Kamillentee selbst gemacht: von der Blüte zur Tasse – Ernte, Trocknung und Aufguss
- Blütenköpfe zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen pflücken, am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist.
- Blüte und Ernte liegen zwischen Juni und September; die Blütenbildung beginnt ab Mitte Mai und läuft bis zum Frost.
- Luftig und schattig trocknen, schonend bis etwa 45 °C; fertig sind die Blüten, wenn sie beim Anfassen rascheln.
- Luftdicht, lichtgeschützt und trocken lagern und innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.
- Mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, mindestens fünf Minuten ziehen lassen und nicht über Stunden stehen lassen.
- Kamille ist ein Lebensmittel, keine Medizin – wer auf andere Korbblütler allergisch reagiert, kann auch auf Kamille reagieren.

Ein Beet voller weißer Körbchen im Juli, ein Sieb voll Blüten im Sommer – und im Winter schmeckt der Tee daraus nach wenig. Ob dein Kamillentee Aroma hat, entscheidet sich selten in der Tasse, sondern am Erntetag, beim Trocknen und im Vorratsglas. Ich pflücke meine Kamille deshalb erst am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, und lege die Köpfchen direkt in ein flaches Sieb statt in einen Beutel. Wie du von der Blüte bis zum Aufguss vorgehst, steht hier Schritt für Schritt – den Anbau selbst gibt es nur im Anriss.
Kurz zum Anbau: was der Tee vom Beet braucht
Für guten Tee brauchst du vor allem viele Körbchen, und die bekommst du mit wenig Aufwand. Kamille steht sonnig bis halbschattig und ist als mittelzehrend eingestuft – üppige Stickstoff- und Wassergaben gelten bei Kräutern trotzdem als Aromakiller. Welche Kräuter Sonne und Trockenheit wollen und welche gleichmäßige Feuchte, liest du in den zwei Kräuter-Welten und den Pflegegrundsätzen des Kräuter-Ratgebers.
Gesät wird direkt ins FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. von März bis Juni; die feinen Samen sind LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte., du drückst sie nur an und bedeckst sie nicht mit Erde. Sie keimen bei 10 bis 20 °C in 7 bis 15 Tagen. Als DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. in Reihen passen 15 cm Abstand in der Reihe und 30 cm Reihenabstand; nach der Kamille hält das Beet eine AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von 5 Jahren, und Ringelblume und Estragon gelten als unverträgliche Nachbarn. Gießen, Jäten und alles Weitere im Kamillenjahr findest du bei Anbau und Pflege der Kamille im Garten.
Ernten: der Tag entscheidet mit
Die Blütenbildung beginnt ab Mitte Mai und setzt sich bis zum Frost fort; die Hauptzeit für Blüte und Ernte liegt zwischen Juni und September. In diesem Fenster gehst du nicht einmal, sondern immer wieder durchs Beet, denn das einzelne Körbchen wird zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen geerntet.
Pflücke am Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist, und nur an trockenen Tagen: Nasse Blüten trocknen schlecht nach und können schimmeln. Für Tee nimmst du nur die Blütenköpfe, ohne Stängel und Blatt. Ich streife sie mit Daumen und Zeigefinger ab und lasse sie lose im Sieb liegen, damit nichts gequetscht wird.
Ein Kamillen-Körbchen wird zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen geerntet. Weil im Beet laufend neue Blüten aufgehen, ist die Kamillenernte kein einzelner Termin, sondern eine Runde, die du über den Sommer wiederholst.
Mit dem ersten Frost ist die Saison vorbei: Kamille ist nicht winterhart, das Beet wird abgeräumt und im nächsten Frühjahr neu bestellt.
Trocknen: luftig, schattig, schonend
Trocknen heißt bei Kamille: luftig und schattig, ohne direkte Sonne. Breite die Körbchen einlagig auf einem Tuch oder Sieb aus. Lufttrocknung gelingt an gut geschützten Orten mit mindestens 30 °C – im Wintergarten, auf dem Speicher oder an der Heizung. Ich lege meine Blüten auf ein Leinentuch auf dem Speicher und wende sie mit der flachen Hand, sobald die Oberseite trocken wirkt.
Wenn es schneller gehen muss, geht der Backofen: 40 bis 50 °C, Tür einen Spalt breit offen. Für Kamillenblüten gilt dabei: schonend bis etwa 45 °C – ein Ofenthermometer zeigt dir, ob dein Ofen die Temperatur wirklich hält.
Die Blüten in die Sonne legen oder den Ofen hochdrehen, damit es schneller geht. Arznei- und Gewürzpflanzen werden zur Schonung der Inhaltsstoffe nur bei 40 bis 60 °C getrocknet, Kamillenblüten schonend bis etwa 45 °C – und immer im Schatten.
Fertig sind die Blüten, wenn sie beim Anfassen rascheln. Wie lange das dauert, hängt von Raum, Wetter und Schichtdicke ab; prüfe lieber mit den Fingern als mit dem Kalender. Fällt die Ernte größer aus oder willst du mehrere Chargen parallel führen, hilft dir der Artikel dazu, wie du Kamillenblüten trocknest und lagerst, wenn die Menge wächst.
Lagern bis zur Tasse
Erst wenn wirklich jedes Körbchen raschelt, kommen die Blüten ins Glas. Gelagert wird luftdicht, lichtgeschützt und trocken; verschlossene Gefäße prüfst du regelmäßig auf Schimmel, denn ein einziges feuchtes Körbchen kann den ganzen Vorrat verderben.
Verbrauche getrocknete Kräuter innerhalb von 12 Monaten, weil sie bei längerer Lagerung Geschmack und Aroma verlieren. Ich schreibe das Erntedatum auf jedes Glas und stelle das älteste nach vorn ins Regal.
Blüten rascheln beim Anfassen · Glas luftdicht und lichtgeschützt · Lagerort trocken · Erntedatum auf dem Deckel · regelmäßig auf Schimmel prüfen · innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.
Ein Glas, das beim Öffnen muffig riecht oder Schimmel zeigt, wird entsorgt – daran lässt sich nichts retten.
Aufgießen: so kommt das Aroma in die Tasse
Kräutertee wird mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen und zieht mindestens fünf Minuten. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern Hygiene: Auf getrockneten Blüten können in seltenen Fällen Keime sitzen, die so sicher abgetötet werden – wichtig vor allem, wenn Säuglinge, kleine Kinder oder Kranke den Tee trinken. Ich decke Tasse oder Kanne beim Ziehen ab und gieße erst nach der Ziehzeit ab.
Die Blütenmenge richtest du nach deinem Geschmack und passt sie beim nächsten Aufguss an. Aufgegossenen Tee trinkst du zeitnah und lässt ihn nicht über mehrere Stunden stehen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können.
Kamille hat als Teekraut eine lange Tradition, ist als Küchenkraut aber ein Lebensmittel und keine Medizin; bei Beschwerden ersetzt keine Tasse den ärztlichen Rat. Sie gehört zu den Korbblütlern, bei denen Kreuzreaktionen bekannt sind: Wer etwa auf Chrysanthemen, Arnika oder Schafgarbe allergisch reagiert, kann auch auf Kamille reagieren. Und getrocknete Blüten sind nicht nur für die Tasse gut – wie Kamille sonst noch in die Küche kommt, zeigt der Küchenartikel.




