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Zichorie anbauen: Wurzelzichorie, Chicorée und Radicchio von der Aussaat bis zur Ernte

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Leg vor der Aussaat fest, was du ernten willst: Blätter, Treibsprosse oder die Wurzel.
  • Wurzelzichorie säst du direkt ins Beet, Blattzichorien auch vorgezogen im Topf.
  • Nach dem Vereinzeln stehen die Pflanzen in der Reihe 10 bis 30 cm auseinander, bei 20 bis 60 cm Reihenabstand.
  • Die Keimung dauert 7 bis 21 Tage; so lange hältst du das Saatbett feucht, ohne es zu vernässen.
  • Chicoréewurzeln treibst du in völliger Dunkelheit bei 12 bis 18 °C.
Hellblaue Blüten der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus) in einer Nahaufnahme.
Foto: cobalt-70 · Depositphotos Standard License · Quelle ↗

Bei Zichorie fällt die wichtigste Entscheidung vor der ersten Saatrille: Willst du Blätter, Treibsprosse oder die Wurzel ernten? Davon hängen Aussaatzeit, Saattiefe und Düngung ab. Ich plane mein Zichorienbeet deshalb immer vom Kulturziel her. Diese Anleitung führt dich von der Bodenvorbereitung bis an die Ernte heran, mit besonderem Blick auf Wurzelzichorie und Treibchicorée.

Welche Zichorie willst du ernten?

Alle Gartenzichorien gehören zur Art Cichorium intybus. Die Wildform ist die Wegwarte, botanisch zählt die Art zu den Korbblütlern. Im Garten unterscheidest du zwei Kulturziele: die Nutzung der Blätter oder Treibsprosse und die Nutzung der Wurzel. Daraus ergeben sich drei Gruppen, die du getrennt planst.

  • Blattzichorien wie Radicchio, Zuckerhut, Zichoriensalat oder Catalogna erntest du als Blattgemüse direkt aus dem Beet.
  • Treibchicorée wächst zuerst im Beet heran. Später treibst du seine Wurzeln im Dunkeln und erntest die Sprosse, die dabei austreiben.
  • Wurzelzichorie baust du für die Wurzel selbst an. Geröstet dient sie als Kaffeeersatz.
Mythos-Check

Wurzelzichorie und Chicorée sind dasselbe? Beide gehören zur selben Art, du baust sie aber für verschiedene Kulturziele an. Beim Treibchicorée geht es um die Sprosse, bei der Wurzelzichorie um die Wurzel selbst. Wähle dein Saatgut deshalb nach dem Ziel und nicht nur nach dem Artnamen.

Aussaatkalender Zichorie
GartenkalenderVorkultur: Mai, Juni, Juli; Aussaat: Juni, Juli; Ernte: Juni, Juli, August, September, Oktober, NovemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MaiVorkultur: JuniVorkultur: JuliAussaatAussaat: JuniAussaat: JuliErnteErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberErnte: NovemberVorkulturAussaatErnte

Standort und Boden vorbereiten

Gib deiner Zichorie einen Platz in voller Sonne. Der Boden sollte nährstoffreich und gut durchlässig sein. Kalk-, Lehm- und Sandböden kommen infrage. Beim pH-Wert ist die Art tolerant und verträgt saure, neutrale und alkalische Böden.

Ob du kalkst, entscheidest du deshalb nicht nach einem Pauschalwert, sondern nach einer Bodenprobe. Maßgeblich sind die Bodenart und der gemessene pH-Wert. Liegt er schon oberhalb des Zielbereichs, kalkst du nicht.

Schweren Boden bearbeitest du erst, wenn er abgetrocknet ist und nicht mehr an Schuhen oder Spaten klebt. Dann lockerst du das Beet mit der Grabgabel. Vermutest du eine verdichtete Schicht, stich mit einer spitzen Metallstange in den feuchten Boden und spür nach, wo der Widerstand zunimmt. Als allgemeine Faustzahl kannst du im Frühjahr etwa 3 l vollständig verrotteten Kompost je m² oberflächlich einarbeiten. Zeigt die Bodenprobe stark überhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, schränkst du die Gabe ein.

Kurz erklärt

Deine Bodenart findest du mit der Fingerprobe heraus. Nimm leicht feuchte Erde in die Hand und form sie: Sandboden zerfällt dabei, toniger Boden klebt an den Händen und lässt sich ausrollen.

Zichorie im Hochbeet und im Topf

Auch das Hochbeet ist ein passender Anbauort, und im Topf lässt sich Zichorie ebenfalls ziehen. Nimm dafür ein möglichst großes Gefäß, denn mehr Erdvolumen speichert mehr Wasser und erlaubt längere Abstände zwischen den Wassergaben. In torffreier Topferde prüfst du die Feuchte vor dem Gießen mit dem Finger, auch unterhalb der Oberfläche, weil diese schneller austrocknet.

Fruchtfolge: Anbaupause einplanen

Zwischen Zichorienkulturen auf derselben Fläche hältst du 3 bis 4 Jahre Anbaupause ein und zählst Chicorée, Radicchio und Endivien dabei mit. Günstige Einflüsse zwischen Beetnachbarn sind schwer nachzuweisen, deshalb plane ich vor allem jede Pflanze mit ihrer endgültigen Größe ein. Wie du Anbaupausen im ganzen Wurzelbeet ordnest, steht im Abschnitt über Fruchtfolge und Mischkultur im Wurzelgemüse-Ratgeber; mögliche Nachbarn schlägst du im Mischkultur-Werkzeug für Beetnachbarn nach.

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Wann du Zichorie säst

Der Termin richtet sich nach dem Kulturziel. Für die Art insgesamt liegt die Aussaatzeit im Juni und Juli.

Treibchicorée säst du im Fenster der Art. Passe den Termin an die Witterung bei dir an. In klimatisch ungünstigen Lagen säst du später als in Weinbaulagen. Rechne von der Aussaat bis zur Ernte mit einer Kulturdauer von 90 bis 168 Tagen.

Saattermin und Nutzungsform jeder Reihe halte ich im Beetplaner für Reihen und Termine fest. Welche Monate für die übrigen Arten in deinem Wurzelbeet passen, zeigt dir der Aussaatkalender fürs Wurzelbeet zum Ausdrucken.

Marias Erfahrung

Ich schreibe Nutzungsform und Saatdatum zusätzlich auf das Reihenschild. So sehe ich beim Jäten, welche Reihe Blätter liefert und welche Wurzeln später in die Treiberei gehen.

Direkt säen: Saatbett, Tiefe, Keimung

Das Saatbett

Ebne das gelockerte Beet mit dem Rechen ein. Weil Zichorie bis zu 21 Tage zum Keimen brauchen kann, lohnt sich ein falsches Saatbett, das das erste aufgelaufene Unkraut schon vor der Saat abräumt. Dafür bereitest du das Beet zwei bis vier Wochen vor der Aussaat vor. Das aufgelaufene Unkraut entfernst du vor der Saat nur oberflächlich.

Jetzt dran

Ist der Unterboden vor der Saat sehr trocken, gib 1 bis 2 Tage vorher 15 bis 20 l Wasser je m². Danach hältst du das Saatbett während Quellung und Keimung feucht, ohne es zu vernässen.

So tief säst du

Zichorie ist kein Lichtkeimer, die Samen gehören also unter die Erde. Wie tief, hängt von der Form ab:

Form Saattiefe
Wurzelzichorie (Spanne der Art) 0,5 bis 2 cm
Radicchio und Zichoriensalat etwa 1 bis 2 cm
Zuckerhut je nach Saatgut verschieden, teils etwa 0,5 bis 1 cm
Treibchicorée 2 bis 3 cm

Beim Zuckerhut unterscheiden sich die Angebote, halte dich deshalb an die Angabe auf der Tüte. Nach der Saat drückst du die Erde leicht an.

Tipp

Hast du noch Saatgut vom Vorjahr, mach vor der Aussaat eine Keimprobe. Bring eine abgezählte Menge Samen feucht zum Keimen und beobachte sie 2 bis 3 Wochen lang. Keimen nur wenige, säst du dichter oder nimmst frisches Saatgut.

Keimung und Abstand

Die Samen brauchen 7 bis 21 Tage bis zur Keimung. Sobald die Sämlinge stehen, vereinzelst du sie in der Reihe. Innerhalb der Abstandsspanne planst du jede Pflanze mit ihrer endgültigen Größe ein.

Merkmal Wert
Keimdauer 7 bis 21 Tage
Mindesttemperatur für die Keimung 14 bis 18 °C
Höchsttemperatur für die Keimung 20 bis 25 °C
Empfohlene Keimtemperatur für Zichoriensalat und Zuckerhut 16 bis 20 °C
Abstand in der Reihe nach dem Vereinzeln 10 bis 30 cm
Reihenabstand 20 bis 60 cm
Wuchsbreite der Pflanze 20 bis 40 cm

Wurzelzichorie: der Ablauf im Überblick

Wurzelzichorie baust du für die Wurzel selbst an. Du säst sie direkt an ihren Platz und begleitest sie dann mit Gießen und Jäten bis zur Ernte.

Mini-Checkliste

Wurzelzichorie säen

  • Saatgut für Wurzelzichorie gewählt, nicht für Treibchicorée oder Blattformen
  • Platz in voller Sonne, Boden nährstoffreich und gut durchlässig
  • direkt im passenden Saatfenster gesät, 0,5 bis 2 cm tief und mit Erde bedeckt
  • Saatbett bis zur Keimung feucht gehalten, ohne es zu vernässen
  • Sämlinge in der Reihe auf 10 bis 30 cm vereinzelt, Reihen 20 bis 60 cm auseinander

Blattzichorien vorziehen

Blattzichorien kannst du direkt säen oder in Töpfen vorziehen. Für die Anzucht nimmst du torffreie Aussaaterde, die nährstoffarm, feinkörnig und locker ist. Spätestens nach 4 Wochen kommen die Jungpflanzen ins Beet, und zwar nur ausreichend große. Vorher härtest du sie schrittweise ab: Bei gutem Wetter stehen sie zunächst zeitweise geschützt draußen. Wurzelzichorie ziehst du dagegen nicht vor, sie kommt als Saat direkt an ihren Platz.

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Pflege: gießen, jäten, düngen

Gießen

Zichorie braucht frischen, aber nicht nassen Boden. In trockeneren Gegenden gießt du bei Bedarf zusätzlich und sorgst zugleich für guten Wasserabzug. Gib dann eine Gabe, die bis in die Wurzelzone reicht.

Zahl im Blick

Als allgemeine Orientierung für Gemüse gelten etwa 10 bis 20 l Wasser je m², wenn die Wurzelzone in ungefähr 10 bis 20 cm Tiefe erreicht werden soll. Beim langsamen Gießen verteilst du diese Gabe auf mindestens 2 Stunden, damit das Wasser einsickern kann.

Jäten

Halte die Reihen unkrautfrei. Ich jäte dicht an den Pflanzen mit der Hand und hacke zwischen den Reihen nur flach.

Düngen

Für Blattzichorien wie Catalogna in dauerhaften Salatbeständen gilt zusätzliche Düngung in der Regel als nicht nötig. Das gilt nicht bei nachgewiesenem Nährstoffmangel: Eine Bodenuntersuchung zeigt dir, ob Kalk und Nährstoffe fehlen oder im Überschuss vorhanden sind. Die Düngermenge richtest du dann nach dem Vorrat im Boden, der Angabe auf dem Dünger und dem Kompost, den du schon gegeben hast. Beim Treibchicorée kommt es zusätzlich auf den Stickstoff an, dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Blattläuse im Blick

Findest du Blattläuse an deiner Zichorie, schau zuerst nach ihren Gegenspielern. Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen können einem Befall entgegenwirken. Blühende Korb- und Doldenblütler in Beetnähe fördern Schwebfliegen, deren Larven zu den natürlichen Gegenspielern der Blattläuse gehören.

Treibchicorée: vom Beet in die Dunkelheit

Beim Treibchicorée geht die Kultur nach dem Beet weiter. Die Wurzeln wachsen zuerst im Beet heran, danach treibst du sie in völliger Dunkelheit bei 12 bis 18 °C. Für gute Sprosse zählt aber schon die Zeit im Beet, denn überhöhte Stickstoffgaben verschlechtern die Treibqualität.

Zahl im Blick

Gartenkompost enthält durchschnittlich 1 % Stickstoff, Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl dagegen 10 bis 14 %. Weil überhöhte Stickstoffgaben die Treibqualität verschlechtern, prüfe ich beim Treibchicorée erst die Bodenprobe, bevor ich zu Horn greife.

Wie du die Wurzeln bis zum Treiben lagerst und die Sprosse erntest, findest du im Ernte- und Lagerbeitrag, den ich dir im nächsten Abschnitt verlinke.

Ernte und Lagerung in Kürze

Im Beet erntest du Zichorie je nach Nutzungsform zwischen Juni und November. Wurzeln gräbst du nur aus ungefrorenem Boden aus, weil sie sonst abbrechen können. Woran du den Erntezeitpunkt jeder Form erkennst und wie Blätter, Sprosse und Wurzeln frisch bleiben, liest du im Beitrag wie du Zichorie erntest und lagerst.

Küche und Kaffeeersatz in Kürze

Blattzichorien isst du roh als Salat oder gegart, Chicoréesprosse ebenso. Mehr zu roh und gegart findest du in der Wurzelgemüse-Übersicht im Abschnitt Küche. Die geröstete Wurzel hat als Kaffeeersatz eine lange Geschichte. Dafür werden die Wurzeln gewaschen, geschnitten, getrocknet, geröstet und gemahlen. Wie du dabei vorgehst, zeige ich dir im Beitrag wie du aus Zichorienwurzeln Kaffeeersatz machst.

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Häufige Fragen

Welche verschiedenen Arten von Zichorie gibt es und wofür werden sie verwendet?
Alle Gartenformen gehören zur Art Cichorium intybus, deren Wildform die Wegwarte ist. Blattzichorien wie Radicchio, Zuckerhut oder Zichoriensalat baust du für die Blätter an, Treibchicorée für die im Dunkeln getriebenen Sprosse. Wurzelzichorie wächst für die Wurzel, die geröstet als Kaffeeersatz dient. Plane jede Form als eigenes Kulturziel, denn Aussaatzeit und Saattiefe unterscheiden sich.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat von Zichorie?
Für die Art insgesamt liegt die Aussaatzeit im Juni und Juli. Der Termin richtet sich nach Kulturziel und Witterung. In klimatisch ungünstigen Lagen säst du später als in Weinbaulagen.
Welche Bodenbedingungen bevorzugt Zichorie für optimales Wachstum?
Zichorie braucht volle Sonne und einen nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden. Kalk-, Lehm- und Sandböden kommen infrage, und beim pH-Wert verträgt die Art saure, neutrale und alkalische Böden. Ob du kalkst, entscheidet eine Bodenprobe mit Bodenart und gemessenem pH-Wert. Gießt du in trockenen Phasen zusätzlich, sorg zugleich für guten Wasserabzug.
Worin unterscheiden sich Radicchio und Chicorée beim Anbau?
Radicchio ist eine Blattzichorie, die du direkt säst oder in Töpfen vorziehst und deren Blätter du im Beet erntest. Seine Samen legst du etwa 1 bis 2 cm tief. Chicorée baust du als Treibchicorée an und säst ihn 2 bis 3 cm tief. Seine Wurzeln treibst du später in völliger Dunkelheit bei 12 bis 18 °C.
Wie unterscheidet sich die Direktsaat von der Vorkultur bei Zichorie?
Wurzelzichorie säst du direkt an ihren endgültigen Platz im Beet. Blattzichorien kannst du ebenfalls direkt säen oder in Töpfen vorziehen. Vorgezogene Pflanzen setzt du spätestens nach 4 Wochen ins Beet und härtest sie vorher schrittweise ab.
Welche Pflegearbeiten sind während der Zichorie-Wachstumsphase notwendig?
Halte die Reihen unkrautfrei und vereinzle zu dicht stehende Sämlinge auf ihren endgültigen Abstand. In trockenen Phasen gießt du bei Bedarf zusätzlich und sorgst zugleich für guten Wasserabzug. Gedüngt wird nach Bodenprobe, und bei Treibchicorée verschlechtern überhöhte Stickstoffgaben die Treibqualität.
Wie baust du Zichorie im Hochbeet an?
Das Hochbeet ist ein passender Anbauort für Zichorie, und auch im Topf lässt sie sich ziehen. Säe mit denselben Tiefen wie im Beet und plane jede Pflanze mit ihrer endgültigen Größe ein. Im Topf speichert ein größeres Gefäß mehr Wasser, und in torffreier Erde prüfst du die Feuchte vor dem Gießen mit dem Finger auch unter der Oberfläche.
Was ist der Unterschied zwischen Wegwarte und kultivierter Gartenzichorie?
Botanisch sind beide dieselbe Art, Cichorium intybus. Die Wegwarte ist die Wildform, die Gartenformen baust du gezielt für Blätter, Treibsprosse oder Wurzeln an. Im Garten säst du die Wildform wie Wurzelzichorie direkt ins Beet. Die Wegwarte blüht von Juli bis Oktober und kann verwildern.
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