Vergissmeinnicht: Mehltau, Botrytis und Schädlinge erkennen und bekämpfen
- Ein weißer, abwischbarer Belag oben auf dem Blatt kann auf Echten Mehltau hindeuten.
- Falscher Mehltau lässt sich nicht abwischen und kann bei Vergissmeinnicht beide Blattseiten grau belegen.
- Botrytis kann abgestorbenes älteres Laub mit grauem Sporenrasen überziehen.
- Wald-Vergissmeinnicht auf etwa 20 cm Pflanzabstand vereinzeln und nicht mit Stickstoff treiben.
- Befallene Pflanzenteile über Haus- oder Biomüll entsorgen, nicht über den Gartenkompost.
- Schnecken in der Dämmerung absammeln, Weinbergschnecken stehen unter Schutz.

Ein weißer Schleier auf den Blättern, grauer Flaum im Polster, angefressene RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. nach einer feuchten Nacht: Vergissmeinnicht zeigen ihre Probleme deutlich, aber nicht immer eindeutig. Wer vorschnell schneidet oder spritzt, behandelt leicht das Falsche. Ich wische deshalb bei jedem Belag zuerst mit dem Finger über das Blatt und schaue mir danach die Unterseite an.
Hinter einem Schadbild können mehrere Auslöser stecken, deshalb ist jedes Symptom hier ein Hinweis und keine Diagnose. Die Steckbriefe ordnen Belag, Flecken, Fraß und Welke den möglichen Ursachen zu und nennen jeweils den ersten Handgriff.
Was fehlt meinem Vergissmeinnicht? Die Schadbilder im Überblick
Für den ersten Kontrollgang reicht ein genauer Blick auf Blattoberseite, Blattunterseite, Triebspitzen und Erde. Die Tabelle hilft dir, das Gesehene einzuordnen.
| Was du siehst | Was dahinterstecken kann | Dein erster Schritt |
|---|---|---|
| Weißer, mehlartiger Belag vor allem oben auf dem Blatt, lässt sich abwischen | Echter Mehltau | Kranke Blätter abpflücken, befallene Triebe zurückschneiden |
| Verfärbte Blätter mit grauem Belag oben und unten, nicht abwischbar | Falscher Mehltau | Befallene Teile entfernen, Laub beim Gießen trocken lassen |
| Grauer Sporenrasen auf abgestorbenem, älterem Laub | BotrytisGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. | Totes Laub aus dem Polster ziehen und entsorgen |
| Gelbliche bis orangefarbene oder braune Pusteln auf der Blattunterseite | Ein Rostpilz, wie ihn auch Glockenblumen und Nelken kennen | Befallene Blätter frühzeitig abpflücken und entsorgen |
| Flecken oder Verfärbungen ohne Belag | Pilze, Bakterien oder Nährstoffmangel | Befallene Blätter abnehmen, Ursache eingrenzen |
| Angefressene Blätter, Schleimspuren | Schnecken | In der Dämmerung absammeln |
| Kolonien an Triebspitzen, gekräuselte Blätter, klebrige Stellen | Blattläuse | Bei schwachem Befall mit dem Wasserstrahl abspritzen |
| Punktartige, weißlich gelbe Sprenkel, feine Gespinste | SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. | Blattunterseiten mit der Lupe absuchen |
| Welke trotz feuchter Erde, braune Wurzeln | Wurzelfäule nach Staunässe | Wurzeln ansehen, Wasserabzug verbessern |
So gehe ich ein Vergissmeinnicht-Beet durch.
- Jeden Belag mit dem Finger abwischen.
- Ein paar Blätter umdrehen und die Unterseite ansehen.
- Altes Laub unten in den Rosetten auf grauen Flaum prüfen.
- Triebspitzen nach Läusen und klebrigen Stellen absuchen.
- Bei Welke die Erde unter der Oberfläche fühlen.
Mehltau an Vergissmeinnicht: echt oder falsch?
Ein heller Belag auf Vergissmeinnicht kann auf zwei verschiedene Mehltau-Pilze hindeuten. Echter und Falscher Mehltau sehen sich ähnlich, und bei Vergissmeinnicht verschwimmt die übliche Unterscheidung zusätzlich.
Echten Mehltau erkennen
Echter Mehltau beginnt häufig mit einzelnen weißen Flecken auf dem Blatt. Daraus kann sich ein mehlartiger Belag entwickeln, der vor allem auf der Blattoberseite sitzt. Typisch ist, dass du diesen weißlichen Belag mit dem Finger abwischen kannst.
Trockenes Wetter schützt nicht vor Echtem Mehltau. Für die Keimung der Pilze kann bereits eine relative Luftfeuchte von 70 % ausreichen, deshalb lohnt der Kontrollgang auch in trockenen Phasen.
Falschen Mehltau erkennen
Falscher Mehltau bildet häufig einen weißlichen bis grauvioletten Belag auf der Blattunterseite, der sich nicht abwischen lässt. Auf der Oberseite zeigen sich dann gelbe bis braune Flecken. Bei Vergissmeinnicht kann Falscher Mehltau aber Blattverfärbungen und grauen Sporenbelag auf beiden Blattseiten hervorrufen. Die Faustregel „oben echt, unten falsch“ trägt bei dieser Pflanze deshalb nicht, und der Wischtest wird zum besseren Prüfschritt.
Ich wische mit einem trockenen Finger einmal über den Belag und schaue, ob er am Finger hängen bleibt. Danach drehe ich das Blatt um und vergleiche beide Seiten, bevor ich etwas abschneide.
Was du gegen Mehltau tust
Bei beginnendem Echtem Mehltau pflückst du erkrankte Blätter ab und schneidest befallene Triebe bis ins gesunde Gewebe zurück. Das kann die Ausbreitung bremsen, eine Garantie ist es nicht. Auch bei Falschem Mehltau nimmst du befallene Pflanzenteile heraus. Das Schnittgut gehört in den Haus- oder Biomüll, weil im Gartenkompost möglicherweise nicht die Temperaturen entstehen, die Erreger abtöten. Werkzeug, das mit kranker Erde in Berührung kam, reinigst du, um die Verschleppung von Erregern zu begrenzen.
Vorbeugend zählen Abstand, Licht und Luft. Ausreichender Pflanzabstand, gute Belichtung und Durchlüftung fördern das Abtrocknen der Pflanzen. Wald-Vergissmeinnicht wird auf etwa 20 cm Pflanzabstand vereinzelt. Gieß möglichst morgens direkt in den Wurzelbereich, so trocknen die Blätter schneller ab. Übermäßige Stickstoffgaben vermeidest du, weil mastig wachsende Pflanzen anfälliger für Krankheiten sind.
Zu dichter Stand und eine Überversorgung mit Stickstoff können bei Wald-Vergissmeinnicht außerdem Winterschäden fördern. Wer Abstand hält und keinen Stickstoff nachschiebt, kann also mit denselben zwei Entscheidungen das Mehltau- und das Winterrisiko senken. Wenn du ein neues Beet anlegst, kannst du deine Pflanzabstände vorab im Beetplaner einzeichnen.
Botrytis und Blattflecken: wenn Laub grau oder fleckig wird
Botrytis an altem Laub
Ein grauer Sporenrasen auf abgestorbenem, älterem Laub kann bei Vergissmeinnicht auf Botrytis hindeuten. Falscher Mehltau bildet zwar ebenfalls grauen Belag, zeigt sich aber an verfärbten Blättern statt an bereits abgestorbenem Laub. Ich zupfe beim Durchgehen braune, alte Blätter unten aus den Rosetten, bevor sie im Polster liegen bleiben. Das befallene Laub entsorgst du wie beim Mehltau über Haus- oder Biomüll. Morgendliches Gießen senkt zusätzlich die Gefahr von Blattkrankheiten, weil die Blätter schneller abtrocknen als nach abendlicher Benässung.
Blattflecken ohne Belag
Flecken ohne sichtbaren Belag sind schwerer zu deuten. Pilzliche und bakterielle Blattflecken können sich bei Stauden äußerlich so ähneln, dass erst eine Laboruntersuchung die Ursache unterscheidet. Auch Nährstoffmangel kann Blätter verfärben, dazu mehr im Abschnitt zu Mangel und Krankheit. Fleckige Blätter nimmst du ab und entsorgst sie wie die anderen kranken Pflanzenteile.
Schnecken, Blattläuse und Spinnmilben im Steckbrief
Schnecken
Angefressene Blätter und Schleimspuren am Morgen sprechen für Schnecken. Absammeln klappt besonders gut in der Dämmerung oder am frühen Morgen, vor allem bei feuchter Witterung. Ich gehe dafür mit Eimer und Taschenlampe durch das Beet. Ein Schneckenzaun schützt nur zuverlässig, wenn du innerhalb der Umzäunung weiter regelmäßig Schnecken absammelst. Barrieren aus Kaffeesatz oder Eierschalen werden oft empfohlen, verlass dich aber nicht allein darauf und sammle trotzdem ab.
Weinbergschnecken stehen unter Schutz und dürfen nicht gezielt bekämpft werden. Die großen Gehäuseschnecken lässt du beim Absammeln einfach sitzen.
Blattläuse
Blattläuse sitzen häufig in Kolonien an Blattunterseiten oder Triebspitzen. Befallene Blätter können sich kräuseln, und klebriger HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. bleibt zurück. Auf diesem Honigtau können sich Rußtaupilze ansiedeln. Bei schwachem Befall reicht es meist, die Läuse mit einem Wasserstrahl abzuspritzen. SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. wird als Hausmittel gegen Läuse oft genannt, nimm sie als unverbindlichen Versuch und nicht als sichere Lösung.
Spinnmilben
Erwachsene Spinnmilben sind nur etwa 0,5 bis 0,7 mm groß. Zum Problem werden die Tiere im Freiland vor allem in trockenen, warmen Sommerperioden. Erste Hinweise sind punktartige, weißlich gelbe Sprenkel auf den Blättern. Später können die Blätter bronzefarben werden, dazu kommen feine Gespinste. Die Milben sitzen überwiegend an den Blattunterseiten, dort suchst du am besten mit einer Lupe.
Welke Vergissmeinnicht: Staunässe und Wurzelfäule
Welkt ein Vergissmeinnicht, obwohl die Erde feucht ist, lohnt der Blick unter die Oberfläche. Braune, faule oder vermorschte Wurzeln sind bei kümmernden Zierpflanzen ein Hinweis auf Wurzelkrankheiten. Länger anhaltende Staunässe verursacht Sauerstoffmangel im Wurzelbereich und begünstigt Wurzel- und Stammgrundfäule. Wald-Vergissmeinnicht wächst gut in humusreichem, gleichmäßig feuchtem und zugleich gut durchlässigem Boden.
Gegossen wird Wald-Vergissmeinnicht, wenn die Erdoberfläche trocken ist. Welkende Topfpflanzen können aber auch durch geschädigte Wurzeln bei Dauernässe schlapp werden. Wer bei hängenden Blättern sofort zur Kanne greift, kann eine beginnende Wurzelfäule also noch verstärken. Bei schlappen Kastenpflanzen stecke ich deshalb erst den Finger tief in die Erde, bevor ich gieße.
Ein Topf ohne freien Wasserabzug. Pflanzgefäße brauchen Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann und sich nicht im Wurzelraum staut.
Das Sumpf-Vergissmeinnicht ist ein Sonderfall. Es besiedelt nasse bis feuchte, nährstoffreiche Standorte und gehört am Gartenteich in die Sumpfzone.
Die passende Art am passenden Platz
Vorbeugen beginnt bei Vergissmeinnicht mit der Frage, welche Art du pflanzt. Das Wald-Vergissmeinnicht ist eine Halbschatten- bis Halblichtpflanze und gilt ökologisch als Frischezeiger. Die Mischung ‘Jewel’ eignet sich für sonnige bis halbschattige Plätze und auch für Töpfe und Kästen. Das Alpen-Vergissmeinnicht wächst von Natur aus auf frischen, kalkreichen Gebirgsstandorten, das Sumpf-Vergissmeinnicht auf nassen bis feuchten Böden. Welche Vergissmeinnicht sich für schattige Gartenbereiche eignen, liest du im Ratgeber zum Schattengarten.
Mangel oder Krankheit?
Gelbe oder blasse Blätter ohne Belag können eher auf die Ernährung als auf einen Pilz hindeuten. Stickstoffmangel kann ältere Blätter hell- bis gelbgrün färben, Eisenmangel zeigt ChlorosenChlorose ist eine unnatürliche Gelbfärbung der Blätter, weil das Blattgrün schlecht ausgebildet oder zerstört wird. Am häufigsten ist bei uns die Eisenmangel-Chlorose, oft ausgelöst durch kalkhaltigen Boden und Leitungswasser. zuerst an den Triebspitzen. Wie du Nährstoffmangel bei Stauden eingrenzt und behebst, beschreibt der Überblick zu Stauden und Ziergräsern im Abschnitt zum Düngen.
Vorbeugen, Nützlinge, Hausmittel: die Grundregeln
Bei Stauden gehst du in Stufen vor: erst vorbeugen, dann kontrollieren, dann mechanisch eingreifen. Hausmitteln wie Milch, Schmierseife oder PflanzenjauchenPflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. wird eine Wirkung nachgesagt, verlassen solltest du dich darauf nicht. Wie Standortwahl, Nützlingsförderung und diese Stufenfolge im Einzelnen aussehen, findest du im Abschnitt über Krankheiten und Schädlinge im Staudenbeet.
Chemie nur als letzte Stufe
Reichen diese Schritte nicht, kommt Chemie als letztes Mittel infrage. Dann nur ein Präparat mit Zulassung für den Haus- und Kleingarten, streng nach Gebrauchsanweisung und mit Schutzkleidung. Wartezeit und Entsorgung der Reste beachtest du ebenso, und denk daran, dass ein solches Mittel auch Nützlinge treffen kann.
Geschädigte Vergissmeinnicht wieder aufbauen
Nicht mit Dünger nachhelfen
Nach dem Rückschnitt befallener Teile braucht ein Vergissmeinnicht gleichmäßig feuchten, aber nicht nassen Boden und genug Luft zwischen den Pflanzen. Mit Dünger päppelst du es nicht auf: Vergissmeinnicht braucht am geeigneten Standort keine zusätzliche Düngung, und mit Stickstoff überdüngte Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten. Wie du Vergissmeinnicht säst, gießt und versorgst, steht im Pflegeratgeber.
Nachwuchs nur von gesunden Pflanzen
Für die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. müssen blühende Vergissmeinnicht bis zur Samenreife stehen bleiben. Beim eigenen Nachbau verwendest du aber nur gesundes Saat- und Pflanzgut. Lass deshalb nur gesunde Pflanzen zur Samenreife kommen und nimm stark befallene vorher heraus. Fällt ein Bestand ganz aus, säst du neu: Wald-Vergissmeinnicht ‘Indigo Compacta’ wird im Juni oder Juli ausgesät. Die übrigen Termine findest du im Saatkalender für Stauden zum Ausdrucken.
Echter Mehltau ist auch an anderen Stauden ein Thema. Lies, woran du kranke Witwenblumen erkennst und wie du Mädchenaugen vor Krankheiten schützt.




