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Blumenwiesen gegen Stadthitze: Wie Verdunstung und Rückstrahlung kühlen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Grünflächen kühlen über Verdunstung aus dem Boden und die Transpiration der Pflanzen, weil der Übergang zu Wasserdampf Wärmeenergie braucht.
  • Grünflächen werfen mehr Sonnenstrahlung zurück als dunkler Asphalt und speichern tagsüber weniger Wärme.
  • Die Verdunstungskühlung setzt genug Wasser im Boden voraus, und sandige Böden halten wenig pflanzenverfügbares Wasser.
  • Messen kannst du Regen, Bodenfeuchte und Blühtermine: 1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m².
  • Kohlenstoff im Boden ist ein eigenes Thema: Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.
Dicht blühende Blumenwiese mit Klatschmohn, Kornblumen, Cosmeen und Ringelblumen zwischen grünen Gräsern. Die bunten Blüten füllen das gesamte Bild bis in die Tiefe.
Foto: Anna Lupa · Pexels License · Quelle ↗

Wenn sich im Hochsommer Pflaster und Straßen aufheizen, stellt sich die Frage, ob ein Stück Blumenwiese dagegen etwas ausrichten kann. Eine Grünfläche kann ihre Umgebung kühlen, und zwar auf zwei Wegen: über verdunstendes Wasser und über zurückgeworfenes Sonnenlicht. Der erste Weg hat eine feste Bedingung, denn er funktioniert nur mit Wasser im Boden. Ich prüfe an heißen Tagen deshalb zuerst, wie feucht die Erde unter meiner Wiese noch ist.

Wie kühlt eine Blumenwiese ihre Umgebung?

Verdunstung: Wasser nimmt Wärme mit

Eine Grünfläche kühlt, weil Wasser aus dem Boden verdunstet und die Pflanzen selbst Wasserdampf abgeben. Der Übergang von flüssigem Wasser zu Wasserdampf braucht Wärmeenergie. Diese Wärme wird der unmittelbaren Umgebung entzogen, und so kann bewachsener Boden zur Abkühlung beitragen.

Kurz erklärt

Evapotranspiration fasst beide Vorgänge zusammen. Evaporation ist die Verdunstung aus dem Boden, Transpiration die Wasserabgabe der Pflanzen.

Für Vegetationsflächen in der Stadt gilt dabei eine klare Voraussetzung: Die Verdunstungskühlung braucht eine ausreichende Versorgung mit Wasser.

Rückstrahlung: weniger gespeicherte Wärme

Der zweite Weg hängt an der Oberfläche selbst. Grünflächen werfen mehr Sonnenstrahlung zurück als dunkler Asphalt und speichern dadurch tagsüber weniger Wärme. Das Rückstrahlvermögen einer Oberfläche heißt Albedo.

Eigenschaft Dunkler Asphalt Grünfläche wie eine Blumenwiese
Rückstrahlung der Sonne geringer höher
Wärme, die tagsüber gespeichert wird mehr weniger
Kühlung durch Verdunstung keine Pflanzen, die Wasser abgeben aus Boden und Pflanzen, solange genug Wasser da ist

Ersetzt eine Wiese dunklen Asphalt, kommen also beide Wege zusammen: Die Fläche wirft mehr Strahlung zurück, und sie kann Wasser verdunsten.

Was hat das mit der Hitzeinsel Stadt zu tun?

Von einer städtischen Hitzeinsel spricht man, wenn eine Stadt wärmer ist als ihr Umland. Eine Blumenwiese kann dem auf beiden Wegen entgegenwirken. Sie speichert tagsüber weniger Wärme als dunkler Asphalt, und sie kühlt über Verdunstung, solange Wasser da ist. Für den Verdunstungsweg zählt deshalb der Boden unter der Wiese. Verdichtung und Verschlämmung können die Wasseraufnahme und die Wasserspeicherung vermindern und den Oberflächenabfluss verstärken.

Häufiger Fehler

Die Wiese wird direkt auf verdichteten Baugrund gesät, obwohl die Verdunstungskühlung genau das Wasser braucht, das ein solcher Boden schlechter aufnimmt und speichert. Bei einer Wiesenanlage nach Bauarbeiten lockerst du vorhandene Verdichtungen vor der Aussaat.

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Wie stark ist die Wirkung, und was lässt sich messen?

Die Kühlung durch Verdunstung hängt davon ab, wie viel Wasser der Boden für die Pflanzen bereithält, und das unterscheidet sich von Fläche zu Fläche.

Bodenporen leiten oder speichern Wasser, je nachdem, wie groß sie sind. Sandige Böden halten wenig pflanzenverfügbares Wasser, und auch die Tiefe des Bodens bestimmt, wie viel er speichern kann. Die Wassermenge, die ein Boden für Pflanzen verfügbar hält, heißt nutzbare Feldkapazität. Auf flachgründigem Sandboden geht einer Wiese in Trockenphasen also eher das Wasser aus, das die Verdunstungskühlung braucht.

Was du an deiner Fläche selbst beobachten kannst

Den Wasserhaushalt deiner Wiese verfolgst du mit einfachen Mitteln. Ich lese meinen Regenmesser ab, bevor ich überhaupt an den Gartenschlauch denke.

Zahl im Blick

1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m². Dein Regenmesser zeigt dir also direkt, wie viel Wasser auf jeden Quadratmeter deiner Wiese gefallen ist.

Vor einer größeren Wassergabe prüfst du mit der Spatenprobe, ob der Boden in etwa 20 cm Tiefe noch feucht ist. Ich steche dafür den Spaten senkrecht ein und fühle die Erde an der Schnittkante. Eine etablierte Blumenwiese braucht im Sommer normalerweise kein zusätzliches Wasser. Ist sie standortgerecht zusammengesetzt, braucht sie nach dem Anwachsen höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung. Dafür eignet sich gesammeltes Regenwasser, weil es die Trinkwasservorräte schont.

Mythos-Check

„Eine Blumenwiese kühlt auch in der Dürre zuverlässig.“ Die Verdunstungskühlung setzt eine ausreichende Wasserversorgung voraus. Hitze und Trockenheit können außerdem Blüten schneller verblühen lassen und das Pollen- und Nektarangebot vermindern.

Messbar ist auch, wie die Wiese auf das Wetter reagiert. Phänologische Beobachtungen halten fest, wann wiederkehrende Stadien wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife eintreten. Diese Entwicklungsphasen reagieren auf längerfristige Witterungsverläufe, und damit kann sich auch das zeitliche Zusammenspiel mit Bestäubern verändern. Ich trage jedes Jahr in mein Gartenheft ein, an welchem Tag die ersten Margeriten aufblühen.

Mini-Checkliste

So schätzt du die Kühlwirkung deiner Fläche ein.

  • Ersetzt die Wiese eine dunkle, versiegelte Fläche?
  • Ist der Boden locker oder verdichtet und verschlämmt?
  • Ist der Boden sandig oder flachgründig?
  • Wie viel Regen zeigt dein Regenmesser?
  • Ist die Erde in etwa 20 cm Tiefe noch feucht?

Welche Wiese passt auf einen heißen Standort?

Bei der Wahl der Mischung zählen Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung deines Standorts. Auch nährstoffreichere Böden tragen eigene, passende Wiesengesellschaften. Heimische Beispiele für trockene, sonnige Plätze sind Wiesen-Witwenblume, Taubenkropf-Leimkraut und Wilde Möhre. Die Gewöhnliche Nachtkerze bringt eine hohe Trockenheitstoleranz mit, und die Kranz-Lichtnelke kommt mit trockenen bis sehr trockenen Bedingungen zurecht. Unter dicht stehenden Bäumen passt statt einer gewöhnlichen Blumenwiese eine Mischung, die eigens für Gehölzsäume zusammengestellt ist.

Die Herkunft spielt ebenfalls hinein. Regionale Herkünfte derselben Wildpflanzenart können sich im Blühzeitpunkt und in ihrer Widerstandskraft gegen Frost oder Hitze unterscheiden. Für gebietseigenes Saatgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete gegliedert. Ich frage beim Kauf deshalb nach, aus welchem Ursprungsgebiet eine Mischung stammt, und lese die Artenliste. Die Bezeichnung Wildblumen allein garantiert nämlich keine heimischen Arten. Wie du die Auswahl auf deine Region abstimmst, zeigt der Beitrag darüber, wie du Blumenwiesen an Deutschlands Klimazonen anpasst.

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Bindet eine Blumenwiese auch CO2?

Kühlung wirkt dort, wo die Wiese wächst. Ein eigenes Thema ist der Kohlenstoff, den sie im Boden speichern kann. Pflanzen entnehmen der Luft CO2 und binden den Kohlenstoff in ihrer Biomasse, und aus abgestorbenen Pflanzenteilen kann Humus entstehen.

Im Jena-Graslandexperiment erhöhte eine größere Pflanzenvielfalt den Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden. Auf 120 untersuchten Gießener Campus-Grünflächen hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasenflächen. Dort beeinflusste allerdings auch die frühere Nutzung, wie viel Kohlenstoff im Boden lag. Ein Automatismus ist das nicht: Im Münchner CO2-Flussmodell waren Grasflächen im Jahresmittel Quellen, weil ihre Bodenatmung die Photosynthese überstieg.

Wer den Vorrat bestimmen will, braucht Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe. Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll. Ein Nachweis setzt also eine Fläche voraus, die über Jahre bestehen bleibt, und eine mehrjährige Garten-Blühmischung kann 10 Jahre und länger bestehen. Für eine Anrechnung als CO2-Kompensation muss die Speicherung zusätzlich und dauerhaft sein, denn eine bloße Verlagerung zwischen Flächen bringt dem Klima nichts. In die Bilanz gehören außerdem zusätzliche Emissionen, etwa aus Kraftstoffverbrauch und Lachgas.

Zahl im Blick

Für dauerhaft erhaltene Ackerblühstreifen ergab eine Modellrechnung über 20 Jahre im Mittel einen jährlichen Bodenzuwachs von 0,5 t Kohlenstoff je Hektar, das sind rund 1,8 t CO2. Zur Umrechnung: 1 kg zusätzlich gespeicherter organischer Kohlenstoff entspricht rechnerisch rund 3,67 kg CO2. Es handelt sich um einen Modellwert für Ackerflächen, nicht um eine Messung an einer Stadtwiese.

Was gehört außer der Kühlung noch dazu?

Luft: Pflanzenoberflächen können Staubpartikel aufnehmen, doch Wiederaufwirbelung verringert die Menge, die dauerhaft haften bleibt. Mehr Ablagerung auf der Vegetation erlaubt zudem keinen direkten Schluss auf weniger Schadstoff in der Umgebungsluft. Was eine Wiese hier leisten kann, erklärt der Beitrag, wie Blumenwiesen Staub und Schadstoffe aus der Luft filtern.

Wasser: Von dem Regen, der in den Boden eindringt, bleibt ein Teil pflanzenverfügbar gespeichert oder verdunstet wieder, statt das Grundwasser zu erreichen. Böden mit hohem Tonanteil eignen sich nur eingeschränkt zum Versickern, weil sich dort Wasser stauen kann. Was das für Abfluss und Versickerung heißt, beschreibt der Beitrag, wie Blumenwiesen Wasser speichern.

Stadtplanung: Blumenwiesen eignen sich vor allem für selten betretene Flächen, ein Blumenrasen verträgt stärkere Freizeitnutzung. An Straßen müssen Blühflächen so geplant und gepflegt werden, dass sie die nötige Verkehrssicht nicht verdecken. Wie Städte geeignete Flächen auswählen und Akzeptanz schaffen, steht im Beitrag, wie sich Wildblumenflächen in die Stadtplanung einfügen.

Kosten: In der Kommune Riedstadt war die Pflege der Wildblumenwiesen um den Faktor 5 günstiger als die der exotischen Gehölzflächen, die dort vorher standen. Weitere Kostenfragen behandelt derselbe Beitrag zur Stadtplanung.

Insekten: Artenreiche Wiesen bieten Insekten neben Nahrung auch Raum für Fortpflanzung, Rückzug und Überwinterung. Langlebige Wiesen, Säume und Wegränder sind für sie wertvoller als Blühflächen, die nur vorübergehend bestehen. Ausführlich steht im Wildblumen-Ratgeber, was Blühflächen Insekten bringen.

Pflege: Den passenden Mähtermin bestimmen Pflanzenentwicklung und Witterung, und das Mähgut wird abgeräumt. Für Garten-Blumenwiesen werden je nach Wüchsigkeit und Standort 1 bis 3 Mähgänge im Jahr beschrieben. Wie du deine Wiese im Jahreslauf mähst und pflegst, erklärt derselbe Ratgeber im Abschnitt zu Mähen und Pflege.

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Häufige Fragen

Wie funktioniert die Evapotranspiration bei Blumenwiesen und was bewirkt sie im Mikroklima?
Evapotranspiration fasst zwei Vorgänge zusammen: Wasser verdunstet aus dem Boden, und die Pflanzen geben Wasserdampf ab. Weil der Übergang von Wasser zu Wasserdampf Wärmeenergie braucht, kann bewachsener Boden so zur Abkühlung seiner unmittelbaren Umgebung beitragen. Das funktioniert nur, solange die Fläche ausreichend mit Wasser versorgt ist.
Welche Rolle spielen Wildblumenwiesen gegen den städtischen Hitzeinsel-Effekt?
Von einer Hitzeinsel spricht man, wenn eine Stadt wärmer ist als ihr Umland. Eine Wildblumenwiese kann dem auf zwei Wegen entgegenwirken: Sie kühlt über Verdunstung, und sie wirft mehr Sonnenstrahlung zurück als dunkler Asphalt, sodass sie tagsüber weniger Wärme speichert. Für die Verdunstungskühlung muss allerdings genug Wasser im Boden verfügbar sein.
Was ist der Albedo-Effekt einer Blumenwiese und wie trägt er zur Kühlung bei?
Albedo bezeichnet das Rückstrahlvermögen einer Oberfläche, also wie viel Sonnenstrahlung sie zurückwirft. Grünflächen werfen mehr Strahlung zurück als dunkler Asphalt und speichern deshalb tagsüber weniger Wärme. Die Rückstrahlung ergänzt so die Kühlung durch Verdunstung, die zusätzlich Wasser im Boden voraussetzt.
Was unterscheidet eine Wildblumenwiese von einem kurz geschnittenen Rasen beim Klima?
Beide sind Grünflächen: Sie kühlen über Verdunstung, solange genug Wasser im Boden ist, und werfen mehr Sonnenstrahlung zurück als dunkler Asphalt. Beim Kohlenstoff im Boden hatten Wildblumenwiesen auf untersuchten Gießener Campus-Grünflächen höhere Vorräte als kurz geschnittener Rasen. Auch die frühere Nutzung der Flächen beeinflusste dort den Vorrat. Eine etablierte Blumenwiese braucht im Sommer zudem normalerweise kein zusätzliches Gießwasser.
Wie funktioniert die CO2-Bindung in artenreichen Blumenwiesen?
Pflanzen nehmen CO2 aus der Luft auf und binden den Kohlenstoff in ihrer Biomasse, und aus abgestorbenen Teilen kann Humus entstehen. Im Jena-Graslandexperiment erhöhte größere Pflanzenvielfalt den organischen Kohlenstoff im Boden. Eine Garantie ist das nicht: Im Münchner CO2-Flussmodell waren Grasflächen im Jahresmittel Quellen, weil ihre Bodenatmung die Photosynthese überstieg. Wiederholte Bodenproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.
Welche Wildblumen eignen sich für heiße, trockene Standorte in der Stadt?
Heimische Beispiele für trockene, sonnige Plätze sind Wiesen-Witwenblume, Taubenkropf-Leimkraut und Wilde Möhre. Die Gewöhnliche Nachtkerze hat eine hohe Trockenheitstoleranz, und die Kranz-Lichtnelke verträgt trockene bis sehr trockene Bedingungen. Achte auch auf die Herkunft, denn regionale Herkünfte derselben Art können sich im Blühzeitpunkt und in der Widerstandskraft gegen Frost oder Hitze unterscheiden.
Zuletzt geprüft:
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