Pferde- und Rinderdung kombinieren: mit Kompost, Gründüngung und Mineraldünger
- Kompost und Stallmist sind alternative Grundgaben: Eine Fläche bekommt das eine oder das andere.
- Rinder- oder Pferdestallmist sollte wegen der Phosphatzufuhr 3 kg je m² nicht überschreiten.
- Rinderdung-Pellets und Mist bringst du im Frühjahr auf feuchten Boden aus, nicht im Herbst auf leere Beete.
- Stickstoff aus Mist, Kompost und Gründüngung rechnest du an, bevor du Mineral- oder Horndünger ergänzt.
- Bei hoher Phosphatversorgung ergänzt du fehlende Nährstoffe einzeln statt mit einem weiteren NPK-Dünger.
- Die Düngeverordnung regelt vorrangig landwirtschaftliche Flächen; im Wasserschutzgebiet können örtliche Vorgaben gelten.

Wer Mist vom Reitstall holt, zusätzlich Kompost verteilt und dann noch Volldünger nach Packung streut, düngt dasselbe Beet schnell doppelt. Ich lege deshalb jedes Frühjahr zuerst fest, welches Beet welche Grundgabe bekommt, und rechne erst danach aus, was noch fehlt. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: Grundgabe wählen, Gründüngung und Bodenvorrat anrechnen, Lücken gezielt schließen.
Was Pferde- und Rinderdung in die Kombination einbringen
Stallmist besteht aus Kot und Harn der Tiere und aus Einstreu, meist Stroh. Kompostiert verbessert er die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben und gibt seine Nährstoffe langsam frei. Auf sandigen Böden kann Stallmist die Wasserhaltefähigkeit verbessern, auf schweren Lehmböden die Durchlüftung.
Organisch gebundene Nährstoffe müssen im Boden erst mineralisiert werden, bevor Wurzeln sie aufnehmen können, während Mineraldünger sie meist als Salze liefern. Wie sich beide Düngerarten unterscheiden und was Pflanzen an Nährstoffen brauchen, erklären die Abschnitte zu Nährstoffen und Düngerarten im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost. Was in Pferde- und Rindermist steckt und woran du reife Ware erkennst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Für die Planung zählt vor allem der Stickstoff. Sein Gehalt schwankt mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil, eine feste NPK-Zusammensetzung haben Pferde- und Rindermist deshalb nicht.
| Dünger | Stickstoffgehalt | Was du einplanst |
|---|---|---|
| Pferdemist | etwa 0,4 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. als Tabellenmittelwert, je nach Quelle 0,4 bis 0,57 % | setzt Stickstoff vergleichsweise langsam frei |
| Rindermist | etwa 0,5 % Gesamtstickstoff als Tabellenmittelwert, je nach Quelle 0,5 bis 0,6 % | einzelne Chargen können abweichen |
| Hornspäne, Horngrieß, Hornmehl | typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff | nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar |
Veröffentlichte Tabellenwerte ersetzen keine Untersuchung der konkreten Charge. Pferdemist und Pferdemistkompost sind außerdem keine schnell wirkenden Stickstoffdünger, eine hungrige Kultur versorgst du damit nicht kurzfristig.
Wann bringst du Rinderdung-Pellets und Mist aus?
Rinderdung-Pellets und abgelagerten Mist bringst du im Frühjahr aus, weil eine Herbstgabe eher ausgewaschen wird. Streu Pellets auf feuchten Boden und nicht auf nasse Blätter, abgelagerten Stallmist arbeitest du vor der Pflanzung flach ein. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Für Pellets gilt die Dosierung auf der Packung, gekürzt um das, was Mist oder Kompost auf demselben Beet schon liefern. Wie viel Dung du je nach Bodentyp und pH-Wert wann ausbringst und einarbeitest, vertieft ein eigener Ratgeber, und ob frischer, getrockneter oder pelletierter Dung zu deinen Kulturen passt, klärt ein weiterer.
Kompost oder Mist: eine Grundgabe pro Fläche
Kompost und Stallmist bringen beide organische Substanz und Nährstoffe ins Beet. Deshalb bekommt dieselbe Fläche das eine oder das andere als Grundgabe, nicht beides. Für Rinder- und Pferdestallmist gilt im Garten eine Obergrenze von 3 kg je m², damit nicht zu viel Phosphat zusammenkommt. Kompost wird bei Phosphat-Gehaltsstufe C bis E auf höchstens 3 l je m² und Gemüsekultur begrenzt, im Ziergarten gilt der Wert je Jahr. Beide Obergrenzen haben denselben Grund, die Phosphatzufuhr. Gibst du Mist und Kompost auf dasselbe Beet, addierst du also zwei Phosphatquellen, von denen jede ihren Rahmen schon allein ausschöpfen kann.
Abgelagerten Stallmist bekommen bei mir die Beete der Starkzehrer wie Kohl, Tomaten, Gurken oder Zuckermais. Die übrigen Gemüsebeete versorge ich mit Kompost. Eine jährliche Kompostgrundgabe von 3 l je m² deckt im Gemüsebeet den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf, liefert aber nicht automatisch genug verfügbaren Stickstoff. Welche Kultur als Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer gilt und wann ein Beet wieder an der Reihe ist, hältst du im Beetplaner mit Zehrer-Einstufung und Anbaupausen fest.
Ich führe im Gartenheft für jedes Beet eine Zeile mit Grundgabe, Gründüngung im Vorjahr und Datum der letzten Bodenprobe. Vor dem Ausbringen schlage ich nach, ob das Beet in diesem Jahr schon Kompost bekommen hat.
Gründüngung und Mist im Wechsel der Jahreszeiten
Auf leeren Beeten nimmt im Herbst keine Pflanze mehr die frei werdenden Nährstoffe auf, sie sind deshalb auswaschungsgefährdet. Eine Gründüngung auf abgeernteten Beeten bindet diese Nährstoffe und vermindert die Auswaschung. Überwinternde Einsaaten halten den Boden zudem durchwurzelt und schützen ihn vor Abschwemmung.
| Gründüngung | Zeitpunkt oder Dauer | Saatgut je m² |
|---|---|---|
| Winterroggen | späte Aussaat von Ende September bis Anfang Oktober | 20 g |
| Phacelia | Kulturdauer 6 bis 9 Wochen | 1 bis 3 g |
Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden mithilfe von Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff. Der Stickstoff, der beim Verrotten einer Gründüngung frei wird, zählt bei der Düngung der Folgekultur mit. Gibst du nach einer Leguminosen-Gründüngung im Frühjahr noch Mist, kommen also zwei Stickstoffquellen zusammen, und beide gehören in deine Rechnung.
Wähle die Gründüngung aus einer anderen Pflanzenfamilie als die Gemüsekultur davor und danach. Ich säe auf Beete, die im nächsten Frühjahr Mist bekommen sollen, nach der Ernte Winterroggen und vermerke das im Gartenheft. Mit dem Einarbeiten warte ich im Frühjahr, bis keine Erde mehr am Spaten haftet.
Stroh, Laub und Häcksel: Strukturmaterial an der richtigen Stelle
Stroh steckt als Einstreu schon im Stallmist. Frischen Mist setzt du mit Laub oder Häckselgut zu einem eigenen Haufen auf und lässt ihn rotten. Rechne mit mindestens 3 bis 4 Monaten Rotte. Besser liegt der Haufen 1 Jahr. Staple ihn höchstens 1 m hoch, weil sich im Inneren Wärme entwickelt.
Für das Ausgangsmaterial gilt ein Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von etwa 25:1 bis 35:1 als günstig. Ob die Mischung passt, verrät dir der Geruch. Riecht der Haufen nach Ammoniak, steckt zu viel nährstoffreiches Material darin, und du mischst Laub, Stroh oder Gehölzschnitt unter. Fauliger Geruch zeigt dagegen, dass er zu nass ist. Ich greife beim Umsetzen hinein und drücke eine Probe zusammen: Die Probe soll sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm. Reifer Mist ist mürbe und riecht meist angenehm.
Kompostzusätze brauchst du bei locker gemischtem Material normalerweise nicht, und Kalk behebt keinen Sauerstoffmangel. Eine lange Rotte ist trotzdem kein Hygienenachweis. Im Gartenkompost werden ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht, Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen sterben deshalb nicht zuverlässig ab.
Auf dem Beet wirkt dasselbe Material anders. Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch sind stickstoffarm und können beim Abbau Stickstoff binden. Mulchst du damit, planst du eine ergänzende Stickstoffversorgung ein. Stroh gleicht also im Misthaufen einen Überschuss an nährstoffreichem Material aus und kann auf dem Beet aus demselben Grund Stickstoff festlegen. Frische Holzhäcksel gehören bei jungen Obstgehölzen weder in den Pflanzlochaushub noch auf die BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg..
Für den Gemüsegarten sollte Stallmist mindestens 1 Jahr gelagert sein, eine Kompostierung mit Pflanzenresten ist zusätzlich empfehlenswert. Was passiert, wenn Dung zu frisch oder zu reichlich ins Beet kommt, steht im Ratgeber zu Fehlern mit unreifem oder überdosiertem Pferde- und Rinderdung und wie du die Folgen behebst.
Frischer Pferde- und Rindermist kann keimfähige Unkrautsamen, Tierarzneimittelrückstände und Krankheitserreger enthalten. Hol Pferdemist möglichst aus Haltungen, die du kennst, denn Angaben zu Behandlungen fehlen häufig. Trag beim Umgang mit Mist Handschuhe oder wasch dir danach gründlich die Hände, und wasch geerntetes Gemüse gründlich.
Mineraldünger: Lücken schließen statt nachlegen
Mineraldünger enthalten meist leicht lösliche Nährstoffe und decken einen kurzfristigen Bedarf rasch. Organisch-mineralische Volldünger verbinden schnell wirkende mineralische mit langsamer wirkenden organischen Bestandteilen. Beide ergänzen Mist sinnvoll, wenn sie nur den Anteil liefern, den Mist, Kompost, Gründüngung und Bodenvorrat nicht schon abdecken.
Aufs gemistete Beet kommt zusätzlich ein Volldünger in voller Packungsdosis. Die Packungsempfehlung setzt einen passend versorgten Boden voraus und gilt nicht unverändert neben Mist oder Kompost. Bei Obstgehölzen kann zusätzlicher Volldünger neben Kompost oder verrottetem Mist zu Überdüngung und einseitiger Nährstoffanreicherung führen.
Zeigt die Bodenanalyse viel Phosphat und fehlt Kalium oder Magnesium, nimmst du einen EinzelnährstoffdüngerEin Einzelnährstoffdünger enthält nur einen einzigen Pflanzennährstoff, zum Beispiel nur Stickstoff oder nur Kalium. Ein Mehrnährstoffdünger liefert dagegen mehrere Nährstoffe als Mischung. statt eines weiteren NPK-Düngers. Die Mist-Obergrenze ist bereits mit der Phosphatzufuhr begründet, ein phosphathaltiger Volldünger legt auf dem gemisteten Beet also noch mehr davon nach.
Fehlt Stickstoff, passen HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab., denn Horn liefert überwiegend Stickstoff und Schwefel und nur wenig Phosphor und Kalium. Fein vermahlenes Hornmehl wird im Boden in etwa 6 Wochen umgesetzt. Gröbere Hornspäne brauchen dafür mehrere Monate. Was Hornspäne und Schafwolle im Vergleich zu Tierdung leisten, zeigt ein eigener Ratgeber. Eine einzelne Stickstoffgabe sollte im Garten 10 g N je m² nicht überschreiten.
Wie viel Stickstoff noch fehlt, ergibt sich aus dem Bedarf der Kultur abzüglich des mineralischen Stickstoffs im Boden und der erwarteten NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab.. Nährstoffe aus Mist, Kompost und Gründüngung rechnest du dabei mit ein.
| Stickstoffbilanz am Beispiel | g N je m² |
|---|---|
| Bedarf der Kultur | 15 |
| abzüglich Bodenvorrat | 5 |
| abzüglich geschätzter Nachlieferung | 7 |
| verbleibender Düngebedarf | 3 |
Die Düngermenge in g je m² ist der Düngebedarf des Nährstoffs in g je m² mal 100, geteilt durch dessen Prozentgehalt im Dünger. Bei angenommenen 25 g Stickstoffbedarf je m² und einem Dünger mit 12 % Stickstoff ergeben sich so rechnerisch rund 208 g Dünger je m².
Nach dem Misten wird gekalkt, heißt es oft. Gekalkt wird aber nur, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Liegt er schon darüber, bringst du weder Kalk noch kalkhaltige Dünger noch Kompost aus.
Was die Bodenanalyse für die Kombination vorgibt
Eine Bodenuntersuchung ermittelt die pflanzenverfügbaren Nährstoffvorräte und ist die Grundlage für Auswahl und Menge jeder weiteren Düngung. Nimm die Probe im zeitigen Frühjahr vor der ersten Düngung, also bevor der Mist aufs Beet kommt; der späte Herbst vor der Bodenbearbeitung eignet sich ebenso. Wie du die Mischprobe ziehst, beschreibt der Abschnitt Boden kennen im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost.
Die Standarduntersuchung umfasst Phosphor, Kalium und pH-Wert, einen Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen. für den mineralischen Stickstoff liefert sie nicht. Den lässt du gesondert bestimmen, wenn du die Stickstoffbilanz für ein gemistetes Beet rechnen willst.
| Befund | Bedeutung | Folge für Mist und Ergänzung |
|---|---|---|
| Phosphat in Gehaltsstufe C bis E | Kompost höchstens 3 l je m² und Gemüsekultur, im Ziergarten je Jahr | Mist und Kompost nicht auf derselben Fläche kombinieren |
| Versorgungsstufe D für einen Nährstoff | nur 50 % des erwarteten Entzugs durch Düngung ersetzen | Nährstoffe aus Mist und Kompost auf diese Hälfte anrechnen |
| Versorgungsstufe E für einen Nährstoff | Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend auf 0 | andere Nährstoffe gesondert beurteilen und einzeln ergänzen |
| pH-Wert über dem Zielbereich | keine Kalkung | auch keine kalkhaltigen Dünger und keinen Kompost |
Was das Labor nicht zeigt, ist das BodengefügeDas Bodengefüge beschreibt, wie die festen Teilchen im Boden angeordnet sind und zusammenhalten, etwa lose als Einzelkörner oder zu Krümeln verklebt. Davon hängt ab, wie viele Hohlräume für Luft, Wasser und Wurzeln bleiben.. Eine Spatendiagnose beurteilt Gefüge, Verdichtungen, Feuchtigkeit und Wurzelbild und hilft, strukturelle Bodenprobleme einzuordnen. Ich steche dafür vor dem Misten an einer Stelle des Beets einen Spatenstich aus und schaue mir die Wand der Grube an.
Während du mit Mist und Ergänzungsdüngern nachsteuerst, ist ein Abstand von 2 bis 3 Jahren bis zur nächsten Untersuchung sinnvoll. Als allgemeines Intervall genügen 4 bis 5 Jahre.
Der Befund ist aktuell und wurde vor der Düngung genommen. Jedes Beet hat genau eine Grundgabe, Mist oder Kompost. Die Gründüngung des Vorjahres ist notiert. Die Herkunft des Pferdemists ist geklärt. Der restliche Stickstoffbedarf ist ausgerechnet, bevor ein Düngersack aufgeht.
Düngerecht und Umwelt: was im Hausgarten gilt
Die Düngeverordnung regelt vorrangig die Düngung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Andere Flächen erfasst sie nur, soweit sie das ausdrücklich bestimmt. Die Grenze von 170 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr betrifft organische und organisch-mineralische Dünger im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Betriebsflächen. Für ein einzelnes Gartenbeet taugt sie deshalb nicht als Maßstab, dort hilft dir die fachliche Obergrenze von 3 kg Rinder- oder Pferdemist je m².
Liegt dein Garten in einem Wasserschutzgebiet, können örtliche Schutzverordnungen oder behördliche Entscheidungen bestimmte Handlungen verbieten oder einschränken. Frag in diesem Fall bei der zuständigen Behörde nach, bevor du Mist ausbringst. Deinen eigenen Gartenkompost betrifft die Bioabfallverordnung nicht, weil Haus-, Nutz- und Kleingärten von ihrem Anwendungsbereich ausgenommen sind. Düngemittel- und Pflanzenschutzrecht bleiben davon unberührt.
Gärtnerst du biologisch, können die Regeln der ökologischen Landwirtschaft im privaten Selbstversorgergarten als Orientierung dienen. Zulässige Düngemittel und Bodenverbesserer samt ihren Beschränkungen listet Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165. Stallmist und kompostierter Stallmist dürfen nach dieser Liste nicht aus industrieller Tierhaltung stammen.
Was Pflanzen nicht aufnehmen, kann ausgewaschen werden, denn Nitrat halten die überwiegend negativ geladenen Bodenpartikel kaum fest. Übermäßige Phosphoreinträge fördern in Gewässern Algen und Wasserpflanzen, deren Abbau Sauerstoff verbraucht. Viel Stickstoff im Boden kann außerdem die Nitratanreicherung in Gemüse fördern; das spricht nicht gegen Gemüse, sondern für bedarfsgerechtes Düngen, wie es der Abschnitt Mangel und Überdüngung im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost beschreibt.
Drei Kombinationen aus der Praxis
Die Beispiele zeigen, wie die Bausteine auf typischen Gartenflächen zusammenkommen. Die Mengen richten sich jeweils nach Befund und Boden.
Gemüsebeet mit Starkzehrern
Nach der Ernte säst du auf das Beet Winterroggen, damit es über Winter durchwurzelt bleibt und weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Ich arbeite den Roggen im Frühjahr ein, sobald der Boden abgetrocknet ist. Danach kommt abgelagerter Stallmist vor der Pflanzung von Kohl, Tomaten oder Gurken flach in den Boden. Kompost bekommt dieses Beet im selben Jahr nicht. Den Stickstoff aus Gründüngung und Mist rechnest du an, und nur wenn die Bilanz danach noch einen Rest zeigt, ergänzt du mit Horndünger. Im Gemüsegarten setzt du Horndünger auch bei Herbstkulturen nicht später als Ende August ein.
Obstgehölze im Garten
Auch unter Obstbäumen bekommt die Fläche Kompost oder verrotteten Mist als Grundgabe, nicht beides. In der Kompostvariante erhalten kleinkronige Kern- und Steinobstbäume im Vollertrag jährlich 4 l Kompost auf der Baumscheibe. Diese bewuchsfreie Baumscheibe von etwa 1 m Durchmesser mindert die Konkurrenz der Gräser um Wasser und Nährstoffe. Stickstoff ergänzt du nach Bedarf, Hornmehl arbeitest du dafür Ende März bis Anfang April leicht ein. Nach Mitte Juli bekommen Obst- und Ziergehölze keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit ihre Triebe vor dem Winter ausreifen. Zu viel Stickstoff fördert bei Obstgehölzen starkes Triebwachstum zulasten von Blüten und Früchten und erhöht die Gefahr von Frostschäden an unausgereiftem Holz.
Ziergarten mit Stauden und Moorbeet
Prachtstauden können im Frühjahr 3 l Kompost je m² bekommen. Nimmst du für ein Staudenbeet lieber Mist, lässt du dort den Kompost weg. Polsterstauden und trockenheitsliebende mediterrane Stauden auf mageren Standorten bekommen keinen Kompost. Bei Lavendel können Mist und stark stickstoffhaltige Dünger zu weichem, instabilem Wuchs führen. Im Moorbeet gelten eigene Regeln: Kulturheidelbeeren sollten weder gewöhnlichen Kompost noch Stallmist erhalten, weil deren Kalkgehalt für den sauren Boden häufig zu hoch ist. Rhododendren und Azaleen bekommen keinen gewöhnlichen Gartenkompost. Heidelbeeren versorgst du stattdessen mit einem sauer wirkenden Dünger, etwa einem geeigneten Rhododendrondünger.
