Paprika natürlich schützen: Schneckenzaun, Netz, Nützlinge und Jauche im Check
- Schnecken können Paprika anfressen: Ein Schneckenzaun bremst die Zuwanderung, Tiere im Beet sammelst du ab.
- Kontrolle zuerst: Weiße Fliegen sitzen mit ihren Larven bevorzugt auf den Blattunterseiten.
- Blattläuse spritzt du im Garten häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ab; ein Kulturschutznetz hält sie nicht ausreichend ab.
- Unter Glas kommen Nützlinge wie Encarsia formosa gegen Weiße Fliegen infrage; dafür planst du 1 bis 2 Kontrollen pro Woche ein.
- Pflanzenjauche ist eine Nährstoffgabe ohne allgemeingültige Menge; dass Begleitpflanzen Schädlinge abhalten, ist schwer nachzuweisen.
Angefressene Jungpflanzen im Beet, Läuse an den Trieben, silbrige Blätter im Gewächshaus: Dann willst du handeln, ohne gleich zur Spritze zu greifen. Ich arbeite dabei in einer festen Reihenfolge. Zuerst beuge ich über Standort und Abstand vor, dann kontrolliere ich, und erst danach greife ich von Hand ein. Netze, Zäune und Nützlinge setze ich innerhalb dieser Reihenfolge ein. Bei Jauchen, BegleitpflanzenEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. und Hausmitteln erfährst du, was ihnen nachgesagt wird und wo die Grenzen liegen.
Fressen Schnecken Paprikapflanzen?
Ja, Schnecken können Paprika anfressen, gerade die jungen Pflanzen nach dem Auspflanzen. Deshalb ziehe ich einen Schneckenzaun um das Paprikabeet, bevor die Jungpflanzen hineinkommen. Ein Schneckenzaun ist eine vorbeugende Zuwanderungsbarriere: Er kann Schnecken bremsen, die von außen ins Beet wollen. Tiere, die schon drinnen sitzen, hält er nicht auf, also sammle ich sie innerhalb des Zauns ab. Finde ich Fraßstellen, suche ich die Pflanze und den Boden rundherum ab und prüfe den Zaun auf Lücken. Was Kaffeesatz und andere Hausmittel gegen Schnecken leisten, ordne ich weiter unten ein.
Vorbeugen: Standort, Abstand und gleichmäßiges Wasser
Ich setze Paprika warm, sonnig und windgeschützt: 30 bis 50 cm in der Reihe, ebenso viel zwischen den Reihen, eine Stütze je Pflanze. Der Abstand lässt Gießwasser schneller abtrocknen und hilft so gegen Grauschimmel, gleichmäßige Bodenfeuchte begrenzt BlütenendfäuleBlütenendfäule ist eine physiologische Störung vor allem an Tomaten und Paprika: Durch Calciummangel in der Frucht bildet sich an der Blütenansatzstelle ein dunkler, wässriger Fleck, der später eintrocknet und verhärtet. Sie ist kein Pilz- oder Schädlingsbefall. vorbeugend. Wie du beiden Krankheiten vorbeugst, steht ausführlich im Krankheitskapitel zum Paprika- und Chili-Anbau.
Kontrollieren: der Blick unter die Blätter
Natürlicher Schutz beginnt mit Hinsehen, vor allem auf die Blattunterseite. Wenn ich die Triebe am Stab nachbinde, drehe ich dabei die Blätter um. Weiße Fliegen sitzen mit ihren Larven bevorzugt auf den Blattunterseiten. Verkrüppelte Triebe und Rußtau können auf Blattläuse hindeuten, gelb gesprenkelte Blätter mit feinen Gespinsten auf Spinnmilben und silbrig glänzende Blätter auf Thripse. Wie die einzelnen Schadbilder aussehen, zeigt der Ratgeber zu Schädlingen und Krankheiten an Spitzpaprika.
Unter Glas kannst du gegen Weiße Fliegen Gelbtafeln aufhängen. Ich sehe sie mir beim Kontrollgang an, verlasse mich aber nicht auf sie und schaue trotzdem unter die Blätter.
Für einen rechtzeitigen Nützlingseinsatz im Kleingewächshaus planst du 1 bis 2 Kontrollen pro Woche ein.
Blattunterseiten umdrehen. Triebe auf Verformungen ansehen. Fraßstellen suchen und Raupen absammeln. Schneckenzaun und Netzrand auf Lücken prüfen. Unter Glas die Gelbtafel ansehen.
Von Hand eingreifen: abspritzen, absammeln, ausschneiden
Gegen Blattläuse im Garten reicht häufig schon ein kräftiger Wasserstrahl. Ich spritze die Läuse morgens ab, damit das Laub danach abtrocknen kann. Raupen sammle ich ab, sobald ich Fraß sehe, oder schüttle sie auf eine Folie, die ich vorher unter die Pflanze gelegt habe.
Befallene Pflanzenteile schneide ich heraus und gebe sie in den Haus- oder Biomüll. Danach reinige ich Schere und Handschuhe, bevor ich an gesunde Pflanzen gehe. Das Tomatenmosaik-Virus wird besonders leicht mechanisch übertragen, und ungereinigtes Werkzeug kann es so von einer kranken auf eine gesunde Pflanze tragen.
Barrieren: Netz, Zaun und Haube
Ein Kulturschutznetz legst du unmittelbar nach der Pflanzung auf und schließt es am Boden lückenlos ab. Im Hochsommer musst du darunter lüften, sonst drohen Überhitzung und hohe Luftfeuchtigkeit mit erhöhtem Pilzrisiko. Blattläuse hält ein solches Netz nicht ausreichend ab. Weil Läuse also durchkommen können und du das Netz im Sommer ohnehin zum Lüften öffnest, ersetzt es den Kontrollgang nicht.
Gegen Schnecken setze ich auf den Zaun um das Beet, wie oben beschrieben. Im Freiland schützen außerdem Haube oder Frühbeet die Pflanzen nach dem Auspflanzen, bis sie gut angewachsen sind.
Nützlinge: im Garten fördern, unter Glas einsetzen
Im Garten: Gegenspieler ansiedeln
Im Beet bietest du den Gegenspielern der Schädlinge Nahrung und Quartier. Florfliegen und Ohrwürmer förderst du, indem du ihnen geeignete Überwinterungsquartiere anbietest. Dill und Thymian liefern in der Blüte Pollen und Nektar für erwachsene Nützlinge, deren Larven Blattläuse fressen. Auch Ringelblumen bieten Insekten Nektar und Pollen. Ich lasse deshalb Dill und Thymian in der Nähe der Paprika blühen, statt sie vorher abzuernten.
Unter Glas: Nützlinge gezielt einsetzen
Im Gewächshaus können passend ausgewählte Nützlinge frühzeitig gegen Blattläuse, Spinnmilben, Thripse und Weiße Fliegen eingesetzt werden. Gegen die Weiße Fliege kommt im Kleingewächshaus die Schlupfwespe Encarsia formosa infrage. Bei Spinnmilben wird die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis eingesetzt, und zwar frühzeitig, sobald Spinnmilben vorhanden sind. Als optimaler Temperaturbereich unter Glas gelten für sie 18 bis 25 °C.
Thripse können das Tomatenbronzefleckenvirus übertragen, und dieses Virus ist an Paprika nicht direkt bekämpfbar. Die Vorsorge setzt deshalb bei den Thripsen an und nicht beim Virus.
RaubmilbenRaubmilben sind winzige Milben, die andere Milben wie Spinnmilben und je nach Art auch Thripslarven fressen. Als Nützlinge werden sie im Gewächshaus und im Garten gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt. vorsorglich ausbringen, bevor Spinnmilben da sind. Phytoseiulus persimilis eignet sich wegen Kannibalismus nicht für einen vorbeugenden Einsatz ohne Beute.
Pflanzenjauche, Brühen und Hausmittel einordnen
Brennnesseljauche wird nachgesagt, sie stärke die Paprika und halte Schädlinge fern. Pflanzenjauche ist zunächst eine Nährstoffgabe: Fertig vergoren wird sie mit Wasser verdünnt und im Wurzelbereich ausgebracht. Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder Häufigkeit gibt es nicht, weil Pflanzenbedarf und Nährstoffvorrat des Bodens zählen. Ich gieße Jauche deshalb nicht nach festem Plan, sondern schaue auf die Pflanze und auf das, was der Boden schon mitbringt.
Auf optimal versorgtem Gartenboden gilt die volle Düngeempfehlung einer Verpackung nur, wenn keine weiteren Dünger oder Kompostgaben dazukommen. Gießt du zusätzlich Jauche, rechnest du sie also in die Düngung ein.
PflanzenstärkungsmittelPflanzenstärkungsmittel sind Stoffe, Gemische oder Mikroorganismen, die allgemein die Gesundheit von Pflanzen erhalten oder sie vor Belastungen schützen sollen, die nicht von Schaderregern ausgehen, etwa vor Frost oder starker Verdunstung. Pflanzenschutzmittel sind sie nicht. dienen der allgemeinen Gesunderhaltung der Pflanze oder dem Schutz vor nichtparasitären Beeinträchtigungen. Eine Bekämpfungswirkung gegen bestimmte Schädlinge belegen sie damit nicht.
Auch anderen Hausmitteln wird viel nachgesagt. Knoblauchauszug soll Schädlinge mit seinem Geruch abschrecken, SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. soll die Pflanze festigen. SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. und Rapsöl werden gegen Läuse genannt, Kaffeesatz gegen Schnecken. Bei Befall greife ich zuerst zu Wasserstrahl, Absammeln und Barriere.
Begleitpflanzen und Fruchtfolge
„Basilikum, Tagetes und Knoblauch halten Schädlinge von Paprika fern.“ Dass bestimmte Nachbarn Schädlinge abhalten, lässt sich schwer nachweisen, und Erfahrungsberichte dazu widersprechen sich häufig. In einem Gewächshausversuch mit Blockpaprika nutzten Nützlinge blühende Untersaaten. Mit der Kräutermischung waren die Paprikaerträge aber niedriger, und wegen Problemen beim Kulturstart ließ sich die Ursache nicht eindeutig zuordnen.
Mischkultur kann Nützlinge unterstützen, eine Garantie gegen Schädlinge ist sie nicht. Begleiter brauchen Platz nach ihrer endgültigen Größe, dazu Licht, Luft und zugängliche Reihen für die Bodenpflege. Kurzlebige Zwischenkulturen erntest du ab, bevor sie die Paprika bedrängen. Ob ein Nachbar zur Paprika passt, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug.
Der Wechsel verschiedener Gemüsekulturen auf einem Beet hilft, Schäden durch den fortgesetzten Anbau derselben Art vorzubeugen. Für Paprika gilt als allgemeine Gartenregel eine Anbaupause von mindestens 3 Jahren, bevor sie wieder auf derselben Fläche wächst. Tomate, Kartoffel und Aubergine sind danach kein Familienwechsel, denn sie gehören wie Paprika zu den NachtschattengewächsenNachtschattengewächse sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen gehören. Weil sie für dieselben Krankheiten anfällig sind, sollen sie nicht direkt nacheinander auf demselben Beet stehen.. Den Wechsel planst du leichter, wenn du deine Beete vorab im Beetplaner einteilst.
Helfen resistente Sorten?
Eine ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gilt für einen bestimmten Erreger: Die Blockpaprika Bendigo F1 trägt die vom Züchter ausgewiesene hohe Resistenz HR Tm:0 gegen das Tabakmosaikvirus. Gegen Läuse, Weiße Fliegen oder Schnecken sagt eine solche Angabe nichts. Welche Krankheiten an Paprika auftreten und was du dagegen tun kannst, liest du im Ratgeber zu Paprika-Krankheiten.
Wenn natürliche Mittel nicht reichen
Biologisches Gärtnern verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und setzt auf Fruchtfolge, robuste Sorten und bedarfsgerechte organische Düngung. Greifst du trotzdem zu einem chemischen Mittel, dann nur als letzten Schritt, wenn Kontrolle, Handarbeit, Barrieren und Nützlinge nicht reichen. Ein solcher Einsatz kann Nützlinge und Bestäuber treffen. Den Bestäubern hilft es, wenn du auf vermeidbare Einsätze verzichtest und blühende Randstreifen frei von Spritzmitteln hältst.
Nimm nur ein Mittel, das für den Haus- und Kleingarten zugelassen ist, und halte dich genau an die Gebrauchsanweisung. Trag dabei Schutzkleidung, halte die Wartezeit bis zur Ernte ein und entsorge Reste so, wie die Gebrauchsanweisung es vorgibt.





