Bambus und Ziergräser düngen, ohne die Winterhärte zu schwächen
- Stickstoff gibt es nur in der Vegetationsperiode: Ab dem Spätsommer düngst du keinen mehr, damit die Pflanzen aushärten.
- Bambus im Kübel bekommt ab Ende August keinen Dünger mehr, damit seine Triebe ausreifen können.
- Gräser natürlich nährstoffarmer Standorte düngst du erst bei erkennbarem Mangel, denn zu viel kann die Winterhärte verschlechtern.
- Kalium ist die Ausnahme: Eine bedarfsgerechte Gabe kann auch zwischen Mitte Oktober und Ende November erfolgen.
- Kompost kommt im Spätwinter oder Frühjahr in den Boden, höchstens 2 bis 3 l/m² im Jahr.
- Im Winter braucht Bambus bei frostfreiem Boden nach Bedarf Wasser, aber keine Staunässe.

Vor dem Winter liegt die Versuchung nahe, Bambus und Ziergräsern noch eine kräftige Düngergabe mitzugeben. Genau das kann schaden: Zu späte oder zu reichliche Düngung erhöht bei Stauden und Gehölzen die Gefährdung im Winter. Ich plane die Düngung meiner Gräser deshalb vom Herbst her. Zuerst steht fest, wann Schluss ist, dann erst, was im Frühjahr dazukommt.
Wer Ziergras düngen will, stellt also zwei Fragen. Wann endet die Stickstoffgabe, und wann können die Wurzeln im Frühjahr wieder Nährstoffe aufnehmen? Dazwischen liegt der Winterschutz mit Halmen, Wasser und Gefäß.
Warum der Zeitpunkt über die Winterhärte entscheidet
Stickstoff braucht die Pflanze für Eiweiß, ChlorophyllChlorophyll, auch Blattgrün genannt, ist der grüne Farbstoff in den Blättern. Im Sommer überdeckt es gelbe und rötliche Blattfarbstoffe; wird es im Herbst abgebaut, verfärbt sich das Laub. und das Wachstum von Blättern und Trieben. Die Stickstoffdüngung bleibt auf die VegetationsperiodeDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. beschränkt und unterbleibt ab dem Spätsommer, damit die Pflanzen ausreichend aushärten. Stickstoff treibt also genau die Triebe an, die vor dem Frost ausreifen sollen. Eine späte Gabe arbeitet deshalb gegen dieses Ausreifen.
Was später noch an Stickstoff in den Boden kommt, hat einen zweiten Nachteil. Überhöhte, zu häufige oder außerhalb der Vegetationsperiode ausgebrachte Stickstoffgaben können als Nitrat ausgewaschen werden. Mit Stickstoff überdüngte, mastig wachsende Pflanzen sind außerdem anfälliger für Krankheiten.
Eine kräftige Volldüngergabe im Herbst macht Gräser winterfest. Für den Stickstoff darin gilt das Gegenteil, denn zu späte oder zu reichliche Düngung erhöht die Gefährdung im Winter. Im Herbst kommt allenfalls Kalium infrage, und das nur bei nachgewiesenem Bedarf.
Kalium: die Ausnahme im Herbst
Für Kalium gilt eine andere Regel. Eine bedarfsgerechte Kaliumdüngung kann auch zwischen Mitte Oktober und Ende November erfolgen. Kalium reguliert den Zellinnendruck und damit den Wasserhaushalt der Pflanze. Bedarfsgerecht heißt: Die Bodenuntersuchung zeigt einen Bedarf, und ein mit Kalium überversorgter Boden bekommt nichts dazu. Welche Nährstoffe Bambus und Ziergräser sonst brauchen und wie du die Düngung an Klima, Niederschlag und Trockenheit anpasst, steht im Ratgeber dazu.
Organische Dünger im Herbst: Die Witterung bestimmt die Freisetzung
Bei organischen Düngern entscheidet die Witterung, wann die Nährstoffe frei werden. Ihre Nährstoffe werden erst durch Zersetzung und MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. durch BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. pflanzenverfügbar. Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen sie kaum etwas frei, bei feuchtwarmer Witterung unter Umständen sehr viel. Eine organische Stickstoffgabe im Spätsommer kann also in einem feuchtwarmen Herbst kräftig wirken, gerade wenn die Pflanzen aushärten sollen.
Kompost und Mist bringst du ausgangs Winter bis ins Frühjahr aus, weil das gegenüber einer Herbstgabe die Nitratauswaschung vermindert. Tiermist kompostierst du vor dem Einsatz im Garten. Wie du Bambus und Ziergräser mit organischen und bodenbiologischen Methoden versorgst, beschreibt der Ratgeber dazu.
Ziergras düngen: Wie viel braucht welches Gras?
Ziergräser stellen sehr unterschiedliche Ansprüche an den Boden, und danach richtet sich die Düngung. Die Tabelle ordnet einige Gräser nach ihrem bevorzugten Boden.
| Gras | Bevorzugter Boden |
|---|---|
| Chinaschilf (Miscanthus-Sinensis-Gruppe) | frisch bis feucht, nährstoffreich |
| Rutenhirse (Panicum virgatum) | mäßig trocken bis feucht, nährstoffreich, warme Sonne |
| Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) | eher frisch, nährstoffreich |
| Plattährengras | frisch bis feucht, nährstoffreich |
| Orientalisches Lampenputzergras (Pennisetum orientale) | gut drainiert, trockener, sandig-humos |
| Blauschwingel (Festuca-cinerea-Gruppe) | warm, trocken, durchlässig, Sand bis Stein; empfindlich gegen WinternässeWinternässe ist Nässe in der kalten Jahreszeit, unter der vor allem Pflanzen aus Gebieten mit trockenen Wintern leiden. Bei ungünstiger Witterung können ihre Überwinterungssprosse faulen – auch wenn die Pflanzen als winterhart gelten. |
| Moskitogras und Wimper-Perlgras | trockene, durchlässige Kalkböden in voller Sonne |
| Pfeifengras (Molinia caerulea) | frisch bis nass, nährstoffarm |
Für die Gräser nährstoffreicher Böden richtet sich die Menge nach Bodenuntersuchung, Pflanzenbedarf und Produktangabe. Nährstoffe aus Kompost rechnest du dabei mit. Die Stickstofffreisetzung beim Humusabbau kann zusätzliche Stickstoffdüngung sogar verringern oder entbehrlich machen.
Pfeifengras bevorzugt dagegen nährstoffarme Böden. Bei Stauden nährstoffarmer Standorte kann übermäßige Düngung untypisch starkes Wachstum auslösen und die WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. verschlechtern. Wer Pfeifengras wie Chinaschilf versorgt, setzt also ausgerechnet ein Gras magerer Böden diesem Risiko aus. Ich dünge solche Gräser erst, wenn ein Mangel erkennbar ist.
Blauschwingel eignet sich für die Steingartenbepflanzung. Standortgerecht gepflanzte Steingartenpflanzen benötigen normalerweise keinen Zusatzdünger. Bei Steingartenstauden deckt das vorhandene Stickstoffangebot des Bodens den Bedarf häufig bereits.
Alle Gräser im Beet bekommen dieselbe Frühjahrsgabe wie das Chinaschilf. Pfeifengras und Blauschwingel stehen dann auf gedüngtem Boden, obwohl sie nährstoffarme oder steinige Plätze bevorzugen.
Bambus vor dem Winter: Schlusstermin, Wasser, Staunässe
Für Bambus wird ein stickstoffbetonter LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger. mit wenig Phosphor empfohlen. Als organische Stickstoffquellen kommen Mist oder Hornspäne infrage. Gerade weil sein Dünger stickstoffbetont ist, braucht Bambus einen klaren Schlusstermin. Im Garten endet die Stickstoffgabe mit dem Spätsommer. Im Kübel düngst du ab Ende August gar nicht mehr, damit seine Triebe ausreifen können.
Wasser bleibt auch im Winter ein Thema. Bambus braucht bei frostfreiem Boden bedarfsgerecht Wasser, auch in den Wintermonaten. Staunässe kann dagegen Wurzeln und Rhizome faulen lassen. Länger anhaltende Staunässe verursacht Sauerstoffmangel im Wurzelbereich und begünstigt Wurzelfäule.
Meinen Kübelbambus gieße ich im Winter nur an frostfreien Tagen und erst nach einer Probe. Ich hebe das Gefäß vorher an, denn eine trockene Oberfläche kann darunterliegende Nässe verdecken. Ist der Topf schwer, warte ich mit dem Gießen.
Im Kübel: den Wurzelballen schützen
Im Kübel droht der Frost dem Wurzelballen. Auch im Garten winterharte Pflanzen können im Gefäß erfrieren, wenn ihr Wurzelballen durchfriert. Du umhüllst den Kübel deshalb isolierend, zum Beispiel mit Wollvlies. Gießen und Wasserabfluss müssen dabei möglich bleiben, und den Untersetzer entfernst du. Ist dein Bambus oder Gras immergrün, schützt eine luftdurchlässige Beschattung vor Frosttrockenheit in der Wintersonne. Überwinternde Kübelpflanzen erhalten im Winter grundsätzlich keine Düngung. Wie du Bambus und Ziergräser nach Gefäßgröße und Substrat düngst, erklärt der Ratgeber dazu.
Winterschutz für Ziergräser: Halme stehen lassen, Nässe meiden
Abgestorbene Stängel und Blätter bilden bei Stauden einen natürlichen Winterschutz. Chinaschilf, Waldschmiele und Lampenputzergras können mit ihren Samenständen überwintern. Ich lasse ihre Halme stehen und schneide sie bei Bedarf erst im Frühjahr zurück. Die Zwischenräume der Gräser dienen Nützlingen als Winterquartier, und die Samenstände der Rutenhirse können Vögeln Nahrung bieten.
Einige Gräser sind durch Nässe im Winter gefährdet. Beim Pampasgras können die Überwinterungssprosse unter winterlicher Nässe verfaulen. Zum Winterschutz bindest du es zu einem Schopf zusammen und deckst die Wurzelscheibe mit Falllaub oder Stroh ab. Außerdem braucht es einen Standort, an dem Wasser gut abziehen kann. Blauschwingel reagiert ebenfalls empfindlich auf Winternässe und gehört auf warme, trockene, durchlässige Böden. Das Blutgras Imperata cylindrica ‚Red Baron‘ profitiert von Winterschutz.
Für neue Gräser ist das zeitige Frühjahr bei bereits erwärmtem Boden der günstigste Pflanzzeitpunkt. Herbstpflanzungen können schlechter anwachsen. In Weinbaugebieten mit durchlässigem Boden geht auch der Herbst, nur nicht für Pampasgras und Orientalisches Lampenputzergras. Auch trockenheitsverträgliche Gräser brauchen nach der Pflanzung verlässlich Wasser, bis sie fest im Boden verwurzelt sind.
Eine Mulchdecke hemmt die Verdunstung aus dem Boden. Für trockenheitsliebende Gräser im Kiesbeet eignet sich mineralischer Mulch, Rindenmulch wegen des feucht-sauren Milieus dagegen nicht. Wie du Gießen und Düngen im Jahreslauf aufeinander abstimmst und den Boden dabei verbesserst, zeigt der Ratgeber dazu.
Herbst bei Bambus und Ziergräsern
- Stickstoff ab dem Spätsommer weglassen, Kübelbambus ab Ende August gar nicht mehr düngen
- Kalium nur geben, wenn die Bodenuntersuchung Bedarf zeigt
- Halme und Samenstände stehen lassen
- Pampasgras zum Schopf binden und die Wurzelscheibe abdecken
- Kübel isolieren, Abzugsloch frei lassen, Untersetzer entfernen
- Bambus an frostfreien Tagen nach Bedarf wässern
Vor dem Nachdüngen: erst die Ursache klären
Gelbe oder braune Halme im Herbst sind ein Hinweis, keine Diagnose: Trockenheit und Staunässe können durch eine gestörte Nährstoffaufnahme selbst Mangelsymptome hervorrufen. Braune Blattränder an älteren Blättern können auf Kaliummangel hindeuten, lassen sich aber mit Trockenschäden verwechseln. Woran du Nährstoffmangel bei Bambus und Ziergräsern erkennst und wie du ihn behebst, zeigt der Ratgeber dazu.
Bevor du im Herbst etwas nachlegst, prüfst du deshalb Wasser und Boden. Eisenmangelchlorosen können durch einen zu hohen Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. entstehen, aber auch durch verdichteten oder vernässten Boden. Unkontrollierte Düngung kann zudem die Aufnahme anderer Nährstoffe hemmen. Bei stark erhöhten Phosphor- oder Kaliumwerten schränkst du weitere Kompostgaben ein.
Ob dein Boden Kalk braucht, hängt von Bodenart und Kultur ab, und gekalkt wird nur bei einem dafür zu niedrigen gemessenen pH-Wert. Die Zielbereiche je Bodenart findest du im Abschnitt zu Standort, Boden und pH-Zielbereichen für Stauden und Ziergräser.
Nach dem Winter: wann und womit du wieder düngst
Im Frühjahr beginnt die Versorgung nährstoffbedürftiger Beetstauden mit der Erwärmung des Bodens und der zunehmenden Tätigkeit der Bodenorganismen. An diesem Takt orientiere ich mich auch bei Chinaschilf und anderen Gräsern nährstoffreicher Böden. Zu früh hilft auch eine größere Menge nicht. Niedrige Bodentemperaturen vermindern die Nährstoffaufnahme, und mehr Dünger gleicht das nicht automatisch aus.
Hornspäne sind beim Timing die Ausnahme. Bei Stickstoffbedarf streust du sie auf Zierbeeten schon zu Beginn der Frühjahrspflege, weil ihre Nährstoffe verzögert freigesetzt werden. Kompost arbeitest du im Spätwinter oder Frühjahr leicht ein, sobald der Boden ausreichend abgetrocknet ist. Gib Dünger auf feuchten Boden und nicht auf nasse Halme, denn die Wurzeln nehmen Nährsalze nur im Wasser gelöst auf. Bambus bekommt seinen stickstoffbetonten Langzeitdünger wieder in der Wachstumszeit.
Die Düngermenge in g/m² ergibt sich aus dem Düngebedarf eines Nährstoffs in g/m² mal 100, geteilt durch seinen Gehalt im Dünger in %. Hornspäne enthalten typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff. Kompost bleibt bei höchstens 2 bis 3 l/m² im Jahr, damit der Boden nicht mit Phosphat überversorgt wird, und seine Nährstoffe rechnest du mit.
Rückschnitt und Frostschäden im Frühjahr
Sommergrüne Ziergräser schneidest du im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb bodennah zurück. Bei immergrünen Ziergräsern entfernst du nur braun gewordene Halme und Blätter. Haben immergrüne Schattengräser starken Winterschaden, ist auch ein vollständiger Schnitt im zeitigen Frühjahr möglich. Verkahlt ein Horst innen, gräbst du ihn im Frühjahr aus und teilst ihn.
Wirkt ein Kübelbambus nach dem Winter schlapp, prüfst du zuerst die Substratfeuchte. Welke kann auch von geschädigten Wurzeln bei Dauernässe kommen, deshalb gießt du erst nach dieser Prüfung.




