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Düngen mit Tierdung: scharfer Mist, Reifezeit, Horn und Schafwolle

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Frischer Hühnermist enthält im Durchschnitt 1,7 % Stickstoff und damit mehr als Pferde- oder Rindermist.
  • Mist für den Garten sollte mindestens ein Jahr gelagert haben, einen Hygienenachweis ersetzt das nicht.
  • Horndünger enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff, fein vermahlenes Hornmehl wird schneller umgesetzt als grobe Späne.
  • Schafwollgranulat setzte im Pelargonienversuch seinen Stickstoff für die kurze Kulturzeit zu langsam frei.
  • Nährstoffe aus Mist zählen mit, wenn du zusätzlich düngst.
Misthaufen aus Stallmist als organischer Naturdünger
Foto: Antranias · Pixabay Content License · Quelle ↗

Mist vom Reitstall oder aus dem Hühnerstall bringt Stickstoff und organische Masse ins Beet. Frisch ausgebracht kann er aber empfindliche Wurzeln angreifen und mehr Stickstoff liefern, als deine Kultur braucht. Bevor ich Mist abhole, frage ich deshalb zwei Dinge: Von welchem Tier stammt er, und wie lange liegt der Haufen schon?

Tierdung ist dabei nicht gleich Tierdung. Pferd, Rind und Huhn liefern Mist mit unterschiedlichem Stickstoffgehalt, und Hornspäne oder Schafwolle enthalten noch einmal deutlich mehr. Wie scharf welcher Dung ist, wie lange er reifen sollte und wofür sich Horn und Wolle eignen, erkläre ich dir hier der Reihe nach.

Was heißt scharfer Mist?

Als scharf bezeichnen Gärtner frischen, unverrotteten Tierdung, der empfindliche Pflanzenwurzeln angreifen kann. Wie scharf ein Mist ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Seine Nährstoffgehalte schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil, sodass jeder Haufen etwas anders ausfällt. Einen Anhaltspunkt gibt der durchschnittliche Stickstoffgehalt der Tierart.

Kurz erklärt

Mist, Horn und Schafwolle sind organische Dünger. Organisch gebundene Nährstoffe müssen im Boden erst mineralisiert werden, bevor Wurzeln sie aufnehmen können. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe wird dabei wenig bis gar nichts frei, feuchtwarme Bedingungen ermöglichen eine stärkere Freisetzung.

Tierdung im Vergleich: Mist, Horn und Schafwolle

Die Werte sind Durchschnitte oder typische Spannen. Für den Haufen vor deiner Tür sind sie eine Orientierung, kein Messergebnis.

Dünger Stickstoff Wie schnell er wirkt Gut zu wissen
Pferdemist etwa 0,4 % Gesamtstickstoff als Durchschnittswert muss im Boden erst mineralisiert werden einzelne Chargen können abweichen; kann Bodenstruktur und Bodenleben verbessern
Rindermist etwa 0,5 % Gesamtstickstoff als Durchschnittswert muss im Boden erst mineralisiert werden einzelne Chargen können abweichen; kann Bodenstruktur und Bodenleben verbessern
Frischer Hühnermist 1,7 % Stickstoff als Durchschnittswert muss im Boden erst mineralisiert werden höchster Stickstoffwert der drei Mistarten
Hornmehl typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff vollständige Umsetzung in etwa 6 Wochen fein vermahlen, nicht sofort vollständig pflanzenverfügbar
Hornspäne typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff Umsetzung über mehrere Monate gröber als Hornmehl
Schafwollgranulat 10 % Stickstoff im Pelargonienversuch im Versuch für die kurze Kulturzeit zu langsam reines Granulat, tierischer Rohstoff

Frischer Hühnermist liegt beim Stickstoff klar über Pferde- und Rindermist. Wer ihn mit derselben Gabel verteilt wie Pferdemist, bringt also deutlich mehr Stickstoff aus, und ein hohes Stickstoffangebot im Boden kann die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Das ist kein Grund, auf eigenes Gemüse zu verzichten, wohl aber einer, bedarfsgerecht zu düngen.

Ich nehme die Durchschnittswerte als Orientierung und frage beim Abholen nach Fütterung und Nässe des Mists. Worin sich Pferde- und Rinderdung in Struktur und Bodenwirkung unterscheiden und welcher zu deinem Boden und deinen Kulturen passt, klärt ein eigener Ratgeber.

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Wie lange muss Mist reifen?

Für die Gartendüngung wird Mist empfohlen, der mindestens ein Jahr gelagert hat. Diese Empfehlung gilt für Pferde- und Rindermist ebenso wie für Hühnermist. Ich mache dabei keinen Unterschied zwischen den Tierarten.

Achtung

Mindestens ein Jahr Lagerzeit ist eine Empfehlung zur Reife, kein Hygienenachweis. Auch im Gartenkompost sterben Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil ausreichende Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden.

Marias Erfahrung

An meinem Misthaufen steckt ein Holzschild mit dem Monat, in dem zuletzt frischer Mist dazukam. Ab diesem Datum zähle ich die Lagerzeit, nicht ab dem ersten Eimer.

Mythos-Check

„Pferdemist ist so mild, dass er frisch im Herbst aufs Beet darf.“ Die Empfehlung, Mist für den Garten mindestens ein Jahr zu lagern, nimmt Pferdemist nicht aus. Auch der Herbst passt schlecht: Auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die freigesetzten Nährstoffe auf, also können sie ausgewaschen werden. Im Garten ist deshalb eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung möglichst vorzuziehen.

Woran du reifen, einwandfreien Pferde- und Rindermist erkennst, zeigt ein eigener Ratgeber.

Du kannst Mist auch zusammen mit anderem Gartenmaterial kompostieren. Dann gelten die Regeln für jeden Kompost: ein geschützter Platz, ein ausgewogenes Ausgangsmaterial und eine Reifeprüfung vor dem Ausbringen. Wie du Kompost anlegst, pflegst und auf Reife prüfst, steht im Überblick zu Düngen, Boden und Kompost.

Hornspäne und Schafwolle: viel Stickstoff, langsame Freigabe

Horn und Schafwolle bringen ihren Stickstoff auf viel kleinerem Raum mit als Mist. Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff. Sofort pflanzenverfügbar ist davon nicht alles. Wie schnell der Stickstoff ankommt, hängt an der Körnung: Fein vermahlenes Hornmehl wird schneller umgesetzt als gröbere Hornspäne.

Für die vollständige Umsetzung von Hornmehl im Boden rechnest du mit etwa 6 Wochen. Gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Ich lese deshalb auf der Packung nach, ob Mehl, Grieß oder Späne drin sind, bevor ich den Düngetermin plane.

Schafwolle wird als Granulat oder in Pellets ebenfalls als Stickstoffdünger angeboten. In einem Pelargonienversuch enthielt reines Schafwollgranulat 10 % Stickstoff. Für die kurze Kulturzeit setzte die Wolle diesen Stickstoff aber zu langsam frei. Bei Horn und Wolle lohnt deshalb der Blick darauf, wie lange deine Kultur steht: Horn ist nicht sofort vollständig verfügbar, und die Wolle war im Versuch für eine kurze Kultur zu langsam.

Bei Mist kommt etwas anderes dazu: Er kann neben der Nährstoffzufuhr auch Bodenstruktur und Bodenleben verbessern. Organische Dünger sind übrigens nicht automatisch vegan, denn sie können tierische Rohstoffe wie Horn und Schafwolle enthalten.

Wohin der Mist gehört und was du anrechnest

Tierdung gehört zu Kulturen, die viel Stickstoff brauchen. Tomaten haben zum Beispiel einen höheren Stickstoffbedarf als Erbsen und Bohnen. Buschbohnen können mithilfe von Knöllchenbakterien sogar Luftstickstoff nutzen. Bei Lavendel können stark stickstoffhaltige Dünger und Mist dagegen zu weichem, instabilem Wuchs führen. Welche Beete du für Starkzehrer vorsiehst, planst du mit dem Beetplaner, der Zehrer-Einstufung und Anbaupausen berücksichtigt.

Nährstoffe aus Mist und Kompost zählen mit, wenn du zusätzliche Düngung berechnest. Auch organische Dünger lassen sich in zu hoher Menge ausbringen. Bei Obstgehölzen kann zusätzlicher Volldünger neben Kompost oder verrottetem Mist zu Überdüngung und einseitiger Nährstoffanreicherung führen. Ich trage deshalb jede Mistgabe mit Datum und Beet in mein Gartenheft ein.

Eine Standard-Bodenuntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH liefert keinen Nmin-Wert. Den Stickstoffvorrat im Boden lässt du gesondert bestimmen, wenn du ihn genau kennen willst.

Wie viel Pferde- oder Rinderdung aufs Beet kommt, wie du ihn einarbeitest und welche Fehler dabei passieren und wie du sie behebst, steht im Ratgeber zum richtigen Einsatz. Wie du Mist mit Kompost, Gründüngung und Mineraldünger kombinierst und was Bodenanalyse und Düngerecht dabei vorgeben, erklärt ein weiterer Ratgeber.

Mini-Checkliste

Bevor Tierdung aufs Beet kommt:

  • Der Mist hat mindestens ein Jahr gelagert.
  • Du weißt, von welchem Tier er stammt; frischer Hühnermist bringt deutlich mehr Stickstoff mit als Pferde- oder Rindermist.
  • Auf dem Beet steht eine Kultur mit hohem Stickstoffbedarf.
  • Kompost und andere Dünger dieser Saison hast du mitgerechnet.
  • Der Boden ist feucht, damit die Nährstoffe unmittelbar wirken können.

Häufige Fragen

Was ist beim Düngen mit Tierdung zu beachten?
Die Nährstoffgehalte von Mist schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil, Durchschnittswerte sind deshalb nur eine Orientierung. Für die Gartendüngung wird Mist empfohlen, der mindestens ein Jahr gelagert hat, wobei diese Lagerdauer keinen Hygienenachweis ersetzt. Nährstoffe aus Mist rechnest du an, bevor du zusätzlich düngst. Im Garten ist eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung möglichst vorzuziehen, weil so weniger Nährstoffe ausgewaschen werden.
Wie viel Stickstoff steckt in Pferde-, Rinder- und Hühnermist?
Pferdemist enthält als Durchschnittswert etwa 0,4 % Gesamtstickstoff. Rindermist kommt im Durchschnitt auf etwa 0,5 % Gesamtstickstoff. Frischer Hühnermist liegt mit durchschnittlich 1,7 % Stickstoff deutlich darüber. Einzelne Chargen können abweichen, weil Tierart, Fütterung und Wasseranteil die Gehalte verändern.
Was bedeutet scharfer Mist?
Als scharf gilt frischer, unverrotteter Tierdung, der empfindliche Pflanzenwurzeln angreifen kann. Frischer Hühnermist bringt im Durchschnitt mehr Stickstoff mit als Pferde- oder Rindermist. Für die Gartendüngung wird Mist empfohlen, der mindestens ein Jahr gelagert hat. Einen Hygienenachweis ersetzt diese Lagerdauer nicht.
Wie unterscheidet sich Pferdedung von Hornspänen als Langzeitdünger?
Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff und damit weit mehr als Pferdemist. Grobe Hornspäne brauchen mehrere Monate, bis sie im Boden umgesetzt sind, fein vermahlenes Hornmehl geht schneller. Pferdemist kann dafür neben der Nährstoffzufuhr auch Bodenstruktur und Bodenleben verbessern. Für den Garten sollte er mindestens ein Jahr gelagert haben.
Was leisten Schafwolle-Pellets im Vergleich zu Stalldung?
Reines Schafwollgranulat enthielt in einem Pelargonienversuch 10 % Stickstoff, deutlich mehr als Pferde- oder Rindermist. Im selben Versuch setzte die Wolle diesen Stickstoff für die kurze Kulturzeit aber zu langsam frei. Stalldung kann dagegen neben der Nährstoffzufuhr auch Bodenstruktur und Bodenleben verbessern. Vor der Gartendüngung sollte er aber mindestens ein Jahr gelagert haben.
Wie lagerst du Tierdung, und wann bringst du ihn am besten aus?
Für die Gartendüngung sollte Mist mindestens ein Jahr gelagert haben, einen Hygienenachweis ersetzt das aber nicht. Liegt er auf dem Kompostplatz, gehört dieser auf offenen, ebenen Boden, geschützt vor extremer Sonne, Dauerregen und Wind. Ausgebracht wird möglichst im Frühjahr statt im Herbst, denn auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die freigesetzten Nährstoffe auf, und sie können ausgewaschen werden.
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