Mehligkochende vs. festkochende Kartoffeln: Stärke, Kochverhalten, Grenzfälle
- Mehligkochende Kartoffeln bringen die meiste Stärke mit und fallen beim Kochen leichter auseinander, festkochende behalten ihre Form.
- Richtwert für vorwiegend festkochende Sorten: etwa 13 bis 15 % Stärke; mehlige haben mehr, festkochende weniger.
- Mehligkochende passen zu Püree, Suppen und Klößen, festkochende zu Kartoffelsalat, Gratins und Bratkartoffeln.
- Wie fest oder mehlig eine Sorte kocht, kann von Jahr zu Jahr mit Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung schwanken.
- Der Kochtyp ist eine Küchenangabe, kein Gesundheitsurteil; grüne, stark keimende oder bittere Knollen gehören nicht auf den Teller.

Zerfällt dein Kartoffelsalat schon im Topf zu Brei, hast du vermutlich eine mehligkochende Sorte erwischt. Unter den drei Kochtypen bringen die mehligen am meisten Stärke mit und fallen im kochenden Wasser leichter auseinander, während festkochende ihre Form halten. Ich schaue deshalb beim Pflanzgut zuerst auf den Kochtyp und erst danach auf Reifezeit und Sortennamen.
Falls du wissen willst, ob mehlige oder festkochende Kartoffeln gesünder sind: Der Kochtyp beschreibt Stärke und Kochverhalten, ein Gesundheitsurteil steckt darin nicht.
Der Unterschied auf einen Blick
Der Kochtyp ordnet Kartoffeln nach ihrem Stärkegehalt in drei Gruppen: festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend. Am meisten Stärke haben die mehligkochenden Sorten, am wenigsten die festkochenden.
| Merkmal | Festkochend | Vorwiegend festkochend | Mehligkochend |
|---|---|---|---|
| Stärke als grobe Orientierung | weniger als vorwiegend festkochende | etwa 13 bis 15 % | mehr, Zielwert je nach Sorte 14 bis 17 % |
| Verhalten im Topf | bleiben formstabil | mittlere Festigkeit | zerfallen leichter |
| Passen zu | Kartoffelsalat, Gratins, Bratkartoffeln | Eintöpfe, Aufläufe, Salz- und Pellkartoffeln | Püree, Suppen, Klöße |
| Sortenbeispiele | Linda, Bellinda, Belana, Annabelle | Concordia, Gala, Marabel, Laura | Adretta, Afra, Freya, Gunda |
Die Stärkewerte sind Richtwerte, denn Kartoffeln sind ein Naturprodukt und ihr Stärkegehalt schwankt.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Wie viel Stärke steckt in welchem Kochtyp?
Der Richtwert für vorwiegend festkochende Kartoffeln liegt bei etwa 13 bis 15 % Stärke, gedacht als grobe Orientierung. Bei mehligkochenden Sorten ist es mehr, bei festkochenden weniger. Mehligkochende Speisekartoffeln sollen je nach Sorte einen Zielwert von 14 bis 17 % Stärke erreichen.
Beide Angaben überschneiden sich, denn der Zielbereich der mehligen Sorten beginnt noch innerhalb der Spanne der vorwiegend festkochenden. Die Grenzen zwischen den Kochtypen sind also fließend, und eine Prozentzahl allein ordnet keine Knolle sicher ein. Ich richte mich deshalb nach der Einstufung der Sorte und nicht nach einem Stärkewert.
Im Topf: Kochverhalten und Verwendung
Festkochende Knollen behalten im Topf ihre Form, deshalb nehme ich sie für Kartoffelsalat, Gratins und Bratkartoffeln. Mit ihrer mittleren Festigkeit landen vorwiegend festkochende Sorten bei mir in Eintöpfen, Aufläufen und als Salz- oder Pellkartoffeln. Für Püree, Suppen und Klöße greife ich zu mehligkochenden Sorten, weil sie beim Kochen leichter zerfallen.
Die genaue Zuordnung mit Sortenbeispielen für jedes Gericht findest du im Beitrag, welche Kartoffelsorte zu welchem Gericht passt. Für die mittlere Gruppe gibt es eigene Ideen, wie du mit vorwiegend festkochenden Kartoffeln kochst. Quer durch alle Kochtypen helfen dir unsere Rezepte rund um die Kartoffel.
Sind mehlige oder festkochende Kartoffeln gesünder?
Der Kochtyp ist eine Küchenangabe. Er beschreibt, wie viel Stärke eine Sorte ungefähr mitbringt und wie sie sich beim Kochen verhält. Ein Urteil darüber, welcher Typ gesünder ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Ich wähle die Sorte deshalb nach dem Gericht, das ich kochen will.
Etwas beeinflussen kannst du beim Garen: Dämpfst du die Knollen, statt sie zu kochen, bleiben im Durchschnitt mehr Nährstoffe erhalten.
Einen Gesundheitspunkt gibt es trotzdem, und er gilt für alle drei Kochtypen gleich. Die Glykoalkaloide Solanin und Chaconin sitzen vor allem in Keimen und Augen. Eine grünliche Färbung ist ein Hinweis auf einen erhöhten Gehalt.
Knollen, die grün sind, stark keimen oder bitter schmecken, kommen nicht auf den Teller. Schneide Keime und grüne Stellen großzügig heraus. Das BfR nennt als vorsorglichen Richtwert, dass der Glykoalkaloid-Gehalt von Speisekartoffeln 100 Milligramm je Kilogramm nicht überschreiten sollte.
Damit die Knollen im Vorrat nicht ergrünen, lagerst du sie dunkel und kühl, am besten bei 4 bis 6 Grad. Wird es wärmer als 8 Grad, fangen sie an zu keimen. Mehr zum Vorrat findest du im Abschnitt, wie du Kartoffeln kühl, dunkel und luftfeucht lagerst.
Grenzfälle: Sorten zwischen den Kochtypen
Nicht jede Sorte passt sauber in eine Spalte der Tabelle. Agria wird mal als vorwiegend festkochend, mal als vorwiegend mehligkochend eingestuft. Der Blaue Schwede, eine mittelfrühe Sorte mit blauem bis violettem Fleisch, reicht je nach Sortenbeschreibung von festkochend bis mehligkochend. Die alte, mittelfrühe Vitelotte mit blauviolettem Fleisch kocht mehlig und ist trotzdem schnittfest.
Nach der Ernte koche ich von jeder Sorte eine Knolle allein in einem kleinen Topf und schaue, ob sie ihre Form hält oder zerfällt. Die Beobachtung schreibe ich neben den Sortennamen in mein Gartenheft. Sorten mit schwankender Einstufung wie Agria plane ich erst danach für ein bestimmtes Gericht ein.
An der Schalenfarbe erkennst du den Kochtyp? Laura hat eine rote Schale und kocht vorwiegend fest. Auch blaues Fleisch legt nichts fest, wie die Spanne beim Blauen Schweden zeigt. Den Kochtyp liest du an der Sortenbeschreibung ab, nicht an der Farbe.
Was du im Beet am Kochverhalten beeinflusst
Ob eine Sorte in diesem Jahr mehliger oder fester kocht als im letzten, kann auch an Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung liegen. Einiges davon hast du im eigenen Beet in der Hand.
Kraut ausreifen lassen
Die Knollen legen weiter an Größe und Stärke zu, solange das Kraut darüber noch grün ist. Gräbst du eine mehlige Sorte bei noch grünem Kraut aus, bleibt ihr also weniger Zeit zum Einlagern, und ihre Schale hat sich oft noch nicht ganz gefestigt.
Lagerknollen bleiben nach der Faustregel noch etwa 2 bis 3 Wochen in der Erde, nachdem das Kraut vollständig abgestorben ist. In dieser Zeit reift ihre Schale aus. Ich reibe dafür mit dem Daumen über eine Probeknolle und grabe erst, wenn sich die Schale nicht mehr leicht abreiben lässt. Frühkartoffeln holst du dagegen schon bei grünem Laub nach und nach aus dem Boden und verbrauchst sie gleich, denn länger als eine Woche halten sie nicht.
Gleichmäßig wässern
Leidet der Bestand stark unter Trockenheit, kann das Ertrag kosten und zugleich den Stärkegehalt der Knollen senken. Achte vor allem vom Knollenansatz bis zur Blüte auf feuchten Boden, denn das ist die wasserkritischste Phase.
Maßvoll düngen
Bekommen die Pflanzen zu viel StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll)., kann der Trockenmassegehalt der Knollen sinken, und Abreife wie Schalenfestigkeit können sich verzögern. Steigt die Kaliumgabe, kann der Stärkegehalt der Knollen sinken. Enthält der Kaliumdünger Chlorid, kann auch das den Stärkegehalt drücken. Ich stimme die Düngung deshalb auf eine BodenuntersuchungEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen. ab und lege nicht nach Gefühl nach.
Kochtyp und Reifezeit: Sorten fürs eigene Beet
Mehligkochende Sorten gibt es früh wie Gunda und mittelspät wie Highland Burgundy Red. Den Kochtyp wählst du also nach deiner Küche und die Reifezeit getrennt davon nach dem Erntetermin, den du dir wünschst.
| Sorte | Kochtyp | Reife | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Gunda | mehligkochend | früh | mittlere bis niedrige Keimfreudigkeit |
| Adretta | mehligkochend | mittelfrüh | hellgelbes Fleisch, sehr lange Keimruhe, gut lagerfähig |
| Freya | mehligkochend | mittelfrüh | gut lagerfähig |
| Highland Burgundy Red | mehligkochend | mittelspät | rotes Fleisch mit weißem Außenring |
| Annabelle | festkochend | sehr früh bis früh | geringe Keimruhe, braucht kühle Lagerung |
| Belana | festkochend | früh | gelbes Fleisch |
| Bamberger Hörnchen | festkochend | mittelfrüh bis spät | längliche Landsorte |
| Cara | vorwiegend festkochend | spät |
Vitelotte und Highland Burgundy Red, beide mehligkochend, kommen auch für den Kartoffeleimer in Frage. Adretta beschreibt ihr Züchter als trockentolerant, und unter den vorwiegend festkochenden Sorten gilt Bellarosa als trockenheitstolerant. Kauf in jedem Fall zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut. Die breitere Sortenübersicht nach Gerichten steht im oben verlinkten Beitrag zur Sortenwahl in der Küche.
Ich setze mehlige und festkochende Sorten in getrennte Reihen und stecke an jedes Reihenende ein Schild mit Sorte und Kochtyp. So lege ich die Knollen bei der Ernte gleich in getrennte Kisten.
Willst du dich nicht auf eine Sorte festlegen, bringt eine fertige Pflanzkartoffel-Mischung mehrere Sorten zusammen, etwa Annabelle, Heiderot und Laura. Worauf es dabei ankommt, liest du im Beitrag, wie du so eine Mischung im eigenen Garten anbaust. Gepflanzt wird von März bis Mai, deinen Termin hältst du im druckbaren Aussaatkalender für Kartoffeln fest.
- Erst das Gericht, dann der Kochtyp: mehligkochend für Püree und Klöße, festkochend für Salat und Bratkartoffeln.
- Reifezeit nach dem Erntewunsch wählen: sehr frühe Sorten für die Ernte im Juli, späte für September und Oktober.
- Liegt dein Beet trocken, eine trockentolerante Sorte wählen.
- Reihen mit Sorte und Kochtyp beschriften.
- Nach der Ernte von jeder Sorte eine Knolle zur Probe kochen.




