Kirschtomaten aussäen: Zeitpunkt, Methode und der Weg zur Jungpflanze

Kirschtomaten aussäen: der Zeitplan macht die halbe Arbeit
Kirschtomaten sind das Naschobst unter den Gemüsen – klein, süß und meist schon halb aufgegessen, bevor die Schüssel die Küche erreicht. Wie viel im Sommer an den Pflanzen hängt, entscheidet sich allerdings lange vorher auf der Fensterbank. Dieser Ratgeber führt durch die Anzucht: vom Aussaattermin über Keimung und Pikieren bis zu dem Tag, an dem die Jungpflanzen ins Beet oder in den Kübel dürfen. Was für alle Tomaten gleichermaßen gilt, steht hier nur in Kurzform, mit Verweis dorthin, wo es ausführlich behandelt wird.
Aussaat in Kurzform
- Das praktikable AussaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. liegt zwischen Mitte März und Anfang April
- Bei 20 bis 25 °C keimen die Samen in sieben bis vierzehn Tagen
- Pikiert wird, sobald die ersten echten Blätter erscheinen
- Abgehärtet wird ein bis zwei Wochen vor dem Auspflanzen
- Ins Freie geht es erst nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. Mitte Mai
Kirschtomate, Cherrytomate, Cocktailtomate
„Cherrytomate” ist schlicht das englische Wort für Kirschtomate. Gemeint ist dieselbe Gruppe kleinfrüchtiger Sorten, die ihre Früchte meist rispenweise trägt und die es in Rot, Gelb, Orange und fast Schwarz gibt. Cocktailtomaten sind die etwas größere Nachbarklasse; im Handel gehen die Bezeichnungen fließend ineinander über. Für die Anzucht spielt das keine Rolle, denn botanisch ist alles dieselbe Art.
Und botanisch ist die Kirschtomate eine Tomate wie jede andere: ein NachtschattengewächsNachtschattengewächse sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen gehören. Weil sie für dieselben Krankheiten anfällig sind, sollen sie nicht direkt nacheinander auf demselben Beet stehen., ein Starkzehrer, tief wurzelnd und frostempfindlich. Was daraus für Wuchstypen, Standort, Boden und Pflege folgt, steht gesammelt im Überblick zum Tomatenanbau – hier geht es um den Weg vom Samenkorn zur pflanzfertigen Jungpflanze.
Der richtige Zeitpunkt
Der Aussaattermin ist keine Kalenderfrage, sondern eine Rückrechnung. Ausgepflanzt wird ins Freie erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, und bis dahin sollen die Pflanzen kräftig, aber nicht überständig sein. Wer im Januar anfängt, hat im Mai lange, dünne Pflanzen, die den Umzug schlecht wegstecken; wer im Mai anfängt, verschenkt einen guten Teil der Saison.
Sechs bis acht Wochen vor dem letzten zu erwartenden Frost – das ist die Faustregel, aus der sich dein Termin ergibt. Für die meisten Regionen landet man damit im Fenster zwischen Mitte März und Anfang April. Früher geht es nur mit Pflanzenlampe, weil die Tageslänge sonst nicht reicht. Das gesamte Anzuchtfenster reicht von Februar bis April, die Pflanzzeit von März bis Mai, geerntet wird je nach Sorte und Anbauform von Juni bis in den November.
Ich säe deshalb bewusst nicht zu früh, sondern schaue zuerst nach, wann in meiner Ecke üblicherweise der letzte Frost fällt, und rechne von dort zurück. Wann das in deiner Region der Fall ist, zeigt dir der Rechner für den letzten Frosttermin, statt dass du mit einem bundesweiten Mittelwert planst.
Wer ein Gewächshaus hat, kann etwas früher starten, weil die Jungpflanzen dort auch früher unterkommen. Der Wärmebedarf der Sämlinge ändert sich dadurch aber nicht – und ohne Zusatzlicht ändert sich auch die Tageslänge im Februar nicht.
Was du für die Aussaat brauchst
Die Liste ist kurz, und teuer wird es nicht:
- Saatgut der gewünschten Sorte
- Anzuchtschalen, kleine Töpfe oder Multitopfplatten mit Abzugslöchern
- AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. – nährstoffarm, fein und locker
- eine Haube, Folie oder Glasscheibe als Verdunstungsschutz
- eine Sprühflasche
- Etiketten und einen wasserfesten Stift
- später: größere Töpfe zum Pikieren
Nährstoffarme Anzuchterde ist kein Sparzweck, sondern Absicht: In magerem Substrat suchen die Wurzeln aktiv nach Nahrung und verzweigen sich stärker. Normale Blumenerde ist für die Keimphase zu kräftig gedüngt. Anzuchtgefäße lassen sich gut improvisieren – Joghurtbecher mit ein paar Löchern im Boden tun es genauso, solange sie sauber sind.
Ich schreibe Sorte und Aussaatdatum auf ein Etikett und stecke es sofort in den Topf. Später sehen alle Sämlinge gleich aus, und spätestens beim Pikieren ist man froh, nicht raten zu müssen.
So säst du aus
Fülle die Gefäße mit Anzuchterde, streiche sie glatt und feuchte sie an, bevor die Samen daraufkommen. Dann legst du die Samen einzeln auf, siebst etwas Substrat darüber und drückst es leicht an – vergraben werden sie nicht. Angefeuchtet wird mit der Sprühflasche, sonst spülst du die Körner in die Tiefe.
Anschließend kommt die Abdeckung darauf und das Gefäß an einen warmen Platz. Bei 20 bis 25 °C keimen die Samen in sieben bis vierzehn Tagen; ungleichmäßige Wärme verzögert das Ganze eher, als dass sie es verhindert. Einmal täglich wird gelüftet, damit sich unter der Haube kein Schimmel ansiedelt.
Nach der Keimung alles so lassen wie vorher. Zum Keimen brauchen die Samen Wärme, danach brauchen die Sämlinge vor allem Licht – und eher kühler als wärmer. Bleiben sie warm und zu dunkel stehen, strecken sie sich in die Höhe und bilden dünne Stängel, die später kippen. Die Abdeckung kommt deshalb ab, sobald die ersten Spitzen zu sehen sind, und die Schale wandert an den hellsten Platz im Haus.
Keimung und die ersten Wochen
Nach dem Auflaufen ändert sich der Job: Aus Wärmehalten wird Lichtorganisieren. Die Sämlinge stehen so hell wie möglich, aber nicht in der prallen Mittagssonne hinter Glas. Gegossen wird zurückhaltend – die Erde soll gleichmäßig feucht bleiben, nie nass, und zwischendurch oberflächlich abtrocknen dürfen. Zimmerwarmes Wasser schont die feinen Wurzeln.
Ich drehe die Töpfe alle paar Tage um die eigene Achse, damit die Pflänzchen nicht einseitig zum Fenster wachsen. Gedüngt wird in dieser Phase noch nicht: Die Anzuchterde trägt die Sämlinge, bis sie pikiert sind, und zu viel Nährstoff produziert weiches Gewebe statt kräftiger Pflanzen.
Pikieren: mehr Platz, mehr Wurzeln
Pikiert wird, sobald die ersten echten Blätter über den beiden KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. erscheinen. Bis dahin standen die Sämlinge dicht an dicht und haben sich gegenseitig Licht und Wurzelraum weggenommen; jetzt bekommt jeder seinen eigenen Topf.
So läuft es ab:
- Die Schale vorher leicht wässern, dann lösen sich die Wurzeln besser aus dem Substrat.
- Jeden Sämling mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. oder einem Löffel von unten heraushebeln.
- Die Pflänzchen nur an den Keimblättern anfassen. Ich lasse den Stängel dabei grundsätzlich unberührt, denn ein gequetschter Keimblattrand wächst nach, ein gequetschter Stängel nicht.
- Im neuen Topf ein Loch formen, den Sämling tiefer einsetzen als vorher – die Keimblätter sitzen knapp über der Erde – und die Erde sanft andrücken.
- Vorsichtig angießen und die Töpfe die nächsten Tage hell, aber nicht vollsonnig und zugfrei stellen.
Das tiefere Einsetzen ist kein Kniff für Fortgeschrittene, sondern nutzt eine Eigenschaft der Tomate: Am vergrabenen Stängelabschnitt bilden sich zusätzliche Wurzeln, und ein größerer Wurzelballen versorgt die Pflanze später gleichmäßiger.
Abhärten und auspflanzen
Zwischen Fensterbank und Beet liegt ein Klimasprung: mehr Licht, mehr Wind, kühlere Nächte. Deshalb wird abgehärtet, bevor umgezogen wird.
Ein bis zwei Wochen vor dem Auspflanzen kommen die Jungpflanzen tagsüber ins Freie · Start an einem geschützten, zunächst schattigen Platz · Aufenthaltsdauer und Sonnenanteil täglich etwas steigern · nachts zurück ins Haus, solange Frost möglich ist · sparsamer gießen als in der Anzucht · ins Beet erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn die Nächte nicht mehr unter 10 °C fallen.
Der Platz draußen ist vollsonnig mit sechs bis acht Stunden direkter Sonne, windgeschützt und am besten so gewählt, dass das Laub nach Regen schnell abtrocknet. Der Boden ist locker, humos und durchlässig, mit reifem Kompost bei der Pflanzung; der pH-Wert liegt idealerweise zwischen 6,0 und 6,8. Beim Abstand gilt dasselbe System wie bei allen Tomaten und nicht etwa ein Rabatt für kleine Früchte: Stabtomaten 50 bis 70 cm in der Reihe bei 80 bis 100 cm Reihenabstand, buschig wachsende Sorten 40 bis 50 cm in der Reihe.
Auch beim Auspflanzen wird tiefer gesetzt als im Topf, die untersten Blätter kommen vorher weg, und die Stütze wandert im selben Arbeitsgang mit ins Loch – später verletzt du damit Wurzeln. Und ein Punkt, der schon vor der Aussaat feststehen sollte: Auf der Fläche darf in den letzten Jahren keine Tomate und kein anderes Nachtschattengewächs gestanden haben. Die klassische Anbaupause für Solanaceae liegt bei vier bis fünf Jahren, wobei vier Jahre der Wert sind, mit dem auch der Beetplaner rechnet.
Pflege nach dem Auspflanzen in Kürze
Gegossen wird morgens, gleichmäßig und direkt in den Wurzelbereich, nie über das Laub. Nach der Grundversorgung mit Kompost folgen regelmäßige Gaben etwa alle zwei bis drei Wochen, bis die letzten Früchte ausgereift sind. Stabtomaten werden ausgegeizt, sobald die GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. in den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. etwa fünf Zentimeter lang sind, und laufend locker angebunden; buschig wachsende Sorten werden nicht ausgegeizt. Wie Gießen, Düngen und Stützen im Detail funktionieren, steht in den Grundlagenkapiteln des Tomaten-Überblicks. Den kompletten Anbaubogen mit Sortenüberblick, Mischkultur und Verwendung findest du bei den Kirschtomaten von der Aussaat bis zur Ernte.
Ernte in Kürze
Reif ist eine Kirschtomate, wenn sie ihre sortentypische Farbe erreicht hat und sich mit leichtem Druck vom Stiel löst. Weil kleine Früchte schnell nachkommen, wird alle paar Tage durchgepflückt; reife Früchte halten sich bei Zimmertemperatur etwa eine Woche, der Kühlschrank kostet Aroma. Wie du Reifezeichen sicher liest, ganze Rispen erntest und die Früchte danach behandelst, steht ausführlich bei den Reifezeichen und der richtigen Pflücktechnik für Kirschtomaten.
Ein Hinweis, der schon in der Anzucht mitgedacht werden darf: Unreife grüne Früchte roter Sorten enthalten Solanin, ein Alkaloid der Nachtschattengewächse, das in größeren Mengen den Magen reizen kann. Lass solche Früchte nachreifen, statt sie roh zu essen. Sorten wie Green Zebra, die bei Vollreife grün bleiben, sind davon nicht betroffen.
Saatgut für die nächste Saison
Wer samenfeste Sorten anbaut, kann den Kreis schließen. Nimm vollreife Früchte von gesunden Pflanzen, löse Fruchtfleisch und Kerne heraus und lass sie in etwas Wasser stehen, bis sich die gallertartige Hülle um die Samen löst. Danach die Kerne sauber waschen, auf Küchenpapier vollständig durchtrocknen und kühl, dunkel und trocken in Papiertüten lagern. Bei F1-Sorten lohnt der Aufwand nicht, denn die Nachkommen spalten genetisch auf und fallen sehr unterschiedlich aus.
Fazit: früh genug, aber nicht zu früh
Die Anzucht von Kirschtomaten ist keine Kunst, sie ist eine Terminfrage mit drei Ankern: sechs bis acht Wochen vor dem letzten Frost aussäen, pikieren, sobald die ersten echten Blätter da sind, und ein bis zwei Wochen vor dem Auspflanzen abhärten. Dazwischen liegt vor allem Beobachten – Licht statt Wärme nach der Keimung, sparsam gießen, nicht düngen. Wer diese Reihenfolge einhält, stellt Mitte Mai kräftige Pflanzen ins Beet statt lange Stängel, die sich erst einmal erholen müssen.





