde faulen sehr schnell.
Schneiden und Knipsen fördert beim Löwenmäulchen die Verzweigung und die Blütenbildung. Entspitzt du ohnehin, setzt du den Schnitt also so, dass dabei eine brauchbare Triebspitze für einen Steckling abfällt.
Wie steckst und versorgst du die Stecklinge?
Ich stecke jeden Steckling in einen kleinen, sauberen Topf mit Abzugsloch und frischer Aussaaterde. Danach gießt du gut an und stülpst eine durchsichtige Plastiktüte darüber. Der Topf kommt auf eine warme, helle Fensterbank, die nicht zu sonnig ist. Schau jeden Tag nach den abgedeckten Stecklingen und öffne die Tüte kurz. So staut sich weder Schwitzwasser noch dauerhaft feuchte Luft, die Pilzerkrankungen begünstigen kann.
Die Tüte bleibt bis zur Bewurzelung geschlossen. Durchsichtige Abdeckungen sollen nicht luftdicht schließen, sonst können Schwitzwasser und feuchte Luft Pilzerkrankungen begünstigen. Öffne sie bei jeder Kontrolle kurz.
Woran erkennst du, dass der Steckling wurzelt?
Das deutlichste Zeichen ist neues Wachstum. Bekommt ein Steckling neue kleine Blättchen, ist er eingewurzelt. Für die Zeit bis zu den ersten Wurzeln helfen Richtwerte, die für andere Pflanzengruppen gelten:
| Punkt | Richtwert | Gilt für |
|---|---|---|
| Länge | etwa 10 cm der Triebspitze | Stecklinge von Zimmer- und Kübelpflanzen |
| Blätter | 2 bis 4 Blattpaare, keine Blütenknospen | Stecklinge von Zimmer- und Kübelpflanzen |
| Erste Wurzeln | nach etwa 2 bis 3 Wochen | Sommerstecklinge von Beet- und Balkonpflanzen wie Pelargonien, hell und vor greller Sonne geschützt |
| Wurzeln | nach etwa drei bis vier Wochen | Kopfstecklinge krautiger Balkon-, Kübel- und Zimmerpflanzen, hell und warm unter Folie |
| Eingewurzelt | neue kleine Blättchen | Stecklinge allgemein |
Für Löwenmäulchen nehme ich beide Zeitspannen nur als Orientierung. Den nächsten Schritt mache ich erst, wenn die neuen Blättchen da sind.
Was tun, wenn ein Steckling schlappmacht?
Welkt ein Steckling, prüfst du zuerst die Erde. Welke kann TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. anzeigen, genauso aber beginnende Wurzelfäule in zu nasser Erde. Prüfe deshalb mit dem Finger, bevor du nachgießt. Ein grauer Belag auf faulenden Pflanzenteilen kann auf GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. hindeuten, der bei hoher Luftfeuchte auftritt. Solche Teile entfernst du, um den Befall einzudämmen. Werden Stecklinge lang, instabil und hellgrün, kann das auf Lichtmangel hindeuten. Dann bekommen sie einen helleren Platz, weiterhin ohne pralle Sonne.
Vom bewurzelten Steckling ins Beet
Ist der Topfballen sichtbar durchwurzelt und die Jungpflanze kräftig, ist sie reif fürs Freiland. Stell die jungen Löwenmäulchen tagsüber nach und nach an einen geschützten Platz im Freien, anfangs ohne pralle Sonne. Ins Beet kommen sie erst nach dem letzten Nachtfrost, und bei niedrigen Nachttemperaturen brauchen sie bis dahin wieder Schutz.
Löwenmäulchen mögen einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit nährstoffreichem, luftigem Boden. Knipst du die Spitzen der jungen Pflanze, förderst du auch hier Verzweigung und Blütenbildung. Den Platz für die neuen Pflanzen kannst du vorher im Beetplaner einzeichnen. Wie es danach weitergeht, erklärt der Ratgeber, wie du Löwenmäulchen gießt, düngst und schneidest.
Samen von eigenen Löwenmäulchen ernten
Welche Blüten lässt du stehen?
Für eigenes Saatgut bleiben ausgewählte welke Blüten an der Pflanze, bis die Samen reif sind. Das Entfernen welker Blüten begrenzt dagegen die Samenbildung und fördert neue Blüten. An derselben Blüte geht beides also nicht. Ich putze deshalb den größten Teil der Pflanze aus und lasse nur die Blütenstände stehen, die ich für Samen eingeplant habe.
Von rostbefallenen Pflanzen sammelst du kein Saatgut. Rostsporen bleiben am Samen haften und können die Jungpflanzen im folgenden Jahr infizieren. Weil Löwenmaul besonders anfällig für Rost ist, schaue ich vor der Ernte noch einmal unter die Blätter.
Wann sind die Samen reif?
Reife Samen sind braun und trocken, dunkle und trockene Körner zeigen die Erntereife häufig an. Den Reifebeginn erkennst du oft am Farbwechsel der Samenstände von Grün zu Braun. Ernte sie an einem trockenen, sonnigen Tag, sobald sie reifen und bevor sie sich öffnen und ausstreuen. Zu früh solltest du nicht schneiden, denn unreif geerntete Samen keimen nicht. Ich schneide die Samenstände mit einer Rosenschere einzeln ab.
Wie trocknest und lagerst du das Saatgut?
Die Samenstände trocknen auf Papier nach. Danach trennst du die Samen von den Pflanzenresten, bei feinem Samen hilft dabei ein Teesieb. Das Tütchen beschriftest du mit Sortenname und Erntedatum und lagerst es kühl, dunkel und trocken. Stammen die Samen von einer Hybridsorte, schreibe ich das dazu, damit ich bei der Aussaat mit abweichenden Farben rechne.
Für das Winterquartier von Saatgut gilt eine Lagertemperatur zwischen 4 und 15 °C. Kühl, dunkel und trocken gelagert, bleiben die meisten Samen etwa drei Jahre keimfähig.
Selbstaussaat: Nachwuchs ohne Anzucht
Am geeigneten Standort säen sich Löwenmäulchen häufig selbst aus. Dafür lässt du über die Saison einige Samenstände vollständig ausreifen und hörst gegen Ende der Saison mit dem AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. auf. Wenn die Samenstände braun und trocken sind, schüttle sie behutsam über dem Beet aus, bevor du die abgestorbenen Stängel abräumst.
Löwenmäulchen sind Lichtkeimer und keimen an der Bodenoberfläche. Eine dicke Mulchschicht verhindert genau den direkten Bodenkontakt, den die Samen dafür brauchen. Wo Nachwuchs kommen soll, bleibt der Boden deshalb offen oder bekommt höchstens eine dünne Lage aus gehäckseltem Laub oder Grasschnitt.
Im Frühjahr laufen oft weit mehr Sämlinge auf, als Platz haben. Dann dünnst du aus und ziehst einzelne Pflänzchen heraus. Beim Jäten musst du die Löwenmäulchen-Keimlinge sicher von unerwünschten Keimlingen unterscheiden. Soll sich das Löwenmäulchen an einer Stelle nicht mehr aussäen, jätest du dort im Frühjahr gründlich und deckst den Boden mit einer dicken Mulchschicht ab. Wie du Löwenmäulchen gezielt in naturnahe Beete, Wildblumenwiesen und Gefäße einplanst, zeigt der Gestaltungsratgeber.
Eigenes Saatgut aussäen
Deine geernteten Samen säst du wie gekauftes Saatgut: Löwenmäulchen sind Lichtkeimer und kommen nur oberflächlich auf die Erde. In der gärtnerischen Sommerkultur vergehen von der Aussaat bis zur Blüte etwa 12 Wochen. Zeitpunkt und Methode erklärt der Ratgeber, wie du Löwenmäulchen aussäst, damit sie sicher keimen, den passenden Monat zeigen dir die Aussaattermine im druckbaren Kalender.





