Zichorie anbauen: Wurzelzichorie, Chicorée und Radicchio von der Aussaat bis zur Ernte
- Leg vor der Aussaat fest, was du ernten willst: Blätter, Treibsprosse oder die Wurzel.
- Wurzelzichorie säst du direkt ins Beet, Blattzichorien auch vorgezogen im Topf.
- Nach dem Vereinzeln stehen die Pflanzen in der Reihe 10 bis 30 cm auseinander, bei 20 bis 60 cm Reihenabstand.
- Die Keimung dauert 7 bis 21 Tage; so lange hältst du das Saatbett feucht, ohne es zu vernässen.
- Chicoréewurzeln treibst du in völliger Dunkelheit bei 12 bis 18 °C.

Bei Zichorie fällt die wichtigste Entscheidung vor der ersten SaatrilleEine Saatrille ist eine flache, gerade Furche im feinkrümeligen Saatbett, in die du Samen in einer Reihe säst. Nach der Aussaat schiebst du sie wieder zu und drückst die Erde an.: Willst du Blätter, Treibsprosse oder die Wurzel ernten? Davon hängen Aussaatzeit, Saattiefe und Düngung ab. Ich plane mein Zichorienbeet deshalb immer vom Kulturziel her. Diese Anleitung führt dich von der Bodenvorbereitung bis an die Ernte heran, mit besonderem Blick auf Wurzelzichorie und Treibchicorée.
Welche Zichorie willst du ernten?
Alle Gartenzichorien gehören zur Art Cichorium intybus. Die Wildform ist die Wegwarte, botanisch zählt die Art zu den Korbblütlern. Im Garten unterscheidest du zwei Kulturziele: die Nutzung der Blätter oder Treibsprosse und die Nutzung der Wurzel. Daraus ergeben sich drei Gruppen, die du getrennt planst.
- Blattzichorien wie Radicchio, Zuckerhut, Zichoriensalat oder Catalogna erntest du als Blattgemüse direkt aus dem Beet.
- Treibchicorée wächst zuerst im Beet heran. Später treibst du seine Wurzeln im Dunkeln und erntest die Sprosse, die dabei austreiben.
- Wurzelzichorie baust du für die Wurzel selbst an. Geröstet dient sie als Kaffeeersatz.
Wurzelzichorie und Chicorée sind dasselbe? Beide gehören zur selben Art, du baust sie aber für verschiedene Kulturziele an. Beim Treibchicorée geht es um die Sprosse, bei der Wurzelzichorie um die Wurzel selbst. Wähle dein Saatgut deshalb nach dem Ziel und nicht nur nach dem Artnamen.
Standort und Boden vorbereiten
Gib deiner Zichorie einen Platz in voller Sonne. Der Boden sollte nährstoffreich und gut durchlässig sein. Kalk-, Lehm- und Sandböden kommen infrage. Beim pH-Wert ist die Art tolerant und verträgt saure, neutrale und alkalische Böden.
Ob du kalkst, entscheidest du deshalb nicht nach einem Pauschalwert, sondern nach einer Bodenprobe. Maßgeblich sind die Bodenart und der gemessene pH-Wert. Liegt er schon oberhalb des Zielbereichs, kalkst du nicht.
Schweren Boden bearbeitest du erst, wenn er abgetrocknet ist und nicht mehr an Schuhen oder Spaten klebt. Dann lockerst du das Beet mit der Grabgabel. Vermutest du eine verdichtete Schicht, stich mit einer spitzen Metallstange in den feuchten Boden und spür nach, wo der Widerstand zunimmt. Als allgemeine Faustzahl kannst du im Frühjahr etwa 3 l vollständig verrotteten Kompost je m² oberflächlich einarbeiten. Zeigt die Bodenprobe stark überhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, schränkst du die Gabe ein.
Deine Bodenart findest du mit der Fingerprobe heraus. Nimm leicht feuchte Erde in die Hand und form sie: Sandboden zerfällt dabei, toniger Boden klebt an den Händen und lässt sich ausrollen.
Zichorie im Hochbeet und im Topf
Auch das Hochbeet ist ein passender Anbauort, und im Topf lässt sich Zichorie ebenfalls ziehen. Nimm dafür ein möglichst großes Gefäß, denn mehr Erdvolumen speichert mehr Wasser und erlaubt längere Abstände zwischen den Wassergaben. In torffreier Topferde prüfst du die Feuchte vor dem Gießen mit dem Finger, auch unterhalb der Oberfläche, weil diese schneller austrocknet.
Fruchtfolge: Anbaupause einplanen
Zwischen Zichorienkulturen auf derselben Fläche hältst du 3 bis 4 Jahre Anbaupause ein und zählst Chicorée, Radicchio und Endivien dabei mit. Günstige Einflüsse zwischen Beetnachbarn sind schwer nachzuweisen, deshalb plane ich vor allem jede Pflanze mit ihrer endgültigen Größe ein. Wie du Anbaupausen im ganzen Wurzelbeet ordnest, steht im Abschnitt über Fruchtfolge und Mischkultur im Wurzelgemüse-Ratgeber; mögliche Nachbarn schlägst du im Mischkultur-Werkzeug für Beetnachbarn nach.
Wann du Zichorie säst
Der Termin richtet sich nach dem Kulturziel. Für die Art insgesamt liegt die Aussaatzeit im Juni und Juli.
Treibchicorée säst du im Fenster der Art. Passe den Termin an die Witterung bei dir an. In klimatisch ungünstigen Lagen säst du später als in Weinbaulagen. Rechne von der Aussaat bis zur Ernte mit einer Kulturdauer von 90 bis 168 Tagen.
Saattermin und Nutzungsform jeder Reihe halte ich im Beetplaner für Reihen und Termine fest. Welche Monate für die übrigen Arten in deinem Wurzelbeet passen, zeigt dir der Aussaatkalender fürs Wurzelbeet zum Ausdrucken.
Ich schreibe Nutzungsform und Saatdatum zusätzlich auf das Reihenschild. So sehe ich beim Jäten, welche Reihe Blätter liefert und welche Wurzeln später in die Treiberei gehen.
Direkt säen: Saatbett, Tiefe, Keimung
Das Saatbett
Ebne das gelockerte Beet mit dem Rechen ein. Weil Zichorie bis zu 21 Tage zum Keimen brauchen kann, lohnt sich ein falsches Saatbett, das das erste aufgelaufene Unkraut schon vor der Saat abräumt. Dafür bereitest du das Beet zwei bis vier Wochen vor der Aussaat vor. Das aufgelaufene Unkraut entfernst du vor der Saat nur oberflächlich.
Ist der Unterboden vor der Saat sehr trocken, gib 1 bis 2 Tage vorher 15 bis 20 l Wasser je m². Danach hältst du das Saatbett während QuellungQuellung ist die Wasseraufnahme eines trockenen Samens und der erste Schritt der Keimung. Der Same schwillt dabei an, bis der innere Druck die Samenschale öffnet und die Keimwurzel austreten kann. und Keimung feucht, ohne es zu vernässen.
So tief säst du
Zichorie ist kein Lichtkeimer, die Samen gehören also unter die Erde. Wie tief, hängt von der Form ab:
| Form | Saattiefe |
|---|---|
| Wurzelzichorie (Spanne der Art) | 0,5 bis 2 cm |
| Radicchio und Zichoriensalat | etwa 1 bis 2 cm |
| Zuckerhut | je nach Saatgut verschieden, teils etwa 0,5 bis 1 cm |
| Treibchicorée | 2 bis 3 cm |
Beim Zuckerhut unterscheiden sich die Angebote, halte dich deshalb an die Angabe auf der Tüte. Nach der Saat drückst du die Erde leicht an.
Hast du noch Saatgut vom Vorjahr, mach vor der Aussaat eine KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt.. Bring eine abgezählte Menge Samen feucht zum Keimen und beobachte sie 2 bis 3 Wochen lang. Keimen nur wenige, säst du dichter oder nimmst frisches Saatgut.
Keimung und Abstand
Die Samen brauchen 7 bis 21 Tage bis zur Keimung. Sobald die Sämlinge stehen, vereinzelst du sie in der Reihe. Innerhalb der Abstandsspanne planst du jede Pflanze mit ihrer endgültigen Größe ein.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Keimdauer | 7 bis 21 Tage |
| Mindesttemperatur für die Keimung | 14 bis 18 °C |
| Höchsttemperatur für die Keimung | 20 bis 25 °C |
| Empfohlene Keimtemperatur für Zichoriensalat und Zuckerhut | 16 bis 20 °C |
| Abstand in der Reihe nach dem VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. | 10 bis 30 cm |
| Reihenabstand | 20 bis 60 cm |
| Wuchsbreite der Pflanze | 20 bis 40 cm |
Wurzelzichorie: der Ablauf im Überblick
Wurzelzichorie baust du für die Wurzel selbst an. Du säst sie direkt an ihren Platz und begleitest sie dann mit Gießen und Jäten bis zur Ernte.
Wurzelzichorie säen
- Saatgut für Wurzelzichorie gewählt, nicht für Treibchicorée oder Blattformen
- Platz in voller Sonne, Boden nährstoffreich und gut durchlässig
- direkt im passenden SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. gesät, 0,5 bis 2 cm tief und mit Erde bedeckt
- Saatbett bis zur Keimung feucht gehalten, ohne es zu vernässen
- Sämlinge in der Reihe auf 10 bis 30 cm vereinzelt, Reihen 20 bis 60 cm auseinander
Blattzichorien vorziehen
Blattzichorien kannst du direkt säen oder in Töpfen vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus.. Für die Anzucht nimmst du torffreie Aussaaterde, die nährstoffarm, feinkörnig und locker ist. Spätestens nach 4 Wochen kommen die Jungpflanzen ins Beet, und zwar nur ausreichend große. Vorher härtest du sie schrittweise ab: Bei gutem Wetter stehen sie zunächst zeitweise geschützt draußen. Wurzelzichorie ziehst du dagegen nicht vor, sie kommt als Saat direkt an ihren Platz.
Pflege: gießen, jäten, düngen
Gießen
Zichorie braucht frischen, aber nicht nassen Boden. In trockeneren Gegenden gießt du bei Bedarf zusätzlich und sorgst zugleich für guten Wasserabzug. Gib dann eine Gabe, die bis in die Wurzelzone reicht.
Als allgemeine Orientierung für Gemüse gelten etwa 10 bis 20 l Wasser je m², wenn die Wurzelzone in ungefähr 10 bis 20 cm Tiefe erreicht werden soll. Beim langsamen Gießen verteilst du diese Gabe auf mindestens 2 Stunden, damit das Wasser einsickern kann.
Jäten
Halte die Reihen unkrautfrei. Ich jäte dicht an den Pflanzen mit der Hand und hacke zwischen den Reihen nur flach.
Düngen
Für Blattzichorien wie Catalogna in dauerhaften Salatbeständen gilt zusätzliche Düngung in der Regel als nicht nötig. Das gilt nicht bei nachgewiesenem Nährstoffmangel: Eine Bodenuntersuchung zeigt dir, ob Kalk und Nährstoffe fehlen oder im Überschuss vorhanden sind. Die Düngermenge richtest du dann nach dem Vorrat im Boden, der Angabe auf dem Dünger und dem Kompost, den du schon gegeben hast. Beim Treibchicorée kommt es zusätzlich auf den Stickstoff an, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Blattläuse im Blick
Findest du Blattläuse an deiner Zichorie, schau zuerst nach ihren Gegenspielern. Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen können einem Befall entgegenwirken. Blühende Korb- und DoldenblütlerDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. in Beetnähe fördern Schwebfliegen, deren Larven zu den natürlichen Gegenspielern der Blattläuse gehören.
Treibchicorée: vom Beet in die Dunkelheit
Beim Treibchicorée geht die Kultur nach dem Beet weiter. Die Wurzeln wachsen zuerst im Beet heran, danach treibst du sie in völliger Dunkelheit bei 12 bis 18 °C. Für gute Sprosse zählt aber schon die Zeit im Beet, denn überhöhte Stickstoffgaben verschlechtern die Treibqualität.
Gartenkompost enthält durchschnittlich 1 % Stickstoff, Hornspäne, Horngrieß und HornmehlHornmehl ist fein gemahlenes Horn, das als organischer Stickstoffdünger verwendet wird. Es gibt den Stickstoff im Boden nach und nach frei, aber schneller als die gröberen Hornspäne. dagegen 10 bis 14 %. Weil überhöhte Stickstoffgaben die Treibqualität verschlechtern, prüfe ich beim Treibchicorée erst die Bodenprobe, bevor ich zu Horn greife.
Wie du die Wurzeln bis zum Treiben lagerst und die Sprosse erntest, findest du im Ernte- und Lagerbeitrag, den ich dir im nächsten Abschnitt verlinke.
Ernte und Lagerung in Kürze
Im Beet erntest du Zichorie je nach Nutzungsform zwischen Juni und November. Wurzeln gräbst du nur aus ungefrorenem Boden aus, weil sie sonst abbrechen können. Woran du den Erntezeitpunkt jeder Form erkennst und wie Blätter, Sprosse und Wurzeln frisch bleiben, liest du im Beitrag wie du Zichorie erntest und lagerst.
Küche und Kaffeeersatz in Kürze
Blattzichorien isst du roh als Salat oder gegart, Chicoréesprosse ebenso. Mehr zu roh und gegart findest du in der Wurzelgemüse-Übersicht im Abschnitt Küche. Die geröstete Wurzel hat als Kaffeeersatz eine lange Geschichte. Dafür werden die Wurzeln gewaschen, geschnitten, getrocknet, geröstet und gemahlen. Wie du dabei vorgehst, zeige ich dir im Beitrag wie du aus Zichorienwurzeln Kaffeeersatz machst.


