Zitronenmelisse ernten und lagern: frisch, gefroren, getrocknet – und sicher in Öl
- Erntefenster Mai bis Oktober; für den Vorrat vor der Blüte schneiden, die etwa von Juni bis August dauert.
- Am Vormittag ernten, wenn der Tau abgetrocknet ist – nasses Laub trocknet schlecht und friert schlecht.
- Krautige Triebe bis auf wenige Zentimeter über der Erde abschneiden; die mehrjährige Staude treibt aus dem Horst nach.
- Einfrieren gehackt in Eiswürfelformen mit etwas Wasser oder Öl; eingefrorene Kräuter halten bis zu einem Jahr.
- Getrocknete Blätter luftdicht, lichtgeschützt und trocken lagern und innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.
- Kräuteröl und Pesto nie auf Vorrat ansetzen: Kühlschrank, Öl spätestens am Tag nach der Herstellung verbrauchen.

Ein Melissenhorst liefert im Sommer mehr Blätter, als du frisch verbrauchen kannst – und genau dann ist das Aroma am flüchtigsten. Wer die Triebe nach dem Schnitt in der Sonne liegen lässt oder feucht in eine Dose stopft, hat am Abend welkes, muffiges Laub. Ich schneide meine Melisse deshalb am Vormittag, lege die Triebe locker in einen flachen Korb und bringe sie sofort in den Schatten. Wie du den Schnitt setzt und was in den Stunden danach mit den Blättern passiert, entscheidet darüber, ob du im Winter noch zitronig duftendes Kraut im Glas hast.
Ernten: Zeitpunkt und Schnitt im Überblick
Zitronenmelisse erntest du von Mai bis Oktober, am Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus; für den Vorrat schneidest du vor der Blüte, die etwa von Juni bis August dauert, weil die Pflanze danach ihre Kraft in Blüte und Samen verschiebt. Ganze Triebe kappst du wie bei anderen krautigen Kräutern bis auf wenige Zentimeter über der Erde – die mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Staude treibt aus dem Horst wieder durch, für den Tagesbedarf reichen einzelne Blätter oder Triebspitzen. Alles Weitere zu Zeitpunkt, Technik und Qualitätsprüfung steht dort, wo es um den richtigen Erntezeitpunkt und die Schnitttechnik bei Zitronenmelisse geht.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein sonniger bis halbschattiger Platz mit feuchtem Boden; vor übermäßiger Winternässe schützen.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte feucht und gut durchlässig sein; die Pflanze vor übermäßiger Winternässe schützen.
- Anbauort
Die Kultur ist im Freiland oder Beet, im Gewächshaus und im Topf möglich.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Die Pflanze lässt sich durch Aussaat oder durch Teilung im Frühjahr beziehungsweise Herbst vermehren.
- Saattiefe
Die samen.liver angebotenen Sorten brauchen Licht zum Keimen, deshalb nicht mit Erde bedecken.
Pflege
- Pflege
Die Pflanze ist pflegeleicht.
- Düngung
Im Frühjahr und nach der Ernte sparsam düngen, um neue Blätter zu fördern. Überdüngung kann das Aroma verschlechtern.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Pflanze wächst buschig.
- Verwendung
Die Pflanze wird als Würzkraut, für Tee und als Heilpflanze verwendet.
Direkt nach dem Schnitt: sichten, säubern, vorbereiten
Lege die geernteten Triebe locker nebeneinander aus, nicht als Haufen. Gequetschte Blätter werden dunkel und geben ihr Aroma an die Nachbarn ab. Sortiere gelbe, fleckige oder angefressene Blätter gleich aus, damit sie nicht mit in den Vorrat wandern.
Waschen ist nur nötig, wenn Erde oder Staub sichtbar anhaften. Ich wasche nur Triebe, die wirklich verschmutzt sind, und tupfe sie danach mit einem Küchentuch trocken, weil nasses Laub weder gut trocknet noch gut friert. Für das Trocknen bleiben die Triebe ganz und werden gebündelt, für das Einfrieren streifst du die Blätter von den Stielen.
Geerntete Triebe in einer Plastiktüte in der Sonne stehen lassen. Die Blätter werden warm und feucht, welken und können muffig werden. Der Korb gehört sofort in den Schatten, die Weiterverarbeitung folgt am selben Tag.
Frisch aufbewahren für die nächsten Mahlzeiten
Frische Blätter, die du in Kürze verbrauchen willst, wickelst du locker in ein leicht feuchtes Küchentuch und legst sie in einer Dose oder einem offenen Beutel ins Gemüsefach. Sieh beim Öffnen des Kühlschranks nach, ob das Tuch noch feucht ist – trocknet es aus, welken die Blätter; ist es tropfnass, werden sie matschig.
Ganze Triebe hältst du auch bei Zimmertemperatur frisch. Ich stelle Melissenstiele wie einen Strauß in ein Glas Wasser und wechsle das Wasser, sobald es trüb wird. Welke, dunkle oder muffig riechende Blätter sortierst du aus, statt sie mitzuverarbeiten.
Trocknen: der kurze Überblick
Zitronenmelisse lässt sich getrocknet aufbewahren: gebündelt und kopfüber an einem luftigen Ort ohne direkte Sonne oder im Backofen bei etwa 40 bis 50 °C mit einen Spalt breit geöffneter Tür; fertig sind die Blätter, wenn sie beim Anfassen rascheln. Getrocknet lagerst du sie luftdicht, lichtgeschützt und trocken, prüfst verschlossene Gefäße regelmäßig auf Schimmel und verbrauchst den Vorrat innerhalb von 12 Monaten. Welche Methode wie viel Aroma bewahrt und wie du die getrocknete Ware lagerst, liest du im Beitrag zum aromaschonenden Trocknen von Zitronenmelisse.
Einfrieren: der Weg für das frische Aroma
Zitronenmelisse lässt sich auch einfrieren; eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Zwei Formen haben sich für Blattkräuter bewährt: gehackt und portioniert in Eiswürfelformen mit etwas Wasser oder Öl, oder ganze Blätter flach in einer Dose, aus der du einzelne Portionen herausbrechen kannst. Die Würfel gibst du direkt in warme Gerichte oder Getränke; für Salate taust du nur die Menge auf, die auf den Teller kommt.
Ich hacke die Blätter grob, drücke sie in Eiswürfelformen und gieße nur so viel Wasser darüber, dass sie bedeckt sind; die gefrorenen Würfel kommen anschließend in eine beschriftete Dose.
Was für alle Küchenkräuter beim Trocknen und Einfrieren gilt – welche Arten eher in den Froster und welche eher ans Trockengestell gehören – findest du im Abschnitt Ernten und Konservieren des Kräuter-Ratgebers.
Öl, Pesto, Essig: nur im Sicherheitsrahmen
Zitronenmelisse lässt sich auch eingelegt aufbewahren, und Kräuteröl oder Pesto mit Melisse klingt nach einem einfachen Vorrat. Genau hier gilt Sorgfalt vor Kreativität: In selbst angesetzten Kräuter- oder Gemüse-Zubereitungen in Öl kann der Sauerstoffabschluss die Vermehrung von Clostridium botulinum ermöglichen, und damit die Bildung der Nervengifte, die Botulismus auslösen. Nicht gesäuerte Pesto-Zubereitungen gelten nach dem österreichischen Botulismus-Merkblatt als mögliche Risikoprodukte.
Das BfR rät deshalb davon ab, selbst hergestellte Kräuter oder Gemüse in Öl im Privathaushalt auf Vorrat zu produzieren und zu lagern. Selbst angesetztes Kräuteröl gehört in den Kühlschrank und wird spätestens am Tag nach der Herstellung verbraucht; nicht erhitzte Zubereitungen wie Kräuter in Öl und Pesto dürfen nach dem Merkblatt nur bei bis zu 6 °C gelagert werden. Setze also nur an, was du gleich verbrauchst – der Vorrat läuft über den Froster, nicht über das Ölglas.
Kräuteröl und Pesto sind Frischware. Kein Vorratsglas im Schrank, kein Rezept mit Haltbarkeitsversprechen, keine Zubereitung für den Verzehr ohne ausreichendes Erhitzen auf Vorrat. Kühlen und zügig verbrauchen.
Verwenden: frisch, getrocknet, als Tee
Frische Blätter gibst du erst kurz vor dem Servieren zu Salaten, Obst, Desserts, Wasser und Sommergetränken, weil das Aroma beim Erhitzen und Stehen verfliegt. Getrocknete Blätter sind traditionell ein Teekraut und passen in Kräutermischungen für die Küche. Wie du Melisse frisch oder getrocknet zu einem aromatischen Tee aufbrühst, zeigt der Beitrag zum Zitronenmelissen-Tee.
Was der Horst nach dem Schnitt braucht
Zitronenmelisse ist schwachzehrend und im Beet eine DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst.: Kompost zum Start genügt vielen Kräutern für die ganze Saison, wöchentlicher Dünger nach jedem Schnitt ist nicht nötig und macht das Kraut eher weich. Gegossen wird an den Fuß der Pflanze statt über das Blatt, damit das Laub trocken bleibt. Beim Gießen kontrolliere ich, ob aus dem Horst frische Triebe nachschieben, und schneide erst wieder, wenn sie kräftig stehen.
Die Staude wird etwa 20 bis 90 cm hoch und steht als frei wachsende Pflanze im Beet mit 20 cm Abstand in der Reihe und 40 cm Reihenabstand; als etablierte Pflanze überwintert sie im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle.. Mehr zu Gießen, Düngen und der Ernte als Pflegemaßnahme steht im Kräuter-Ratgeber unter Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß.





