Wegwarte als Gründüngung: Was ihre Pfahlwurzel deinem Boden bringt
- Die Pfahlwurzeln der Wegwarte können im Ober- und Unterboden Poren schaffen, die Folgekulturen den Zugang zu Wasser und Nährstoffen erleichtern.
- Wie lange solche Bioporen halten, hängt vom Boden ab; beschrieben ist das vor allem für lehmige und schluffige Böden.
- Luftstickstoff bindet die Wegwarte nicht: Als Gründüngung hält sie vorhandene Nährstoffe fest und gibt sie beim Verrotten wieder frei.
- Als winterharte Staude wächst sie über den Winter weiter, deshalb beendest du sie selbst und wartest nach dem Einarbeiten meist etwa 2 bis 3 Wochen bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung.

Ein verdichteter oder verschlämmter Boden kann Regen schlechter aufnehmen und speichern, mehr Wasser läuft dann oberflächlich ab. Hier kann die Wegwarte helfen, denn ihre Pfahlwurzeln können im Ober- und Unterboden Poren schaffen. Über diese Poren finden die Wurzeln der nachfolgenden Pflanzen leichter Zugang zu Wasser und Nährstoffen.
Ich säe die Wegwarte als Gründüngung auf Beetteilen, die eine längere Pause bekommen, und plane sie wie eine Gemüsekultur in die Fruchtfolge ein. Bevor ich mich für eine Fläche entscheide, steche ich mit dem Spaten tief ein und achte darauf, wie leicht er in den Boden geht.
Bioporen sind Röhren im Boden, die Wurzeln und Bodentiere wie Regenwürmer hinterlassen. Sie können die Wasserinfiltration und die Belüftung fördern. Eine Gründüngung wächst nicht für die Ernte, sondern für den Boden, denn sie hält vorhandene Nährstoffe in ihrer Masse fest und gibt sie beim Verrotten wieder frei.
Welche Wegwarte eignet sich als Gründüngung?
Die Wildform der Wegwarte, botanisch Cichorium intybus, ist eine ausdauernde, winterharte Staude. Zur selben Art zählen mehrere Kulturformen, die als Salat oder wegen ihrer Wurzel angebaut werden. Für die Gründüngung nehme ich die Wildform. Wie sie wächst, blüht und aussieht, liest du im Porträt darüber, was die Wegwarte als Wildstaude im Garten ausmacht.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein vollsonniger Platz mit nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden.
- Bodenart
Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Die angebotene Sorte „BIO Zichoriensalat“ lässt sich im Hochbeet ziehen.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Die Wildform und Sorten zur Wurzelnutzung im Mai/Juni direkt säen. Blattsorten im April für die Sommer- oder im Juni/Juli für die Winterkultur direkt oder in Töpfe säen und ausreichend große Jungpflanzen auspflanzen.
Pflege
- Pflege
Bei Kultur in trockeneren Gebieten bei Bedarf zusätzlich bewässern und zugleich guten Wasserabzug sicherstellen.
- Düngung
Bei der Blattzichorie Catalogna Special ist in dauerhaften Salatbeständen gewöhnlich keine zusätzliche Düngung nötig; bei nachgewiesenem Nährstoffmangel gilt dies nicht.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist mehrjährig.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Steingärten, Blumenrabatten, Beete und Kiesgärten.
Was bewirkt die Pfahlwurzel im Boden?
Wie dauerhaft die Poren der Wegwarte sein können, zeigt ein Feldversuch auf Lössboden.
In einem Feldversuch auf tiefgründigem Lössboden stand die Wegwarte zwei Jahre. Noch 6 Jahre nach dem Umbruch war die Bioporendichte in 45 cm Tiefe höher als nach Rohrschwingel.
Wie lange solche Röhren halten, hängt allerdings vom Boden ab. Beschrieben ist ihre langfristige Stabilität vor allem für lehmige und schluffige Böden. Der gemessene Vorsprung folgte auf zwei Anbaujahre, und die Wildform ist ausdauernd. Willst du diese Tiefenwirkung, gib der Wegwarte deshalb eine Fläche, auf der sie länger als eine Saison stehen darf.
Hilft die tiefe Wurzel bei Trockenheit?
Im Deep-Frontier-Versuch nahm die Wegwarte Wasser aus 1,7 m Tiefe auf. Selbst aus 2,3 m Tiefe holte sie noch Wasser. Den Verlust an Wasseraufnahme aus dem trockenen Oberboden konnte sie damit aber nicht ausgleichen. Tiefe Wurzeln ersetzen also kein Gießen, in trockeneren Gegenden wässerst du bei Bedarf zusätzlich und sorgst zugleich für guten Wasserabzug.
Nährstoffe: Was hält die Wegwarte fest, was nicht?
Eine Gründüngung hält Nährstoffe, die schon im Boden sind, in ihrer Pflanzenmasse fest. Beim Verrotten gibt sie diese wieder frei. Leguminosen wie Klee oder Luzerne können zusätzlich mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Die Wegwarte ist keine Leguminose und bringt deshalb keinen zusätzlichen Stickstoff aus der Luft ins Beet. Der Beitrag der Wegwarte zum Nährstoffhaushalt läuft über zwei Wege: Sie sichert vorhandene Nährstoffe, und ihre Poren erleichtern den Folgekulturen den Zugang.
Oft heißt es, die Wegwarte löse mit Wurzelsäuren Phosphor und Kalium aus der Tiefe und pumpe sie nach oben. Darauf würde ich keine Düngeplanung bauen. Was sich sagen lässt: Als Gründüngung sichert sie vorhandene Nährstoffe in ihrer Masse und gibt sie beim Verrotten frei, und ihre Bioporen erleichtern den Wurzeln der Folgekultur den Weg zu Wasser und Nährstoffen.
Braucht eine Gründüngung mit Wegwarte Dünger?
Die Wegwarte eignet sich auch für nährstoffarme, durchlässige Böden. Für Blattzichorie in dauerhaften Salatbeeten gilt zusätzliche Düngung in der Regel als unnötig. Bei einem nachgewiesenen Nährstoffmangel ist das aber kein Grund, auf Düngung zu verzichten. Bedenke auch, dass Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. ebenfalls Dünger sind und in zu hohen Gaben Nährstoffe im Boden anreichern können.
Ob deinem Beet etwas fehlt, klärt eine Bodenuntersuchung. Die übliche Gartenbodenanalyse erfasst Phosphat, Kalium und pH-Wert, auf Wunsch ergänzt um den Humusgehalt. Stickstoff und Schwermetalle beauftragst du zusätzlich. Für eine repräsentative Probe mischst du 10 bis 15 gleichmäßig verteilte Einstiche je einheitlich genutzter Gartenfläche.
Was passiert mit dem Bodenleben?
Wenn du die Wegwarte beendest, übernehmen die BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben.. Bakterien, Pilze und Regenwürmer bauen die Pflanzenreste ab und wirken dabei an Humusbildung und NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. mit. Regenwürmer schaffen zusätzlich luft- und wasserführende Röhren im Boden. Fein verzweigte Wurzeln stabilisieren Bodenkrümel und hinterlassen nach ihrem Abbau Kanäle für Luft und Wasser.
Den KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. in dieser Masse haben die Pflanzen zuvor als CO2 aus der Luft gebunden, und aus abgestorbenen Teilen kann Humus entstehen. Ob die Wegwarte darüber hinaus bestimmte Mikroorganismen fördert, lässt sich nicht sicher sagen.
Nach dem Einarbeiten hebe ich mit der Grabegabel eine Scholle an. Ich schaue nach Regenwurmröhren, nach dem Zustand der Reste und danach, ob irgendwo Wurzelstücke austreiben.
Welcher Standort passt zur Wegwarte?
Die Wegwarte braucht einen Platz in voller Sonne. Der Boden soll gut durchlässig sein, nährstoffreich passt dabei ebenso wie nährstoffarm. Als geeignet gelten Kalk-, Lehm- und Sandböden. Auf Dauer verträgt die Wegwarte es schlecht, von Gräsern oder Gebüschen überwachsen zu werden.
Die Wegwarte in eine dichte GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. säen. Weil sie das Überwachsen durch Gräser auf Dauer schlecht verträgt, bekommt sie eine offene Fläche, und aufkommendes Gras ziehst du früh heraus.
Für eine artenreiche, magere Blumenwiese gilt die umgekehrte Richtung: Dort wird nicht gedüngt, und auf wüchsigen Flächen kann regelmäßiges Abräumen des Mähguts den Boden abmagern. Wie du Standort und Boden für Wildblumen vorbereitest, erklärt der Wildblumen-Ratgeber.
Wie plane ich die Wegwarte in Fruchtfolge und Zwischenfrucht ein?
So säst du die Wegwarte als Gründüngung
Die Wildform säst du direkt ins Beet. Ich säe in Reihen, damit ich zwischen den Reihen aufkommendes Gras früh herausziehen kann.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Aussaatzeit | Juni bis Juli |
| Saatbedeckung (Wildform) | etwa 1,5 bis 2 cm |
| Licht beim Keimen | kein Lichtkeimer, Samen bedecken |
| Keimdauer | 7 bis 21 Tage |
| Keimtemperatur (min / max) | 14 bis 18 °C / 20 bis 25 °C |
| ReihensaatReihensaat ist eine Saatweise, bei der die Samen in flache, gerade Rillen gesät werden, sodass die Pflanzen später in Reihen stehen. Gegenüber der Breitsaat, bei der die Samen flächig ausgestreut werden, erleichtert sie die Pflege. | 30 cm in der Reihe (Wildform), 20 bis 60 cm zwischen den Reihen |
Blattsorten derselben Art haben je nach Sommer- oder Winterkultur eigene Aussaattermine. Halte die Nutzungsformen deshalb auseinander, wenn du Saatgut kaufst.
Wo passt die Wegwarte in die Fruchtfolge?
Als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. säst du die Wegwarte im Juni oder Juli auf ein frei gewordenes Beet. Über den Winter bleibt sie stehen, im Frühjahr beendest du sie rechtzeitig vor der Folgekultur.
Gründüngung und ihre Mischungspartner wählst du nach Vor- und NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen.. Bei Kreuzblütlern wie Senf oder Ölrettich und bei Leguminosen wie Klee oder Wicke bestimmen die Pflanzenfamilien die Anbaupausen mit. Bei der Wegwarte schaust du auf die eigene Art, denn die Kulturformen Zuckerhut, Radicchio, Blattzichorie und Wurzelzichorie gehören ebenfalls zu Cichorium intybus. Steht eine dieser Zichorien direkt davor oder danach, folgt dieselbe Art auf sich selbst. Plane die Wegwarte deshalb auf Beete, auf denen vorher und nachher keine Zichorien wachsen.
Damit du den Überblick behältst, planst du die Belegung deiner Beete über mehrere Jahre. Bleibt ein Streifen Wegwarte am Beetrand stehen, prüfst du, welche Gemüse als Nachbarn zusammenpassen.
Was passiert im Winter?
Die Gemeine Wegwarte ist eine winterharte Staude und wird der Winterhärtezone 3a zugeordnet. Abfrierende Gründüngung hinterlässt eine Mulchdecke, Phacelia etwa friert bei stärkeren Frösten ab. Winterharte Arten wachsen dagegen bis zum Frühjahr weiter und müssen vor der Folgekultur rechtzeitig beendet werden. Bei der Wegwarte beendet also kein Frost den Bestand. Den Zeitpunkt legst du selbst fest und rechnest die Verrottungszeit bis zur nächsten Saat mit ein.
Wie beende und arbeite ich die Wegwarte ein?
Zerkleinerte Gründüngungsreste können als Mulch liegen bleiben oder flach eingearbeitet werden. Vor der nächsten Aussaat oder Pflanzung planst du meist etwa 2 bis 3 Wochen Verrottungszeit ein. Sonnenblumen als Gründüngung werden vor der Samenbildung geschlegelt, also zerkleinert. Bei der verwilderungsfähigen Wegwarte halte ich es genauso.
Die Wegwarte lässt sich auch über Wurzelschnittlinge vermehren. Zerstochene Wurzelstücke können deshalb im Beet wieder austreiben. Schau nach dem Einarbeiten auf neuen Austrieb und zieh ihn mit der Wurzel heraus.
Wegwarte im Naturgarten und für Insekten
Im Naturgarten darf die Wegwarte als Staude stehen bleiben, statt eingearbeitet zu werden. Lass dort Teilbereiche bis zum nächsten Frühjahr ungemäht, damit Pflanzen und überwinternde Insekten ihren Fortpflanzungszyklus abschließen können. Wie du die Wegwarte im Naturgarten dauerhaft für den Boden einsetzt und wie du sie dort aussäst, pflegst und vermehrst, liest du in eigenen Ratgebern.
Die Wegwarte blüht von Juli bis Oktober, und jedes Blütenköpfchen öffnet sich nur an einem Tag. Schwebfliegen, Hummeln und Wildbienen besuchen die Blüten und finden dort Pollen, zur Samenreife fressen Stieglitze an den Samenständen. Welche Tiere von der Wegwarte leben, zeigt der Ratgeber zur Artenvielfalt.
Wegwarte in Küche und Heilkunde
Für Zichorienkaffee werden die fleischigen Wurzeln der Wurzelzichorie geröstet. Arzneimittel aus der Wegwartenwurzel werden auf Grundlage traditioneller Verwendung bewertet, klinische Belege dafür reichen nicht aus. Blüten für die Küche nimmst du nur, wenn die Art sicher bestimmt und ihre Eignung zum Verzehr geklärt ist.


